Devrier machte jetzt eine kleine Pause, in der er sich einen Kaffee zubereitete. Er spürte, als er den Kaffee trank, dass seine Schmerzen etwas nachgelassen hatten. Die Gedankenbilder von Sissy Max und Dick Renner waren aus seinem Bewusstsein verschwunden. Er hatte Hunger und aß ein Sandwich. Nun hatte er wieder Kraft für die Lösung seiner Probleme.
Als Nächstes machte er den Vergebungsprozess mit Ken Wolf, seinem ehemaligen Professor. Auch hier gelang es Devrier tiefe Reue zu empfinden und in Gedanken um Vergebung zu bitten sowie zu vergeben.
Devrier befasste sich anschließend mit seinen früheren Liebesbeziehungen, mit Celia, Rose und Winnie. Bei ihnen ging er in gleiche Weise vor, wie er es vorher mit Sissy Max, Dick Renner und Ken Wolf erprobt hatte. Er nahm sich die Zeit, sich in die Schuld hinein zu fühlen, die ihm in den Gedankenbildern vorgeworfen wurde.
Ihm war klar, dass er tiefe Reue nur empfinden konnte, wenn ihn die Schuld in seinem Gemüt schmerzte. Dieser Schmerz war noch etwas anderes als die Kopfschmerzen und die Schmerzen im Solarplexus, die er schon den ganzen Tag hatte.
Als er sich bemühte, sich in die Situationen hinein zu fühlen, die Winnie während der Liebesbeziehung mit ihm erlebt hatte, begann sein Gemüt heftig zu schmerzen. Dieser Schmerz verstärkte sich noch, als er sich in die besondere Situation hineinfühlte, in der er diese Liebesbeziehung mit einigen dürren und kühlen Worten beendet hatte.
Er atmete schwer und rang nach Luft. Sein Brustkorb war wie zugeschnürt. Er verstand nun, wie abwertendes Empfinden, Denken, Reden und Handeln, aber auch Lieblosigkeit, einen anderen Menschen in dessen Selbstwertgefühl tief verletzen können. Er konnte nun nachempfinden, wie sich dieser Mensch fühlt, was er empfindet.
Devrier erkannte, dass er mit seinem negativen Verhalten nicht nur im Äußeren eine Trennung herbeigeführt hatte, sondern auch eine Trennung auf der seelischen Ebene. Er empfand tiefe Reue. Er wandte sich wieder an Christus und bat um Hilfe. Dann machte er sich die positiven Eigenschaften von Winnie bewusst.
Er segnete sie und sandte ihr unpersönliche liebevolle Gedanken zu. In Gedanken bat er Winnie um Vergebung und er vergab auch ihr. Er fühlte nach innen. Erneut zeigte sich das ihm inzwischen schon vertraute warme Gefühl in der Brust mit dem Gefühl der Erweiterung. Das tat wirklich gut. Er dankte Christus für die Hilfe.
Anschließend machte er den Vergebungsprozess in gleicher Weise mit Celia und Rose. Danach war er ziemlich erschöpft. Die Gemütswallungen, die er bei den verschiedenen Vergebungsprozessen erlebt hatte, hatten in ihm deutliche Spuren hinterlassen.
Aber die Gedankenbilder waren verschwunden, ebenso seine physischen Schmerzen. Er ging zu Bett. Ein tiefer Schlaf schenkte ihm in der Nacht die Kraft für den neuen Tag, an dem viele Patienten seine Hilfe brauchten.
Peter Hope in Los Angeles
Peter Hope hatte am 07. Mai seine erste Großveranstaltung zur Praxis der Vergebung in Missoula in Montana gehabt. Das Washington-Grizzly Stadium war mit etwa 13.000 Besuchern nur zur Hälfte gefüllt gewesen. Dennoch war die Veranstaltung ein Erfolg gewesen. Radio, Fernsehen und Zeitungen hatten darüber berichtet. Sie hatten darauf hingewiesen, dass die nächste Veranstaltung in Los Angeles stattfinden würde.
Hope hatte Carter angerufen und ihn gebeten, ihn nach Los Angeles zu fliegen. Wie Hope erwartet hatte, waren die meisten Flüge von Missoula in andere Städte der USA ausgefallen, weil sich die Mehrzahl aller Fluglotsen und fast alle Piloten der Airlines krankgemeldet hatten. Carter hatte Hope mit seinem Helikopter in Missoula abgeholt und ihn selbst nach Los Angeles geflogen.
Carter ging es schlecht. Er litt unter Schuldvorwürfen der Menschen, gegen die er sich versündigt hatte. Außerdem musste er seine körperlichen Schmerzen mit Tabletten bekämpfen. Er wusste nun, warum Hope darum gebeten hatte, ihn zu den Veranstaltungen zu fliegen. Auch wenn es für Carter schwer war, er musste sein Versprechen einhalten.
Peter Hope war am 09. Mai um 4 p.m. am Dodger-Stadium in Los Angeles angekommen. Zwei Mitarbeiter des FBI wollten mit ihm sprechen. Dafür hatte er jetzt keine Zeit. Er vertröstete sie auf das Ende der Veranstaltung. Es war noch eine Stunde Zeit, bis die Veranstaltung um 5 p.m. beginnen sollte. Aber es waren auch noch einige Vorbereitungen zu treffen. Er hatte eine neue Band engagiert, mit der die zu spielenden Kirchenlieder zu besprechen waren.
Das Stadium war mit 56.000 Besuchern voll besetzt. Etwa 6.000 Besucher standen vor dem Tor. Für sie mussten Lautsprecher organisiert werden, damit sie vor dem Tor die Veranstaltung mithören konnten. Carter war erstaunt. Es war bisher alles so gekommen, wie Hope es vorausgesehen hatte. Doch wie war das möglich? Er hoffte, später eine Antwort auf diese Frage zu erhalten.
Hope startete um 5 p.m. die Veranstaltung.
"Liebe Brüder und Schwestern", sprach Reverend Peter Hope, "ich heiße Euch alle herzlich willkommen und danke Euch allen für Euer Interesse an unserer Veranstaltung. Mein Gruß gilt auch den vor den Toren des Stadions stehenden Menschen. Ich bedauere zutiefst, dass Ihr im Stadion keinen Platz gefunden habt. Ihr werdet jedoch unsere Veranstaltung über die Lautsprecher verfolgen können, die wir für Euch aufgestellt haben."
Hope forderte die Anwesenden auf, zur Einstimmung auf die Versammlung mit ihm zwei Lieder zu singen. Das erste Lied war “Jesus Loves Me”. Das Lied war allen bekannt, weil auch Whitney Houston dieses Lied gesungen hatte. Das zweite Lied war das bekannte Kirchenlied “Oh Bliss the Purified”.
Die Anwesenden sangen mit Freude die beiden Lieder und waren nun eingestimmt auf die vor ihnen liegende Aufgabe. Sie wollten alle den Vergebungsprozess erlernen und ihn richtig praktizieren.
“Liebe Brüder und Schwestern“, sprach Hope, “Jesus Christus, der Sohn Gottes, ist mitten unter uns und wir danken ihm für seine Anwesenheit und Hilfe. Er hat uns in dem Evangelium Matthäus, Kapitel 18, Versen 19-20 gesagt: ‚Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.‘
Ihr alle habt sicherlich die Botschaft der geistigen Welt gehört, wie sie in den letzten Tagen von NBC und CBS gesendet wurde. Mit dieser Botschaft wurde der Prozess der Vergebung gelehrt. Wir sind hier zusammengekommen, um diesen Prozess der Vergebung zu lernen und einzuüben.
Im Evangelium Matthäus lesen wir in Kapitel 18, Vers 12-22 von der Pflicht zur Vergebung, dass Petrus unseren Herrn Jesus fragt: ‚Wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal? Jesus antwortete, nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal’. Lasst uns heute diesen Prozess der Vergebung einüben. Wer um Vergebung bittet und vergibt, wird frei von Bindungen, wird frei von Schmerz und Leid. Lasst uns deshalb die Zeit nützen.
Viele Menschen haben mir gesagt, dass bei ihnen der Vergebungsprozess nicht gewirkt habe. Sie klagten immer noch über dieselben Schuldvorwürfe in ihren Gedankenbildern und die körperlichen Schmerzen im Kopf und in der Bauchregion, im Solarplexus. Ich habe ihnen gesagt, dass sie den Vergebungsprozess nicht richtig gemacht haben.
Ich bin heute hier, um mit Euch einzuüben, wie Ihr Euch von den quälenden Schuldvorwürfen in Eurem Bewusstsein befreien könnt. Wir arbeiten dabei mit der Kraft unserer Gedanken. Alles, was wir tun, spielt sich in Gedanken ab.
Der Vergebungsprozess besteht aus folgenden Schritten: Bereue zutiefst, was du deinem Mitmenschen an Leid oder Unrecht zugefügt hast. Bitte ihn um Vergebung. Vergib auch ihm, wenn es sein könnte, dass er über dich negativ gedacht oder gesprochen hat. Mache wieder gut, was du verursacht hast. Tue Gleiches oder ähnliches Sündhaftes nicht mehr.
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