auf dem Weg zur Überwindung seiner Alkoholprobleme un-
terstützen können.
Im Anhang befinden sich neben dem Verzeichnis der im
Buch genannten Literatur einige Empfehlungen zu weiter-
führender Literatur, Informationsquellen und Internetadres-
sen. Je mehr Sie über die Wirkung, das spezielle Suchtpo-
tenzial und die Gefahren im Umgang mit den verschiedenen
Suchtmitteln informiert sind, desto eher können Sie einer
Suchtentwicklung vorbeugen bzw. bestehende Suchtprob-
leme überwinden.
Um die Lesbarkeit zu erleichtern, wird in diesem Buch die
auf der männlichen Form basierende Schreibweise verwen-
det. Selbstverständlich sind immer beide Geschlechter ge-
meint. Wenn Sie als Leser Fragen, Anregungen oder Kritik
zu diesem Buch haben, schreiben Sie mir oder senden Sie
mir eine E-Mail –guenterfassbender@web.de.
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1 Vom Genuss zur Abhängigkeit
Alkohol ist kein notwendiges Nahrungsmittel. Als Genuss-
mittel gehört es jedoch bei zahlreichen gesellschaftlichen
Anlässen wie selbstverständlich dazu. Stellen Sie sich doch
einmal eine Geburtstagsparty, eine Karnevalsfeier oder ein
Volksfest ohne Alkohol vor! Genauso selbstverständlich
gehört der Alkoholkonsum bei Anlässen wie Geburt, Hoch-
zeit, Beerdigung oder Jubiläumsfeiern dazu. Die Werbung
suggeriert Ihnen darüber hinaus durch Werbesprüche wie
„Heute ein König.“ oder „Darauf einen…“ noch andere An-
lässe und Gründe, in den es scheinbar selbstverständlich
ist, Alkohol zu trinken. Zudem gehört es wohl zu den
„Volksweisheiten“, dass, „man auf einem Bein nicht stehen
kann“, „wer Sorgen hat, hat auch…“ „ein richtiger Mann was
vertragen muss“. So wird auch der übermäßige Alkoholkon-
sum zur Normalität erklärt. Trinkfestigkeit wird zur Prestige-
frage. Gerade Jugendliche unterschätzen beim „Koma sau-
fen“ oder „Flatrate trinken“ die Risiken, die mit dem übermä-
ßigen Alkoholkonsum verbunden sind.
Die Grenzen zwischen unschädlichem und schädlichem
Konsum, zwischen Genuss und riskantem Konsum sowie
zwischen riskantem Konsum und Abhängigkeit sind flie-
ßend. Der arglose Umgang mit Alkohol kann daher irgend-
wann schleichend zur Alkoholabhängigkeit führen.
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Der gesunde bzw. unkritische Umgang mit Alkohol
Beim Genuss von Alkohol geht es mehr um den Geschmack
als um die Wirkung.
Der hohe Stellenwert von Alkohol in der Gesellschaft beruht
jedoch nach meiner Einschätzung weniger auf seinem Ge-
schmack. Beim Konsum von Alkohol werden unter anderem
im Körper sogenannte „Glückshormone“, Endorphine, Do-
pamin und Serotonin freigesetzt. Diese bewirken eine ra-
sche Stimmungsaufhellung, Stress wird gedämpft, Ängste
lösen sich. Diese Wirkungen treten auch beim Genuss von
Alkohol ein.
Genusstrinker trinken Alkohol nicht bis zur Bewusstlosigkeit
bzw. bis zum Vollrausch.
Die Wirkung von Alkohol hängt jedoch nicht nur von der
Menge, sondern auch vom körperlichen und seelischen Zu-
stand des Konsumenten ab.
Gelegentlich bei Festlichkeiten auch mal „einen über den
Durst“ zu trinken, wird in der Gesel schaft oft als „normal“
angesehen, selbst wenn hierdurch unter anderem die Un-
fallgefahr und die Aggressionsbereitschaft steigen. Was in
der Gesellschaft noch als normaler Umgang mit Alkohol
angesehen wird, hängt auch damit zusammen, in welchem
Land bzw. Bundesland man lebt. So hatte ich vor Jahren
einen Mann aus Bayern in der Beratung, der versuchte mir
klar zu machen, dass Bier in Bayern ein „Grundnahrungs-
mittel“ sei. Er konnte sich nicht vorstellen, wie es möglich
sein soll, hierauf auch nur einige Tage zu verzichten.
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Genusstrinker trinken nicht täglich Alkohol. Kontrollierter
bzw. gesunder Umgang mit Alkohol bedeutet, dauerhaft so
mit Alkohol umgehen zu können, dass dies nicht immer wie-
der zu körperlichen, psychischen oder sozialen Schwierig-
keiten führt. Hierzu gehört auch, nicht täglich, nicht zu „un-
passenden Gelegenheiten“ oder bei ungeeigneten Anlässen
Alkohol zu konsumieren. Alkoholkonsum vor und während
der Arbeit, vor einer Autofahrt, während der Schwanger-
schaft, bei der Einnahme von Medikamenten, vor wichtigen
Terminen, vor und während sportlicher Aktivitäten, muss als
kritischer Umgang mit Alkohol angesehen werden. Unge-
eignete Anlässe für den Konsum von Alkohol sind zum Bei-
spiel der Alkoholkonsum bei Ärger und Stress, bei Schmer-
zen, Schlafstörungen, Ängsten und Depressionen.
Genusstrinker trinken Alkohol nicht als Durstlöscher. Hierzu
eignen sich alkoholhaltige Getränke eher schlecht, da sie
dem Körper Wasser entziehen, das zur Verarbeitung des
Alkohols benötigt wird. Die besten Durstlöscher sind Mine-
ralwasser oder Saftschorlen (ein Drittel Saft und zwei Drittel
Mineralwasser).
Immer dann, wenn Sie Alkohol einsetzen, um hierdurch eine
bestimmte Wirkung zu erzielen, wie abzuschalten, zu ver-
gessen oder negative Gefühle auszuhalten, laufen Sie Ge-
fahr, immer mehr auch psychisch von Alkohol abhängig zu
werden.
Nähere Informationen über den verantwortungsvollen Um-
gang mit Alkohol finden Sie in der Broschüre „Al es klar?“
der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (siehe
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Lesetipps im Anhang). Hier können Sie einen „Selbst-Test“
finden, um Ihren Umgang mit Alkohol kritisch zu prüfen.
Der kritische Umgang mit Alkohol
Wer regelmäßig Alkohol in hohen Mengen trinkt, ist suchtge-
fährdet.
Lediglich für die körperliche Verträglichkeit von Alkohol gibt
es Grenzwerte. Bei Frauen liegt dieser Grenzwert bei 10-12
Gramm (dies entspricht etwa einem Glas Bier mit 0,2 Liter)
und bei Männern bei 20-24 Gramm Alkohol täglich. Dies
entspricht etwa zwei Glas Bier (0,5 Liter) oder einem Glas
Wein (DHS, Jahrbuch Sucht 2007). Dass der Grenzwert bei
Frauen niedriger ist, liegt daran, dass Alkohol vom weibli-
chen Organismus schlechter verarbeitet werden kann als
vom männlichen Organismus.
Liegt Ihre gewohnheitsmäßige, tägliche Trinkmenge höher,
betreiben Sie einen kritischen, riskanten bzw. schädlichen
Alkoholkonsum. Das Risiko für eine Vielzahl gesundheitli-
cher Schäden durch Alkohol und die Gefahr der physischen
und psychischen Gewöhnung an Alkohol ist dann bei Ihnen
deutlich erhöht.
Die schwersten alkoholbedingten Krankheiten, die durch
den gewohnheitsmäßigen, überhöhten Alkoholkonsum ent-
stehen, sind Erkrankungen der Leber, der Bauchspeichel-
drüse und des Herzens sowie die Schädigungen des Ner-
vensystems. Die Schädigung des Nervensystems durch
Alkohol kann sich z. B. äußern durch Kribbeln und Taub-
heitsgefühl in den Beinen. So war bei mir in der Beratung
eine gerade einmal zweiundzwanzigjährige Frau, die auf-
grund einer alkoholbedingten Nervenschädigung ein halbes
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Jahr im Rollstuhl saß. Es brauchte über ein Jahr, bis sie
durch abstinente Lebensführung und medikamentöse Be-
handlung wieder normal gehen konnte bzw. sich ihre Ner-
venzellen wieder regeneriert hatten.
Manch einer trinkt sich regelrecht um den Verstand. Dies
fängt mit gelegentlichen Aussetzern bzw. Gedächtnislücken
und Konzentrationsschwierigkeiten an und kann zu dauer-
haften Gedächtnisstörungen und Hirnschäden führen. Über-
höhter Alkoholkonsum führt nicht nur zu Rauschzuständen,
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