Auf einen Sucher muss man bei dieser Olympus 820 wie bei inzwischen fast allen Kompaktcams auch verzichten Foto: Olympus
5. Keine Auflösungsunterschiede
Vergleicht man die Preise zwischen einer DSLR mit einem Weitwinkel- und eine Telezoomobjektiv und einer Bridgecam, fährt man mit der Kamera mit eingebautem Objektiv deutlich billiger. Zwischen 200 und 800 Euro kosten die aktuellen Modelle der Hersteller im Handel. Auch hier positioniert man sich also zwischen DSLRs und Kompaktkameras. In punkto Bildauflösung gibt es zwischen DSLRs und Bridgemodellen keine nennenswerten Unterschiede. Zwischen 12 und 20 Megapixel liefern die Modelle. Wer allerdings daraus schließt, dass auch die Bildqualität vergleichbar ist, der irrt sich. Der große Nachteil von Bridgekameras
6. Winzig kleiner Bildsensor
Schaut man sich die Herstellerbeschreibungen der angebotenen Bridgecams an, wird dort mit Superlativen nicht gespart: „50fach Megazoom“, „24 mm-Weitwinkel“, „18 MP Auflösung“, „ISO 12.800“. Klingt alles nach Indizien dafür, dass man hier eine Kamera vor sich hat, die immer tolle Bilder macht. Eine ganz entscheidende Angabe zu den Kameras versteckt sich allerdings in den technischen Daten: die Größe des Bildsensors, der in der Kamera verbaut ist. In der Regel werden nämlich bei Bridgecams 1/2,3-Zoll-Sensoren verwendet, die eine effektive Größe von 6,2 x 4,6 Millimetern aufweisen. Was dieser Wert aussagt, lässt sich erahnen, wenn man sich die Sensoren von Four Thirds - Systemkameras ( 17,3 x 13,0) oder gar Canon-DSLRs mit APS-C-Format (22,2 x 14,8) anschaut: Diese sind um ein Vielfaches größer! Bauartbedingt lassen sich solche Sensoren in Bridgecams gar nicht unterbringen, selbst wenn die Hersteller dies wollten. Für den Anwender hat die kleine Sensorgröße in der Praxis große Nachteile. Auf dem winzigen Sensor tummeln sich genauso viele Pixel wie auf einem großen DSLR-Chip, was dazu führt, dass schon bei niedriger Lichtempfindlichkeit schnell Bildrauschen auf Aufnahmen zu sehen ist. Die hohe Auflösung wird den Bridgecams also hier zum Verhängnis. Die Folge sind deutliche Unterschiede im Bezug auf die Bildqualität im Vergleich zu DSLRs und Systemkameras.
7. Die neue Generation
Inzwischen werden bei neuen Bridgemodellen vermehrt neu entwickelte Sensoren verbaut. So setzt Fujifilm zum Beispiel inzwischen auf 1/2-Zoll-Displays, die ein um 30 Prozent reduziertes Bildrauschen im Vergleich zu den Vorgängermodellen aufweisen sollen. Andere bieten mit 2/3-Zoll Displays noch einmal deutlich mehr Platz für die Pixel. Dennoch bleibt das Grundproblem trotz aller Optimierungsbemühungen bestehen. Die Größe des Bildsensors hat einen ganz entscheidenden Einfluss auf die Bildqualität. Und hier befinden sich Bridgekameras eher auf dem Niveau von Kompaktkameras, als auf dem Niveau von DSLRs und Systemkameras.
Optik und Haptik erinnern nicht nur bei dieser Sony H200 an Spiegelreflexkameras Foto: Sony
8. Wofür geeignet?
Bridgekameras bieten dem Anwender ohne jeden Zweifel viele Vorteile. Für vergleichsweise wenig Geld erhalten Sie eine Kamera mit großem Brennweiten- und Leistungsspektrum. Ohne sich als Objektivjongleur betätigen zu müssen, sind Sie auf jede Motivsituation gut vorbereitet. Allerdings sollten Sie nicht von dieser Kameraklasse erwarten, dass sie in Bezug auf die Geschwindigkeit und Bildqualität mit DSLRs mithalten kann. Das kann sie nämlich bei weitem nicht! Trotzdem dürfte das Leistungsvermögen für viele Hobbyfotografen und typische Bildmotive völlig ausreichend sein. Wer sich hingegen ernsthaft mit der kreativen Fotografie als Hobby befassen will, dürfte Bridgecams höchstens als Einsteigergeräte interessant finden.
Foto: Canon
Ohne Spiegel, aber mit System
Keine andere Kameraklasse verzeichnet ein solch immenses Wachstum wie die Systemkameras. Kompakt und trotzdem in punkto Bildqualität in einer Liga mit den DSLRs. Das macht die Kameras für viele Hobbyfotografen interessant. In diesem Abschnitt erfahren Sie, was die spiegellosen Spezialisten auszeichnet.
Als Panasonic im Jahr 2008 mit der Lumix DMC-G1 die erste digitale Kompaktkamera mit Wechselobjektiv vorstellte, ahnten wahrscheinlich nicht einmal die kühnsten Optimisten des japanischen Konzerns, welch riesige Welle dies auslösen sollte. Das Grundprinzip hinter dieser neuartigen Kamera war gleichermaßen simpel wie genial: Man kombiniere die technischen Vorzüge einer Spiegelreflexkamera mit der handlichen, praktischen Bauform einer Kompaktkamera. Und zwar dadurch, indem man einfach den Spiegelkasten weglässt. So kann der Fotograf bei der Motivwahl zwar nicht durch den optischen Sucher direkt durch das Objektiv blicken, doch dafür spart man sich einen entscheidenden Baufaktor, der DSLRs-Bodys so wuchtig wirken lässt. Anstatt eines optischen Suchers nutzt der Fotograf bei einer digitalen Kompaktkamera mit Wechselobjektiv je nach Modell einen elektronischen Sucher oder den Kameramonitor für die Motivkontrolle.
1. Die „Urkamera“
Mit der Lumix DMC-G1 wurde eine neue Kamerageneration geboren: die Systemkamera. So wird sie zumindest landläufig genannt, obwohl dies eigentlich einen Oberbegriff darstellt, unter den auch DSLRs fallen. Eine Systemkamera ist im tatsächlichen Sinne jede Kamera, bei der das Objektiv gegen ein anderes ausgetauscht werden kann. Wenn man es genau nimmt, zählte die Lumix DMC-G1 zum ersten Exemplar einer „Mirrorless System Camera“, kurz „MSC“. Inzwischen lässt man bei der Produktbezeichnung jedoch häufig das „spiegellos“ weg und spricht nur noch von der Systemkamera.
2. Neues Sensorformat
Natürlich unterscheidet sich eine Systemkamera nicht einfach nur dadurch von einer einfachen Kompaktkamera, dass man das Objektiv austauschen kann. Einer der entscheidenden Unterschiede für die deutlich höhere Bildqualität findet sich in den verbauten Sensorgrößen. Diese sind nämlich je nach Modell fast so groß wie die APS-C- beziehungsweise DX-Sensoren, die in Einsteiger- und Mittelklasse-DSLRs verbaut werden. Die Sensoren von Kompaktkameras weisen nur einen Bruchteil dieser Größe auf. Ursprünglich setzten die Hersteller von Systemkameras fast ausschließlich auf das neu entwickelte Micro Four Thirds-Format. Inzwischen verbauen einige Anbieter aber auch eigene Sonderformen, wie Nikon beispielsweise mit dem proprietären CX-Format.
3. Geringe Auswahl
Der Markstart der Lumix DMC-G1 wurde 2008 in der Fotobranche zwar interessiert beobachtet, doch auch von vielen abfälligen Kommentaren begleitet. Spiegellose Systemkamera? Wer soll sowas schon brauchen? Die einen nehmen eine DSLR, die anderen eine Kompaktkamera und wer sich nicht entscheiden kann, eine Bridgecam. Da ist kein Platz für eine weitere Kameraklasse! Solche und ähnliche Expertenmeinungen fand man zuhauf in Magazinen und im Internet. Die Zweifel am Erfolg der Systemkameras waren keineswegs unbegründet, denn die Anwender mussten für die G1 tief in die Tasche greifen. 750 Euro kostete das Modell inklusive 14-45 mm Kitobjektiv. Für diesen Preis bekam man auch schon damals auch Mittelklasse-DSLRs – ebenfalls mit Kitobjektiv wohlgemerkt. Apropos Objektiv: Hier lag der zweite Schwachpunkt der Kamera. Neben dem 14-45 Objektiv wurde von Panasonic noch ein 45-200 mm – Objektiv angeboten. Das war’s. Die Vielfalt, die DSLR-Fotografen im Objektivmarkt für ihre Kameras vorfinden, fehlte bei den Systemkameras völlig. Was aber auch nicht verwunderte, denn die neuartigen Kameras brachten auch ein neues Auflagemaß mit – die Objektive mussten dementsprechend völlig neu entwickelt werden.
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