So zog Tata an besagtem Tag seine Fantasieuniform an und begab sich in die geheiligten Räume des Cercul Militar, einem imposanten Gebäude mitten in Bukarest. Dort empfing man ihn gebührend und führte ihn in einen Saal, in dem sich alles versammelt hatte, was Rang und Namen besaß: Regierung, Botschafter, Adlige und Militär.
Nach einem kleinen Stehkonvent begab sich die Gesellschaft in den Hauptsaal, wo ein riesiges Bankett auf sie wartete. Tata kam zwischen einem Admiral und einem französischen Diplomaten zum Sitzen. Beide sprachen nur französisch, was Tata nicht konnte.
Von Zeit zu Zeit erschien ein Zeremonienmeister in goldbestickter Robe mit einem langen Goldstab, den er dreimal am Boden aufschlagen ließ, um den nächsten Redner anzukündigen.
Tata war gerade in seinen Fasan vertieft, als sein Nachbar, der Admiral, ihn anstieß und sagte: »Sie sind eben aufgerufen worden. Sie sollen Ihre Rede halten.« Meinem Tata, so erzählte er, sei der Fasan im Halse stecken geblieben, denn Andreas Schmidt hatte ihm ausdrücklich gesagt, er brauche sich auf nichts vorzubereiten.
Als am Ende seiner Rede applaudiert wurde, meinte Tata selbstkritisch, hätte das sicher nicht seiner Rede gegolten, wohl aber dem Respekt vor dem Vertreter Hitlers.
Der Filialdirektor unseres Betriebes in Bukarest hieß Rogalsky, mit dem sich Tata prächtig verstand. So war es zum Beispiel üblich, dass beide, spätnachts, nach getaner Arbeit, in ein kleines Vorstadtrestaurant gingen. Das Lokal, das den Namen »Dumitru« trug, stellte das beste »Pastrama de capra« her, wobei Tata meinte, dass dies für westliche Gaumen ungenießbar sei, denn es bestand aus getrocknetem Ziegenfleisch, das stundenlang gekaut werden konnte. Bei diesem »Dumitru« aßen beide das Gericht in aufgeweichter und gebratener Art. Eines schönes Tages, es soll März oder April gewesen sein, schmeckte die Pastrama scheußlich und Herr Rogalsky beschwerte sich beim Wirt. Worauf der Wirt erklärte: »Meine Herren, Sie haben recht. Jedoch ist mir das vorherige Pastrama ausgegangen und für das neue sind noch nicht genug Fliegen da, deswegen schmeckt es so fad.«
Das Ende von Tatas Karriere als deutscher Nazileiter in Bukarest sollte sich nach einem Jahr seiner Tätigkeit einstellen. Der rumänische »Führer Andreas Schmidt« bestellte eines Tages meinen Tata wieder zu sich und beschimpfte ihn wüst, dass er aus seiner schönen Partei einen Gesangsverein gemacht habe, und setzte ihn daraufhin, zu Tatas Freude, ab.
Als dann auch noch eine Revolution mit vielen Toten in Bukarest ausbrach, packten meine Eltern ihre Koffer, verließen samt Personal und uns Kindern Bukarest und zogen zurück in unser beschauliches siebenbürgisches Städtchen.
Dort kam 1941 meine kleine Schwester, liebevoll »Dussel« genannt, zur Welt und nun, schrieb Tata in seinen Aufzeichnungen stolz, wären wir bereits zu einer kleinen Familie herangewachsen.
Конец ознакомительного фрагмента.
Текст предоставлен ООО «ЛитРес».
Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию на ЛитРес.
Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.