AEVUM
BLACK ICE II
Science-Fiction-Roman
von
Werner Karl
Aevum …
Eingang zur Unsterblichkeit.
Die Ewigkeit beginnt dort,
wo das Licht niemals erlischt,
der Himmel in goldenem Schein erstrahlt.
Aevum …
Die Zeit scheint stillzustehen,
zu warten auf ihr eigenes Ende.
Das Leben dort endet nie.
Findest du den Weg nach Aevum, sei gewarnt:
Gehst du durch die Pforte,
gibt es kein Zurück mehr,
deine Tage sind lang und ungezählt.
Und bevor du durch die Pforte gehst, frage dich:
Willst du so lange leben, wie kein anderer zuvor?
Bérénice Savoy, Ex-Spacetrooperin und Agentin des Terranischen Geheimdienstes, muss wieder zu Katana und Lasersichel greifen, um sich ihrer Feinde zu erwehren. Mit Hilfe ihres Kampfroboters Freitag und ihrer Geliebten Naya versucht sie, den Krieg zwischen den Mazzar und den Menschen endlich zu beenden. Denn es wird höchste Zeit, sich der Bedrohung aus der anderen Dimension zu stellen …
Als ich mit dem ersten Band zu Black Ice (Odyssee) fertig war, wollte ich eigentlich eine kleine Pause von der Trooperin machen und einen lange geplanten Fantasy-Roman – sozusagen als Erholung – einschieben. Aber dann ist mir etwas passiert, was mir noch nie passiert ist: Ich konnte mich von Bérénice Savoy, Naya und dem Roboter Freitag einfach nicht lösen. Trotzdem spukten neue Ideen zu dem Fantasy-Buch durch meinen Kopf … und hartnäckig weitere Einfälle zu dem Ihnen vorliegenden Band II (Aevum). Also schrieb ich eine Zeit lang abwechselnd an beiden Büchern. Es dauerte ein paar Monate, bis ich mich dem Drängen des Alls ergab und nur noch an Aevum arbeitete.
Und noch etwas muss ich zugeben: Ich habe versagt. Meine ursprüngliche Absicht, dass Sie, liebe Leser, jeden Band von Black Ice auch ohne Kenntnis der Vorgänger separat lesen können sollten, muss ich leider zurücknehmen. Zu sehr ist die Geschichte verwoben, zu sehr bauen die Nachfolger auf den Vorgängern auf. Ich bitte Sie also, die Reihe ab Band I zu lesen und nicht durcheinander.
Manchen Verlagen scheint mehr am Verkauf als an der Zufriedenheit der Leser zu liegen. Sie vermeiden oft den Hinweis auf dem Cover, dass es sich um Band soundso einer Reihe handelt. Sie tun dies in der Hoffnung, dass ein Leser einen Roman schon genießen werden wird und dann nach mehr – auch rückwärts lesend giert. Mir scheint aber die Gefahr, dass ein Leser der Handlung nicht folgen kann, weil ihm eben Band I oder II unbekannt sind, und dass er dadurch Frust empfinden könnte, größer zu sein. Daher achte ich darauf, dass jeder meiner Romane klar und deutlich zeigt, welcher Teil er ist. Denn Ihr Lesevergnügen ist mir wichtiger, als ein paar Euro mehr oder weniger.
Ganz aufmerksamen Lesern von Band I (Odyssee) wird vielleicht aufgefallen sein, dass das erste Textstück die Überschrift Epilog trägt. Natürlich ist ein Epilog ein Nachwort. Also was – zum (Schreib-)Teufel hat es am Anfang zu suchen? Ohne zu viel verraten zu wollen, sei Ihnen versichert, dass dies kein Fehler meinerseits, des Korrektorats oder Lektorats war, sondern pure Absicht. Ich sage nur so viel: »Alles hat ein Ende, nur die Wurst … äh … die Science-Fiction kann zwei haben.« Noch Fragen? Gemein, wie ich manchmal sein kann – zumindest schriftstellerisch, nicht menschlich –, werden Sie diese Frage erst am Ende von Band IV beantwortet bekommen. Und es bereitet mir eine diebische Freude, Sie so lange zappeln zu lassen.
Der Autor
Die schwarzhäutige Frau war sofort hellwach, als sie einen Laut hörte, der so gar nicht in das allgemeine nächtliche Tonkonzert des Gefängnisses passte. Als Spacetrooperin war sie an die verschiedenen Geräuschkulissen von Kampfschiffen, Raumstationen und planetaren Garnisonen gewöhnt. Doch dieses Geräusch schien ihr deplatziert zu sein, obwohl sie erst seit acht Tagen Gast dieser Einrichtung war und eventuell noch nicht alle Lautquellen erfahren hatte. Es hatte wie das Schnaufen einer Kreatur geklungen. Sicher war sie sich dessen aber nicht. Die Wände, Gänge und Gitter dieser Haftanstalt verfälschten alle möglichen Töne.
Bérénice erhob sich lautlos von ihrem Lager, schlich wie auf Katzenpfoten an das solide Gitter ihrer Zelle und verharrte dort, die Finger leicht um die kalten Stäbe gelegt. Außer dem lächerlichen Schimmern der wenigen Nachtleuchten war der Block in rabenschwarze Dunkelheit gehüllt. Da sie abgesehen von ihrer blauen Unterwäsche nichts trug, wirkte Bérénice selbst wie ein Schatten. Nicht spontan, sondern kontrolliert schloss sie ihre Augen und konzentrierte sich ganz auf ihr Gehör. Doch selbst nach etwa einer Minute stillen Lauschens wiederholte sich das Geräusch nicht. Nur die leisen Atemzüge ihrer Zellnachbarinnen und ab und an ein verhaltenes textiles Rascheln waren zu hören. Alles schien zu schlafen, nur sie nicht. Sie öffnete ihre Augen und spähte in die Gänge hinaus. Nichts bewegte sich.
Mehr einem Instinkt als einem Gedanken folgend, machte die Trooperin ein paar Schritte zur Mitte des Gitters hin und berührte leicht die schwere Zellentür. Zu ihrer Überraschung ließ sie sich öffnen. Für eine Sekunde spielte Bérénice mit dem Gedanken, ob es ihre Freundin Amélie Colbert möglicherweise für sinnvoll erachtet hatte, sie aus dem Gefängnis zu holen und an einem anderen Ort die Zeit bis zur Verhandlung verbringen zu lassen. Doch dann schüttelte sie ihren Kopf und verwarf diese Idee.
Es würde wie ein Schuldeingeständnis wirken, dachte sie und schob die Tür vollständig auf. Das schwere Metall glitt zur Seite, ohne Lärm zu machen. Bérénice trat hinaus, blieb dann aber stehen. Sie warf einen Blick zurück in ihre Zelle und überlegte. Doch da war nichts, was sie als Waffe hätte benutzen können. Denn dass sie bald eine brauchen würde, war ihr klar.
Da hat jemand etwas mit mir vor … und ich habe keine Ahnung was. Soll ich auf der Flucht erschossen werden? Soll ich fliehen und damit selbst mein Urteil fällen? Noch einmal warf sie einen Blick in die Zelle. Und wenn ich einfach hierbleibe? Irgendein Gefühl sagte ihr, dass die Zelle zu einer tödlichen Falle werden könnte. Also lieber dem Feind entgegentreten, als sich ihm in der engen Zelle stellen zu müssen, entschied sie, fasste an eine Stange der offenen Tür und drückte sie wieder behutsam ins Schloss. Ein leises Schnappen erklang. Wer auch immer meine Zelle geöffnet hat, hat dafür gesorgt, dass sie sich nicht noch einmal öffnen lässt.
Bérénice kannte nicht alle Sicherungsmaßnahmen dieses Gebäudes und ließ ihre Blicke über das Fastschwarz der Decken und Wände schweifen. Natürlich musste es Kameras, Mikrofone, Bewegungsmelder, Bioscanner, Thermaldetektoren und ähnliche Sensoren an allen möglichen Stellen geben. Doch bis jetzt war nicht ein einziges Warnsignal ausgelöst worden. Sie dachte an stumme Alarme in fernen Wachstuben, aber selbst die hätten längst Wachpersonal heranführen müssen.
Da hat sich jemand wirklich Mühe gegeben, resümierte sie und blieb vor der Zelle ihrer linken Nachbarin stehen. Die Frau schlief ruhig. Bérénice schlich weiter. Auch in den nächsten Zellen regte sich niemand.
Die ehemalige Trooperin huschte auf nackten Sohlen durch den Flur und blieb an der nächsten Abzweigung stehen. Drei weitere Gänge führten in die anderen Flügel des Gebäudes, das wie ein Kreuz gebaut worden war. Einfache Treppen – keine Lifte – erlaubten den Zugang zu den Stockwerken unter und über der Etage, auf der sich Bérénice befand.
Ich bin im sechsten Stock , überlegte sie. Noch vierzehn über mir … eine Flucht über das Dach erscheint mir unwahrscheinlich. Der oder die Befreier müssten dann einen Gleiter oder ein anderes Fluggerät einsetzen. Das würde ganz sicher jemandem auffallen. Und auf dem Boden …?
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