Für Michail Orlow und Gabriel Kanthak sind diese Frauen nichts weiter als Ware. Eine Ware, die heiß begehrt jede Menge Geld einbringt.
Die meisten dieser Mädchen stammen aus dem südostasiatischen Raum. Gabriel beschafft seinen Nachschub regelmäßig aus Gebieten wie Kambodscha, Laos, Thailand und Vietnam, wobei er darauf achtet, nur gesunde, außergewöhnlich schöne Frauen zu besorgen, da sie den besten Preis einbringen. Je jünger, umso besser.
Er hat keine Probleme damit, auch die minderjährigen Mädchen für seine Kunden zu organisieren, doch dies geschieht nur auf Vorbestellung.
In ihrer Organisation haben die beiden Männer einen Ring von Mitarbeitern aufgebaut, die sich kontinuierlich darum kümmern, die Ware für den Verkauf vorzubereiten, sodass sich Gabriel auf die Beschaffung konzentrieren kann. Trotzdem sorgt er dafür, dass den Frauen seine Präsenz jederzeit bewusst ist, dass sie um die grausamen Strafen wissen, die ihnen drohen, wenn sie sich widersetzen. Nur in gezielten Fällen oder bei Bedarf legt Gabriel selbst Hand an, doch davor fürchten sich alle Mädchen.
Die Oberhäupter der Organisation lassen ihren Gästen ausgiebig Zeit, sich die jungen Frauen anzuschauen, da ihnen bewusst ist, was die Vorfreude bei diesen Männern bewirkt. Der Anblick der aufreizenden Geschöpfe sorgt dafür, dass sich die Geldbeutel der Käufer noch um einiges mehr lockern.
„Wie sieht es aus? Sollen wir anfangen?“
Die Frage des Kartellchefs, in die Runde gestellt, lässt die Männer ihre Plätze aufsuchen, die sie zur gründlichen Begutachtung verlassen hatten. Still warten sie ab, während die Frauen den Raum verlassen.
Auf einen Wink von seinem Boss bringt einer der Wachposten die erste Frau herein.
Gabriels Männer wissen genau, in welcher Reihenfolge sie vorzugehen haben. Die besten Modelle kommen als Letztes an die Reihe.
„Wählen Sie selbst, meine Herren, wie viel Ihnen Ihre neuen Gefährtinnen wert sind. Sie wissen, wir beginnen mit einem Mindestgebot von fünfzigtausend Euro.“
Sie haben sich ihre Gespielinnen bereits ausgesucht, aber jeder von ihnen kennt Michail Orlow, dem nachgesagt wird, ein knallharter Geschäftsmann zu sein. Der lässt sich garantiert nicht erweichen von seinem Ziel abzulassen, welches daraufhin zielt, den bestmöglichen Preis zu erlangen. Die Mädchen müssen alle gekauft werden, sodass es noch eine ganze Weile dauern kann, bis die Frau ihrer Wahl zum Verkauf angeboten wird.
„Ich biete fünfzigtausend“, verkündet einer der Gäste. Er weiß, dass diese Frau ihm, wenn sie gut arbeitet, täglich mehr als fünftausend Euro einbringen kann. Er geht das kalkulierbare Risiko ein.
„Fünfundfünfzig!“
„Sechzig!“
Nachdem der Anfang gemacht ist, geht es zügig weiter. Die ersten zweiundzwanzig Frauen sind innerhalb von circa zwei Stunden verkauft.
Die nächsten acht Frauen sind genau die, auf die es alle Männer abgesehen haben.
Bisher hat Michail knapp zwei Millionen Euro eingenommen, doch jetzt zieht er die Preise an. „Von nun an wird es spannend, meine Herren“, preist er seine Ware an. „Die acht atemberaubenden blutjungen Schönheiten sind einzigartig. Das haben Sie sicher bereits alle erkannt. Der Einstiegspreis beträgt fünfundsiebzigtausend.“ Auffordernd schaut er sich in der Runde um.
Es bedarf nur eines kurzen Winks von Gabriel, damit die erste der Frauen ihre Hüllen für die Männer vor sich fallen lässt. Er weiß genau, wo er diese Männer packen muss, damit sie sich ohne Bedenken von ihrem Geld trennen. Mit einem kalten Lächeln wartet er darauf, dass sein Partner die Versteigerung beginnt.
„Wem von Ihnen ist dieses wunderschöne Geschöpf den Betrag wert?“, erkundigt sich der Russe ruhig. Auf die nun folgenden Angebote braucht er nicht lange zu warten.
„Fünfundsiebzigtausend!“, meldet sich der Erste zu Wort.
Es bleibt nicht dabei. Für die letzten acht Frauen bieten sich die Käufer ein heftiges Gefecht, sodass abermals zwei Stunden vergehen, bis sie alle den Besitzer wechseln. In Kürze wird eine weitere Million in den Taschen des Kartellbosses landen.
Einzig die beiden luxemburgischen Diplomaten beteiligen sich nicht an den Geboten, sondern bleiben ruhig auf ihren Plätzen sitzen. Doch mit fortschreitender Zeit werden sie immer missmutiger, was aber weder Gabriel noch sein Partner in irgendeiner Form berücksichtigen.
Nachdem die dreißig begutachteten Frauen zum Abtransport bereitstehen, bittet der Kartellchef seine Gäste für die Bezahlung der Ware einzeln in sein Büro, wo sie auf Wunsch dann auch die notwendigen Papiere erhalten, um ungehindert mit ihrer Ware die Grenzen zu überschreiten. Natürlich nur gegen die passende Gebühr!
„Michail, Sie hatten uns etwas zugesagt, erinnern Sie sich?“ Der achtundvierzigjährige Etienne Flammang tritt an seinen Gastgeber heran, bevor dieser in seinem Büro verschwinden kann. Sein sechsundvierzigjähriger Kollege folgt ihm auf dem Fuß.
„Ich verstehe nicht, warum Sie uns eingeladen haben, wenn Sie uns nichts anzubieten haben“, meckert der Luxemburger.
Michail nimmt den wohlbeleibten Botschafter freundschaftlich lächelnd in den Arm. „Wer sagt denn, dass ich Ihnen nichts anzubieten habe? Hätte ich Ihre spezielle Ware allen anderen zur Schau stellen sollen? Ich glaube nicht, dass das in Ihrem Interesse gewesen wäre“, vermutet er wieder ernst werdend.
„Sie haben also doch etwas für uns?“ Erfreut strahlen Etienne Flammangs Augen auf.
„Ja, natürlich.“ Der Russe winkt seinen Partner zu sich heran. „Da ich mich im Augenblick leider um meine anderen Gäste kümmern muss, wird Gabriel bestimmt für mich einspringen und Ihnen Ihre Bestellung präsentieren. Ich hoffe, Sie verzeihen mir das?“
„Selbstverständlich“, nickt der Diplomat.
Belustigt schaut Gabriel in die Augen seines Partners. Sie wissen beide, dass auch Gabriel absolut verhandlungsfähig ist, vielleicht sogar noch härter als sein Kompagnon.
„Ich sage Ihnen etwas“, beginnt der Kartellchef. „Sobald Sie sich einig geworden sind, dürfen Sie Ihre Ware gern testen. Dafür stehen Ihnen zwei wunderschöne Zimmer zur Verfügung. Gabriel wird sich um alles kümmern.“
‚Ein hervorragender Schachzug‘, stellt Gabriel fest. ‚Mit der Aussicht auf dieses Arrangement hat Michail die Diplomaten vollständig in der Hand.‘ Er ist sicher, dass die beiden jeden geforderten Preis zahlen.
„Kommen Sie, meine Herren.“ Mit der Hand weist er den Gästen die Richtung.
Seine Mitarbeiterin hat für den Auftritt der beiden Blondinen genau die richtige Wahl getroffen. Ihre langen weichen Haare sind leicht zur Seite hochgesteckt, so dass man den perfekten schlanken Hals erkennen kann. Die Abendkleider mit dem tiefen Ausschnitt zeigen viel von der zarten Haut. Sie sind nicht übermäßig geschminkt, wirken aber keineswegs wie junge Mädchen. Den beiden betrachtenden Männern erscheint es so, als ob diese Frauen nur auf sie warten würden.
Gabriel gibt keine Regung von sich, während er innerlich allerdings über diese Männer lacht, die sich regelrecht zum Gespött machen. ‚Fehlt nur noch, dass sie anfangen zu sabbern‘, denkt er gehässig. „Was sagen Sie? Haben wir Ihnen zu viel versprochen?“
Da Etienne Flammang nur den Kopf schüttelt, übernimmt Jeannot Goergen das Antworten: „Nein, Sie haben absolut die richtige Wahl getroffen. Ich bin begeistert! Mein Kollege anscheinend auch.“ Er wirft seinem Begleiter einen Blick zu, ehe er seine Aufmerksamkeit auf den Mädchenhändler richtet. „Wie viel?“
„Zweihunderttausend!“
Die beiden Diplomaten reißen erschrocken die Augen auf. „Ist das Ihr Ernst? Mein Gott, wieso ist das so viel?“, stöhnt Etienne Flammang.
„Sie haben sich etwas Besonderes gewünscht. Wir hatten viel Vorarbeit, um Ihnen das bieten zu können. Die jungen Damen sind nicht nur bildhübsch, sondern auch gebildet. Beide haben ein abgeschlossenes Abitur. Sie haben ihre Studiengänge nur abgebrochen, um für Sie da zu sein.“ Die Lüge geht ihm mühelos über die Lippen. ‚Wahrscheinlich glauben die Typen mir das sogar, weil sie es einfach glauben wollen‘, vermutet er mit einem kalten Lächeln.
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