Alberto Nessi - Nächste Woche, vielleicht

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'Ich heisse José, bin einunddreissig Jahre alt und Buchhändler in Lissabon. Ich bin lungenkrank und will die Welt verändern.' Mit diesen Worten stellt sich der Protagonist José Fontana im neusten Roman von Alberto Nessi vor. Er erzählt von seiner Kindheit im Tessin, von der Zeit als Uhrmacherlehrling in Le Locle und seiner Emigration nach Lissabon, wo er den Sozialismus in Portugal kennengelernt hat und zur historischen Buchhandlung Bertrand fand. Einmal mehr gelingt es dem Tessiner Schriftsteller Alberto Nessi, eine historische Figur zum Protagonisten seines Romans zu machen und mit der ihm eigenen Menschlichkeit dessen Geschichte zu erzählen. Die Auswanderung aus der Armut im Tessiner Tal ist ebenso Thema wie die Welten, die sich José in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts öffnen.

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Jetzt bin ich ein fahrender Künstler, ich porträtiere die besseren Herrschaften. Aber eines Tages habe ich ein Bild gesehen, in Frankreich, da habe ich begriffen, was wahre Kunst ist. Kunst ist, die Menschen des Alltags lebendig zu machen. Das kann der Schweinehirte sein, die Frau, die einem Kind das Lesen beibringt. Die Menschen, die du um dich siehst. Mit ihren Beulen und schmutzigen Füßen und ihren guten und schlechten Gedanken und den Dingen, wie sie sind, Leute, die arbeiten oder weinen oder Steine klopfen. Wenn du einen Felsen malst, musst du auch die Zeit mitmalen, die sich Tag für Tag auf diesem Felsen abgelagert hat, die weder weiß noch rosa noch hellblau noch braun ist, sondern ein bisschen von all diesen Farben zusammen.

Gott wohnt in den Chorhemden der Messknaben, nicht in den Flügeln der Seraphim, denk daran. Glaubst du an Gott, kleiner Ministrant? Courbet glaubt an die Natur und ans Gefühl. Naturreligion. Vor dem Meer sitzend, malt er die Wellen und den Sturm. Vor einer Frau malt er ihr nacktes Fleisch.

Monsieur Courbet habe ich in Frankreich kennengelernt. Dort habe ich zum ersten Mal ein Bild von ihm gesehen: Ich bin mit meiner Staffelei unterwegs, um Porträts zu malen, und eines Tages erfahre ich, dass es in der Kapelle des Seminars ein Gemälde von ihm gibt. Die Leute aus Ornans waren gekommen, um es zu besichtigen. Und alle sagten: ‹Das da ist der Messner, und das ist der Totengräber, und hast du das Kind vom Milchmann gesehen, sieht es nicht aus, wie es leibt und lebt? Schau, die Schwester der Lehrerin …›

Nur zwei der Betrachter waren nicht zufrieden: ‹Ja, er hat den Pfarrer und die Messknaben und den Hund gemalt, aber uns nicht, nein …› Und sie erinnerten sich daran, dass sie doch auch mit der Musik von Ornans unter die Fenster gezogen waren, um den Künstler zu feiern.

Alle waren sie an dem Tag da, um das Bild anzuschauen. Sechsundvierzig Menschen, ich habe sie gezählt, alle ‹grandeur naturelle›, alle auf dem Begräbnis, die Männer auf der einen Seite, manche mit vom Wein gerötetem Gesicht, die weinenden Frauen auf der anderen. In der Mitte der Totengräber, der einen Moment vom Weinberg heruntergekommen war, um das Grab zu schaufeln. Und eines Tages wird der Totengräber uns alle forträumen, mon gars, wir werden den Kohl des Pfarrers fett machen, wie sie in meinem Dorf sagen.

Voriges Jahr bin ich extra nach Paris gefahren, um Courbets Ausstellung in der Avenue Montaigne zu sehen. Ein großer Pavillon, es kostete einen Franc Eintritt. Darüber, großgeschrieben: du réalisme. Ich verstehe die schwierigen Wörter nicht, mon gars. Aber dort in dem Pavillon habe ich die Bilder der wahren Malerei gesehen. Das Begräbnis von Ornans war da, und dann noch ein anderes Werk, ebenfalls riesig, bestimmt drei Meter hoch und doppelt so breit, es zeigte das Atelier des Malers, mit einer nackten Frau und einem kleinen Jungen, der Monsieur Courbet beim Malen zusieht. Und das dritte Bild, das mir am allerbesten gefallen hat, war das Bild von den Steinklopfern: ein Alter mit Strohhut und ein Bub im zerrissenen Hemd, der die Steine trägt.»

Der Cidre der «Couronne» stieg mir zu Kopf; und während Cherubino so mit mir redete, schien mir, als würde ich selbst ein bisschen zu dem Steinklopfer und dem Jungen, der dem Maler zuschaut, und zu dem Messknaben. Und die nackte Frau, die sah ich vor mir.

«Warum ich es nicht auch wie Courbet mache, kleiner Ministrant? Weil er der Meister aller Maler auf Erden ist und ich bloß ein kleiner Sakristeimaler, hundsgemeine Welt.»

In Lissabon ist die Sonne morgens jung. Hier im Halbschatten, unter den Augen von Balzac, Cervantes und Proudhon, träume ich davon, den Menschen zu erneuern.

Frauen auf dem Weg zum Markt gehen vorbei, der Krüppel, der stehen bleibt und die ausgestellten Bücher anschaut, ohne die Titel zu verstehen. Dann streckt er die Hand aus; und wenn ihm jemand einen Escudo gibt, bekreuzigt er sich. Das Leben ist ein schwarzes Unglückslied: Wie viele sind die Elenden, die einen Lohn bekommen, der nicht fürs Essen reicht? Ich habe gelesen, dass es in Europa und den Vereinigten Staaten insgesamt siebzig Millionen Arme gibt. Siebzig Millionen, die zum Hunger verurteilt sind. Dantes Hölle ist hier auf Erden.

In der Anfangszeit kam Cecilia auch in die Buchhandlung. Ich wartete auf ihren Blick. Jetzt aber lässt mir die Krankheit keine Wahl. Ich werde Cecilia verlassen müssen, ich werde die Genossen aus der Sektion und die Freunde des Cenáculo verlassen müssen.

Antero, der Beste, hat seine Koffer gepackt und sich davongemacht aus dem Gestank Lissabons. Er braucht Raum und Freiheit. Er ist nach Amerika aufgebrochen, er will die Kultur der Puritaner kennenlernen. Als Reiselektüre hat er sich ein Exemplar des «Don Quijote» mitgenommen.

Dann ist Eça losgefahren, in den Orient. Und ist mit einem großen Seidenhut zurückgekommen. Ich werde eine längere Reise machen. Doch im Augenblick begnüge ich mich damit, bis Belém zu fahren. Es gefällt mir, mich am Ufer des Tejo niederzulassen und aufs Wasser zu schauen. Während ich dort sitze, verschwindet das Heute, von der Strömung fortgetragen, und ein Wind bringt mir die Schatten der Vergangenheit, als wären sie lebendiger als die Gegenwart.

Schattenwind

Ich war eine schwere Geburt, erzählte mir Gesualda, sie haben mich sofort zum Taufbecken gebracht, weil sie fürchteten, ich würde gleich in die andere Welt eingehen: Wäre ich ohne das Sakrament gestorben, wäre ich ein armer Teufel ohne den wahren Glauben geblieben. Die Erlöserkirche war voller Verwandter und Freunde, darunter viele Auswanderer. Wir waren geachtet im Dorf, mein Vater war in Portugal Kaufmann geworden und sein Bruder in Uruguay. Der Pfarrer persönlich war mein Taufpate, und er gab mir auch seinen Namen: Domenico. Vielleicht ist mir deshalb etwas vom Pfaffen geblieben.

In Wirklichkeit haben sie mir drei Namen gegeben, Giu­seppe Silo Domenico. Doch unterwegs ist mir das Messgewand abhanden gekommen, und ich stand in kurzen Hosen da: Giuseppe, genannt Gambadazelar, Selleriestängel, wegen der langen, dünnen Beine. Als der Pfarrer mich mit Weihwasser bespritzt hat, habe ich nicht geweint, denn ich bin brav: Nur böse Kinder weinen bei der Taufe.

Mein Tal ist ein gespaltener Granatapfel, am Grund der Spalte fließt helldunkles Wasser zwischen Kalksteinschluchten. An einen Abhang geklammert, mein Dorf. Wenige Häuser, ein Glockenturm, der in den Himmel sticht, und eine große Piazza, auf der Landkarte schwer zu finden. Cabbio. Der Käfig, in dem ich geboren wurde. Die Schlinge, die mich jetzt erwürgt.

Unser Haus stand an der Piazza, und vom Fenster aus konnte ich sehen, wie das Schwein nach dem Abstechen im Schnee zusammenbrach oder wie der Stier die in einem Gestell festgebundene Kuh bestieg, während ein Mann ihr aus dem Hals einen halben Eimer Blut abzapfte, weil die Kuh sonst das Kalb verliert.

An einem Haus neben unserem prangte ein Schild: «Piazza militare». Dort sah ich, wie der Pfarrer Maulesel und Pferde und die jungen Männer des Dorfes segnete, wenn sie ihren Militärdienst antraten. Die jungen Männer des Dorfes, ja, aber nicht Rico, der auf den höchsten Berg geflüchtet war, um nicht die Uniform anzuziehen. Er war nicht fürs Vaterland geboren, der Rico. Schüchtern, wie er war, schämte er sich, in Soldatenkleider zu schlüpfen, deshalb nannten sie ihn den Zigeuner und lachten ihn aus, er glich gewiss nicht unserem Landsmann, der damit prahlte, einen schwarzen Schnauzbart zu tragen und für den König von Preußen gekämpft zu haben.

Schon früh am Nachmittag flatterten die Fledermäuse zwischen Ahorn- und Erlenschatten auf die Saumpfade herab. Rundum magere Wiesen und Weinterrassen, oder kleine Äcker, bebaut von Frauen, die mit genagelten Holzschuhen an den Füßen Dungladungen schleppten. Manche hatten ihr Neugeborenes in der Kiepe am Feldrand abgestellt. Manche hatten ihr Kind auf dem Bergpfad zur Welt gebracht, gerade dass ihnen noch Zeit blieb, die Trage vom Rücken zu schnallen. Und wenn der Säugling starb, was vorkam, so tröstete die Frau sich weinend:

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