Lori öffnete die Augen weit und ihre gelben Wangen fingen an, Farbe zu bekommen; es konnte nicht wahr sein, was sie gerade hörte.
»Hmmm...«, zögerte sie, »und an wen hatten Sie gedacht?« »Bei allem Respekt, Direktorin«, sagte Maslok Emprot und lächelte. »Ich glaube, Sie wissen bereits, wen ich meine: den Ingenieur Kiro, Kiro Uky.«
Loris Kopf explodierte in diesem Moment vor Freude, sie musste ihre Gelassenheit bewahren, aber sie wollte unbedingt schreien. Sie wollte zu ihrem Freund laufen und ihn umarmen. Es war ein Gefühl der Erleichterung, wie wenn man etwas sehr Schwieriges tun muss, dass einem weder gefällt noch man Lust darauf hat und plötzlich wird einem gesagt, dass es schon erledigt wurde. Sie sah Kiro an, der sich bei den anderen Arbeitern im Raum befand. Seine Wangen »glühten«, das Gelb war so intensiv, dass es wie zwei brennende Laternen aussah; tatsächlich leuchteten sie, wie das immer geschah, wenn die Emotionen der Ilumni extrem stark waren.
»Ähhhhh...«, Lori zögerte erneut. »Herr Kiro Uky, bitte.« Sie wandte sich an ihren Freund. »Sind Sie bereit, sich der Mission Iluminum anzuschließen?« Natürlich wusste sie bereits die Antwort, jeder wollte an dieser Mission teilnehmen, aber bei solchen Ereignissen mussten die Formalitäten eingehalten werden.
»Ich akzeptiere die Stelle, Direktorin«, sagte Kiro ohne zu zögern. »Ich verspreche, dass ich hart arbeiten werde, um die wichtigste Mission zu unterstützen, die unser Volk je hatte.«
»Nun«, sagte Lori, »wenn es nun keine weiteren Probleme gibt, werden wir, der Ingenieur Kiro und ich, uns dem Schiff anschließen, um die Mission zu beginnen. Bitten Sie den Kommunikationschef des Schiffes, die Abschiedsnachricht an Eurinum zu senden«, sagte sie zu Emprot.
Es gab also kein Zurück mehr; Lori und Kiro würden in der Mission zusammen sein. Sie mussten also nicht warten, um sich wiederzusehen, sondern würden auch Seite an Seite zusammenarbeiten, was bedeutete, dass sie sich jeden Tag sehen könnten.
Dann wurde vom Schiff aus einer allgemeinen Nachricht an Eurinum gesendet und daraufhin konnte sich jedes Besatzungsmitglied mithilfe von persönlichen Kommunikatoren von seinen Verwandten verabschieden, da diese bei Ultra-Lichtgeschwindigkeit nicht mehr funktionieren würden. Außerdem wären sie bei der ersten vollständigen Überprüfung des Raumschiffes, bei der sie auf eine normale Geschwindigkeit drosseln würden, schon zu weit weg, um sich mit ihrem Planeten in Verbindung zu setzen.
Die Alegria war bereits gestartet, die Besatzung hatte sich von ihren Familien verabschiedet und die Mission hatte begonnen. Jetzt hatten sie beinahe anderthalb Jahre vor sich, bis sie ihr Ziel erreichen würden. In der Zwischenzeit hatten sie verschiedene Aufgaben, wie zu beobachten, Sternenkarten zu erstellen, das Schiff zu warten und Lebensmittel herzustellen. Sie mussten Pflanzen anbauen, um frische Lebensmittel zu erhalten. Dafür war der obere Teil des Basiszentrums bestimmt, wo sich ein riesiger Garten voll essbarer und dekorativer Pflanzen befand. Neben einer Vielzahl von Andapflanzen, Abluenos, Vögeln verschiedener Rassen und anderen Tieren und Anipflanzen gab es auch einige Fische im Teich, der sich in der Mitte befand.
In diesem Garten wuchsen alle frischen Lebensmittel, die die Besatzung verzehrte, obwohl die Lagerräume, die sich in den Röhren befanden, voll von Lebensmitteln waren, die auf unterschiedliche Weise konserviert waren und anderer tausend Dinge. Alles, was sie für eine so lange Reise brauchen würden.
Das Leben in der Alegria verlief ruhig, jeder widmete sich seinen Aufgaben und das Schiff bewegte sich weiterhin mit Ultra-Lichtgeschwindigkeit vorwärts. Alle drei Monate wurde eine Pause eingelegt, um das Schiff vollständig durchzuchecken, da bei dieser Geschwindigkeit nicht alle Systeme überprüft werden konnten.
Die Mission verlief reibungslos. Sie waren jetzt schon seit einem Jahr unterwegs. Eines Tages erschien ein blendendes Licht, das verhinderte, dass man vom Schiff aus irgendetwas im Weltraum sehen konnte, aber es dauerte nur ein paar Minuten, dann verschwand es wieder und das Schiff wurde angehalten. Sie überprüften die Steuerung des Schiffes, befragten die Besatzung und alles schien korrekt zu sein. Sie überprüften das ganze Schiff, doch es war alles in Ordnung. Sie waren weniger als ein halbes Jahr vom gewählten Planeten entfernt.
* * *
Loris Zimmer, das sich in dem Heim befand, in dem sie aufgewachsen war, war immer noch so eingerichtet, wie in ihrer Kindheit. Zwei Teddybären, die ihr ihre Mutter an ihrem ersten Geburtstag geschenkt hatte, lagen auf dem Bett. Auf dem Nachttisch waren mehrere Fotos zu sehen, darunter eines ihrer Eltern. Das Zimmer war ruhig. Es war zu sehen, dass dort schon lange niemand mehr gewesen war, da Lori auf der Mission war. Nichts in dieser Ruhe ließ ahnen, was in diesem Moment auf ihrem Planeten vor sich ging.
Nur einen Monat nach Beginn der Mission begannen die Einwohner von Eurinum, einige Angriffe zu erleiden. Die Ilumni versuchten mit allen Mitteln, ihre Angreifer zu kontaktieren, erhielten jedoch keine Antwort. Zuerst dachten sie, es sei eine Rasse mit dem Ziel einer Invasion, aber die Angriffe hörten nicht auf. Alles schien komplett zerstört zu sein, deshalb gaben sie die Idee der Invasion auf, denn wer würde einen Planeten wollen, der durch die Angriffe total zerstört war. Dann dachten sie, es sei vielleicht eine kulturelle Meinungsverschiedenheit, möglicherweise hatten sie sich durch den Start des Raumschiffes die Alegria in der Mission Iluminum beleidigt oder bedroht gefühlt.
Ein Großteil der Bevölkerung war verschwunden, viele hatten sich in die vor Jahrhunderten gebauten unterirdischen Galerien zurückgezogen, um sich in Notfällen zu schützen. In diesen Galerien hatten sie Lebensmittelvorräte, technologisches Material und alle notwendigen Informationen, um sich über viele Jahre hinweg weiterentwickeln zu können, aber der Feind war sehr mächtig und seine Angriffe waren sehr gewalttätig. Wenn das so weiter gehen würde, würde von Eurinum nichts übrig bleiben.
Alle Versuche mit den Angreifern in Kontakt zu treten erwiesen sich als völlig nutzlos und es wurde beschlossen damit aufzuhören. Andererseits kamen sie zu dem Schluss, dass ihr Planet früher oder später zerstört werden würde. Daher beschlossen sie, dass es eine gute Lösung sei, einen Plan zu entwickeln, damit eine ihnen ähnliche Zivilisation in einer extrem fernen Zukunft ihr gesamtes erworbenes Wissen nutzen könnte, um ihr Vermächtnis fortzusetzen und damit ihre gesamte Existenz nicht umsonst gewesen wäre. Sie konnten nicht die ganze Verantwortung Lori überlassen, denn wenn die Mission fehlschlagen würde, wäre ihre gesamte Spezies gescheitert. Nachdem sie mehrere Tage über eine Lösung nachgedacht hatten, nach vielen Tagen ohne Schlaf und viel Arbeit aller Ingenieure, die noch nicht verschwunden waren, fanden sie eine mögliche Lösung, die ihnen wieder Hoffnung gab. Eine Lösung, bei der sie glaubten, ihr Vermächtnis auf einem anderen Planeten fortsetzen zu können.
Auf jedem der fünf Planeten der Eurinum-Observatorien befand sich eine Startrampe, mit der häufiger Satelliten und andere Objekte abgefeuert wurden, die für die Erforschung des nahegelegenen Universums erforderlich waren. Sie hatten beschlossen, mit diesen Wurfsystemen ein Objekt zu versenden, das sie nun herstellen wollten: Die »Kapseln der Wiedergeburt«.
Diese Kapseln sollten zu Planeten geschickt werden, die bewohnbar waren. Die Schwierigkeit bestand nicht darin, die Kapseln zu bauen, sondern darin die Zeit zu berechnen, die erforderlich sein würde, um ihr Ziel zu erreichen, da es sich um viele Millionen Jahre handeln könnte. Andererseits würde auch der Transport der Kapseln von Eurinum zu den Observatorien-Planeten nicht einfach sein, da sie riskierten, von ihren Angreifern entdeckt und zerstört zu werden. Deshalb hatten sie beschlossen, die Kapseln mit Pfeilschiffen zu versenden, sehr kleine Schiffe, in die nur ein Besatzungsmitglied passte, die aber sehr schnell und schwer aufzuspüren waren. Mit diesen Schiffen bestand die Möglichkeit, dass die Kapseln die Startrampen der Observatorien-Planeten erreichen konnten.
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