Je höher die Türme, um so mehr Aufsichtspersonal sollte am Beckenrand stehen. Im Badebetrieb sollte immer nur eine Plattform oder Absprungmöglichkeit geöffnet sein. Zum Beispiel empfiehlt es sich bei Sprüngen von der 10-m-Plattform eine Aufsichtsperson auf dem Turm stehen zu haben, die in Blickkontakt mit einer weiteren unten am Beckenrand befindlichen Person die Absprünge regelt. Die untere Person kontrolliert das Eintauchen und herausschwimmen, die obere den Absprung.
Benutzungsordnung der Sprunganlage im Fächerbad für Badegäste
Interview mit Bettina Dürrbeck, seit 40 Jahren Schwimmmeisterin in Karlsruhe in Bädern mit Sprunganlagen
Bettina, wie ist die Aufsichtspflicht an Sprunganlagen in öffentlichen Bädern genau festgelegt?
Es gibt keine allgemeinen verbindlichen Regeln, die Aufsicht wird individuell in den Bädern unterschiedlich geregelt. Wir haben hier im Fächerbad für die Badegäste ein 1-m- und ein 3-m-Brett zur Verfügung, von denen immer nur eines geöffnet ist.
Unsere allgemeinen Sprungregeln hängen am Sprungturm. Ist das 1-m-Brett geöffnet, genügt es, wenn der Schwimmmeister das Geschehen auch mit etwas räumlichem Abstand beaufsichtigt.
Wenn wir das 3-m-Brett öffnen, steht eine Aufsichtsperson direkt neben dem Beckenrand und beobachtet bzw. organisiert das Springen der Badegäste.
Aber nicht nur beim Springen müssen die Badegäste aufpassen, auch beim Besteigen des Sprungturmes. Ich habe schon erlebt, wie jemand – es war sogar ein Wasserspringer – beim schnellen Hochklettern abgerutscht ist und rücklings mit dem Kopf auf den Boden geknallt ist.
Welche weiteren typischen Gefahrensituationen gibt es noch?
Es kommt immer wieder vor, dass sich Kinder nicht trauen zu springen und die Leiter wieder hinabsteigen wollen – und zwar vorwärts, was viel gefährlicher ist. Da gehen wir dann hin, bitten, dass sich die Kinder umdrehen bzw. begleiten den Abstieg.
Das seitliche Springen ist ebenfalls besonders gefährlich. Es ist leider schon vorgekommen, dass ein Kind soweit zur Seite sprang, dass es auf den Beckenrand prallte und sich schwer verletzte.

Dieser Springer sollte die Wassertiefe bei diesem Eintauchwinkel genau überprüft haben!
Weitere Varianten des Sprungs ins Wasser
Die Ursprünge des Ins-Wasser-Springens liegen in der Natur. Ganz banal ausgedrückt bedarf es des Elementes Wasser, einer gewissen Wassertiefe und Lebewesen, die hineinspringen und sich dann über Wasser halten können, sprich schwimmen.
Ich beobachte zum Beispiel sehr gerne die Seehunde in unserem städtischen Zoo. Offensichtlich mögen sie es von den dortigen Felsen ins Wasser zu springen und es ist erstaunlich, wie leicht dies aussieht und wie spritzerlos sie eintauchen können. Auch viele andere Tiere, die am Wasser leben springen hinein. Manchmal aus Spaß und Spiel, manchmal aus Jagdmotiven. Ob der Mensch es ihnen nachgemacht hat oder selbst entwickelt hat ist schwerlich zu erforschen. Fakt scheint zu sein, dass ein weiterer Aspekt beim menschlichen Springen zur Geltung kommt: ein bewusstes »Gefallen« oder »Darstellen« wollen.
Die Kunst des Springens werden wir weiter unten wieder aufgreifen. Hier möchte ich kurz die weiteren Möglichkeiten oder Motive eingehen.
Das Springen in der Natur
Menschen springen aus Spaß oder zur Mutprobe von Brücken in Flüsse, von Kränen in Baggerseen aber auch zu Zwecken der Wasserrettung.
Zu beachten ist immer die Wassertiefe und vor allem bei geringer Wassertiefe die Eintauchtechnik. Die DLRG empfiehlt, in niedriges Wasser in Form eines Päckchens mit dem Po voraus (»Arschbombe«) zu springen, zumal bei einem Erstkontakt mit dem Grund der Po weniger verletzungsanfällig ist als der Kopf. Ist das Wasser zu flach, springt man nicht, sondern läuft hinein.
Ich selbst bevorzuge in solchen Situationen ganz flache Kopfsprünge mit abgeknickten Beinen, tendenziell einen Bauchplatscher. Der Kopf, die Arme und der Oberkörper zielen ganz weit und flach nach vorne über das Wasser, die hängenden, leicht abgeknickten Beine bewirken durch ein Aufschlagen derselben, dass der Oberkörper wenig absinkt. Aus großen Höhen ist diese Technik allerdings schmerzhaft.

Muscheltaucher in Neapel zeigen einen an flache Gewässer angepassten und daher »sicheren« Eintauchwinkel.
In einem Sommerurlaub konnte ich in Neapel ältere Herren beim Muscheltauchen beobachten. Sie trafen sich jeden Morgen und sprangen von niedrigen Felsen (ca. 50 cm) ins Wasser, mussten allerdings weit und flach nach vorne eintauchen, weil sie ansonsten gegen das Riff unter Wasser gestoßen wären. Diese Herren wendeten alle die oben beschriebene Technik an.
Für Springen in der Natur gilt: niemalsganz gerade, gestreckt und senkrecht eintauchen!
Aus den »Arschbomben« wird eine Trendsportart. Das sogenannte Splashdiving 10ist auf dem Vormarsch. Teilweise werden äußerst atemberaubende Freestyle-Sprünge gezeigt und aus den Wettkämpfen ein regelrechter Showevent gemacht. Für die Splashdiving-WM 2018 wurde der ehemalige Olympiasieger im Wasserspringen Jan Hempel als Sportdirektor gewonnen.
Das humoristische Springen als Show greift ebenfalls auf große Spritzer, lustige Bewegungen, Bauchplatscher, Verkleidung und Clownerie zurück. Wer einmal die Gelegenheit hat, solch eine Show zu sehen, es sei sehr empfohlen. Bekannt sind »Die Wilden Springer Sachsen« 11.
»Die Wilden Springer Sachsen« bei einer spektakulären Show.
Der Startsprung im Schwimmen
Die Technik des Startsprunges (auf den Rückenstart wird an dieser Stelle nicht eingegangen) im Schwimmen hat sich in den letzten Jahrzehnten immer wieder verändert. War es in den 1940er Jahren noch geboten, einen »Pfeil« zu machen (gespannt, gestreckt und schnell nach vorne eintauchen, »einschießen«), gelangte man in den 1980ern zu der Überzeugung, dass Tauchen gar nicht so wichtig sei und sprang mit solch einem Platsch »auf« das Wasser, mit der Absicht, möglichst schnell in die Schwimmlage zu kommen. Heute weiß man, dass ein richtiger Startsprung und eine gelungene Tauchphase entscheidende Geschwindigkeitsvorteile bringen können.
Ich möchte eine Expertenmeinung hinzuziehen: Tanja Helget ist langjährige Schwimmtrainerin in unserem Verein und war selbst Spitzenschwimmerin.
Was ist das wichtigste Ziel eines Startsprunges?
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