Tom versuchte per Handy seinen Freund Günther Demann vom Morddezernat 1 zu erreichen. Vielleicht hatte Hauptkommissar Demann ja Informationen, die Tom in der Sache weiterbringen konnten. Schließlich fiel der Fall ja in den Zuständigkeitsbereich seiner Abteilung und wenn er nicht selbst daran arbeitete, so doch mit Sicherheit einer seiner Kollegen.
Aber Chief Demann war nicht zu erreichen.
Stattdessen rief Tom nun Kommissar Witte an, seines Zeichens Demanns Stellvertreter. Der Detektiv kannte auch Witte recht gut. Er hatte schon öfters mit ihm zusammen ermittelt und so war Kommissar Witte so freundlich, Tom zu verraten, wo sein Vorgesetzter jetzt zu finden war.
Witte nannte eine Adresse.
>Ein Tatort? < fragte Tom.
>Ja. Und wenn es nicht sehr wichtig ist was du von ihm willst, dann sollst du auch nicht dort auftauchen<.
>Warum nicht? <
>Ich habe es nur so am Rande mitgekriegt, aber es muss ziemlich unappetitlich sein. Also nichts für deine schwachen Nerven! <
>Na, ich werde schon nicht gleich umfallen. Worum geht es denn? <
>Aufgeschnittene Halsschlagader. Also ich bin nicht gerade traurig das ich nicht dabei bin<.
*
Eine Viertelstunde später stand Tom vor der Eingangstür einer schmucken Villa
in Konz, Roscheider Hof. Er hatte nur wenige Schwierigkeiten gehabt an den Absperrungen der Polizei vorbeizukommen, denn einige der Leute kannte er nämlich. Ein Blick auf das Klingelschild verriet Tom wer in dieser Villa wohnte. Die Dame hieß Eva La Belle de Jour - wie immer das auch korrekt auszusprechen war.
Schon im Flur fielen Tom die Blutspuren auf. Im großzügigen Wohnzimmer sah Tom dann die berühmten Kreideumrisse auf dem italienischen Marmorfußboden. Die Leiche war offensichtlich schon abgeholt worden. Dann fiel Toms Blick auf die stämmige Figur von Hauptkommissar Demann, der bei Toms Anblick nicht gerade erbaut war.
>Was suchst du denn hier, und woher wusstest du das ich hier bin? < motzte Demann Tom an, der seinen Freund lange genug kannte um dem nichts zu entgegnen.
>Komm ruhig rein, die Spurensicherung war schon hier, selbst du kannst nichts mehr kaputt machen<. sprach Demann und ging auf die Terrasse.
>Sieht ja schlimm aus! <
Demann gab keine Antwort sondern schaute über das Moseltal hinüber nach Luxemburg. >Ein Psychopath, Tom. Ein Psychopath. Er hat es nur auf Prominente abgesehen. Am liebsten wäre ihm wahrscheinlich George W. Bush. Der US Präsident. Aber der wird wohl zu gut bewacht<.
>Eva La Belle? Kann ja sein das ich in der Branche nicht so auf dem Laufenden bin, aber ich habe noch nichts von Ihr gehört<.
>Kein Wunder, du solltest mal des Öfteren die Bunte oder Gala lesen, dann wüsstest du, dass sie lange Jahre die Lebensgefährtin von Ernst Fuchs dem bekannten Maler war. Bevor sie jedoch mit Fuchs leiert war, sorgte sie schon für großes Aufsehen mit ihren Glasbildern. Sie war schon berühmt bevor sie Fuchs kennen lernte, < belehrte Demann seinen Freund und grinste dabei.
>Stimmt, jetzt erinnere ich mich. Sie hatte auch ein Malstudio in Spanien habe ich irgendwo gelesen. Ich glaube in einer Frauenzeitschrift die Dizzi auf ihrem Schreibtisch liegen hatte<.
>Liest du jetzt auch noch Frauen Zeitschriften? < zog Demann den Freund auf.
>Aber wenn man wie du, immer hinter verlassenen Ehefrauen und Ehemännern observieren musst, dann ist das wohl Berufslektüre<.
Tom verzog das Gesicht zu einem schiefen Grinsen und gab keinen weiteren Kommentar ab.
>Das war sein fünftes Opfer. Der letzte in der Reihe war Siggi Jesser, der Prediger<. sagte der Kommissar und wurde wieder sachlich.
>Bist du sicher Günther? <
Günther Demann runzelte die Stirn.
>Was soll das heißen? Was machst du überhaupt hier? Du weißt das ich es nicht gern habe wenn du dich in meine Fälle einbringst<.
>Witte war so nett mir zu sagen wo du bist. Ich arbeite an dem Jesser Fall<.
Günther Demann verzog das Gesicht.
>Dann sind wir ja hinter demselben Wahnsinnigen her<.
>Vielleicht< meinte Tom. >Was hast du denn bisher in der Hand? <
Demann schlug Tom freundschaftlich auf die Schulter.
>Komm, < meinte er. >Wenn wir uns unterhalten wollen, dann sollten wir nach draußen gehen, oder? <
>Ein paar Augenblicke später befanden sich die beiden Männer im Freien. Tom zündete sich eine Zigarette an, während er dem Kommissar aufmerksam zuhörte.
>Der Kerl tötet immer auf dieselbe Weise, < sagte Demann.
>Mit einem Rasiermesser oder einem scharfen Küchenmesser. Er ist Rechtshänder und hat Schuhgröße 42. Er ist in die Blutlache getreten als er in der Garderobe von Jesser war und hat einige Fußabdrücke hinterlassen. Aber ich glaube nicht, dass man damit viel anfangen kann. Wenn er wenigstens orthopädische Spezialschuhe getragen hätte! <
>Er? < fragte Tom nach, >kann es nicht auch eine Frau gewesen sein? <
>Kann auch eine Frau sein. Aber mindestens 1,75 m groß. Das meint jedenfalls der Gerichtsmediziner. Bei einem kleineren Täter wäre die Schnittführung eine andere gewesen<.
>Keine Fingerabdrücke? <
>Nein,… ein Irrer der unbedingt in den Medien erwähnt werden will<. meinte der Kommissar. >Der Täter sucht sich berühmte Opfer, um selbst berühmt zu werden. Und er benutzt immer dieselbe Methode, damit man weiß dass er es war. Bislang ist seine Rechnung aufgegangen. Die Zeitungen und die Nachrichten berichten über ihn<.
>Kein Wunder, wenn man Publikumslieblinge wie Siggi Jesser um die Ecke bringt<.
>Jesser war doch verheiratet? < fragte Tom nach.
>Ja<.
>Ich nehme an, du hast schon mit der Witwe gesprochen<.
>Nein, nicht ich. Witte war dort. Aber es ist nicht viel dabei herausgekommen. Keine Drohbriefe, keine Feinde, nichts. Solche Fälle mag ich nicht. Da ist zu viel Öffentlichkeit im Spiel, und veranlasst den Staatsanwalt mir dauernd auf den Füßen zu stehen. Das ist ein Scheiß Job<.
>Apropos Job…wer hat dich eigentlich engagiert, Tom? <
>Der Sender, bei dem Jesser seine Sendungen hatte<. Demann grinste.
>Dann trauen sie der Polizei nicht allzu viel zu<.
>Sagen wir’s so Günther, sie meinen, das ein bisschen Unterstützung nicht schlecht wäre<.
*
Ich möchte am Konzept der Sendung einiges ändern.
Meine Gedanken habe ich schon dem Regisseur mitgeteilt, ob sich das ändern lässt<.
>Herr Simon, die Sendung ist beliebt und ich werde nicht zulassen das auch nur eine Kleinigkeit verändert wird. Haben Sie kapiert? <
>Jetzt hören Sie mal zu Bobenhausen. <
>Nein, ich will nichts mehr hören. Und für Sie immer noch Herr Bobenhausen.
Seien Sie froh das Sie überhaupt noch eine Chance bekommen. Ich glaube nicht, dass man Sie nochmals gerufen hätte wenn Siggi Jesser noch leben würde. Aber leider haben wir im Moment keine andere Möglichkeit. Also halten Sie den Mund<.
Die beiden Männer drehten sich im gleichen Moment um als sie Schritte im leeren Studio hörten.
>Was machen Sie hier? Wie kommen Sie überhaupt hier herein? < rief Volker Simon ziemlich ungehalten. Der Mann der da offenbar den letzten Teil des Gesprächs mit angehört hatte, lächelte. >Sorry, mein Name ist Tom Jensen. Ich bin Privatdetektiv und ermittle im Fall Jesser<.
>Trotzdem, Sie können hier nicht einfach so herum schnüffeln, < ereiferte sich Volker Simon, der den Dampf, der eigentlich für Bobenhausen bestimmt war, ablassen musste.
>Ich darf, < sagte Tom und schaute Simon mit eiskaltem Blick an. >Wenn Sie weiter in dem Ton mit mir reden werden Sie in absehbarer Zeit keine Gelegenheit mehr haben eine Sendung zu moderieren, wenn Sie verstehen was ich meine<.
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