Renate Wullstein - Stadt Land Flucht

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Es ist ja ein sehr spezieller Blick auf die alte DDR, «speziell» durch die Vita der Erzählerin und auch durch ihre große Offenheit, das ist schon spannend.
Die Sprache ist ohne Fettpolster und Schweißtropfen, sie ist sauber, treffend, ohne Verrenkung, ohne Gesinnungsdruck, ohne jede Peinlichkeit. Ihre Sprache will nicht dauernd furchtbar gut sein, sondern ist meist nur klar und richtig und erfreut dennoch in regelmäßigen und zuverlässigen Abständen mit poesie-nahen «Hits». Meist entstehen diese Edelsteine durch Verknappung. Respekt!
Sten Nadolny (Auszug aus dem privaten E-Mail-Briefwechsel)
Die Entscheidung, aus dem Hinterhof im Berliner Prenzlauer Berg wegzuziehen, damit das zukünftige Kind nicht neben einem Kohlenhof aufwachsen würde, fiel 1981. Während einer Reportage-Arbeit im Havelland fand die junge Autorin Renate Wullstein den Bauernhof in Paretz, der zum Verkauf stand. Aufs Land, ein alter Traum erfüllt sich. In Tagebüchern und Briefen dokumentiert sie den Alltag, nicht ahnend, dass es die letzten Jahre der DDR sein würden.

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Wir sammeln bei unserem Nachbarn Armin heimlich die Haselnüsse auf, weil seine Frau bis zur Scheidung in Berlin lebt und Armin meistens blau ist. Außerdem wachsen auf seiner Schafswiese Tintlinge, die wir zum Abendbrot essen. Im Augenblick haben wir keine Kohlen und kein Geld. Im Garten wächst aber Spinat. Letztens sammelten wir Äpfel. Ein Freund transportierte zwei Hänger voll zur Mosterei, und wir bekommen 50 Flaschen Saft und 50 Flaschen Wein (er auch). Ich sammle mit dem Handwagen Holz, und wir warten auf Wolfgangs Mutter, die einen fertigen Braten mitbringt. Nächste Woche fahre ich zum Schriftstellertreffen nach Petzow und esse mich satt.

Und Wolfgang freut sich, wenn er mal mit Hannes allein sein kann.

22 Oktober Der Herbst ist meine Lieblingsjahreszeit Ich dachte bisher der - фото 3

22. Oktober

Der Herbst ist meine Lieblingsjahreszeit. Ich dachte bisher der Sommer (Frühling kann ja jeder sagen). Der Sommer ist es aber nicht, sondern der Herbst. Es zieht mich raus. Sogar wenn Nebel ist. Besonders bei Nebel. Als ich mit Hannes, er im Kinderwagen, ein Stück gegangen war, kam plötzlich die Sonne raus und der Nebel verschwand. Da sahen wir eine große Wiese mit Kühen. Wir gingen hinterm Dorf entlang, wo man die Scheunen und Ställe sieht, und die Hühner. Ich wollte nachsehen, ob es in unserer Gegend wirklich keine Pilze gibt, wollte wenigstens ein paar Tintlinge finden, sah sie am Wegesrand, aber die waren schon zu Tinte geworden. Klein sind sie weiß und riechen essbar, später sind sie schwarz und matschig. Wir saßen an der Havel und schauten aufs Wasser. Das heißt, Hannes blickte nur hin, wenn ein Lastkahn vorbeischwamm und tutete, und wenn hinterher die Wellen ans Ufer schwappten. Die Havel ist hier so breit wie ein See. Am Strand konnte ich durch das Wasser bis auf den Grund sehen. Im Sommer nicht. Im Sommer ist das Wasser trübe. Ich bewunderte das klare Wasser und fischte Muscheln für Hannes. Er betrachtete sie und spielte eine Weile damit. Mir wird klar, dass man dem Kind alles gibt, was man früher selbst behielt. Also sammelte ich welche für mich dazu. In Zukunft werde ich auch eine Banane essen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Zurück gingen wir mitten durch das Dorf. Der Konsum war geschlossen. Wir trafen Leute und grüßten, obwohl wir sie nicht kennen. Das Grüßen macht Spaß. Am meisten freuen sich die ganz alten Leute. Manchmal passiert es mir mitten in Berlin: Ich grüße aus Gewohnheit fremde Leute.

Heute Nachmittag fragte Wolfgang, was ich eigentlich den ganzen Tag lang tue, hier auf dem Dorf.

„Nichts“, sagte ich. Ich schreibe nur alles auf.

Sein Fleiß macht mir Sorgen. Wenn er von der Arbeit kommt, geht er auf den Hof, verbrennt Laub und pflanzt Rosen. Er mischt Zement, hat dann einen Klotz, aus dem er eine Putte hauen wird, einen zusammen gekauerten dicken Engel in Lebensgröße. Ursprünglich wollte Wolfgang auch deshalb nicht mit aufs Land ziehen, weil er meinte, hier keine schönen Frauen zu treffen. Außerdem gibt es keine Kaffeehäuser, wo man Kontakte knüpfen könnte. Deshalb fährt er regelmäßig nach Berlin. Zurzeit ärgert er sich über den Herbst, weil es so früh dunkel wird. Heute Morgen merkte er erst an der Bushaltestelle, dass sein Fahrgeld nicht reichte. Aber die Busfahrer kennen uns. Der von heute, der ältere mit den schneeweißen Haaren hat ihm die Fahrt geschenkt. Einmal ist früh der Bus ausgefallen, dann vermissten wir wochenlang den einen Busfahrer, der kam jedoch wieder. Ich freue mich auf den Winter, da bleibe ich die ganze Zeit im Haus.

Noch Oktober Armins neue Freundin heißt Heide Sie erträumt sich eine Kommune - фото 4

Noch Oktober

Armins neue Freundin heißt Heide. Sie erträumt sich eine Kommune in Paretz, dann lohne sich wenigstens das Einwecken von Obst und das Herstellen von Chutney. Mit ihrem Wartburg fuhren wir alle zusammen am Sonntag in die Pilze. Auf dem Rückweg stahlen wir Tomaten vom Anhänger eines Traktors, der direkt vor unserem Haus stand. Und am selben Abend wurde alles verarbeitet.

Zuerst die Pilze. Dann die Tomaten.

Armin hat eine riesige Küche.

“Gib mir mal einen ganz großen Topf”, sage ich zu ihm.

Er verschwindet, kommt zurück, läuft in der Küche umher, verschwindet wieder. Aber wo ist der Topf.

”Armin”, sage ich, “du schneidest die Pilze.“ Der Hausherr ist unfähig, auf einem Platz zu verharren. Er rennt erneut durch die Gegend, auf den Hof, in den Keller. Wir schreiben ihn ab. Wolfgang säubert die Pilze und bereitet sie zum Trocknen vor. Heide pellt die Tomaten so gut es geht. Sie sagt, wir hätten sie vorher abbrühen sollen. Ich schmore eine Portion Pilze zum Abendbrot. Wir stellen fest, in diesem Haushalt gibt es keinen großen Topf wie wir ihn für das Chutney brauchen. Ich nehme einen Wassereimer aus Blech, säubere ihn und stelle ihn auf den Gasherd. Die geschnippelten Tomaten rein geschüttet. Es wird nach Rezept gearbeitet, nur reichlicher von allem, mehr Knoblauch und Petersilie. Gebratene Senfkörner, die aus der Pfanne springen und leise knallen. Zwiebeln. Peperoni aus unserem Garten. Es kocht und kocht; sieht blass aus und wässrig. Gar nicht nach Chutney. Wir müssen dringend pürieren. Niemand von uns hat elektrische Küchengeräte.

“Armin, bring mal die Bohrmaschine!” ruft Wolfgang.

“Sofort”, kommt die Antwort. Nach ungefähr einer halben Stunde sage ich Wenn jetzt nicht augenblicklich - фото 5

Nach ungefähr einer halben Stunde sage ich: ”Wenn jetzt nicht augenblicklich die Bohrmaschine eingesetzt wird, können wir Gemüsesuppe essen.”

Die Bohrmaschine kommt.

Wolfgang hält sie in den Tomaten-Eimer. Ich verlasse die Küche. Es klingt, als würde das Gerät jeden Moment explodieren. Durch einen Spalt blinzle ich zur Tür hinein. “Guck mal”, ruft Wolfgang begeistert. “Die ganze restliche Pelle bleibt am Bohrer hängen.”

Es wird ein gut aussehender dicker Brei. Heide füllt das Chutney in Schraubgläser. Jede Partei erhält vier große und 1½ kleine. Jetzt noch die Pilze waschen, die zum Sauer-Einlegen gedacht sind. Ich schäle Zwiebeln und suche im Küchenschrank Einlegegewürze. Der Zucker ist alle. Beim Chutney draufgegangen. Essig ist drüben in unserem Haus, kein Zucker. Armin reicht mir Würfelzucker, den löse ich auf.

Wir sind alle zufrieden, aber erledigt. Heide wollte im Fernsehen die Chinesische Oper gucken. Sie schläft jedoch ein.

Die Einladung Verlag Neues Leben Berlin vom 25 bis 281083 findet unsere - фото 6

Die Einladung

Verlag Neues Leben Berlin

vom 25. bis 28.10.83 findet unsere diesjährige Prosa-Werkstatt statt, zu der wir Sie hiermit herzlich einladen. Hauptsächlich werden wir wieder neue Texte zur Diskussion stellen.

Bitte teilen Sie uns auf beiliegender Karte mit, ob Sie teilnehmen und ob Sie lesen werden.

Die Werkstatt findet im Schriftstellerheim „Friedrich Wolf“ in Petzow statt. Man fährt mit dem Schnellverkehr von Berlin-Karlshorst oder Schönefeld bis Potsdam-Hauptbahnhof. Von dort mit dem Bus bis Petzow, Holländer Mühle. Die Anreise sollte möglichst bis 12.00 Uhr erfolgen.

Mit freundlichen Grüßen

Walter Lewerenz

Cheflektor

Ich freue mich jedes Mal auf diese Werkstatt: Eine Woche bewirtet werden und vielleicht ein Flirt. Ich kam mit dem Bus über Potsdam am Vormittag an. Dort war ein Badezimmer, und ich stieg gleich in die Wanne, welcher Luxus. Das Schriftstellerheim liegt am See. Es ist eine ehemalige jüdische Villa, glaube ich. Denn nach ´33 gehörte sie Marika Rökk. Über eine Terrasse kommt man in einen großen Raum mit Parkett und Kamin, mit Sitzgruppen aus Kunstleder und flachen Tischen. Die Zimmer sind in der ersten Etage. Die Verlagssekretärin saß im Flur mit einer Liste für die Zimmerverteilung. Ich sagte, ich wolle mit Maja Wiens auf ein Zimmer, und sie war einverstanden. Maja war noch nicht angekommen. Ich sah mich um. All die Leute, Bekannte und Unbekannte. Zum Mittag im Speisesaal setzten sich an meinen Tisch Wolfgang Herzig (der dritte oder vierte neue Chefredakteur von Temperamente) , und Müller, einer von den Redakteuren. In den letzten zwei Jahren hatte ich nicht gelesen, weil Lewerenz mich in Dresden derartig runtergeputzt hatte, dass mir vor versammelter Mannschaft die Tränen liefen. Das wollte ich nie mehr erleben. Jetzt fühlte ich mich sicherer. Die Adam, meine Lektorin, sagte mir beim letzten Treff, ich sei mal wieder dran. Nun gab es kein Zurück. Ich würde “Freitagnachmittag” lesen und auf keinen Fall weinen, wenn Lewerenz wieder zuschlug. Aus reiner Gewohnheit studierte ich zuerst die Männer. Uwe Bergander sah auf eine Art gut aus, bürgerlich und elegant; ich gesellte mich beiläufig zu ihm. Der junge Mann war neu beim Verlag, hatte gerade ein Buch veröffentlicht. Die ziehen alle an mir vorbei, und ich bin schon seit ´76 beim Verlag. Bergander rauchte Pfeife. Nach dem Mittag folgte die Begrüßung im Salon und ein Vortrag von Dr. Wolfgang Herzig, dessen Beruf Historiker ist. Etwa dreißig Autorinnen, Autoren, Lektoren und Redakteure saßen in den Sesseln, die zu einem großen Kreis aufgestellt waren. Maja saß neben mir auf der einen Seite, Bergander auf der anderen; und während der Eröffnungsrede von Lewerenz betrachtete ich die ganze Gemeinschaft. Zwei Frauen fielen aus dem Rahmen. Eine Jugendbuchautorin mit kastanienbraunem lockigem langen Haar und einem roten Wollkleid, und eine etwa vierzigjährige große Frau, herb und interessant. Bergander flüsterte, es sei Jutta Schlott. Den Namen hatte ich schon gehört. Gisela Adam hatte mich euphorisch begrüßt und gesagt, ich sähe süß aus. Ich hatte mir zwei Zöpfe geflochten und die dunkelblaue Latzhose angezogen. Als ich Jutta Schlott mit dem Kleid und die weibliche Jugendbuchautorin betrachtete, kam mir meine eigene Aufmachung albern vor. Und nun, mitten im Vortrag von Wolfgang Herzig, ging die weiße Flügeltür auf und ein junger Mann trat ein. Alle sahen zu ihm. Und mir stockte das Herz. Er war blond, groß und schön. Im selben Moment die Gewissheit: Die beiden Schönen in der Runde dachten dasselbe wie ich: Endlich ein Mann .

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