Als Alex Kranz etliche Stunden später wieder in die Zentrale zurückkam und vorsichtig in Richtung seiner kommandierenden Ehefrau spähte, fuhr ihn die noch im gleichen Moment an:
„Schön, dass du auch mal wieder an deinen normalen Arbeitsplatz zurückkehrst. Ich habe mich inzwischen statt deiner um unser Baby Anna-Mora kümmern müssen. Unsere Verabredung lautete doch ganz anders – oder? Was hast du eigentlich die ganze Zeit über im Maschinenraum getrieben?“
„Na ich bin gewissenhaft meinen Pflichten als 1. Offizier nachgegangen und habe mit unserem Leitenden Bordingenieur Professor Matthes unsere Triebwerksmeiler überprüft. Deshalb muss ich dir jetzt leider melden, dass die MHORA-X2 daheim erst mal einen längeren Werftaufenthalt benötigen wird.
Mindestens zwei SLJT-Triebwerke müssen daheim ausgetauscht werden und bei den übrigen sind intensive Wartungsarbeiten unabdingbar, wenn wir – wovon ich ausgehe – die kommende Mission ins ORION-System mitmachen wollen. Und morgen schaue ich mir zusammen mit unserem Ortungs- und Navigationsoffizier Wolfgang Ries auch noch unsere Waffen- und Navigationsanlagen an und danach sind unsere Beiboote dran.
Momentan bin ich nur hergekommen, um dich auf deinem Kommandosessel abzulösen. Schönen Frauen muss man doch als vorausschauend zuvorkommender Ehemann den nötigen Schönheitsschlaf ermöglichen und sie für die außerplanmäßige Betreuung unserer Dreijährigen belohnen.“
„Das hast du dir so gedacht, mein Schätzchen. Aber daraus wird nichts. Und stundenlang im Maschinenraum rumhängen hättest du auch nicht müssen – dein Fett kriegst du frecher Kerl nämlich heute Nacht ohnehin noch ab.
Und jetzt nimmst du mir unsere süße Anna ab und dann Abmarsch in unsere Bordkabine“, befahl Mora Kranz ihrem Ehemann mit einem hintergründigen Lächeln, ehe sie sich noch einmal zu ihren beiden Piloten Rando und Mary Starke umdrehte und kurz über die Schulter rief: „Oberst Rando und Oberstleutnant Mary, hört gefälligst auf zu grinsen – Rando, du hast die Brücke.“
***
Nachdem die dank der larojanischen Zellregenerationsbäder noch immer, wie eine Mitte Dreißigjährige aussehende Mora Kranz wenig später die gemeinsame Tochter zu Bett gebracht hatte und danach in einem cremefarbenen Negligé aus der Dusche den Schlafraum ihrer Bordkabine betrat, lag ihr Ehemann allem Anschein nach bereits leise schnarchend auf dem gemeinsamen Ruhebett.
Doch Mora war nicht entgangen, dass ihr Ehemann sie beim Betreten des Raumes heimlich durch seine fast geschlossenen Wimpern angeblinzelt hatte.
„Ich weiß, dass du dich gerade verstellst, alter Mann – aber du wirst mir dennoch nicht entkommen. Vor allem, weil du Rabenaas dich heute vor deinen Vaterpflichten gedrückt hast.
Daher bin es heute mal ich, die dich müden Gauner für dein unziemliches Betragen von vorhin körperlich tadeln muss. Das ist dir doch hoffentlich klar, alter Mann.
Die Diensthabenden in meiner Zentrale, vor allem unsere Piloten Mary und Rando an den Steuerkontrollen, haben sich nämlich nach deinem fluchtartigen Abgang noch über eine Viertelstunde lang prächtig über unser nettes Zwiegespräch und unsere unabgestimmte Babybetreuung amüsiert. Und das zahle ich dir jetzt heim, mein liebreizender Hirni!“
Damit setzte sich Mora kurzerhand auf ihren scheinbar eingeschlafenen Gatten und begann ihn mit ihren schlanken Fingern an seinen empfindlichen Stellen zu kitzeln und in Unterbrechungen immer wieder sanft zu streicheln.
„Was ist? Siehst du nicht, dass ich bereits schlafe?“, grummelte Alex nach einer kleinen Weile leise in seinen Bart.
„Großer Fehler, ganz großer Fehler. Schlafende Menschen reden nicht – außer sie haben vielleicht eine Macke im Hirn. Soll ich also wirklich aufhören und lieber Professor Steiner rufen? Wie du ja weißt, hat unser Bordarzt auch psychologisch so einiges drauf.“
„Nein, nein – deine tadelnden Maßnahmen sind viel zu gut, als dass du sie jetzt unterbrechen müsstest. Darf ich mich dafür jetzt vielleicht ein bisschen erkenntlich zeigen?“
„Du. Bleibst. Liegen. Halt still und rühr dich ja nicht von der Stelle, denn ich bin noch lange nicht fertig mit dir“, fuhr Mora ihren Alex umgehend an, während sie seine Arme nach unten drückte und ihn mit ihren schlanken Beinen auf seiner Bettseite fest an sich klammerte.
Gleich danach ersetzte sie das bisherige Kitzeln durch weitergehende Foltermaßnahmen, die Alex nach kurzer Zeit leise aufstöhnen ließen.
„Hab‘ ich dir heute schon gesagt, wie hübsch du in deinem durchsichtigen Hemdchen aussiehst?“, flüsterte Alex jetzt seiner ebenfalls leise aufseufzenden Gattin nach einer Weile ins Ohr.
„Nöh, hast du nicht – und ab sofort bist du wieder still. Sprechen habe ich dir schließlich auch nicht erlaubt. Ich glaube jedoch fast, dass ich jetzt noch ein bisschen langsamer machen muss. Ich will nämlich das Verlangen in deinen blauen Augen sehen, sonst höre ich augenblicklich mit meinen Folterkünsten auf.“
Auch wenn es dem weiterhin passiven Alex Kranz überaus schwerfiel, so folgte er dennoch dem Ansinnen seiner Frau. Als diese sich und ihm nach einer Weile die Schlafgewänder vom Leib riss, ihn in ihrer Mitte aufnahm und sich mit ihm auf einem von tiefer Liebe geprägten Gipfel der Lust traf, traten Alex unverhofft Freudentränen in die Augen.
Während das gemeinsam erlebte Feuerwerk anschließend langsam verblasste, raunte er seiner Mora trotz des Sprechverbots leise ins Ohr: „Ich liebe dich noch immer so, wie am allerersten Tag – und das ist ein verdammtes Wunder.“
Danach drehte er sich auf die Seite und umarmte seine Frau, die sich sogleich an ihn kuschelte. „Du hattest doch Sendepause – und doch hast du gerade schon wieder geredet.“
„Ich habe geflüstert, mein Schatz. Das gilt nicht als Reden. Und jetzt ruh dich bitte von deinen leidenschaftlichen Anstrengungen aus und schlaf in meinen Armen ein. Morgen sprechen wir über all die Dinge, die wir demnächst vor der Brust haben – wobei die Zukunft unserer Zwillinge und unserer kleinen Anna-Mora an allererster Stelle steht.“
„Mora-Lisa und Maxi sind keine Kids mehr, die sind nämlich beide schon fast erwachsen. Ich hoffe nur, dass sie nicht sauer sind, weil wir Rabeneltern so lange von zuhause weggeblieben sind. Und unsere Anna ist glücklich, weil sie von der gesamten Crew andauernd ausgiebig betüttelt wird“, grummelte Mora Kranz leise vor sich hin, ehe auch sie allmählich ins Land der Träume entschwand.
***
Als der auf Kurs TERRA fliegende Konvoi Tage danach den Rand der heimatlichen Galaxis erreichte, wurden auf Anweisung des derzeitigen Befehlshabers Dagmund-Thor die Etappendistanzen verkürzt. Deswegen gingen die Schiffe alle fünf Tage unter Licht und stoppten für eine längere Zeit, um auf eventuelle Funksignale der verschollenen THOR zu lauschen.
„So ein Mist – immer noch kein Lebenszeichen von Admiral Mero“, hatte Kommodore Brigid-Thor gerade per Visiophon gesagt, als sie beim fünftletzten Stopp von Lara Bint Tabari auf der CHROMA unter Umgehung ihres hinter ihr stehenden Kommandanten und Ehemanns Janis in direkter Ansprache an alle Schiffe unterbrochen wurde.
„Ich hab‘ da was, das nach der gerafften Kurzbotschaft einer Funkboje aussieht. Moment, gerade empfange ich noch drei weitere Signale von weiter zurückliegenden Positionen“, sagte die junge Ehefrau von General Janis, während sie ihre inzwischen fast einjährige Tochter Gadi mit einem Arm völlig ungeniert zum Füttern an ihre Brust presste. Mit der anderen Hand hämmerte sie indessen weiter auf ihre Computertastatur ein uns begann nach wenigen Sekunden schon wieder zu reden:
„Ich kann die Kryptierung der aufgefangenen Signale zwar nicht entschlüsseln, aber so wie’s aussieht, hat der pfiffige lemurische Admiral versucht, uns eine Flugspur zu hinterlassen. Kann die PEGASUS meine empfangenen Daten bestätigen? Moment – ich schick euch alles was ich habe eben mal rüber.“
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