A.E. Eiserlo - Fanrea Band 2
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Emma und Ben treffen ihre Freunde aus Fanrea auf Magors Schloss. Dort geniessen sie zunächst ihren Urlaub, doch dann geraten sie in einen Kampf auf Leben und Tod, der sie in einen Strudel reißt aus Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung, aber auch Mut, Kraft und Selbstvertrauen.
Spannung und Humor, spirituelle Weisheiten, Drachen, Magie, Liebe und Freundschaft, ein Mix, der junge Leser und junggebliebene Erwachsene fesseln wird!
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Magor griff in einen Tonkrug und warf einen Haufen Erde auf den Tisch. „Versuche, die Erde zu bewegen.“
John hielt seine Hände über die Erde und schloss die Augen. Er versuchte, sich gedanklich mit ihr zu verbinden und kaum dass er sich konzentrierte, kam Bewegung in die braunen Krümel. Als er die Augen öffnete, blieb John mit seinen Gedanken ganz bei seinem Element. Mit seinen Händen beschrieb er einen Kreis und die Erde folgte seiner Geste, dann hob er die Hände und sie türmte sich auf. John schaute zu Magor und bewegte sein Element trotzdem weiter. Der Zauberer hatte einen entspannten Gesichtsausdruck und lehnte sich lässig in seinem Stuhl zurück.
John gab die Erde wieder frei und schaute zu Magor, der zufrieden grinste: „Ihr vier steht für die vier Elemente, Ben ist Feuer, John Erde, Emma Wasser und Nala Luft. Ich bin mir sicher, dass ihr die Elemente der alten Prophezeiung seid. Nun müssen wir eure Kräfte schulen und in die richtigen Bahnen lenken. Eine Menge harter Arbeit steht uns bevor.“
Magor sah in die Runde und schmunzelte. Die vier schwiegen und warteten ab, was nun geschah. Sie waren so jung und unverbraucht, noch konnte er sie formen. Es würde Freude machen, ihnen jeweils ihr Element näher zu bringen und begabt schienen sie alle vier zu sein. Ein Rätsel war allerdings noch nicht gelöst: Wer war das Element Äther und wann würde es zu ihnen stoßen? Er hatte nicht die geringste Ahnung.
„Schon wieder eine Prophezeiung? Was steht denn dieses Mal drin?“, fragte Emma zögerlich.
„Würde ich auch gerne wissen, geht ja immerhin um uns“, ergänzte Ben.
Magor dachte kurz nach und zitierte:
„Vom Himmel fallen flammende Sterne,
fallen hernieder aus weiter Ferne
Vier haben Mut - vier sind gut.
Feuer, Wasser, Erde, Luft
wer ist er, der sie ruft.
Äther ist die fünfte Kraft,
sie ist einfach zauberhaft.
Der Drachenreiter wird geweckt,
sein Geheimnis endlich aufgedeckt.
Doch wird es verbunden sein mit Schmerz,
welche Entscheidung trifft das Herz?
Das Buch verleiht zu große Macht,
lasst es nicht der finsteren Nacht.
Dunkelheit das Licht bedroht,
es hinabzieht in den Tod.“
Bedeutungsvoll schwieg Magor und fixierte jeden Einzelnen, dann schlug er vor: „Darüber könnt ihr zusammen nachdenken. Doch jetzt geht es los, wir müssen üben. Ben, mit dir fange ich wieder an. Nimm mir gegenüber Aufstellung, fange meinen Feuerball auf und wirf ihn zurück.“
„Moment!“, warf Emma ein. „Was bedeutet die Zeile mit dem Tod? Ich möchte...“
„Wir müssen jetzt hart arbeiten und können nicht über die Prophezeiung philosophieren“, brachte Magor sie zum Schweigen und erntete einen missbilligenden Blick von Emma.
Der Magier und Ben bezogen Position und sofort zauberte der Magier aus seinen geballten Fäusten zwei lodernde Bälle, die er zu Ben warf, der sie geschickt auffing und zurück zu Magor schleuderte.
„Sehr gut. Jetzt versuche, das Feuer als Waffe gegen mich einzusetzen. Bombardier mich!“, befahl Magor.
Auch das gelang und Magor parierte den Angriff. So vergingen die Stunden und jeder der vier erhielt seine Übungseinheiten. Magor schien unermüdlich zu sein und zeigte nicht die geringste Erschöpfung. Erst gegen Abend entließ er die Freunde und erlaubte ihnen, sich für das Abendessen etwas frisch zu machen.
Als sie zusammen Magors Alchemistenkammer verließen, bat Ben die anderen schon mal vorzugehen, er musste dringend mit Magor über Henk sprechen. Immer wieder dachte Ben an den armen Kerl im Irrenhaus, das Versprechen, Henk zur Flucht zu verhelfen, nahm Ben sehr ernst. Mit Magors Hilfe würde es sicherlich ein Leichtes sein, Henk zu befreien.
„Magor, haben Sie noch etwas Zeit für mich?“
Zunächst war Magor nicht wirklich interessiert an Henks Befreiung, als Ben ihm davon erzählte. „Ich möchte dich nicht enttäuschen, Ben, aber ich kann mich nicht um alles kümmern. Das hört sich für dich jetzt sicherlich brutal an, weil du einen persönlichen Bezug zu diesem Menschen hast, doch es gibt viele Probleme auf der Welt, die ich nicht alle lösen kann. Für Einzelfälle bin ich nicht zuständig, ich muss dafür sorgen, dass die globalen Katastrophen verhindert werden.“
Als Magor das entsetzte Gesicht von Ben sah, ergänzte er: „Schau nicht so. Ich erkläre es dir mit einem Beispiel. Hast du den letzten James Bond Film gesehen? Skyfall?“
„Klar.“
„Erinnerst du dich an die erste Szene des Films?“
Zögernd nickte Ben und Magor fuhr fort: „M gibt den Befehl, zu schießen, obwohl das Bond töten könnte und handelt gegen ihre Gefühle ihm gegenüber. Sie dient dem großen Ganzen und kann keine Rücksicht auf eine einzelne Person nehmen.“
So schnell wollte Ben nicht aufgeben: „Ich verstehe, was Sie meinen. Aber wir müssen doch nach Hydraxia, um uns das Zauberbuch von Xaria zurückzuholen. Kaum jemand ist bisher die Flucht von dort gelungen. Jede Information über ihr Schloss ist kostbar und deswegen brauchen wir Henk.“
Anerkennend nickte Magor: „Du bist ein schlauer Bursche, Ben. Gut, wir ziehen das durch und holen Henk da raus.“
Ben konnte sich ein zufriedenes Grinsen kaum verkneifen und sie besprachen den Ablauf der Flucht. Da Magor Aufgaben nicht lange vor sich herschob, sollte die Rettungsaktion am nächsten Tag stattfinden.
Eigentlich hatte Emma mit Magor wegen Sidney sprechen wollen, aber Ben war ihr leider mit seinem Anliegen zuvor gekommen. Länger mochte sie Sid nicht leiden sehen und wollte dem Zauberer unbedingt von Sids Leidenschaft zur Malerei erzählen. Jetzt musste sie nach einer anderen Gelegenheit suchen, um Magor alleine zu sprechen.
Am Abend saßen die vier Elemente zusammen und es gab nur ein Thema: Die Entdeckung ihrer magischen Kräfte. Viele unbeantwortete Fragen und Ideen schwirrten in ihren Köpfen herum.
Emma beschäftigte eine Frage ganz besonders: „Ich fühle mich überrumpelt. Welche Verpflichtung ist mit dem ganzen Elementekram verbunden? “
„Tja, das ist noch ungewiss.“ Mit einer anmutigen Geste strich Nala ihre Haare nach hinten. „Ich bin sehr gespannt, wann Magor uns das verraten wird.“
John rückte ein Stück näher zu Emma, so dass sich ihre Beine berührten. „Emma, du solltest deine Magie als Geschenk ansehen, es ist eine Gabe. Verändere deine Sichtweise und dein Gefühl ändert sich ebenfalls.“
Überrascht drehte Emma sich zu John und sah in seine dunklen Augen. Die Berührung an ihrem Bein war ihr nicht entgangen und es fiel ihr schwer, sich auf seine Worte zu konzentrieren. „Wie meinst du das?“
„Es ist oft eine Frage der Betrachtungsweise. Stell dir vor, du gehst um die Figur eines Bildhauers herum, die Figur bleibt immer dieselbe und doch sieht sie immer wieder anders aus. So ist es auch mit einem Problem. Verändere deinen Blickwinkel, geh sozusagen um das Problem herum. Vielleicht wird dadurch deine Gabe zu einem Geschenk für dich und du nimmst es gerne an.“
Ben klinkte sich in das Gespräch ein: „Das ist wie mit dem Glas. Ist es halbvoll oder halbleer? Eigentlich ist es dasselbe, aber halbvoll hört sich doch viel besser an.“
Erstaunt musterte Emma die beiden Jungen, Emmas angespannte Schultern lockerten sich und sie fühlte sich erleichtert. „Stimmt, ihr habt Recht.“ Ein spitzbübisches Lächeln umspielte Emmas Lippen. „Mann, bin ich froh, zwei solche Schlaumeier um mich zu haben.“
Nalas Augen funkelten: „Ich finde es total cool, dass ich die Luft bewegen kann. Das macht mich stärker und ich kann mich besser wehren. Stell dir vor, Emma, du donnerst Xaria eine Ladung Wasser ins Gesicht, das würde dir doch gefallen, oder?“
Weit weg von der Erde, in einer fremden Galaxie, auf dem kargen, dunklen Planeten Hydraxia, stand die Hexe Xaria vor ihrem Setzkasten und fingerte einige der winzigen Figuren heraus, um sie nebeneinander aufzustellen. Ein süßes, kleines Mädchen mit dunklen Locken, daneben zwei seltsame Wesen, beide halb Walross und halb Bär und eine Elfe mit Flügeln standen auf einem grob behauenen Steintisch. Xaria schob sie nach Belieben hin und her, fand das Ganze jedoch schnell langweilig und murmelte: „Ach, ich werde euch ein paar Minuten Leben schenken.“
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