Lucie Faulerová - Staubfänger

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Die 28-jährige Anna lebt allein in einer Wohnung voller Nippes, der Staub ansetzt. Nur ihre Arbeit im Callcenter oder die Treffen mit ihrer Schwester Dana, einer dreifachen Mutter, durchbrechen zeitweise ihren Strom sardonischer Selbstgespräche. Verfolgt von einer dämonischen Gedankenwelt, die sie immer wieder auf unterschiedliche Weise sterben lässt, kämpft Anna gegen ihre traumatische Vergangenheit an, die nach und nach aufgedeckt wird. Doch in diesem Buch ist nichts gewiss: Erinnerung und Fantasie, Vergangenheit und Gegenwart, Wahrheit und Lüge verschwimmen, und stets meldet sich ein Erzähler zu Wort, der Annas Version der Ereignisse beständig widerspricht.
Ein schwindelerregender Roman über eine junge Frau voller Zorn und zynischem Witz, seelischer Abgründe und spitzzüngiger Raserei. Mit ihrer unkonventionellen Sprache, einer bestechend klaren Beobachtungsgabe und erzählerischem Geschick inszeniert Lucie Faulerová die Tiefen der menschlichen Psyche. Ein Buch, das einen nicht mehr loslässt.

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Mein Telefon klingelt gedämpft. Vermutlich ist es in der Manteltasche. Es ist meine Schwester, es zahlt sich nicht aus, aufzustehen und sich davon zu überzeugen. Es ist meine Schwester, es zahlt sich nicht aus, aufzustehen und das Gespräch anzunehmen. Für heute hab ich genug vom Telefonieren. Wie jeden Tag. Ich bin nämlich Callcenteragentin. Schon seit etwa vier Jahren. Die Haltbarkeit von Callcenteragentinnen beträgt angeblich drei Jahre, ich bin also schon drüber.

Mit einem Fuß schiebe ich den Aschenbecher näher heran und greife nach der Zigarettenschachtel. Und dann klick, anzünden, klick. Mit der Zehe streiche ich über die abgeblätterte Brustgegend der Katze. Mein Telefon klingelt noch einmal und ich denke daran, dass meine Schwester diesen Aschenbecher hassen würde. Sie würde meine ganze Wohnung hassen, aber ich habe ihr dazu keine Gelegenheit gegeben, sie war noch nie bei mir. So viel Kitsch und Staub, das wäre mehr, als sie ertragen könnte. Diese Konzentration an Geschmacklosigkeit, darin suhle ich mich. Meine Deponie, meine kleine Schundausstellung, meine Sammlung nutzloser Dinge, an denen niemandem, mich eingeschlossen, etwas liegt. Krempel, der ungefähr so notwendig ist wie meine ganze Existenz. Keine Kunst, kein Souvenir, keine Erinnerungsträger, keine Sammlerstücke. Nur Staubfänger, die ich kaufe und stehle. Manchmal bekomme ich etwas, aber meistens kaufe oder stehle ich sie. Meistens stehle ich sie. Auch auf sie legte sich schon beinahe Staub, wie sie da schon über eine Stunde in der Stille des Zimmers saß, sagt der Erzähler. Vollkommene Stille stört mich nie, solange mir nicht bewusst wird, wie vollkommen sie ist. Nur drei Uhren ticken, jede anders, jede hat ihre Zeit und eine von ihnen setzt manchmal aus, sie hat ein Problem, von Dreiviertel auf Zwölf zu ziehen, und dazu das gelegentliche Knarren des Parkettbodens, das Knistern des verglühenden Zigarettenpapiers und klick-klick.

Um sechs Uhr zweiundfünfzig, vielleicht auch siebenundfünfzig, wachte ich auf dem Fußboden liegend auf, und vielleicht wachte ich nicht auf und das Erste, was mir in die Nase stieg, war der säuerliche Gestank, der von dem verschütteten Wein kam. Ich setzte mich auf und ließ meine Halswirbelsäule ein paar Mal knacken. Ich zog mir das T-Shirt über den Kopf und schmiss es über den roten Fleck auf dem Parkettboden neben die umgekippte Flasche. Ich trat mit einem Fuß auf das T-Shirt und wischte den restlichen Wein weg. Das T-Shirt landete im Müll. Zeit für ein neues T-Shirt, Zeit für neue Gewohnheiten. Und wieder ein neuer Tag, ihr kennt das ja schon. Die Zahnbürste ins Maul, Pinkeln, das Ventil, Spülen. Diesmal ergänze ich meinen Reinigungsprozess, ich will den Gestank nach Wein und Rauch loswerden. Direkt von der Kloschüssel, mit der Zahnbürste im Mund, springe ich in die Duschkabine.

Ich erwachte durch Fluorid im Hals und kaltes Wasser. Ich musste wohl in der Dusche in die Hocke gegangen und dabei eingeschlafen sein, mein Schläfchen dauerte die eine oder andere Minute, denn das ganze heiße Wasser war futsch. Mit blau angelaufenen Fingern machte ich die Tür der Duschkabine auf. Sieben Uhr zwanzig. Mein Schläfchen hatte länger gedauert, als ich dachte. Ich spuckte die Sauerei, die sich in meinem Mund angesammelt hatte, aus und machte mich auf den Weg ins Schlafzimmer, wo ich die Sammlung dunkelschwarzer, langweiliger, anständiger, beißender Kleider im Stil von Bibliothekarinnen in den Wechseljahren durchging und mir eins davon aussuchte. Die Haare hinter die Ohren gestrichen. Zum Frühstück hatte ich einen heißen Kaffee und eine Zigarette. Das Knurren im Magen gab mir den Befehl zur täglichen Aufnahme eines Krapfens. Ich frühstücke jetzt nämlich Krapfen.

Du bist, was du isst. Ich bin Mehl und Zucker und Fett mit irgendwas Klebrigem drinnen.

Ich hängte mir den Mantel und die Tasche über die Schulter und ging hinaus in düsteres Wetter. Die Echos des Sommers sind dahin, sagt der Erzähler; den Sommer samt seinen Echos kannst du dir in den Arsch stecken, sage ich. Ich ging in die Bäckerei an der Ecke und kaufte mir einen mit Schokolade und einen mit Heidelbeerfüllung.

Bei meiner Schwester war ich kurz vor fünf. Sie erwartete mich, samt dem Trio ihrer Nachkommenschaft, an der Tür. Die Armen.

»Was, du kannst schon gehen, das ist ja toll«, sagte ich und bemühte mich wirklich, diesen jubelnden Hurra-Ton zu treffen, weigerte mich dann aber, auch noch die Verantwortung dafür zu tragen, wie es wirklich klingt. Marek stützte sich unsicher gegen das Bein seiner Mama, lächelte mich dabei aber mit einem stolzen, kindlichen Ausdruck an.

»Du wirst immer dünner«, hieß mich meine Schwester willkommen. Oh Gott, hat ihr jetzt schon wirklich jemand diesen übermütterlichen und vorwurfsvollen ich-mein’s-doch-nur-gut-Ausdruck ins Gesicht geheftet oder was ist da los? Am schlimmsten ist, dass ich sie aber eigentlich schon seit jeher so in Erinnerung habe. Diesen Gesichtsausdruck hatte sie schon, als sie zehn war.

»Du hast ein bisschen zugenommen«, sagte ich. Nach dieser herzlichen schwesterlichen Begrüßung setzte ich mich in die Küche und wartete darauf, dass sie mir einen Kaffee machte.

»Wo ist er?«, fragte ich sie und begann, in der Boulevardzeitung zu blättern, die auf dem Tisch lag.

»Zdeněk?«, sie drehte sich zu mir und wieder zurück zum Wasserkocher. Diese Alchemie, die sich in dem Gefäß aus Plastik abspielte, verdiente ganz einfach mehr Aufmerksamkeit. Es gibt Zeiten, da hat meine Schwester sehr viel zu tun, wenn wir uns sehen – und für gewöhnlich bedeutet das, dass sie mir den Rücken zudreht. »Er ist auf ein Bier gegangen.« Schockierend! verkündete die Überschrift auf der ersten Seite. Ich nickte. Da wird er also länger weg sein.

Karolína kam zu mir gelaufen. Sie hatte ihre Puppe dabei und fing an, mir etwas zu erklären, mit einem wichtigen Gesichtsausdruck und weniger wichtigen Gesten. Ich nickte nur verwirrt, denn es überraschte mich, wie so ein kleines Mädchen fähig ist, die gleiche besorgte Miene wie ihre Mutter aufzusetzen. Wie gut, dass meine Schwester uns den Rücken zudrehte, denn ich wette, es wäre ihr nicht entgangen, dass sich in mir alles zusammenzog, als würde ich mir einen Löffel Essig in den Hals gießen. Normalerweise lachen die Leute über so was, oder? Wenn die Kinder die Miene von Erwachsenen aufsetzen und Sätze sagen, die auch Erwachsene sagen, die sie sich von ihnen abgeschaut haben, und wenn sie dann sogar noch die Kleider von der Mama anziehen, also sofern das keine Jungs machen, denn darüber lacht dann kaum noch jemand. Ich wurde dadurch aber lediglich nervös und es widerte mich ein bisschen an. Es überraschte mich sogar, dass es etwas gab, das mir irgendwie unangemessen erschien, genau das ist das Wort, mir kommt nicht einfach so etwas unangemessen vor, nein, so einfach bin ich nicht aus der Ruhe zu bringen. Mit diesem Lamentieren erinnerte mich Karolína an eine Sendung, die ich vom Herumzappen durchs Kabelfernsehen kenne, das ich mir damals, als ich mit Salmonellen zu Hause lag, anschaffte. Da lief eine Übertragung von irgendeiner Wahl zur Kinder-Miss. Das Ganze spielte sich ab in einer gottverlassenen Stadt im Süden der USA. Kleine Mädchen stolzierten über eine Bühne, sie waren zwischen vier und acht Jahre alt. Ihre kindlichen Gesichter verschwanden unter einer Tonne Make-up, ihre kindlichen Haare unter protzigen Toupets. Und als wäre das nicht schon genug gewesen, stellten sie sich auf dem Laufsteg zur Schau, mit hohen Schuhen und ausgestopften Brüsten, kreisten mit ihren kindlichen Hüften und schickten laszive Küsschen ins Publikum. Und um sie herum liefen ihre hysterischen Mütter, die sich in drei Kategorien unterteilen ließen: In der ersten Gruppe waren außergewöhnlich hässliche Mütter, die das kompensieren mussten, wozu sie selbst nicht in der Lage waren. In der zweiten Gruppe waren außergewöhnlich junge Mütter, die das kompensieren mussten, was sie selbst nicht geschafft hatten. In der dritten Gruppe waren alte, ehemalige Misses vom Arsch der Welt, die kompensieren mussten, dass sie das alles schon hinter sich hatten. So oder so, es ist klar, dass alle drei Gruppen von Müttern diese Wettbewerbe vor allem aus einem Grund abklapperten. Klar, sie bekommen Geld dafür, klar, sie sind mächtig stolz, bum, aus, bussi, baba, seien wir uns ehrlich, da steht noch etwas anderes dahinter, ganz einfach: Vorwürfe. Ein schlechtes Gewissen. Alle wollen sie mit dieser Maskerade versuchen, etwas zu übertönen: Ihre Gewissensbisse nämlich, die davon kommen, dass sie es manchmal heimlich bereuen, Kinder zu haben. Niemals würden sie zugeben, dass sie manchmal daran denken, zumindest eine Sekunde, zumindest in einem einzigen schwachen Moment, während sie, nach Erbrochenem stinkend, beim Anblick alter Fotos vom Abschlussball heulen, wie es wäre, wenn sie sich nochmals entscheiden könnten.

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