Hermann Broch - Der Tod des Vergil

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"Der Tod des Vergil" ist ein Roman, in deren erzählt der Autor von den letzten Lebensstunden des römischen Dichters Virgil im Hafen von Brundisium nach. Virgils gesteigerte Wahrnehmungen während seines Todes erinnern an sein Leben und an die Zeit, in der er lebt. Der Dichter befindet sich in der Zeit zwischen Leben und Tod, so wie seine Kultur zwischen dem heidnischen und dem christlichen Zeitalter schwankt. Während er darüber nachdenkt, erkennt Virgil, dass die Geschichte an einem Scheitelpunkt steht und dass er in seinem Versuch, Schönheit zu schaffen, die Realität verfälscht haben könnte.

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Konnte es anders sein ?! Aufgerichtet ist der Mensch, er allein, doch ruhend zum Schlaf, zur Liebe, zum Tode hingestreckt -, auch in solch dreifacher Eigenschaft seines Liegens unterscheidet er sich von sämtlichen ändern Wesen. Aufrecht, zum Wachsen bestimmt, reicht des Menschen Seele aus ihren dunklen Wurzelabgründen im Humus des Seins hinauf bis zum sonnendurchfluteten Sternenrund, aufwärtstragend ihren poseidonisch-vulkanisch finsteren Ursprung, abwärtsbringend das Durchsichtige ihres apollinischen Zieles, und je mehr sie kraft ihres Aufwärts Wachsens zur lichtdurch tränkten Form wird, je mehr sie sich zur Form verschattet, baumgleich sich verzweigend und entfaltend, desto mehr wird sie befähigt, im Schattenlaub ihrer Äste das Dunkle mit dem Lichten zu vereinen; aber wenn sie zum Schlaf, zur Liebe, zum Tode sich hingestreckt hat, wenn sie selber zur hingebreiteten Landschaft geworden ist, dann ist es nicht mehr ihre Aufgabe, das Entgegengesetzte zu verschmelzen, denn schlafend, liebend, sterbend schließt sie die Augen, und sie ist nicht mehr gut oder böse, sie ist nur noch ein einziges, unendliches Lauschen: unendlich hingebreitete Seele, unendlich vom Zeitenring umschlossen, unendlich in ihrem Ruhen und sohin jeglichem Wachstum enthoben, wachstumlos wie die Landschaft, die sie ist, reicht sie mit dieser als unveränderter, als unveränderbarer saturnischer Bereich durch alle Zeiten hindurch, reicht vom goldenen bis zum erzenen Zeitalter, ja darüber hinaus bis zur Wiederkehr des goldenen, und kraft ihrer Eingeschmiegtheit ins Landschaftliche, kraft ihrer Verkerkerung ins Irdische und in die irdischen Gefilde, an deren Fläche die Sphären des Himmelslichtes und der Erddunkelheit sich scheiden, ist sie gleicherweis sphärentrennende, sphärenverbindende Grenze zwischen den oberen und unteren Regionen, janusartig stets beiden angehörig, denen des Sternschwebens wie denen der Steinschwere, denen des Äthers wie denen der Unterweltfeuer, janushaft die doppelgerichtete Unendlichkeit, janushaft die unendlich hinerstreckte, dämmerhaft ruhende Seele, so daß ihrem lauschenden Erwissen das Oben und das Unten, ohne vereinigt zu werden, bedeutungsgleiche Zonen sein dürfen; bedeutungslos hingegen, keines Erlauschens und Erwissens wert, wird ihr das Geschehen als solches, da sie es weder als Wachstum noch als Verwelken oder Verdorren, weder als Beglückung, noch als Beschwernis, wohl aber als ständige Wiederkehr empfindet, als die ständige Wiederkehr innerhalb ihres eigenen Seins, als die Wiederkehr des allumfassenden saturnischen Ablaufes, in dem die Landschaften der Seele und der Erde sich unendlich erstrecken, ununterscheidbar in ihrem Ein- und Ausatmen, in ihrem Keimen und Reifen, in ihren Ernten und Fehlernten, in ihrem Vergehen und Auferstehen, in den Jahreszeiten ihrer Grenzenlosigkeit, einverwoben der ewigen Wiederkehr, umfangen vom Ring des ewig Gleichen und daher ruhend hingestreckt zum Schlaf, zur Liebe, zum Tode, ein Lauschen der Landschaft und der Seele, das saturnische Selbstbelauschen sterbensenthobenen Sterbens, golden und erzen in einem.

Er lauschte dem Sterben; es konnte nicht anders sein. Das Bewußtsein dieser Tatsache war ohne Schrecken über ihn gekommen, höchstens mit jener außergewöhnlichen Klarheit, die sich gemeiniglich mit zunehmendem Fieber einstellt. Und jetzt, in der Dunkelheit liegend, in die Dunkelheit lauschend, verstand er sein Leben, und er verstand, wie sehr es ein fortwährendes Lauschen nach der Sterbensentfaltung gewesen war, entfaltet das Bewußtsein, entfaltet der Sterbenskeim, der von Anbeginn an in jegliches Leben gelegt ist und es ausmacht, doppelte und dreifache Entfaltung, eine aus der anderen hervorgehend und an ihr sich entfaltend, jede das Bild der vorausgegangenen und ebenhiedurch sie verwirklichend -, war dies nicht die Traumeskraft aller Bilder und gar jener, welche befähigt sind ein Leben zu bestimmen? verhielt es sich nicht ebenso auch mit dem Bild der Weltennachthöhle, die wundersam und bangniserregend vor Zeitlosigkeit, sternenschwer und ewigkeitverheißend den Tod über das gesamte Sein wölbt? Denn was einstmals, zur Knabenzeit, eine kindlich-kindische Todesvorstellung gewesen war, die Vorstellung vom Grabe, in das der Leib versenkt wird, das hatte sich zu dem großen Höhlenbild entfaltet, und die Erbauung der Gruft an der neapolitanischen Bucht, dort bei der posilippischen Grotte, war daher mehr als eine bloße Wiederholung und Sichtbarmachung der alten Kindheitsvorstellung gewesen; nein, mit dem Bauwerk war des Todes All-Gewölbe sinnbildhaft zum Ausdruck gebracht worden, vielleicht noch immer kindisch infolge solch irdischer Verkleinerung, dennoch Sinnbild des mächtig-allumfassenden Todesraums, in dem er, das Ziel seit jeher wissend und trotzdem es suchend, er, ein Wegesuchender im Gewölbe des Todes ein ganzes Leben wachend verträumt hatte. Um der allumfassenden Macht dieses Zieles willen hatte er so lange, wahrlich überlange nach seiner eigentlichen Bestimmung gefahndet, um dieses immer gewußten, trotzdem niemals bewußten Zieles willen hatte er, von jeder Laufbahn unbefriedigt, jede vorzeitig abgebrochen und hatte weder beim Beruf des Arztes noch bei dem des Sternkundigen, noch bei dem des philosophischen Gelehrten und Lehrers verbleiben oder gar sich beruhigen dürfen: das heischende, das unerfüllte Erkenntnisbild, das ernste Erkenntnisbild des Todes war unentwegt vor seinen Augen gestanden, und kein Beruf vermochte dem gerecht zu werden, da es keinen gibt, der nicht ausschließlich der Lebenserkenntnis untertan wäre, keinen mit Ausnahme jenes einzigen, zu dem es ihn schließlich getrieben hatte, und der Dichtung heißt, dieser seltsamsten aller menschlichen Tätigkeiten, der einzigen, die der Todeserkenntnis dient. Nur wer im Zwischenreich des Abschiedes lebt - oh, es lag hinter ihm, und es gab keine Rückkehr -, nur wer am Ufer des Flusses verharrt, quellenfern, mündungsfern in der Dämmerung, nur der ahnt den Tod, nur der ist dem Tode verhaftet, und dem Tode dienend, gleicht er dem Priester, der kraft seines Amtes, seines über dem persönlichen Beruf stehenden Priesteramtes, vermittelnd zwischen dem Oben und Unten, dem Dienst am Tode verpflichtet und damit ebenfalls in ein Zwischenreich des Abschiedes verwiesen ist; ja, priesterlich hatte ihm stets die Aufgabe des Sängers gedünkt, vielleicht ob der seltsamen Todes weihe, die der entzückten Inbrunst jeglichen Kunstwerkes innewohnt, und hatte er es sich auch bisher bloß selten einzugestehen gewagt, vielleicht sogar manchmal ab gelehnt, genau so wie er in seinen ersten Dichtungen es nicht gewagt hatte an den Tod heranzutreten, vielmehr bemüht gewesen war, mit der lieblich-liebenden Gewalt inniger Liebe zum Sein sich des Dräuenden, dennoch schon Anwesenden zu erwehren, er hatte solchen Widerstand mehr und mehr aufgeben müssen, da die dichtende Gewalt des Todes gar bald als die stärkere sich erwiesen hatte, Schritt für Schritt ein Heimatsrecht sich erobernd, das dann in der Äneis zum vollen Herrschaftsrecht geworden war, dem Göttersinn folgend: die klirrende, blutige, mahnende, unabänderliche Herrschaft des Schicksals, die allüberwindende Herrschaft des Todes, die eben darum auch sich selbst überwindet und sich selbst aufhebt. In den Tod nämlich ist jedwede Gleichzeitigkeit eingesenkt, alle Gleichzeitigkeit des Lebens und der Dichtung ist in seiner Allesauf hebung für ewig auf bewahrt, er ist erfüllt von Tag und Nacht, und sie durchdringen einander zur zwiefarbenen Wolke der Dämmerung; oh, der Tod ist erfüllt von all der Vielfalt, die aus der Einheit hervorgegangen war, um sich in ihm wieder zur Einheit zu schließen, er ist erfüllt von der Herdenweisheit des Beginns und von der Vereinzelungserkenntnis des Endes, sie beide zu einer einzigen Sekunde des Seins zusammenfassend, zu jener Sekunde, die bereits die des Nicht-Seins ist, denn in unaufhörlichem Wechselspiel mit dem Seinsablauf steht der Tod, und unablässig wird der in ihn einmündende, von ihm empfangene und ursprungswärts rückgewandte Zeitenablauf zur Einheit des Gedächtnisses verwandelt, zum Gedächtnis der Welten und Aber-Welten, zum Gedächtnis des Gottes: nur wer den Tod auf sich nimmt, vermag den Ring im Irdischen zu schließen, nur wer des Todes Auge sucht, dem bricht nicht das eigene, wenn es ins Nichts schauen soll, nur wer zum Tode hinlauscht, der braucht nicht zu flüchten, der darf bleiben, denn seine Erinnerung wird zur Gleichzeitigkeitstiefe, und wer in die Erinnerung taucht, dem erklingt der Harfen ton jenes Augenblickes, in dem das Irdische sich zum unbekannt Unendlichen öffnen soll, geöffnet zur Wiedergeburt und Auferstehung unendlicher Erinnerung —Kindheitslandschaft, Lebenslandschaft, Todeslandschaft, sie sind Eines in ihrer unwandelbaren Gleichzeitigkeit, heraufahnend die Landschaft der Götter, die Landschaft : des Ur-Anfanges und des Ur-Endes, unwandelbar geeint von dem Reif des über sie hingespannten, siebenfarbig regenverhauchten Bogens, oh, die Gefilde der Väter. Vieles geschieht der Erinnerung zuliebe und enthüllt sich zuletzt doch als ein Lauschen nach dem Tode, und vieles, das dem Tode gelten will, ist bloß Erinnerung, bange Sehnsuchtserinnerung, die ängstlich behütet wird, auf daß sie nimmermehr verlorengehe. So auch und nicht anders war es um die meeresumwehte, frühlingsver-schattete, laubbegrünte Gruft bei der posilippischen Höhle bestellt, um diese beinahe spielerisch erbaute Heimstätte des Todes, voll von Erinnerung, von Kindheitserinnerungen, die er, ohne sich davon Rechenschaft zu geben, in diese gärtnerische Heiterkeit miteingebaut hatte, so daß alles, was von den Kinderaugen im väterlichen Hofe zu Andes erblickt worden war, sich nun in verkleinertem Maße und nur wenig verändert hier wiederfand, so die Zufahrtsstraße zum Hoftor, nun als Hauptweg durch den Garten, ausgestattet mit der nämlichen Doppelbiegung, links von dem nämlichen Lorbeergebüsch besäumt, rechts an den Hügel seiner Kinderspiele heranführend, mochte hier dieser Hügel auch nur von einigen Zypressen statt mit dem alten Ölbaumhain bekrönt sein, während hinter dem Gebäude, mächtig-ruhend da wie dort, verhangen mit Vogelgezwitscher da wie dort, sich die Ulmen erhoben, damals wie heute Schutz der Einsamkeit und des Friedens, und wie einst als Knabe hätte er mit der Hand über die Zaunhecken hinstreichen können, derart deutlich ließ sich alles zurückträumen, derart deutlich und für alle Zeiten gültig war es vorwärtsgeträumt gewesen, dem Tode zugeträumt und dem Sterben, dem Ziel alles träumenden Lauschens seit den Kindheitstagen, dem Ziel und dem Quell seiner Erinnerung, klar, unverlierbar, erkenntnissucherisch, obwohl das Bild der Gruft nur einen kleinen, einen überaus kleinen Gedächtnisausschnitt im Vergangenheitsstrom darstellte, eine recht handgreifliche Insel, fast zufallsmäßig aufgetaucht in ihrer kleinen Handgreiflichkeit, verschwindend und geradezu vergessenswürdig vor der rauschenden Flutenbreite, die in sein unablässiges Lauschen sich ergoß; unablässig wurde Unverlorenes ihm zugeflutet, gedächtnisbreit und wellenbreit, unablässig und weich und groß rollte es daher, Welle um Welle des jemals Erschauten, aufstrahlend in Harfenklang, in unbeschreiblich-bleibendem, immerwährendem Anklang - oh, holde Verkerkerung der Jugend, geborgen und befreiungsbereit -, und es war, als ergössen sich alle Bäche und Teiche des Einst in diesen Strom der Erinnerung, rieselnd zwischen den duftenden Weiden, rieselnd zwischen den schilfbebend begrünten Ufern, liebliche Bilder ohne Ende, sie selber ein von Kinderhand gepflückter Strauß aus Lilien und Levkojen, Mohn, Narzissen und Dotterblumen, das Bild der Kindheit in ewig erwanderter, ewig erdichteter Landschaft, das Bild der Vätergefilde, die er, wohin auch immer er getrieben worden war, überall hatte suchen müssen, Bild seiner einzigen und niemals verlaßbaren Lebenslandschaft, unbeschreiblich-unbeschreibbares Bild trotz sehr großer Helligkeit, Schärfe, Besonntheit, Durchsichtigkeit, trotz dieser niemals erlahmenden farbenreichen Klarheit, mit der es ihn begleitete, so unbeschreibbar, daß es, sooft er es auch geschildert hatte, doch nur im Ungesagten aufgeklungen war, immer nur dort, wo die Sprache nicht mehr ausreicht, wo sie über ihre eigenen, irdisch-sterblichen Grenzen schlägt und ins Unaussprechliche dringt, den Wortausdruck verläßt und - bloß sich selber noch im Gefüge der Verse singend - den atembeklommenen, atemraubenden Sekundenabgrund zwischen den Worten aufreißt, um todesahnend und lebensumspannend in dieser stummen Tiefe, selber stummgeworden, die Ganzheit des Alls zu zeigen, die fließende Gleichzeitigkeit, in der das Ewige ruht: oh, Ziel aller Dichtung, Augenaufschlag der Sprache, wenn sie über alle Mitteilung und über alles Beschreiben hinweg sich selbst aufhebt, oh, die Augenblicke der Sprache, in denen sie selber in die Gleichzeitigkeit eintaucht, so daß es unentschieden bleibt, ob Erinnerung aus der Sprache, oder ob Sprache aus der Erinnerung quillt! oh, in diesen Augenblicken war es gewesen, daß die Kindheitslandschaft zu blühen begonnen hatte, sich selbst zurücklassend, über sich selbst und jede Erinnerung hinauswachsend, über jeden Anfang und über jedes Ende, verwandelt zu den schlicht ländlichen Hirtenordnungen eines goldenen Zeitalters, verwandelt zur Landschaft des latinischen Aufbruchs, verwandelt zur Wirklichkeit der dahinschreitenden herrschend-dienenden Götter, sicherlich noch nicht Ur-Anfang, noch nicht Ur-Ordnung, noch nicht Ur-Wirklichkeit, wohl aber deren Sinnbild, sicherlich noch nicht die Stimme, die aus dem Unbekanntesten, aus dem unausdrückbarst Außergewöhnlichen, aus dem unabänderlich Übergöttlichen hertönen soll, wohl aber ihr Sinnbild, wohl aber die echogleiche Ahnung ihres Seins und fast ihre Gewißheit -, Sinnbild, das Wirklichkeit ist, Wirklichkeit, die Sinnbild wird im Angesicht des Todes. Es waren die Augenblicke der klanggewordenen Todlosigkeit, die lebendig dämmerungsentlösten Augenblicke des Lebens schlechthin, und es waren jene, in denen des Todes wahre Gestalt sich am reinsten offenbarte: seltenste Augenblicke der Gnade, seltenste Augenblicke der vollkommenen Freiheit, den meisten unbekannt, von manchen angestrebt, von sehr wenigen erreicht -, doch wem von diesen wenigen es vergönnt ist solchen Augenblick festzuhalten, wem es verliehen worden ist die flüchtige Flüchtigkeit der Todesgestalt zu erhaschen, wem es im unablässigen Lauschen und Suchen gelingt den Tod zur Gestalt zu bringen, der hat mit deren Echtheit auch die seiner eigenen Gestalt gefunden, er hat seinen eigenen Tod gestaltet und damit sich selbst zur Gestalt gebracht, und er ist vor dem Rückfall in den Humus der Gestaltlosigkeit gefeit. Siebenfarbig und göttermild wölbt sich ihm der Regenbogen der Kindheit über das Sein, täglich neu gesehen, täglich neu geschaffen, die gemeinsame Schöpfung des Menschen und des Gottes, die Schöpfung aus der Stärke des todeserkennenden Wortes: war dies nicht die Hoffnung gewesen, um derentwillen er die Qual eines gehetzten Lebens, bar jedes friedlichen Glückes, hatte ertragen müssen? er blickte zurück auf dieses Leben des Verzichtes und einer noch heute fortgesetzten Entsagung, auf dieses Leben, das ohne Widerstand gegen das Sterben, wohl aber voller Widerstand gegen Gemeinschaft und Liebe gewesen war, er blickte zurück auf dieses im Dämmerlicht der Flüsse, im Dämmerlicht der Dichtung hinter ihm liegende Abschiedsleben, und deutlicher denn je wußte er heute, daß er all dies um jener Hoffnung willen auf sich genommen hatte; vielleicht war er zu verhöhnen und zu schmähen, weil solch großes Lebensaufgebot bisher zu . keinerlei Hoffnungserfüllung geführt hatte, weil die Aufgabe, die er hatte lösen wollen, für seine schwachen Kräfte eine übergroße gewesen war, und vielleicht, weil die Mittel der Dichtkunst sich hiefür überhaupt nicht eigneten, allein, er wußte nun auch, daß es darauf nicht ankommt, mehr noch, daß die Berechtigung oder Nichtberechtigung einer Aufgabe nichts mit ihrer irdischen Lösbarkeit zu schaffen hat, daß es gleichgültig war, ob seine eigenen Kräfte ausreichten oder nicht, ob irgendein anderer Mann mit besseren Kräften geboren würde, oder ob ein besserer Lösungsbereich als der, den die Dichtung darstellt, irgendeinmal sich finden lassen könnte, all dies war belanglos, denn es war nicht seine eigene Wahl gewesen: sicherlich, Tag um Tag, unzählige Male an jedem Tag hatte er nach freier Wahl entschieden und gehandelt, oder hatte geglaubt, daß es freie Entscheidungen gewesen waren, doch die große Linie seines Lebens war nicht eigene Wahl nach freiem Willen, sie war ein Müssen gewesen, ein Müssen, ein geordnet in das Heil und Unheil des Seins, ein schicksalsbefohlenes, trotzdem befehlsüberhobenes Müssen, befehlend, daß er seine eigene Gestalt in der des Todes suche, um hiedurch der Seele Freiheit zu gewinnen; denn die Freiheit ist ein Müssen der Seele, deren Heil und Unheil stets auf dem Spiele steht, und er hatte sich dem Befehl gefügt, gehorsam seiner Schicksalsaufgabe.

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