Auf all das waren sie sehr stolz und sie hatten keineswegs die Absicht, Planeten zu erobern, sondern wollten einfach nur auf ihnen leben können. Es war ihnen bewusst, dass sie auf intelligente Rassen treffen könnten, die mehr oder weniger weit entwickelt sein konnten. In diesem Fall würden sie ihre Hilfe und Erfahrung anbieten, diese davor zu bewahren, ihre eigenen Fehler aus der Vergangenheit zu begehen, aber sie würden sich keinesfalls auf einem schon bewohnten Planeten niederlassen, selbst wenn seine Bewohner ihnen dies anbieten würden. So war das gemeinsam demokratisch abgestimmt und entschieden worden.
Die Mission Iluminum würde in Kürze starten. Alle Medien waren anwesend. Die Besatzung bestieg das Schiff und alle Anwesenden jubelten minutenlang. Das Schiff wurde »Alegria« getauft und stellte den letzten Evolutionsschritt der Ilumni bis zu diesem Zeitpunkt dar.
Die Alegria war ziemlich lang, mit einer Länge von ungefähr eintausendzweihundert Metern. Sie war dreihundertzwanzig Meter hoch und einhundertfünfzig Meter breit, mit Ausnahme des »Basiszentrums«, das sich auf halber Höhe des Schiffes befand und einen Durchmesser von sechshundert Metern überschritt. Im Großen und Ganzen konnte man drei Bereiche unterscheiden: Der obere und untere Bereich sowie das Basiszentrum. Sowohl der obere als auch der untere Bereich bestanden aus zwei riesigen mehrstöckigen Rohren, die mit dem Basiszentrum verbunden waren, dem allgemeinen Operationszentrum des Schiffes, in dem die Besatzung hauptsächlich arbeitete. In den vier Röhren befanden sich die Zimmer sowie Erholungs- und Freizeitbereiche der Besatzung, jedoch nur in der vorderen Hälfte. Die hintere Hälfte der Röhren wurde als Lager sowie für die Triebwerke des Schiffes benutzt. Das Ladegerät und die Batterien befanden sich unter dem Basiszentrum, da es über eigene, wenn auch einfachere Triebwerke verfügte, um im Falle eines Problems ohne die vier Röhren arbeiten zu können, falls sie sich von diesen trennen müssten. Das einzige Problem wäre die Verpflegung, die sich in den Lagerräumen befand, denn obwohl das Basiszentrum auch über ein kleines Vorratslager verfügte, müsste sich ein Großteil der Besatzung dem Anbau der Nahrungsmittel im Garten widmen, die sich auf einer Art Terrasse im obersten Teil des Basiszentrums befanden. So könnten sie dank des neuen Neutrinen-Ladegeräts sehr lange überleben, falls sie sich von den vier Röhren trennen müssten, aber die Geschwindigkeit würde stark reduziert werden und es könnte Jahre - sogar Jahrhunderte - dauern, einen Planeten, auf dem Leben möglich war, zu finden. Dafür müssten sie Nachkommen im Schiff bekommen, was Teil des Notfallprotokolls war.
Alles war bis ins kleinste Detail genau untersucht worden. Die Besatzung kannte alle Aspekte des Schiffes genau, auch wenn es logischerweise verschiedene Spezialisierungen gab. Grundsätzlich bestand die Besatzung aus drei Hauptgruppen: Technischen Ingenieuren, Verteidigungs- und Überwachungsteams und zivilen Fachleuten mit jeweils spezifischer Qualifikation und Vorbereitung. Jeder hatte eine klar definierte Funktion, jeder kannte genau seine Aufgaben. Die Medien verfolgten die Neuigkeiten des größten Ereignisses in der Geschichte von Eurinum.
Die gesamte Besatzung befand sich bereits an Bord des Schiffes und in wenigen Minuten würde es in Richtung eines Planeten, auf dem Leben möglich war, abheben. Sie waren sich nicht ganz sicher, was sie dort erwarten würde, aber es war auf jeden Fall aufregend.
Die Ilumni hatten eine unendliche Neugier, neue Dinge zu lernen und sie waren geborene Entdecker. Sie waren gut darin, zu suchen und zu entdecken, zu analysieren, ohne Schaden zuzufügen und daraus zu lernen. Sie hatten bereits andere Planeten erforscht, aber bisher auf keinem von ihnen Leben gefunden. Sie hatten jedoch fünf Stützpunkte auf fünf verschiedenen Planeten errichtet, um das Universum um sie herum zu erkunden. Sie hatten diese fünf Planeten und nicht andere ausgewählt, um diese Stützpunkte zu schaffen, die zur Beobachtung dienten, da sie unterschiedliche Positionen in Bezug auf Eurinum hatten, dessen Sonnensysteme sich in unterschiedlichen Richtungen befanden, um alles rund um ihren Planeten zu beobachten. Die Alegria flog zuerst zu einem dieser Stützpunkte auf einem der fünf Planeten, wo sich Felorina Ulkrac befand, die die Mission Iluminum leiten würde und somit auch Direktorin des Schiffes war. Felorina war dafür verantwortlich, das Schiff an seinen Bestimmungsort zu bringen und die gesamte Besatzung zu koordinieren, um so die Mission zum Erfolg zu führen.
Das Schiff startete endlich und alle verfolgten die Nachrichten von Zuhause aus, in Versammlungs- und Unterhaltungsorten sowie auf den Hauptplätzen aller Städte in Eurinum. An dem Ort, an dem das Ereignis stattfand, applaudierten alle und man vernahm Siegesrufe. Die Kinder spiegelten diese Euphorie wider, indem sie ihre Luftballons mit Zeichnungen des startenden Schiffes schwenkten. Die Menschenmasse hatte einen wunderbaren Farbeneffekt, da die Wangen der Ilumni aufgrund der starken Emotionen auch sehr intensive Farben angenommen hatten. Der Lärm der begeisterten Menschen war so laut, dass die Schiffsmotoren kaum zu hören waren. Die Alegria stieg weiter. Als eine bestimmte Höhe erreicht war, begann sie nach rechts zu drehen, während sich die Vorderseite noch steiler nach oben bewegte. Sie stieg immer weiter nach oben, bis sie immer kleiner wurde und plötzlich war ein lautes Getöse zu hören und ein großes Aufleuchten wie ein Blitz am Himmel zu sehen. Das Schiff verschwand: Die Mission Iluminum hatte begonnen. Die Alegria machte sich auf den Weg zu ihrer Direktorin Felorina Ulkrac, die sich auf dem Außenstützpunkt auf einem der fünf Observatorien-Planeten befand. Es handelte sich dabei um die »Basis3«. Dort würden sie sie abholen, um sich dann auf den Weg zu ihrem endgültigen Bestimmungsort zu machen.
Auch im Schiff war die Besatzung sehr aufgeregt, selbst Teil der bisher wichtigsten Mission ihrer Zivilisation sein zu dürfen. Felorina saß auf einer Bank im Garten der Basis3. Der Planet, auf dem sich dieser Stützpunkt befand, war klein, rötlich-orange gefärbt, mit sehr wenigen Gebirgszügen und im Allgemeinen ziemlich kalt. Vor ein paar hundert Millionen Jahren hatte er seine Atmosphäre verloren und es gab keine Anzeichen dafür, dass es jemals Wasser gegeben hatte. Dieser Planet hatte außer seiner Lage nichts Nützliches an sich: Er war aber der ideale Planet, um einen Beobachtungsstützpunkt zu errichten.
Felorina war noch keine siebzehn Jahre alt, jedoch war sie die geeignetste Person, diese Mission zu leiten. Trotzdem konnte sie es nicht vermeiden, nervös und etwas ängstlich zu sein. Sie war einer der klügsten Köpfe ihres Planeten und gehörte zu den zwanzig intelligentesten und gebildetsten Menschen. Trotzdem war Felorina noch ein Mädchen. Sie hatte eine schwierige Kindheit hinter sich, ihre Eltern waren auf einer Erkundungsmission verschwunden und ihr war nur ein Großvater geblieben, der sich wegen seines hohen Alters nicht um sie kümmern konnte. So wuchs Felorina in einem Heim auf, in dem sie sehr gut behandelt worden war. Ihr Großvater hatte sie fast täglich besucht, jedoch starb er, als sie sechs Jahre alt war und so hatte sie ihre ganze Familie verloren. Zu diesem Zeitpunkt war die einzigartige Intelligenz des Mädchens entdeckt worden. Darüber hinaus hatte sie eine besondere Veranlagung zum Lernen, mit eisernem Willen und dem unendlichen Wunsch, neues Wissen zu erwerben.
Jetzt befand sie sich in diesem Garten und fragte sich, ob sie dieses Schiff leiten konnte, um diese Mission zu erfüllen. Aber es schien, als sei sie fähig dazu, da sie unter allen Kandidaten, die sich für diesen Posten vorgestellt hatten, von den Ilumni gewählt worden war. Felorina kam nicht umhin zu glauben, dass die Entscheidung, für sie zu stimmen, an ihrer Geschichte und ihrer Kindheit lag, da ihre Eltern in der gesamten wissenschaftlichen Gemeinschaft zwei angesehene Ingenieure gewesen waren und ihr Verschwinden ebenso plötzlich wie rätselhaft war. Diese Nachricht hatte die gesamte Presse des Planeten überflutet.
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