“Prima. Play-Back-Mantrasingen. Dieser Urlaub überrascht einfach mit jedem neuen Augenblick“, denkt sie amüsiert.
Nach der Mantra-Einstimmung bleibt nicht mehr viel Zeit zu beobachten, zu denken oder zu grübeln oder sich über andere Kursteilnehmer aufzuregen. Diana hält ihre Truppe gehörig auf Trapp mit einer natürlich selbst zusammen gestellten Übungsreihe zur Stärkung der eigenen Kreativität und des Nervensystems. Daneben machen sie Bekanntschaft mit verschiedenen Atemtechniken, durch die sie in ungeahntes Lungenvolumen vordringen und sich durch verstärktes Ausatmen, bei dem die Yogirette bis zehn zählt, von überschüssigem Kohlenmonoxid, das ja ansonsten in ihrem Körper verschlacken würde, trennen.
Vor der Abschlussmeditation, die im Timing optimal zum schönsten Sylter Sonnenuntergang in den Dünen passt, kommt dann tatsächlich noch wie angekündigt die befürchtete Auf-Kommando-Pipi-Pause im Flur.
„Meine Güte, du kannst ja toll singen“, lobt Maggie Barbara. „Was und wo singst du denn so?“. „Ach, derzeit bin ich nur Touristikführerin“, winkt Barbara ab. Barbara entpuppt sich im weiteren kurzen Plausch als freundliche, füllige Frohnatur mit enormem Appetit, was sie vor allem für Maggie noch sympathischer macht. Als Frau mit dem gewissen Gemütlichkeitsfaktor, die alles nicht so ernst sieht, bei den Übungen gern mogelt, sich großzügige Verschnaufpausen gönnt und mit ihrem überall großzügig gerundeten Resonanz-Körper ganz in Einklang ist und genussvoll das ganze Jahr ohne Sport auskommt. „Sicher ist sicher, schließlich weißt du nie ganz genau, was dich in einem solchen Yogaurlaub erwartet“, zwinkert sie Maggie zu und erklärt, dass sie aus diesem Grund noch eine Anschlusswoche im Dorint-Hotel in Westerland gebucht habe. „Ich freu' mich schon jetzt darauf, mich für’s Ausgehen in der Schinkenstraße einmal so richtig chic zu machen. Man weiß ja schließlich nie, wen man noch so kennen lernen könnte“, flüstert Barbara Luna zu und blickt dabei kritisch auf ihre perfekt manikürten und strahlend rot lackierten Fingernägel, die an einigen Stellen bereits den ersten Yogaübungen zum Opfer gefallen sind.
„Tja, jeder so wie er mag“, denkt Luna und freut sich schon auf die Rückkehr in ihr behagliches Strandhäuschen in Meeres-Blau. Maggie hingegen versichert ihrer Freundin, dass man sich Barbara auf jeden Fall warm halten müsse, sollte ihnen jemals ein Ausreißer zu einem Gourmet-Menü in der berühmten Vogelkoje, die schließlich nur einen Fünf-Minuten-Fußmarsch von ihrem Kantinenspeisesaal entfernt lag, gelingen.
Nach den ersten Yoga-Stunden plus Abschlussmeditation schickt Diana alle ins Bett, ohne zu versäumen, noch einmal darauf hinzuweisen, dass die von ihr ausgewählten Yogaübungen entgiftend wirken und deshalb auch die komplette Ernährung in den kommenden Tagen darauf abgestellt ist.
„Wir trinken daher in den nächsten Tagen keinen Kaffee und keinen Alkohol. Mittags erhaltet ihr ein speziell von mir zusammengestelltes vollwertiges Essen in Grün, das hier von einem Sylter Restaurant nach meinen Anweisungen extra für uns gekocht wird“, führt sie weiter bedeutungsvoll aus.
„Na prima, das ist genau das ‚Wir’, bei dem ich mich nicht angesprochen fühle“, mault Luna. Ihre blonden Nackenhaare stellen sich auf. Ein Schauer huscht über ihren Rücken. Die nächste Rückzugsattacke kündigt sich bereits an. Maggie sieht es in der Tendenz genau so, ist aber erst einmal dankbar, dass sich eine weitere Alternative zum Kantinenessen auftut. Ihr Magen knurrt schon wieder.
„Oh Mann, für den ersten Tag haben wir genug Yoga-Eindrücke gesammelt!“ Maggie klopft Luna ermunternd auf die Schultern. Ein Absacker im Glashaus scheint jetzt genau das Richtige zu sein. Bewusst trödeln sie, als sich die Gruppe nach dem Umziehen vor dem Sternensaal verabschiedet und in Richtung Dünenhäuschen stapft. Schnell tun sie noch beschäftigt, fingern an den Schnürsenkeln ihrer Turnschuhe herum und schließen langsam und äußerst sorgfältig den Reißverschluss ihrer Jacken, um dann leisen Schrittes unbemerkt in der Dämmerung die genau entgegen gesetzte Richtung zum Glashaus und damit zum selbst verordneten Dämmerschoppen einzuschlagen, der dank des von Diana verordneten Drogenverbots nun noch verlockender klingt und bestimmt doppelt so viel Spaß machen würde.
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