Hermann Broch - Der Tod des Vergil
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—: wissende Stimmen der Zeit, ihr Wissen um die Unentrinnbarkeit und um die unentrinnbaren Fänge des Schicksals! Oh, sie wußten, daß auch er dem Unabänderlichen nicht hatte entrinnen können, daß es ein Schiff gab, das er, allem Wahn zu Trotz, hatte besteigen müssen und das ihn zurückgetragen hatte, schicksalshaft; oh, sie wußten um den Strom des Kreatürlichen, der nackt zwischen nackten Ufern, berandet von deren Ur-Lehm träge seinen Weg nimmt, von keinem Schiff befahren, von keinem Pflanzenwuchs besäumt, durchsichtiger Wahn beides, dennoch Wirklichkeit als Schicksal, die unsichtbare Wirklichkeit des Wahnes, und sie wußten, daß jeder schick-salsvorbezeichnet wieder in den Strom tauchen muß und daß er die Stelle seines Wiedereintauchens nicht von jener zu unterscheiden vermag, aus der aufzutauchen er einstens gewähnt hatte, denn die Rückkehr hat den Schicksalskreis zu schließen
—: «Wir holen dich schon noch, du Schwanz, du Hängeschwanz !», keifte es -
—: und doch nur Weiberstimmen, höhnend, als wäre er eben nichts anderes als ein unfolgsames Kind gewesen, das eine trügerische Freiheit gesucht hat und sich nun nach Hause zurückstehlen wollte, mehr noch, das man auf umständlichen und sogar gefährlichen Umwegen hatte zurückbringen müssen, so daß es schon ob solchen Unheilsweges, ja schon allein deshalb ausgescholten werden mußte; aber war es auch Keifen, die schweren Stimmen der Mütter, erfüllt von Zeitdunkelheit, sie wußten, daß der Kreis des Schicksalsweges den Abgrund des Nichts umschließt, sie wußten von all den Verzweifelten, all den Verirrten, all den Ermatteten, die unweigerlich in den Abgrund der Mitte stürzen, sobald sie gezwungen sind den Weg vorzeitig abzubrechen - oh, war nicht ein jeder hierzu gezwungen? vermochte jemals einer wirklich den Weg auszuschreiten ? -, und angstvollst schwang in dem wütenden Schelten unsäglich der ewige Mutterwunsch mit, es möge jegliches Kind für immer so nackt bleiben, wie es geboren worden ist, nackt einverkerkert in seine erste Geborgenheit, eingebettet in den dahinflutenden Zeiten der Erde, eingebettet im Strom der Geschöpflichkeit, sanft emporgehoben und sanft wieder darein verschwindend, gleichsam ohne Schicksal -
—: «Du Nackter, du Nackter, du ganz Nackter!»
—: unentrinnbar die Mutter -, was hatte den Führerknaben bewogen, diesen Weg zu wählen? wird er nun nicht versagen? gebannt vom Mutterrufe stockte der Zug, als sollte er sich niemals mehr weiterbewegen, stockte in gräßlichem Warten, doch dann, nochmals losgelöst, ging es trotzdem weiter, Stufe um Stufe, die Elendsgasse hinanklimmend -
—: reichte also die Mutterkraft der Stimmen doch nicht aus, um für ewig zu binden ? war ihr Wissen so mangelhaft, war es so lückenhaft, daß sie den Gebannten doch wieder freigeben mußten ? oh, Schwäche der Mutter, die selber Geburt ist und daher von der Wiedergeburt nichts weiß, nichts um sie wissen will, unfähig zu erfassen, daß Geburt, um gültig zu sein, nach Wiedergeburt verlangt, daß aber beides, Geburt wie Wiedergeburt, nimmermehr geschehen könnte, geschähe neben beiden nicht das Nichts, stünde nicht das Nichts ewiglich und unabänderlich als letzte Zeugung hinter ihnen, ja, daß erst aus diesem unlöslichen Zusammenhang von Sein und NichtSein in schweigend raunender Verschwisterung wesensgroß die Zeitlosigkeit aufzustrahlen beginnt, die Freiheit der Menschenseele, untrügerisch ihr Ewigkeitslied, kein Wahngebilde, keine Überheblichkeit, wohl aber unverhöhnbar das Schicksal des Menschen, die furchtbare Herrlichkeit des menschlichen Loses ~
—: oh, es ist das Gottesschicksal des Menschen und es ist das menschlich Erschaubare im Schicksal der Götter, es ist ihrer beider unabänderliche Bestimmung, stets aufs neue zum Wege der Wiedergeburt gelenkt zu werden, es ist ihrer beider untilgbare SchicksalshofFnung, nochmals den Kreis ausschreiten zu dürfen, damit das Nachher zum Vorher werde und jeder Punkt des Weges alle Vergangenheit und alle Zukunft in sich vereinige, stillhaltend im Liede gegenwärtiger Einmaligkeit, tragend den Augenblick der vollkommenen Freiheit, den Augenblick der Gott-Werdung, dieses Zeit-Nichts eines Augenblickes, von dem aus trotzdem das All wie eine einzig zeitlose Erinnerung umfaßt wird -
—: tobende Gasse des Unheils, die kein Ende nehmen wollte, vielleicht kein Ende nehmen durfte, ehe sie nicht ihr Letztes an Schimpf und Sünde und Fluch hergegeben haben würde, und immer langsamer, Stufe um Stufe, ging es durch sie hindurch
—: die Aufdeckung der nackten Schuld, das Irresein der nackten Wahrheit -
—: oh, unabänderliches Menschenschicksal des Gottes, herabsteigen zu müssen, herabsteigen in die irdische Verkerkerung, ins Böse, ins Sündige, auf daß zuerst im Irdischen sich das Unheil erschöpfe, auf daß zuerst im Irdischen sich der Kreislauf vollende und immer enger sich um die Unerforschlichkeit des Nichts schließe, um den unerforschlichen Seinsgrund der Geburt, der einstmals zu dem der Wiedergeburt aller Schöpfung sich verwandeln wird, sobald Gott und Mensch ihre Aufgabe erfüllt haben werden -
—: oh, unabänderliche Schicksalspflicht des Menschen, dem Gotte willig den Weg zu ebnen, den Weg der Unverhöhnbarkeit, den Weg der zeitlosen Wiedergeburt, in deren Erstrebung sich Gott und Mensch vereinigen, entlassen der Mutter -
—: aber hier war die Elendsgasse, durch die es Stufe um Stufe hinanging, hier war die Furchtbarkeit der Verwünschung, die Furchtbarkeit des berechtigten Hohnes, herausgespieen aus dem Elend, oh, und er, elendsgeblendet, verwünschungsgeblendet, ja er, verhüllten Hauptes, er mußte es dennoch hören. Warum war er hierher geführt worden? sollte ihm gezeigt werden, daß es ihm nicht vergönnt gewesen war, den Kreis zu schließen? daß er seinen Lebensbogen nur immer weiter und weiter ins Übermäßige ausgespannt hatte, das Nichts der Mitte vergrößernd, statt es zu verkleinern ? daß er sich mit solcher ScheinUnendlichkeit, mit solcher Schein-Zeitlosigkeit, mit solcher Schein-Absonderung nur immer mehr vom Ziele der Wiedergeburt entfernt hatte, daß er in wachsendem Maße absturzgefährdeter geworden? war dies hier jetzt Warnung? oder schon Drohung? oder war es wirklich schon der endgültige Absturz? Bloße Schein-Göttlichkeit war der Gipfel seiner überweiterten Bahn gewesen, wahnhaft überweitert zu Jubel und Rausch, zur Erlebnisgröße der Macht und des Ruhmes, überweitert hierzu durch das, was er wahnhaft sein Dichten und seine Erkenntnis genannt hatte, wähnend, er bräuchte nur alles festzuhalten, um die Erinnerungsstärke niemals-endender Gegenwart zu ergattern, die niemals-endende Stete göttlicher Kindheit, und nun erwies sich eben dies als kindische Scheingöttlichkeit, als unzüchtige Göttlichkeitsanmaßung, ausgeliefert jedwedem Gelächter, dem nackten Gelächter der Weiber, dem Gelächter der betrogen-unbetrügbaren Mütter, deren Obhut zu entrinnen er zu schwach gewesen war, am schwächlichsten aber in seinem kindischen Götterspiel. Oh, nichts ist der Nacktheit des Gelächters entgegenzusetzen, kein Gegengelächter vermag dem Hohn standzuhalten, nichts bleibt übrig, als davor die eigene Nacktheit zu verhüllen, die Nacktheit des eigenen Antlitzes, und mit verhülltem Antlitz lag er in dem Tragsessel, verhüllt auch dann noch, als man schließlich doch, allen Aufenthalten zu Trotz, Stufe um Stufe sich vorwärtsschiebend, wahrlich wider alles Erwarten, aus dem höllischen Gassenschlund, aus der höllischen Lachenswildnis entlassen wurde, und ein ruhigeres Wiegen der Sänfte verriet, daß man wieder auf ebenerem Wege sich fortbewegte.
Freilich ging die Fortbewegung deshalb noch nicht wesentlich geschwinder vor sich; wiederum rückte man bloß Schritt für Schritt vorwärts, vielleicht sogar noch langsamer als vorher, wenn auch, wie deutlich spürbar, nicht mehr infolge böswilliger Hindernisse, sondern weil hier, merkbar am Menschengemurmel, merkbar am Menschengeruch, merkbar an der dickdunstiger werdenden Menschenwärme, sich das Gedränge neuerdings gesteigert hatte und offenbar sich noch weiter steigerte. Allein, obwohl dem Hörbereich der Elendsgasse entronnen, er glaubte die keifend-gellenden Schimpfreden nach wie vor in seinem Ohre zu spüren, ja fast dünkte ihm, als wären sie ihm eigens nachgefolgt, erinnyengleich ihn als Jagdwild zu hetzen und zu quälen, nicht minder aber, um sich mit , dem ringsum aufkeimenden, rasch anschwellenden Massenlärm, der die wiedererreichte Nähe des Kaiserfestes anzeigte, zu vereinigen, auf daß die Hetzqual, einvermählt all diesem Jubellärm, all diesem Machtlärm, all diesem Rauschlärm, unverringert weiterwirke, und während ihm dies inne wurde, unabwehrbar die Stimmenmasse des Innen und Außen, so sehr unabwehrbar, daß ihn deren grelle Qual schier zum Vergehen brachte, wurde mit gleicher Unabwendbarkeit auch das Licht so unerträglich lärmend, so unerträglich grell, daß es scharf durch die noch geschlossenen Lider drang und diese zu einem Aufblinzeln nötigte, dessen zuerst widerwilliges Zögern sich allerdings sehr bald zu großgeöffnetem Entsetzen weitete: unterweltsfeurig strahlte es ihm entgegen, strahlte vom Ausgang der mäßig breiten Straße her, durch die sich, Kopf an Kopf, die Menschenmenge vorwärtsschob, entsetzenerregend grell strahlte es ihm von dorther in die Augen, strahlte wie ein magischer Lichtquell, der alles, was sich da bewegte, in ein schier zwangsläufig-selbsttätiges Hinströmen verwandelte, beinahe hätte man meinen können, daß sogar auch die Sänfte selbsttätig mitschwamm, gleichsam mitgeschwemmt, kaum mehr, daß sie getragen wurde, und mit jedem Schritt, mit jedem Vorwärts gleiten ward die Macht jener geheimnisvollen, unheilsträchtigen, sinnlos-großartigen Anziehungskraft deutlicher fühlbar, wurde furchtbarer, wurde dringlicher, wurde eindringlicher, wurde herznah und herznäher, anwachsend und anwachsend, um endlich mit einem Schlag sich zur Gänze zu enthüllen, enthüllt in dem Augenblick, da die Sänfte, geschoben, gezogen, getragen, hoch in ihrem schwimmenden Schweben, auf einmal an der Straßenausmündung sich befand, denn jählings wurde nun hier, feuerumkränzt und lärmumringt, bar jedes Lichtschattens, bar jedes Lautschattens, in schattenloser Licht- und Lärmblendung, schimmerstrahlend der kaiserliche Palast sichtbar, halb Stadthaus und halb Festung, in vulkanisch unterweltlichem Leuchten emporgehoben aus der Mitte eines schildförmig aufgebuckelten, fast kreisrunden Platzes, und dieser Platz war eine einzige Flut zusammengeballter Geschöpflichkeit, war zusammengeballter, formgewordener, formwerdender, brodelnder Menschenhumus, war eine Flut glosender Augen und glosender Blicke, die allesamt inbrünstig steif, gleichsam jeglichen anderen Inhaltes verlustig, auf das eineinzige, schattenlos glühende Ziel gerichtet waren, eine menschliche Feuerflut, gierig an dieser Feuerküste zu lecken. So ragte die Burg, umbrandet von Fackeln, unwiderstehlich und verlokkend, das sinngebende Richtungsziel für die unwiderstehlich angelockte, drängende, schnaubende, stampfende Herdengesamtheit, unbändig sehnsüchtiges Willensbewußtsein der Herde, das Ziel ihrer unbändigen Richtungsgier, eben darum aber auch das Bild einer entsetzenerregenden, dumpfsprühenden, niemals auffindbaren Rätselmacht, unbegreiflich für das Einzeltier, unbegreiflich für den Einzelmenschen, oh, derart unverständlich, daß die Frage nach dem Sinn und nach dem Grunde der in dem Flammenhaus ein gefangenen und daraus hervorstrahlenden übermächtigen Anziehung wohl in einem jeden von ihnen wühlte, antwortsbangend, antwortshoffend, und wenn auch keiner sich eine wirkliche Antwort zu geben vermochte, so war selbst die bescheidenste und unzureichendste danach angetan, hoffnungserfüllend zu wirken, als Rettung des Bewußtseins, als Rettung der Menschlichkeit und der Seele, als eine Seinsrettung, die stolz zu verkünden sich verlohnte «Wein» hieß es, «Freiwein», und «Die Prätorianer» hieß es, und «Der Cäsar wird sprechen» hieß es, und plötzlich verkündete einer mit japsender Stimme: «Sie teilen schon das Geld aus!» So strahlte die Burg ihnen die Verlockung zu, so stachelten sie sich selber und einander an, damit ihnen die große Verlockung nicht zweifelhaft werde und damit die Angst vor der sicheren Enttäuschung, die an dem sehnsuchtbegehrten Geheimnisgemäuer sie erwartete, nimmermehr das wilde Begehren ermatten ließe, die große Sehnsucht nach der Teilhaberschaft: billige Antworten für so große Hoffnung, billige Zurufe, billige Anstachelungen, doch jedesmal ging ein Ruck durch die Masse, durch die Körper, durch die Seelen, stierhaft, unzüchtig, unwiderstehlich, dumpf auf das gemeinsame Ziel vorstoßend, ein zusammengehalltes Gebrause und Gestampfe, Vorstoß um Vorstoß hinein in ein loderndes Nichts. Und dick zusammengeballt schwelte der Herdengeruch über den Köpfen, überhangen vom Fackelqualm, glühend der Rauch, unatembar, hustenreizend, erstickend, dicke braune Schwaden, die träge aufeinandergelagert, Schicht um Schicht, in der unbewegten Luft steckenblieben, oh, des Höllennebels schwere, unzerteilbare undurchdringliche Schichten, die Decke des Höllennebels! Gab es da keinen Ausweg mehr? gab es keine Flucht? oh, zurück! zurück zu dem Schiff, um dort ruhig sterben zu dürfen! Wo war der Knabe?! der mußte, der sollte den Weg zurück weisen! Bei wem lag die Entscheidung?! Ach, eingefügt in die Masse und in das Gefüge ihrer Bewegung gab es da nichts mehr zu entscheiden, und die Stimme, welche zur Entscheidung aufrufen wollte, löste sich nicht mehr aus dem Atem; die Stimme blieb blind! Indes der Knabe, als hätte er den stummen Ruf gehört, sandte ein Lächeln herauf, ein Augenlächeln voll heiterer Entschuldigung, voll heiterer Zuversicht, voll eines heiteren Trostes, welcher weiß, daß man schon längst jeglicher Entscheidung enthoben war, ja, daß die getroffene die richtige sein würde, und dies machte froh, ungeachtet all der Furchtbarkeit des Kommenden. Ringsumher waren die Gesichter, Kopf an Kopf, Alltagsgesichter mit ihrer alltäglichen, freilich auch schon weitaus übersteigerten Sauf- und Freßlust, und diese Übersteigerung, sich selber übersteigend, war zu einer geradezu jenseitigen Inbrunst geworden, zu einem brutalen Jenseits, das jedweden Alltag weltenferne hinter sich gelassen hatte und nichts anderes mehr kannte als das Sekunden-Jetzt des übermächtigen, des leuchtenden Zieles, inbrünstig ersehnt, inbrünstig begehrt, inbrünstig gefordert, auf daß dieses Jetzt den Kreis ihres ganzen Lebens beschatte und zur Teilhaberschaft bringe, zur Teilhaberschaft an der Macht, an der Vergottung, an der Freiheitsgröße, an der Unendlichkeit des Einen, der dort im Palaste saß. Ruckweise, wellenartig, zuckend, angestrengt, explosiv, keuchend und stöhnend bewegte sich das Gefüge vorwärts, gewissermaßen gegen einen elastischen Widerstand vorstoßend, der unzweifelhaft vorhanden war, da er sich in ebenso ruckartigen Gegenwellen äußerte, und in diesem gewaltig-gewaltsamen Vor und Zurück wurden allenthalben die Schreie der Strauchelnden, der Niedergetretenen, der Verletzten, vielleicht sogar die von Sterbenden vernehmbar, mitleidlos unbeachtet oder gar verspottet, immer wieder jedoch übertönt von den jubelnden Heilrufen, erstickt von dem wütenden Getöse, zerfetzt vom Geprassel der Feuer. Ein ungeheuerliches Jetzt stand auf dem Spiele, ein unendlich vervielfachtes, ein Herdenjetzt, aufgeworfen vom Gebrüll der Herden, ein ins Getöse gestürztes Jetzt und zugleich herausgestürzt aus dem Getöse, aufgeworfen von Sinnesverwirrten, von Sinnesverlorenen, von Irrsinnigen, sinnesentblößt aus Seelenverlust, dennoch so sinnübersteigert in der Gesamtheit, daß alles Vergangene und alles Zukünftige darein verschlungen war, das Tosen aller Erinnerungstiefen in sich aufnehmend, die fernste Vergangenheit und die fernste Zukunft in seinem Brausen bergend! Oh, Größe der Menschenvielfalt, Weite der Menschensehnsucht! Und schwebend in seiner Wachheit, schwebend emporgetragen über den brüllenden Köpfen, schwebend emporgehoben über den Jubelbrand des tosenden Brundisium, schwebend emporgehalten in den schwebenden Augenblicken des Jetzt, erlebte er die grenzenlose Verkürzung des Zeitablaufes im Kreis der Unabänderlichkeit: alles war ihm zu eigen, alles war ihm einverleibt, war ihm angehörig, so sehr, wie es ihm von Anbeginn angehörig gewesen war zur ewigwährenden Gleichzeitigkeit, und es war Troja, das um ihn brannte, es war der niemals verlöschende Weltenbrand, doch er, der über den Bränden schwebte, er war Anchises, blind und sehend in einem, Kind und Greis gleichzeitig kraft unsäglicher Erinnerung, getragen von den Schultern des Sohnes, er selber Weltengegenwart, getragen von des Atlas Schultern, von den Schultern des Riesen. Und so ging es Schritt für Schritt dem Palaste zu.
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