Helmut Lauschke - Erst mit dem gesprochenen Wort

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Krücken stecken in lehmigen Klumpen, widerstandslos gibt die Tiefe das Gewächs her. Blicke fahren durcheinander im Krümmen der Hoffnungen und Schmerzen. Dann richtet sich auf das große Licht über dem großen Platz der großen Leere. Beiworte fallen von entlaubten Bäumen, ihre Inhaltsleeren spritzen in ungedachte Räume. Durch den Türspalt dringt wenig Licht in die Halle, doch mit dem Öffnen werden die ersten Türzölle erhoben. Erst mit dem Wort, dem deutlich gesprochenen, öffnet sich die zweite Tür in den Morgen. Auf das Licht des Sinngehalts muss gewartet werden, denn noch räkelt sich der Tag durch die Dämmerung.
Es ist ein Phänomen der Zeit, dass junge Menschen trotz der Unabhängigkeit und Freiheit nicht glücklich sind. Sie bedrohen das Leben anderer Menschen und nehmen sich selbst das Leben. Sie tun es mit Messern, wenn sie wie die Verrückten in die Brustkörbe und Bäuche stechen. Sie tun es mit Pangas, die sie wie Schwerter schwingen, wenn sie auf Köpfe einschlagen und sie spalten, als müsse das Holz kleingehackt werden. Sie tun es mit Schusswaffen, die von den Exilanten ins befreite Land gebracht wurden. Die Kalaschnikows und andere Waffen kamen mit genügend Munition zurück, um das Schießen nach der Unabhängigkeit weiter zu betreiben.
Die Zeichen der Zukunft stehen nicht so gut, wie es vor der Unabhängigkeit erhofft worden war. Die Menschen haben nicht den Trost und die Zuversicht gefunden, die sie zum Neubeginn in der Freiheit brauchen. Junge Menschen finden ihre Hoffnungen und Erwartungen nicht erfüllt. Sie finden keine Arbeit, auch dann nicht, wenn sie einen Schulabschluss haben. Sie sehen aber, wie die gutbezahlten Posten an diejenigen gehen, die ihre Beziehungen zu Ministern, Staatssekretären und Parlamentariern haben, die der regierenden Partei angehören. Opportunismus und Vetternwirtschaft haben von Beginn an Löcher in die Vertrauenswürdigkeit des jungen Staates geschlagen.
Du bringst die Frage des Tages, sprich sie aus, ich versuche sie aus der vergangenen Nacht zu beantworten. Doch halte den Schritt durch den Morgen ein, wenn du das Ziel am Abend erreichen willst. Auch halte den Charakter, wenn es um die Entscheidung geht, denn nicht nur, dass auch deine Tage gezählt sind und du nach Einsatz und Aufrichtigkeit beurteilt wirst, sondern weil Menschen von dir Fleiß und Anstand erwarten. Dennoch, schleudere dich nicht vor die Füße anderer, achte auf den Selbstwert deines Menschseins. Du bist mit Gold nicht aufzuwiegen, da bleibt der Materialismus unter den Sohlen stecken. Krug und Kreise, Höhenflug und Schneise, und was der Morgen sonst noch bringt. Erwartet wird, dass Entscheidendes geschieht.

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Es gibt eine kurze Teepause. Der kleine Teeraum ist gefüllt. Die kubanischen Kollegen sitzen auf den durchgesessenen Polsterstühlen und trinken den Kaffee mit viel Zucker. Sie schweigen und schauen den gegenübersitzenden Kollegen zu, wie sie den Zucker in den Kaffee einrühren und schluckweise die Tassen leeren. Über dem Schweigen hebt sich das Verlorene in den Gesichtern ab. Es ist menschliches Frachtgut, das darauf wartet, abgeholt zu werden. Auf keinem Gesicht gibt es die Glätte der Zufriedenheit. Vielmehr sind es die Folien der menschlichen Ratlosigkeit und Unsicherheit, die den Gesichtern aufgeklebt sind. Auf einigen liegen die erstarrten Züge der Resignation, als sei die Freiheit im und fürs Leben eine Utopie und der Lebenswert nicht mehr als eine imaginäre Größe. So bewegt sich der Fortschritt asymptotisch und das nur schwer erkennbar. Aber ohne Menschlichkeit bleibt er eine Farce. Dann ist jeglicher Fortschritt das makabre Kunststück der Lüge, die schmerzt.

Der ukrainische Narkosearzt kommt in den Teeraum. Er sieht an Ferdinand vorbei und geht zur kleinen Durchreiche, wo er sich die Tasse mit Tee füllt und den Zucker einrührt. Dem Durchreisegesicht hat er die steife Maske des Unberührbaren mit der Nichtansprechbarkeit aufgesetzt. Mit den arrhythmischen Paroxysmen des Augenzwinkerns bemüht er sich, die randvolle Tasse auf die zerkratzte schmale Tischplatte zu setzen, was ihm misslingt. Währenddessen irrt Dr. Ferdinand zwischen Fortschritt und Fortschrittsdenken hin und her. Beim Anlegeversuch der gedachten Asymptoten verliert er die Orientierung, dass es zum vorzeitigen Aus des Fortschritts kommt.

Das Sein oder Nichtsein vom Seinwollen oder Nichtseinwollen zu trennen, unterliegt einem strengen Denkprozess, der kein Ende hat. Zu oft liegen irgendwelche Trümmer von wertlosen, aber auch wertvollen Dingen, wie es die Integrität ist, herum und blockieren als Stolpersteine den Weg. Die Einheit von Mensch und Kosmos ist entweder zerfranst oder geplatzt. Jedenfalls fällt der Mensch nach unten durch. Er krampft an der Daseinsschwere als Folge der mangelnden Vorstellungskraft und der permanenten Unvernunft.

Dabei liegt der schöpferische Geist dicht dem weiten Schleier der unverstandenen Freiheit auf, die mit dem Mangel an Verstand auch weiterhin nicht zu begreifen ist. So bleibt die Einbildung im Käfig der Umnachtung hängen. Es bedarf der irritierenden Offenheit und des drängenden Mutes, sich bis zu diesem Selbstgeständnis, was dem Selbstverständnis am nächsten kommt, vorwärts zu bewegen und am Gespräch des Menschseins über Lebenssinn und Verantwortung aktiv teilzunehmen.

Die Bürde des Chirurgen ist dazu angetan, sich an solchen Gesprächen zu beteiligen. Das um so mehr, wenn Arme und Beine an Kindern amputiert werden.

Wo einst das Theater stand

Ob tauig oder trocken, ob Wälder oder Steppe, die Nacht schließt sich zum Gewand, dass du dich fühlst im fremden Land.

Was dir vorausgeht, bleibt dem Auge unsichtbar. Wohin du auch kommst, es lässt sich nicht erahnen.

Dinge, die einst standen, sind weggekippt und weggeräumt. Die Kinder von einst sind längst erwachsen mit Falten auf der Stirn.

Wo einst das Theater stand am Markt im Zentrum der Stadt, steht jetzt ein langgestreckter Neubau mit mondänen Geschäften. Das Theater wurde in einen kleineren Neubau an den Rand der Stadt verlegt.

Es ist vorstellbar, dass aus der großen Dramaturgie eine kleine geworden ist, weil sich die Einwohner der Stadt mondäner kleiden wollten und dafür das Schauspiel auf eine kleinere Bühne verwiesen.

Sie lassen das Theaterleben kleiner werden oder eben ganz verkümmern, weil sie in der Erinnerung behalten haben, dass moderne Kleider moderne Leute machen nach dem Ausspruch: “Kleider machen Leute”*.

[*Gottfried Keller, 1874 im 2. Teil des Novellenzyklus: Die Leute von Seldwyla]

Was leere Kleiderhaken noch erzählen

Der letzte Patient auf der OP-Liste ist ein älterer Mann, der sein genaues Alter nicht kennt. Er hat das rechte Bein durch eine Landmine verloren. Wegen einer diabetischen Fußgangrän wird ihm nun das linke Bein entfernt. Die Operation macht aus dem Mann einen Zwerg, der zur Fortbewegung des verbliebenen Körperrumpfes auf das Brett mit den vier Rollen angewiesen sein wird. Der Patient wird auf die Trage gehoben und in den Aufwachraum gefahren. Ferdinand dankt dem Team für die gute Mitarbeit und verlässt den OP.

Im Umkleideraum hängen nur seine Sachen an einem Haken. Die übrigen Haken und eingeschlagenen Nägel zum Aufhängen der Sachen sind leer. Beim Abnehmen von Hemd und Hose schaut Ferdinand in die Vergangenheit zurück, als an den leeren Haken die Uniformen der jungen Leutnants und die anderen Uniformen mit den breiten großsternigen Epauletten und den roten Längsstreifen an den Hosen der hohen Offizierschirurgen hingen. Diese Offiziere kamen dienstags und freitags vom Militärlazarett in Ondangwa, um am Hospital schwierige Operationen durchzuführen und mit den jungen Leutnants die akademische Saalrunde zu machen. Freitags gab es noch die akademische Stunde ab zehn Uhr, in der die Professoren in Uniform Vorlesungen über chirurgische Themen von praktischer Relevanz gaben.

Unter den Uniformen steckten hervorragende Ärzte, die von Patienten und Schwestern verehrt wurden trotz der allgemeinen Abneigung gegen die Uniformträger der südafrikanischen Besatzer. Da gab es den jungen Dr. van der Merwe, der bei der Arbeit am Menschen auf seine Uniform keine Rücksicht nahm. Oft verließ er gipsbekleckert den orthopädischen Behandlungsraum. Der andere hervorragende Arzt war der junge Kollege, der mit Verstand und Herz bei der Arbeit an den kranken und verletzten Menschen war. Dieser Kollege schrieb in seiner Freizeit an einem Buch über die Probleme der Rassentrennung in einer Liebesbeziehung im Südafrika der weißen Apartheid. Auch der hohe Offizier, der der Chirurgie am Kalafong-Hospital in Pretoria vorstand, war ein beseelter Arzt als Chirurg und damit ein Vorbild in den harten Zeiten der Not und des Krieges mit den unmenschlichen Auswüchsen der Verrohung und den großen Leiden der Menschen in ihrer Rechtlosigkeit.

Sicher waren die uniformierten Ärzte, die das menschliche Gesicht der echten Anteilnahme an den Nöten der Menschen der schwarzen Haut über ihre Uniform setzten, die Ausnahme, aber es hat diese Ärzte gegeben, und sie sollen als leuchtende Beispiele in der Erinnerung unvergessen bleiben.

Ferdinand hat das Zivile angezogen und verlässt den Umkleideraum. Er geht zum Untersuchungsraum 4 im ‘Outpatient department’, um vor der Mittagspause noch Patienten zu sehen, die sich auf den Wartebänken stauen. Es ist ein heißer Tag. Die alte, ratternde Klimaanlage schafft es nicht mit der erforderlichen Kühlung. Das ist auch nach der Unabhängigkeit so geblieben. Die Klimaanlagen sind alt. Manche tun es überhaupt nicht. Ärzte und Schwestern, die hautnah am Patienten arbeiten, um sie zu untersuchen und zu behandeln, müssen weiter schwitzen. Dazu kommen die scharfen Schweißgerüche. In dieser Hinsicht hat sich das Alte mit seinen Mängeln geradlinig über die Zeitschranke hinweg ins Neue verlängert.

Nach der Unabhängigkeit ist auch geblieben, dass der Verwaltung ein hoher Stellenwert eingeräumt wird. Das ist im Gegensatz zu den medizinischen Abteilungen, wo der ihnen gebührende Stellenwert entweder weiter übersehen oder weiter nicht zur Kenntnis genommen wird. Die Arbeit am kranken Menschen hat weiterhin im Schweiße des Angesichts und des Körpers zu erfolgen. Ganz gegensätzlich dazu sind die klimatisierten Büros des ärztlichen Direktors, des Superintendenten und der übrigen Verwaltung. Die gut gekühlten Räume sind auch mit bequemen Polsterstühlen und Schreibtischen ausgestattet. Dort werden die Tee- und anderen Pausen pünktlich eingehalten. Jeder der beiden Spitzenärzte der Verwaltung hat zudem eine Sekretärin, die ihnen den Tee mit dem Sandwich servieren. Die Papierkritzeleien auf den Schreibtischen mit dem Zusammenzählen, Abziehen oder Malnehmen von Zahlen gehen weiter. Taschenrechner werden auch bei kleinen Zahlenoperationen benutzt. Weiter geht das Führen privater Telefongespräche und anderer Dinge auf Kosten der Allgemeinheit, die es vor der Unabhängigkeit in diesem Ausmaß nicht gegeben hat.

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