NIETZSCHE: Verlangen Sie von mir keine konkreten Antworten. Als Philosoph begnüge ich mich damit, zu denken. Alles andere ist Sache der Naturwissenschaftler, Genforscher oder Biologen.
DARWINIST: Aber Sie können doch nicht nur spekulieren. Sie müssen doch auch Wege zeigen...
NIETZSCHE: Nichts ist einfacher als das. Wenn aus irgendwelchen Gründen die Züchtung von Überkatzen oder Überwölfen nicht gelingen sollte, müssen eben die Übermäuse Katzen jagen und die Überschafe Wölfe reißen.
DARWINIST: Das bedeutet, dass die Mäuse und die Schafe umgestaltet werden müssen.
NIETZSCHE: Langsam begreifen Sie meine Gedankengänge. Das bedeutet, dass die Natur auch diese Tiere mit Krallen und einem Raubtiergebiss ausstatten muss.
DARWINIST: Nach Ihren Vorstellungen wäre es auch möglich, dass eines Tages der Überaffe den Durchschnittsmenschen überragt.
NIETZSCHE: Man wird da eben lange herumexperimentieren müssen, bis das gewünschte Ergebnis heraus kommt.
Darwinist: Das hört sich so utopisch an.
NIETZSCHE: Utopisch? Wir Denker eilen da zuweilen der Natur voraus. Dann muss eben die Natur versuchen, uns wieder einzuholen.
DARWINIST: Bei so kühnen Gedankensprüngen wird sie allerdings mit dem Einholen Mühe haben. –
SCHOPENHAUER:Herr Kollege Leibniz, überzeugen Sie sich selbst: Die Welt ist schlecht, sehr schlecht sogar. * Reicht ihm seine Brille :
LEIBNIZ: * Setzt die Brille auf : Aber lieber Schopenhauer, Sie übertreiben. Ich finde die Welt herrlich, wunderbar.
SCHOPENHAUER:Sie werden doch zugeben...
LEIBNIZ: Natürlich gibt es das eine oder andere...
SCHOPENHAUER:Das eine oder andere? Sehen Sie ein Lebewesen, das nicht leidet? Oder auch nur einen Menschen, der zufrieden ist? Auch nur einen?
LEIBNIZ: Was besagt das schon: Der Mensch war nie zufrieden und wird es nie sein. Er bringt es sogar fertig, sich über das Gute zu ärgern.
SCHOPENHAUER:Sie Verharmlosungskünstler! So kann nur reden, wer den Bezug zur Wirklichkeit total verloren hat.
LEIBNIZ: Ich sage ihnen: Die Welt ist gut, sie ist die beste aller Welten.
SCHOPENHAUER:Aber, aber, aber... Sie belieben zu scherzen, Herr Kollege. Sie sollten Ihren Augenarzt aufsuchen!
LEIBNIZ: Weshalb? Auch durch Ihre Brille kann ich die Welt nicht anders sehen.
SCHOPENHAUER:Für mich ist sie die schlechteste aller Welten, …
LEIBNIZ: weil Sie ein Talent zum Pessimismus haben. * Gibt die Brille zurück.
SCHOPENHAUER:Und wo bekommt man Ihren Optimismus her? Wo kann man den erwerben?
LEIBNIZ: Indem man statt auf die Mängel, auf das, was geglückt ist, schaut.
SCHOPENHAUER:Wäre die Welt wirklich die beste aller Welten - wie Sie herausgefunden haben wollen - hätten wir den Himmel schon jetzt und hier.
LEIBNIZ: Und wenn die Welt die schlechteste aller Welten wäre - wie Sie behaupten - wären wir schon jetzt in der Hölle. Bekanntlich lässt sich ja ein Superlativ nicht noch steigern: Noch schlechter als am schlechtesten kann etwas nicht sein. * Gibt ihm seine Brille : Sie sollten einmal durch meine Brille sehen.
SCHOPENHAUER:Ich werde nie durch eine andere als durch meine Brille sehen.
LEIBNIZ: Was fürchten Sie? Dass Sie dann Ihre Philosophie revidieren müssen?
SCHOPENHAUER:Sie sollten meine Werke lesen! Ich habe darin ausführlich und überzeugend dargestellt, wie schlecht die Welt ist.
LEIBNIZ: Schließen wir einen Kompromiss: Sie ist gut und schlecht zugleich, sowohl als auch! Verzichten wir auf den Superlativ!
SCHOPENHAUER:Was? Ich soll künftig statt von der 'schlechtesten' nur noch von einer 'schlechten' Welt reden? Ich soll mich mit einem gedämpften Pessimismus zufrieden geben? Wollen Sie mein Lebenswerk zerstören?
LEIBNIZ: Beruhigen Sie sich, Herr Kollege, es liegt mir fern...
SCHOPENHAUER:Es wird Ihnen nicht gelingen, mich für Ihren Optimismus zu gewinnen!
LEIBNIZ: Meinetwegen soll es eine pessimistische Philosophie geben, damit auch die Pessimisten glücklich werden können.
SCHOPENHAUER:Sehen Sie vielleicht irgendwo da unten den 'besten' aller Menschen? Irgendwo?
LEIBNIZ: Da muss ich Ihnen allerdings recht geben, den sehe ich nicht.
SCHOPENHAUER:* Triumphierend : Also! –
PÄDAGOGE: Vielleicht können Sie mir weiterhelfen, Herr Rousseau. Die Kinder wurden so unberechenbar. Man weiß gar nicht mehr...
ROUSSEAU: Kein Wunder, man stützt sich ja immer noch auf Erziehungsmethoden, die veraltet sind.
PÄDAGOGE: Sie wissen sicher einen Weg. Sie haben immerhin eine völlig neue Erziehungslehre erfunden.
ROUSSEAU: Ich fordere weiter nichts, als dass man Kinder endlich dem verderblichen Einfluss der Erwachsenen entzieht.
PÄDAGOGE: Sie haben Recht. Wenn die Erwachsenen nicht wären...
ROUSSEAU: Seit Jahrtausenden versuchen die Erwachsenen Kinder zu erziehen, wie sie selbst hätten werden sollen. Dem muss man ein Ende setzen.
PÄDAGOGE: Was schlagen Sie vor? Sollen sich die Kinder selbst erziehen?
ROUSSEAU: Lesen Sie meinen ‘Emile’! Sie sollten ihn unbedingt lesen. Ich habe meine Vorstellungen darin ausführlich beschrieben und verlangt, dass Kinderaufzucht auf einer fern gelegenen Insel geschehen muss, damit die Kinder die Untugenden der Erwachsenen nicht nachahmen.
PÄDAGOGE: Eine großartige Idee. So gibt es weniger Karikaturen unter den Erwachsenen. - Aber gibt es denn genügend Inseln, eine für jedes Kind?
ROUSSEAU: Das ist das Problem. Ich konnte für meine fünf Kinder keine fünf Inseln finden und habe sie deshalb in einem Waisenhaus erziehen lassen.
PÄDAGOGE: Im Waisenhaus? Sie als Begründer einer neuen Pädagogik?
ROUSSEAU: Was hätte ich machen sollen, wenn die Natur die nötigen Voraussetzungen nicht bietet?
PÄDAGOGE: Sie haben Recht, es gibt zu wenige Inseln.
ROUSSEAU: Da soll es Leute geben, habe ich gehört, die proklamieren die antiautoritäre Erziehung. Als hätte ich nicht schon längst dargelegt, dass Autoritäten schädlich sind.
PÄDAGOGE: Aber andere große Pädagogen wie Pestalozzi, Montessori und der Turnvater Jahn haben immer darauf hingewiesen, dass Autoritäten für die Erziehung unverzichtbar sind.
ROUSSEAU: Das beweist, dass diese Herren keine großen Pädagogen waren. Sie waren reine Praktiker und verstanden nichts von Theorie. - Ich bleibe jedenfalls dabei: meine Idee ist genial, auch wenn sie bisher nicht verwirklicht werden konnte.
POSTMODERNER: Herr Einstein, man sagt von Ihnen, Sie hätten auch ein hervorragender Geiger werden können. Warum sind Sie es nicht geworden?
EINSTEIN: Das ist sehr einfach. Dann hätte ich vielleicht auf Konzertreisen die Zuhörer mit meinem Spiel erfreut, aber nicht die Zeit gehabt, die Relativitätstheorie zu begründen.
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