Britta Röder - Das Gewicht aller Dinge

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Wer ist die junge Frau, die eines Morgens auf einer Parkbank aufwacht? Obwohl sie selbst keine Erinnerungen besitzt, löst sie bei jedem, dem sie begegnet, Erinnerungen aus. Ihre Spurensuche wird zum Sammeln fremder Lebensgeschichten.
Oder sind diese anderen Geschichten vielleicht gar nicht fremd? Was verbindet sie mit dem trauernden Hochschullehrer
Rolf? Was hat sie gemeinsam mit Charlotte, die mit ihr Erinnerungen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs teilt?
Je tiefer sie in die Leben der anderen eintaucht, desto intensiver kommt sie dem Leben selbst auf die Spur. Und mit der Erkenntnis, dass allem ein Gewicht anhaftet, steht sie schließlich vor der Entscheidung ihres Lebens.

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Maria zögerte kurz, straffte ihren Rücken und fuhr fort:

»Ich konnte doch nicht zulassen, dass er alles kaputt macht. Ich hatte doch nur noch meine Mutter. Sie war meine Familie. Und er war dabei, sie mir wegzunehmen. Dagegen musste ich etwas tun. Um ihn zu entlarven, wollte ich ihn vor ihren Augen bloßstellen. Wenn sie sah, wie weit er ging, dachte ich, dann würde sie endlich begreifen, was für ein Mistkerl er war.

Ich beschloss, mein Vorhaben an einem Freitag umzusetzen. Denn jeden Freitag war Mama beim Chor. Ihr einziges echtes Hobby. Solange ich denken kann, ging sie zu diesen Treffen, um zu singen. Sogar als ich noch ganz klein war und wir alleine lebten, hielt sie daran fest. Anfangs bat sie noch eine Nachbarin, auf mich aufzupassen. Später, als ich groß genug war, blieb ich eben allein. Pünktlich um acht verschwand sie und kam stets um elf zurück.

Als ihr Freund bei uns einzog, war er natürlich nicht so begeistert davon, jeden Freitagabend allein dazusitzen. Doch Mama ignorierte seine Nörgelei. Der Chor war ihr heilig, und das sagte sie ihm auch. Nichts konnte sie davon abhalten, sich im Gemeindehaus mit anderen Frauen zu treffen, um dort alte Schlager und Gospels zu trällern. Diese drei Stunden am Freitag gehörten ganz allein ihr. Für mich bedeutete dies, dass ich mich an den Freitagabenden in meinem Zimmer verkroch, um ihm nicht über den Weg zu laufen.

Mein Plan sah vor, dass ich ihn dazu bringen wollte, mich vor den Augen meiner Mutter zu begrabschen. Das würde ihr sicher die Augen öffnen.

Anfangs lief alles so, wie ich es mir ausgemalt hatte. Mama ging pünktlich los, der Idiot hockte sich ins Wohnzimmer vor seinen Laptop. Ich wartete bis kurz nach zehn in meinem Zimmer, dann schritt ich zur Tat. In der Küche holte ich Bier aus dem Kühlschrank und nahm, um mir Mut einzuflößen, ein paar tiefe Züge. Alkohol war ich damals noch nicht gewohnt. Das Bier stieg mir sofort in den Kopf. Ich fühlte mich leicht und mutig. Mit der angebrochenen Flasche in der einen und einer neuen Flasche in der anderen Hand ging ich ins Wohnzimmer.«

Noch einmal unterbrach Maria ihre Worte und holte tief Luft, um auch die letzte Hürde zu nehmen. Nun gab es kein Zurück mehr, sich daran zu erinnern und davon zu erzählen war eins. Widerstandslos flossen ihr die Worte aus dem Mund. Die Erinnerung war so lebendig geworden, dass sie sich von nun an ganz allein vorwärts bewegte. Unaufhaltsam. Wie ein Film lief alles vor ihrem inneren Auge ab:

»Zehn Uhr zwanzig.

Er saß auf der Couch und spielte Computer. ›Was machst du?‹, fragte ich. Und: ›Willst du es mir zeigen?‹

Sofort rückte er zur Seite, um mich besser sehen zu lassen. Er klickte im Bild herum und faselte was von Punkten und Highscore. Ich nickte, obwohl ich vor Aufregung kein Wort verstand. Mein Herz schlug so laut, ich hörte kaum etwas anderes.

Ich gab ihm die volle Flasche und betete darum, er würde mich nicht durchschauen und wegschicken. Doch er schüttelte nur kurz sein ungläubiges Gesicht und musterte mich grinsend. Sein Blick klebte auf mir, es war eklig. Die Zeiger auf der Wohnzimmeruhr riefen mir Mut zu.

Zehn Uhr fünfundzwanzig.

Noch fünfunddreißig Minuten. Solange musste ich noch durchhalten.

›Darf ich mich zu dir setzen?‹, fragte ich. Ich spürte, wie ich rot wurde, und hoffte, er würde es nicht merken.

Kaum saß ich neben ihm, ging es los.

›Du bist eine schöne Frau‹, sagte er und hauchte dabei gegen meinen Hals. Seine Finger folgten dem biergetränkten Atem und wanderten von meinen Schultern die Arme hinunter.

Inzwischen war ich völlig erstarrt. Ich versuchte zu lächeln, damit er nicht misstrauisch wurde. Ich trank einen tiefen Schluck aus der Flasche und gab mich lässig. Die Zeiger auf der Uhr bewegten sich kaum. Zehn Uhr dreißig.

›Du bist so schön‹, wiederholte er. ›So schön.‹ Inzwischen lag seine Hand auf meinem Oberschenkel. Er rückte immer näher. Schnell hob ich die Flasche an den Mund und trank. Ein kläglicher Versuch, irgendetwas zwischen mich und ihn zu bringen. Eine Ablenkung, eine Geste, eine weitere Verzögerung.

Zehn Uhr zweiunddreißig.

Noch achtundzwanzig Minuten, dachte ich und ertappte mich das erste Mal bei dem Gedanken, ich könnte die Situation vielleicht doch nicht wirklich unter Kontrolle haben. Aber mein Kopf war leer, mir fehlten weitere Ideen, um Zeit zu schinden.

›Warum so schüchtern?‹, sagte er. Seine widerlichen Hände waren nun überall, sie nestelten an meiner Kleidung herum, sie suchten nach einem Weg, um den Stoff loszuwerden. Wie gelähmt saß ich da. Alles, woran ich dachte, war: Nur nicht weglaufen. Durchhalten.

Zehn Uhr vierzig.

Als seine Hand meine Brust berührte, hielt ich es nicht länger aus. Ich sprang auf. Ein Reflex. Aber auch ein Rückzug.

›Nein‹, rief ich. Nein zu ihm, nein zu mir, zu meinem Plan, der gescheitert war. Längst gescheitert. Es war zu spät. Nein! Ich hatte keine Chance.

Seine Hände waren wie Schraubstöcke. Er hielt mich fest und zwang mich zurück auf die Couch. Er drückte mich so tief in das weiche Polster, so tief, dass ich kaum Luft bekam.

Ich wollte wissen, wie spät es war. Aber die Uhr war außer Sicht geraten. Jeder meiner Versuche, mich nach oben zu kämpfen, spornte ihn an, noch schneller zu werden. Nichts passte mehr zusammen. Die Zeit war zum Stillstand gekommen, jede Sekunde eine Ewigkeit, während das Unsagbare immer schneller, hastiger, gieriger über mich hereinbrach.

Es hätte doch nun endlich soweit sein müssen, dass meine Mutter nach Hause kam. Jeden Moment hätte das Geräusch der Wohnungstür zu hören sein sollen.

›Wenn du willst, hole ich uns noch ein Bier‹, bettelte ich. Mein letzter Versuch zu entkommen. Er durchschaute ihn sofort.

›Halt endlich dein Maul‹, zischte er und schlug mir ins Gesicht.

Ich war so schockiert, dass ich noch nicht einmal den Schmerz spürte.

Und dann ging alles ganz schnell. Ein Ruck und er riss mir die Hose von den Beinen. Ein Ruck, der Moment, in dem er in mich drang. Ein Ruck, mit dem er mich von sich warf wie eine Sache, die er nicht mehr brauchte.

In dem Maße, in dem ich wieder zu mir kam, verwandelte sich mein Körper in Schmerz. Ich sah, wie er sich die Hose wieder anzog, als sei nichts passiert. So beiläufig, als käme er gerade von der Toilette.

›Zieh dich an, Schlampe.‹ Er grinste mich an. In Zeitlupe raffte ich mich auf. Endlich fiel mein Blick auf die Uhr an der Wand.

Elf Uhr zwanzig.

›Oh, wartet die Kleine auf ihre Mama?‹, spottete er und beugte sich noch einmal über mich. ›Hast wohl nicht gewusst, dass sie heute später heimkommt? Geburtstagsfeier. Wolltest mich also reinlegen? Aber dir hab ich’s gezeigt.‹ Lachend verließ er den Raum und ich blieb allein zurück.«

Endlich hatte Maria alles erzählt. Nun durfte sie wieder schweigen. Erleichtert schweigen. Eine Schweigeminute für ihre verlorene Kindheit.

Als sie wieder zu sprechen begann, hatte sie sich gefasst. »Ich habe mich so sehr geschämt. Ich dachte, das alles sei meine Schuld. Wenn ich nicht so dumm gewesen wäre, wäre an diesem Abend nichts passiert.«

Sie seufzte und stand auf.

»Noch nie habe ich mit jemandem darüber gesprochen. Immer habe ich geschwiegen. Ich traute mich nicht, meiner Mutter etwas zu sagen, und tat so, als wäre alles wie immer. Doch dabei fühlte ich mich noch schuldiger. Wie eine Lügnerin kam ich mir vor.

Die Stimmung zu Hause wurde immer schlechter. Mutter merkte, dass etwas nicht stimmte, und schimpfte nun noch mehr mit mir. Und ihren Kerl, den konnte ich einfach keine Sekunde länger in meiner Nähe ertragen. Also bin ich abgehauen. Hab mich irgendwie durchgeschlagen. Hab einiges gemacht, auf das ich nicht sehr stolz bin.«

Maria lächelte.

»Weißt du, wie schwer es ist, sich selbst zu verzeihen? Jetzt begreife ich, dass mir etwas passiert ist, wofür ich nichts kann. Vielen Menschen passieren schlimme Dinge. Ich bin absolut nicht allein. Aber man kann damit leben. Der erste Schritt ist, zu akzeptieren, dass das passiert ist, was passiert ist. Eine Wunde heilt nicht, indem man sie ignoriert. Es ist okay, wenn man Hilfe annimmt. Es ist wichtig, seinen Schmerz mitzuteilen. Schweigen ist wie Weglaufen und Weglaufen bringt nichts. Du kannst nicht vor dir selbst weglaufen oder vor dem, was dir passiert ist. Alles, was dir passiert ist, ist von da an ein Teil von dir.«

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