Tom Jensen, der bekannte Trierer Privatdetektiv schaute Marie Claire kurz an und nickte.
>Ich habe davon flüchtig in der Zeitung gelesen. Siggi Jesser ? Das ist doch dieser smarte Jehova Prediger, oder? <
>Ja, Herr Jesser hatte bei uns eine wöchentliche Sendung die überaus erfolgreich war. Wir bekommen Waschkörbe voller Fanpost in denen die Leute uns bitten den Mörder zu finden um ihn zur Rechenschaft zu ziehen<.
>Und< fragte Tom >gibt es schon Hinweise? <
>Das ist es ja eben< meinte Marie Claire Blajic. >Unserem Eindruck nach tritt die Polizei auf der Stelle. Der Mord geschah schon am 13. des Monats…<
>Das ist mehr als eine Woche her.<
>Ja, sehr gut erkannt Herr Jensen. Und bisher scheint man keinen Schritt weiter zu sein. Die Polizei redet immer um die Sache herum und alles läuft darauf hinaus das sie nichts in der Hand haben. Nicht das Geringste.<
Sie zuckte mit den Schultern und schaute neben den Schreibtisch wo sich gerade der Hund von Tom Jensen streckte und gähnte.
>Ist das ihr Hund? < fragte Marie Claire und lächelte Inor an.
>Ja, es ist mein Partner. Ein ausgebildeter Polizeihund, der mir schon des öfteren fast das Leben gerettet hat< grinste Tom und schaute auf Inor.
>Wollen Sie den Auftrag übernehmen und den Mörder von Siggi Jesser suchen? <
>Klar, aber meine Dienste kosten eine Kleinigkeit…<
>Kein Problem. Ich bin autorisiert Ihnen einen Vorschuss in der von Ihnen gewünschten Höhe zu zahlen< sagte Marie Claire und zückte das Scheckheft.
>Ansonsten versichere ich Ihnen das unser Unternehmen sich nicht kleinlich zeigen wird<. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht als sie den Scheck ausschrieb und Tom herüberreichte.
>Stopp, ich habe Ihnen ja noch keine Zahl genannt…<. Tom brach den Satz abrupt ab als er die Summe auf dem Scheck gesehen hat und wurde ganz nervös. Alleine von diesem Vorschuss konnte er 4 Monate gut leben. Jetzt sind die beiden alten Aufträge in den Hintergrund getreten.
Er lächelte seine Auftragsgeberin an und sagte >Ich brauche alle Informationen die Sie haben und wenn sie noch so unbedeutend erscheinen<.
>Ich habe einen Ordner für Sie zusammengestellt, der Ihnen bestimmt hilfreich ist<.
Sie legte den grauen Leitz Ordner auf den Tisch und Tom nahm ihn an sich und blätterte drin herum während sie sich hinsetzte und die Beine übereinander schlug. Unterdessen ging eine Nebentür auf und Dizzi Simon, Tom’s bildhübsche braunäugige Assistentin, betrat den Raum. Ein Traum von einer Frau. Dunkelblondes Haare umschmeichelten ein Gesicht das einer Miss Germany in nichts nachstand. Eine Figur mit den Taummassen-90-63-90 und das bei handlichen 172 cm.
Sie brachte Kaffee und den hatte Tom auch dringend nötig, denn den Großteil der vergangenen Nacht war er mit einer Observierung beschäftigt gewesen. Mittlerweile hat auch Inor mitbekommen das Tom’s Assistentin den Raum betreten hatte und sprang wie wild um Dizzi herum.
Marie Claire Blajik hob kurz die Augenbrauen, als Dizzi ihr Kaffee einschenkte. Dann blickte sie zu Tom der gerade an seiner Tasse schlürfte.
>Ich hoffe Sie sind zufrieden? <
Tom nickte beifällig.
>Ich sehe das Herr Jesser Vorsitzender einer Stiftung ist…<
>War, < verbesserte Marie Claire. >Er war, Vorsitzender des Vereins ‚ Hilfe zur Selbsthilfe e.V. und das schon seit Jahren. Die wöchentliche Sendung bei RPR war mehr oder weniger ein Nebenjob, in den er sich aber voll reinhängte. <
>Wie lange hatte Jesser diesen Job< fragte Tom und sah Marie Claire fragend an.
>Seit ca. 2 Jahren. Wir hatten vorher schon eine ähnliche Sendung, mit einem anderen Prediger, aber Jesser war einfach besser. Und zwar um Längen.<
>Woran lag das? <
>An Jesser. Ganz alleine an ihm. Sagen Sie bloß Sie haben von dieser Sendung nie gehört? < Tom lächelte dünn.
>Nun, in meinem Job hat man keinen geregelten Feierabend. Wenn andere Leute vor der Glotze sitzen, habe ich oft noch was zu tun und Prediger sind nicht meine Welt<.
>Ich verstehe<.
>Und was war nun so besonders an Jesser? Er ist schließlich nicht der einzige Prediger der eine eigene Sendung hat<.
>Stimmt, aber er traf genau den Nerv der Leute und knöpfte ihnen auch noch Geld ab<. zwinkerte Marie Claire und kraulte Inor hinter den Ohren was ihm sichtlich gefiel<.
>Aber das nahm man einem Mann wie Siggi Jesser nicht übel. Er hatte einfach das gewisse Etwas. Persönlichkeit, wenn Sie verstehen was ich meine.
Sein Tod stürzt unseren Sender auch in Schwierigkeiten, denn wer soll sein Nachfolger werden? Aber das ist nicht Ihr Problem Herr Jensen<.
>Glücklicherweise. Ich frage mich nur weshalb ein so beliebter Mann umgebracht wird. Hatte er vielleicht Feinde? <
>Nein, natürlich gibt es da immer die üblichen Rivalitäten<.
Sie machte eine Pause und meinte dann: >Wenn Sie keine Fragen mehr haben? <
Marie Claire erhob sich und Tom brachte sie zur Tür. Als er zurückkam, sah er Dizzi in den Unterlagen blättern, die Marie Claire Blajik zusammengestellt hatte.
>Sie gefällt dir wohl? < Dizzi schaute Tom mit ihrem Ichbringdichum Blick an, an den sich Tom schon seit Jahren gewöhnt hat. Seine Assistentin war maßlos eifersüchtig und
Freundin, Buchhalterin und Sekretärin in einer Person und gut aussehende Frauen in Tom’s Nähe lösten bei ihr Alarmstufe Rot aus.
>Lass den Quatsch, was hälst du davon< fragte Tom und strich sich durch sein angegrautes Haar. Dizzi zuckte mit den Achseln.
>Ich weiß es nicht. Die Sache ist schon eine Woche her. Und Halsschlagader aufgeschnitten, klingt ziemlich schlimm<. Sie strich sich die blonde Mähne zurück und setzte sich auf Tom Schoß.
>Du solltest die Finger davon lassen, < sagte sie bestimmt.
>Wovon< grinste Tom und nestelte an Dizzi’s Bluse, die wie immer keinen BH trug.
*
Die Stiftung hatte ihre Büros in der Theodor Heus Allee in einer pickfeinen Etage.
Von Tom Jensens Residenz bis dahin war es nicht weit und Tom legte diesen Weg zu Fuß zurück.
>Was kann ich für Sie tun< lächelte ein entzückendes Wesen Tom an, als er dort auftauchte. Die junge Frau hatte ein feingeschnittenes Gesicht und Ihre Haare waren eine Mischung aus Sportlichkeit und Eleganz.
Tom musterte sie kurz und erwiderte ihr Lächeln.
>Mein Name ist Jensen, Tom…<
>Der Privatdetektiv? < unterbrach sie Tom’s Vorstellung.
Tom hob die Augenbrauen. >Bin ich so bekannt, oder wurde ich angekündigt, < meinte er ironisch.
>Ich hoffe nicht das Ihre Eitelkeit zu viel Schaden nimmt wenn ich Ihnen verrate, dass ich nur erraten habe wer Sie sind, weil es vorher die Runde machte das der Sender Sie engagiert
hat. <
>Ich hoffe ich werde es überleben, aber eigentlich bin ich mit einem Herrn Köhler verabredet. Er leitet doch jetzt die Stiftung oder irre ich mich? <
>Nein, Sie irren sich nicht. Er war Herrn Jessers Stellvertreter und nun…Es war irgendwie logisch das er den Posten übernimmt. <
>Macht er auch die Sendung? <
>Nein, dazu hat er kein Talent<.
>Ich verstehe. Wo ist Köhlers Büro? <
>Am Ende des Ganges rechts. <
Tom wollte sich schon in Bewegung setzen, da hielt ihre Stimme ihn zurück.
>Er ist nicht dort…Sie können mir ruhig glauben Herr Jensen. <
>Sehe ich aus als würde ich Ihnen misstrauen, Frau….<
>Leis, Annemie Leis. Und wenn Sie es genau wissen wollen: Sie sehen so aus als würden Sie mir kein Wort glauben<.
Tom grinste. >Berufskrankheit, in meinem Job wird man ziemlich oft belogen meine Liebe<.
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