Als die MHORA-X2 am späten Freitagnachmittag des 04. März 2033 auf dem mittlerweile deutlich erweiterten Raumhafen Fürstenfeldbruck landete, brandete nach dem Aussteigen der Crew überschäumender Jubel unter den bereits zahlreich wartenden Angehörigen und engsten Freunden der Besatzung auf. Gleich darauf waren es vor allem Susanne Richter und Hans Huber, die mit raschen Schritten auf Mora und Alexander Kranz zugerannt kamen.
„Endlich, endlich seid ihr wieder von eurem gefährlichen Einsatz zurück – und wir hier sind alle sehr froh, dass euch und eurer kleinen Anna nichts passiert ist“, schniefte Susanne laut, als sie sich ihrer besten Freundin Mora an den Hals warf und sie vehement zu umarmen und zu drücken begann.
„Susi, du hast dich wirklich kaum verändert – wie mir scheint, bist du nicht älter, sondern nur noch hübscher geworden. Also, meine liebe Freundin Susanne, wir beide freuen uns ebenfalls unbändig, dich und unseren alten Freund Hansi nach so vielen Monaten wohlbehalten wiederzusehen“, antwortete Mora Kranz jetzt mit Tränen in den Augen, während sie ihre zweijährige Tochter Anna-Mora hochnahm und sie ihrer Freundin entgegenhielt.
„Das ist übrigens unsere Tochter Anna-Mora, die Ende dieses Jahres schon drei Jahre alt wird und jetzt endlich mal ihre Geschwister kennenlernen möchte. Willst du sie mal auf den Arm nehmen? Schau her, Anna, das ist Tante Susi, von der ich dir schon soviel erzählt habe.“
„Komm her zu mir, mein Schatz. Als ich dich zuletzt gesehen habe, warst du gerade auf die Welt gekommen. Und jetzt ist aus dir schon ein so großes und hübsches Mädchen geworden.“
Damit drückte sie die ein wenig scheu lächelnde Anna an ihre Brust, küsste sie auf die Wange und streichelte ihr über ihren tiefschwarzen Haarschopf.
„Anna freut sich ebenfalls, obwohl sie sich natürlich nicht mehr so gut an dich erinnern kann. Hat sie mir jedenfalls soeben auf telepathischem Weg mitgeteilt. Aber sie weiß trotzdem, wie eng du und Hans mit mir und meiner Familie verbunden sind.
Da wir vorhaben, in nächster Zeit hier bei euch in Fürstenfeldbruck zu bleiben, ergibt sich ja auch die Möglichkeit, dass sie ihre Patentante Susi und ihren Patenonkel Hansi endlich besser kennenlernt. Ich hoffe doch, dass unser altes Appartement mit Kinderzimmer in unserem ehemaligen Gästehaus noch existiert?“
„Das ist alles schon für euch vorbereitet, meine Liebe – was denkst du denn von uns. Doch jetzt solltet ihr auch mal den übrigen Menschen aus unserem Empfangskomitee die Chance zur Begrüßung geben“, mischte sich jetzt Hans Huber, der zivile Verwaltungsdirektor der Einsatzbasis Europa, in das Gespräch ein.
„Machen wir sofort – nur, wo treiben sich denn unsere beiden Teenager und unsere übrige Verwandtschaft herum? Ich hatte eigentlich gehofft, dass unsere Zwillinge, wie auch meine Großcousine Mora-Sher und ihr Mann Doc Alec ebenfalls Teil dieses inoffiziellen Empfangs sein würden. Das feierliche Begrüßungszeremoniell mit unseren hiesigen Großkopferten findet ja meines Wissens erst morgen Abend statt.“
„Mora-Lisa und Alex-Max sitzen noch im Hörsaal drüben in meiner Akademie und schreiben heute ihre allerletzten Klausuren“, mischte sich in diesem Moment die frühere Bundeskanzlerin Dr. Nora Kirschner ein, ehe sie nähertrat und Mora und Alexander ebenfalls lächelnd in die Arme nahm. Dann fügte sie gleich noch hinzu:
„Ich bin wirklich froh, euch nach diesem riskanten Abenteuer bei uns in der alten Heimat willkommen zu heißen. Eure beiden Studierenden kommen direkt nach ihrer letzten Abschlussprüfung später ebenfalls zu euch. Ist ja nicht besonders weit bis zu eurem Appartement, weshalb ich denke, dass sie per Teleportation dorthin kommen und auch ihren Cousin Alec-Robert MacLeod und dessen Eltern mitbringen werden, die übrigens als Mutter- und Vaterersatz einen sehr guten Job gemacht haben.“
„Danke Nora. Du bist und bleibst eine einzigartige Frau und ich sehe dir an, dass dir dein gegenwärtiger Job als Direktorin der Akademie noch immer viel Freude bereitet. Du bist anscheinend richtig aufgeblüht, so gut, wie du aussiehst“, erwiderte Mora, wobei sie die Hände der früheren Bundeskanzlerin ergriff und dankbar an sich drückte.
„Ja, mein neuer Beruf als leitende Wissenschaftlerin der Terranischen Wissenschaftsakademie füllt mich vollkommen aus, auch wenn die Arbeit mit jungen Studentinnen und Studenten manchmal ziemlich anstrengend sein kann. Insbesondere, weil diese jungen Damen und Herren bei uns nicht nur studieren, sondern auch auf unserem Campus wohnen.
Manche von ihnen kommen sich nämlich während des Studiums auch zwischenmenschlich näher und das erfordert hin und wieder mein Einschreiten, sozusagen als Mutter der Kompanie. Aber mein jetziges Arbeitsgebiet ist sehr viel zufriedenstellender, als meine frühere Tätigkeit als Politikerin, bei der man ja meist Ergebnisse nur in harten Verhandlungen und nach langwierigem diplomatischen Herumtaktieren erreichen konnte.“
„Na ja, das sind halt noch ziemlich junge Leute, und die machen halt manchmal Unsinn. Wir waren in unseren Studententagen ja auch nicht so viel anders. Daher bin ich froh, dass du ihnen als Direktorin, aber auch als ihre Vertraute die Grenzen aufzeigst, wenn sie mal zu sehr über die Stränge schlagen“, lachte Alexander Kranz die ehemalige deutsche Regierungschefin jetzt an, bevor seine Ehefrau Mora erschrocken fragte:
„Ich hoffe, unsere Zwillinge waren bisher brave Studierende und haben sich an die von dir gesetzten Regeln gehalten – oder irre ich mich da? Denn ich kann mir schon vorstellen, dass sich auch unser Nachwuchs privat hin und wieder mit ihren Kommilitonen ausgetobt hat.“
„Mach dir keine Sorgen, Mora. Übertrieben haben sie es mit den studentischen Feiern jedenfalls bislang noch nie. Jedoch darüber, wer ihre aktuell festen Freunde sind, musst du sie schon selber aushorchen. Müsste dir als erfahrene Telepathin doch eigentlich ziemlich leichtfallen – oder?“
„Was du nicht sagst, Nora. Aber sowas mache ich grundsätzlich nicht. Meine eigenen Kinder auszuspionieren ist nämlich gegen meine familiären Regeln. Hätte zudem auch gar keinen Zweck, weil Lisa und Maxi ihre Gedanken sehr gut abschotten können. Sie verfügen ja, wie du weißt, ebenfalls über so einige Para-Fähigkeiten.“
Nach einer kurzen Pause setzte Mora Kranz als besorgte Mutter noch einmal nachdenklich fort: „Die beiden haben demnach also schon feste Freunde. Ich hoffe nur, dass es sich dabei um anständige Studenten handelt, die wissen, was sich gehört. Das Merkwürdige daran ist nur, dass die beiden darüber uns gegenüber bisher noch keine Silbe verloren haben.
Muss ich mir etwa Sorgen machen? Oh mein Gott, vielleicht sind die zwei ja zum allerersten Mal verliebt? Ist doch am Ende der Studienzeit nicht ungewöhnlich – schließlich war ich auch mal Universitätsprofessorin und habe sowas oft genug erlebt. Was machen wir denn jetzt, verdammt nochmal? Sag doch auch mal was, Alex und steh‘ nicht wie ein Stockfisch in der Gegend rum?“
„Komm mal wieder runter, mein Herzblatt. Erstens vertraue ich unseren Kindern und zweitens haben mein Bruder Alec und dein Cousinchen bestimmt darauf geachtet, dass Lisa und Maxi keine unziemlichen Beziehungen eingehen.
Und falls die beiden mit ihren bald achtzehn Jahren schon jetzt die Liebe ihres Lebens gefunden haben sollten, na dann ist das halt so. Das Einzige was wir tun können ist, dass wir sie ab jetzt wieder unter unsere Fittiche nehmen und ihnen als Eltern mit Rat und Tat zur Seite stehen.“
„Du hast leicht reden, Alex. Aber irgendwie hast du auch recht. Unsere Teenager werden schon in wenigen Monaten volljährig. Und wir zwei waren viel zu lange von ihnen getrennt. Deshalb müssen wir wohl demnächst mal ernsthaft den längst überfälligen gemeinsamen Familienrat abhalten. Ich möchte nämlich nicht, dass sich die beiden gleich am Anfang ihres Berufslebens die angestrebte Karriere ruinieren, indem sie uns beide zu Großeltern machen“, fügte Mora Kranz nach
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