Aber eigentlich weiß ich auch gar nicht, ob so heißes Wasser ihm was antun könnte. Ich habe ihn neulich erwischt, wie er ziemlich lange im Schnee saß und da schien ihm zumindest Kälte und Nässe nichts auszumachen. Allerdings wenn er sich schlafen legt, will er immer schön von mir zugedeckt werden. Was ich natürlich auch gerne für ihn tue.
Sein Lieblingsbettchen ist mein Schäfchenstofftier Lotti. Lotti ist recht groß, schön weich und sieht auch sehr lieb aus. Findemich legt sich gerne an Lotti gekuschelt hin, bekommt dann von mir sein Zubettzudeckchen (das ist aus reiner Schafswolle und hält schön warm) über seinen kleinen Körper gelegt und dann schläft er seelenruhig ein. Gnome scheinen nie Einschlafprobleme zu haben.
Wenn ich es mir richtig überlege, scheinen wir beide jetzt in unserem ersten Kapitel gleich ganz viele kleine Geschichten reingepackt zu haben. Nicht das uns die Geschichten aus gehen, bevor das Buch zu Ende geschrieben ist. Außerdem hatten wir vor, noch mehr Bücher gemeinsam zu schreiben, wenn es uns dann nach Beendigung des ersten Buches immer noch Spaß macht. Und habe ich nicht mal gelesen, dass so ein typischer Anfängerfehler bei Schriftstellerdebütanten ist, dass sie gleich im ersten Buch alles erzählen wollen?
Einen Titel für das Buch müssen wir uns auch noch ausdenken. Findemich will was Blumiges haben. Ob blumig was Schwülstiges ist? Vielleicht: „Die glorreichen Abenteuer des heldenhaften Gnom Findemich“? Also, das klingt mir zu kitschig. Das Ding ist ja, wenn ihr das Buch lest, haben wir bereits einen guten Titel gefunden. Trotzdem sollt ihr hier an dieser Stelle bei der Titelfindung Hautnah dabei sein. Wie wäre es mit: „Emmas Abenteuer mit dem Gnom Findemich“. Hmm, das klingt mir etwas zu nüchtern.
Was Blumiges. Ich frage ihn gerade mal. Er meint, da sollen Blumen drin vor kommen. ????? Vielleicht bin ich ja etwas schwer von Begriff – für einen Gnom bestimmt – aber wie soll ich um Himmels willen eine Blume in den Titel einbauen?! „Findemich und das Butterblümchen“, sagt er. Jetzt muss ich aber lachen. Klingt ja hübsch, aber von einem Butterblümchen handeln unsere Geschichten ja gar nicht schwerpunktmäßig. Und ich habe mal gelesen, dass der Buchtitel für das gesamte Buch stehen soll. Aber was Witziges fände ich gut. Wer hätte geahnt, dass es so schwer ist, einen guten Titel zu finden … ? Jetzt trinke ich schon den zweiten Becher Magenschonkaffee und mein Gehirn ist wie weggeblasen. Leere, absolute Leere.
Auch habe ich mal gelesen, dass es gut für die kreative Ideenfindung ist, wenn man mal ein Päuschen einlegt. So eine kleine Pause ist immer gut. Also, melde ich mich gleich wieder. - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Na seht ihr, da habe ich Findemichs Vorschlag, die Buchstaben und Zeichen auch optisch zu verwenden, mal umgesetzt.
Habe den Abwasch gemacht und meinen Körper ein wenig gestreckt. Mal sehen, ob mir jetzt mehr einfällt. Allerdings habe ich den Fehler gemacht, meine Hände nach dem Abwasch einzucremen. Jetzt riechen sie zwar gut, aber dafür habe ich keinen guten Halt auf der Tastatur. Moment, muss mal eben meine Finger abwischen. Findemich brüllt: „Aber nicht an mir!!!!!“ Ich weiß gar nicht, was Gnome gegen Cremes, Badewannen und Duschen haben. Vielleicht ist ja Findemich Wasserscheu, aber was hat er dann gegen Cremes?
Egal, für den Moment. Jetzt sollte mir der Titel einfallen. Tut er aber nicht. Typisch. Wenn ich unter Druck stehe …
Übrigens habe ich heute noch ein Abenteuer vor. Ich will meine Haare selber färben. Gestern war ich schon mal so mutig und habe in einem Drogeriemarkt (ja, ich weiß, Namen von Firmen dürfen in Büchern nicht genannt werden, wenn man keinen Ärger bekommen will) mir eine Packung Haarfärbemittel gekauft. Sie sollen intensiver Braun werden, meine Haare.
Mir gefällt meine natürliche Haarfarbe nicht sonderlich. Aber alle paar Wochen zum Frisör zu gehen und dafür zu blechen finde ich auch nicht berauschend. Also, werde ich jetzt mal selber zum Farbtopf greifen und berichte euch dann, wie es geworden ist. Hoffentlich gut.
Mit Haare färben habe ich nur aus meiner Studentenzeit Erfahrung. Da habe ich mal ein Naturfärbemittel benutzt. Zuerst leider die falsche Farbe. Auf der Packung hätte stehen müssen: „Warnung! Dieses Pulver färbt ihre Haar so orange wie eine echte Orange!“ Aber da stand natürlich nichts dergleichen und so hatte ich Wochenlang orange Haare. Es war Sommer, die Sonne knallte auf mein Haupt und so leuchtete ich zusätzlich wie eine Leuchtboje. So macht man halt seine Erfahrungen. Die zweite Packung, die ich ausprobiert habe, enthielt einen anderen Farbton und stand mir wesentlich besser.
Findemich meint, so orange Haare an mir würden ihm aber gut gefallen. Ich sähe dann aus wie seine berühmten Verwandten, die Kobolde. Er selber hat kurzes, leicht gewelltes, braunes Haar. Braune Augen und einen hellen Teint. Widererwarten hat er wie ein Mensch fünf Finger und Zehen und sieht auch sonst wie ein Miniaturmensch aus. Keine spitzen Ohren, leider, die fände ich nämlich schön.
Aber nun zurück zum Titel.
Mein ehemaliger Deutschlehrer würde sagen: „Lass den Titel weg und schreibe erst mal weiter.“ Das finde ich durchaus eine beruhigende, gute Idee, die ich hier übernehme. Erst mal weiter schreiben, der Rest kommt schon von alleine.
Da fällt mir eine wichtige Information über Gnome ein, die Findemich mir anvertraut hat. Und weil ich nicht will, dass sie verloren geht, weil ich vergessen habe, sie nieder zu schreiben, hier also die Information: Gnome werden für menschliche Augen dann sichtbar, wenn der Gnom das will. Und Gnome wollen das dann, wenn sie etwas von einem Menschen wollen. Von mehreren Menschen wollen sie nie etwas, wie Findemich mir versicherte. Menschen werden von Gnomen ausgesucht. Immer. Nie umgekehrt.
Es kann also sein, dass euer Wohnzimmer mit Gnomen voll besetzt ist und ihr bekommt das nicht mal mit. Das ist ein Ding, nicht wahr?
Er meinte noch, dass noch andere Nicht-Menschliche außer ihm in meiner Wohnung sind. Wer die „anderen“ sind, habe ich ihn vorsichtshalber erst mal nicht gefragt, denn ich will nachts noch schlafen können.
Jetzt fragt ihr euch sicher, was der Gnom eigentlich von mir will und warum er mich ausgesucht hat, um Kontakt aufzunehmen. Er hätte ja wirklich jemand anderen aussuchen können. Also, was hat mich Gnomtauglich gemacht?
Findemich sagte mir dazu, dass er jemand finden wollte, der begabt darin ist, ein Buch zu schreiben. Ja, haha, genau, wo ich doch noch nie ein Buch veröffentlich habe und höchstens ein paar Schreibübungen gemacht habe. Dazu meinte er, ich wäre eben auf dem Weg, und dass ich mehrere Ansätze gemacht hätte und mein Ding noch nicht gefunden hätte, wäre ja genau richtig für die Auswahl gewesen. Was hätte er mit einem erfahrenen Autor anfangen sollen, der erfolgreich Bücher über z.B. Segelflugzeuge veröffentlicht hat?
O.k., das leuchtete mir ein. Zudem wollte er jemanden haben, der noch formbar ist, indem was geschrieben werden soll. Außerdem vertrüge es nicht jeder Mensch, plötzlich einen Gnom zu sehen und diesen dann als dauerhaften Mitbewohner zu beherbergen.
Ja, auch das konnte ich mir lebhaft vorstellen.
Ein wichtiges Kriterium für seine Auswahl war ebenso, dass der ausgewählte Mensch etwas mit der Gnomart anfangen konnte. Jemand wie mich, der auch noch als Erwachsener gerne Comic-Hefte liest, Stofftiere liebt und Einkommenssteuererklärungen zum fürchten findet, wäre da genau richtig gewesen.
Auch hat er gesehen, dass ich gerne wie er Süßes esse, Fantasyfilme mag, mich bevorzugt in der Natur aufhalte und Tiere liebe. Alles optimal für die Gnomauswahl!
Ach ja, dann hat er noch entdeckt, dass ich ein kreativer Mensch bin. Und das gehört zum Findemichs weiteren Plan. Er will mit mir zusammen selbstgemachtes Kreatives (er sprach von Bildern auf Leinwänden) für die Menschen anbieten, welches deren Herz erfreuen soll. Wir haben also noch einiges vor. Und ich freue mich sehr darauf!
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