„Können wir, Lara. Die Kurzsignale haben meine Orter ebenfalls erfasst. Nur ist keiner meiner Spezialisten in der Lage, den Inhalt der aufgefangenen Datenpakete in Klartext zu verwandeln. Nur auf dem PSI-Sektor tut sich nach Mitteilung deines Gatten bislang rein gar nichts. Dass bedeutet, es gibt nach wie vor keinen telepathischen Kontakt zu den wenigen Mandoranern, die sich an Bord der THOR befinden“, warf an dieser Stelle der Kommandant der PEGASUS, Admiral Mano Silva, über die aufgebaute Visiophonkonferenz in die Debatte ein.
„Das ist nicht verwunderlich. Ich nehme an, dass die Telepathen an Bord von Meros THOR ganz bewusst schweigen, weil sie sich ja sonst verraten würden. Dieser hochgradig parabegabte Schweinepriester VOLTAN würde die Position von Meros Kreuzhantel sonst doch sofort mitkriegen – oder etwa nicht?“, entfuhr es Mora Kranz noch im selben Moment.
„Stimmt Mora, das hatte ich nicht bedacht. Deswegen hören wir ab sofort auch mit der Suche nach PSI-Signalen unserer auf der THOR mitfliegenden mandoranischen Verbündeten auf und konzentrieren uns auf die gerafften Datenimpulse, die von Janis Ehefrau gerade auf alle Bordcomputer übertragen wurden“, meldete sich jetzt der lemurische Großadmiral Dagmund-Thor zu Wort.
„Setzt bitte all eure verfügbaren Spezialisten auf diesen Code an, damit wir nicht nur den Absendeort, sondern auch den Inhalt der an uns gerichteten Datenpakete dekodieren können. Erste Ergebnisse erwarte ich beim nächsten Zwischenstopp.
Und liebe Lara, bitte sei so gut und schick die aufgefangenen Datenpakete mit einem begleitenden Kurzbericht auch an unsere terranischen Einsatzzentralen. Die kryptierte Hyperfunkverbindung nach TERRA besteht ja bereits, seitdem wir beim vorletzten Etappenstopp unsere Missionsberichte dorthin übermittelt haben.“
„Geht klar, Großadmiral Dag – ich bin schon dran. Bitte gebt mir aber noch ‘ne halbe Stunde Zeit, bis ich dieses Datenwirrwarr sendefähig mit unserem Flottenschlüssel kodiert habe. Und du, mein verehrter CHROMA-Kommandant und Ehemann, könntest mir jetzt mal unsere Tochter abnehmen und wickeln. Lass sie aber zuerst aufstoßen. Dafür habe ich nämlich im Moment keine Zeit.“
Noch im gleichen Moment wurde die äußerst fähige IT-Spezialistin von ihrem überaus glücklich grinsenden Ehemann Janis bei der Babybetreuung vor der Kamera abgelöst, als plötzlich die, wie alle anderen Teilnehmer der Konferenz darüber versonnen lächelnde Brigid-Thor plötzlich zusammenfuhr und in ihr Visiophon rief:
„Der Flottenschlüssel! Das ist es! Mensch Leute, da hätte ich auch eher draufkommen können. Mero verwendet anscheinend nicht die übliche JDEF-Kryptierung, sondern das was ich hier auf meinem Bildschirm vor mir sehe, ist anscheinend ein mit dem uralten phaetonischen Flottenschlüssel kodierter Kurztext. Ich wusste doch gleich, dass ich sowas Ähnliches früher schon mal gesehen habe.“
„Du hast recht, Brigid – jetzt sehe ich es auch. Diese Hyperfunktelegramme tragen am jeweiligen Ende sogar den phaetonischen Zeitstempel im Klartext“, stimmte Dagmund-Thor seiner Tochter aufgeregt zu.
„Am nächsten Stopp wissen wir sicher schon mehr, weil wir von dort aus dann vermutlich noch mehr Standortmeldungen der THOR auffangen können. Wir haben ja bis zum Erreichen unserer Heimat nur noch maximal drei verkürzte Etappen vor uns. Daher werden wir, was Meros verschollenen Kreuzhantelraumer betrifft, schon bald mehr über dessen wahrscheinliche Flugroute wissen.
Außerdem werde ich den Befehlshabern in den JDEF-Einsatzzentralen diese außergewöhnliche Neuigkeit gleich mal zukommen lassen. Denn wie ich unseren Großfürsten Kendo-Khar kenne, hat er schon längst etliche seiner Fernaufklärer auf Horchposten an den Rand des SOL-Systems entsandt. Mit Laras aufgefangenen Daten erfahren unsere Leute daheim dann endlich, wonach genau sie suchen sollen.“
Nicht zuletzt wegen der deutlich höheren Anzahl an Zwischenstopps, und weil man die während der gesamten Mission sowie der unerwarteten Kampfeinsätze stark beanspruchten SLJT-Triebwerke schonen wollte, zeichnete sich schließlich die erste Märzwoche 2033 als voraussichtlicher Ankunftstermin auf der ERDE ab.
„Unser schöner blauer Planet, da ist er wieder. Ganz so, wie wir ihn vor über zwei Jahren verlassen haben – ist das nicht ein wundervoller Anblick?“, fragte Mora Kranz, als sie ihre allmählich näherkommende Heimat über den stark vergrößernden Frontbildschirm ihres Schiffes aus noch immer Abertausenden von Kilometern Entfernung endlich genauer ausmachen konnte.
„Stimmt – so ähnlich müssen sich wohl in früheren Zeiten die alten Seefahrer gefühlt haben, wenn sie nach langer Reise über die Ozeane TERRAS wieder Land am Horizont erkennen konnten.
Was mich aber über diese schöne Aussicht noch viel mehr interessiert, ist, wie es Mora-Lisa und Alex-Max geht, die sicher bereits seit Tagen auf unsere Landung warten. Außerdem wird es langsam mal Zeit, dass sie ihre kleine Schwester Anna-Mora endlich näher kennenlernen“, erwiderte Alexander Kranz, als ihm gleich noch etwas einzufallen schien.
„Gib’s zu – unsere beiden Teenager haben doch sicher bereits telepathischen Kontakt mit dir und ihrer kleinen Schwester aufgenommen. Ich kenne dich ja als überaus neugierige Person. Meine diesbezüglichen Fähigkeiten sind da ja leider noch nicht so gut entwickelt, wie deine.“
„Jep – wir quatschen schon seit heute früh auf PSI-Ebene zu dritt miteinander. Aber unsere Zwillinge wollen dir über das, was sie inzwischen ausbildungsmäßig erreicht haben, persönlichen Bericht erstatten. Du brauchst dich also gar nicht aufzuregen, mein durchlauchtiger Fürst. Mich haben unsere beiden Erstgeborenen jedenfalls zur Geheimhaltung verdonnert – und deshalb bleibt mein Mund auch bis zu unserer Landung in Fürstenfeldbruck am heutigen Nachmittag fest verschlossen.“
Damit fuhr sich Mora Kranz spitzbübisch lächelnd mit einem Zeigefinger über ihre Lippen, um das gerade Gesagte nochmals deutlich zu unterstreichen.
„Okay, okay, du alte Geheimniskrämerin. Sag mir nur, ob ich mir hinsichtlich ihrer bislang absolvierten Ausbildung Sorgen machen muss. Soviel wirst du mir doch wenigstens mitteilen dürfen, ohne mir Einzelheiten zu verraten“, erwiderte Alex, während er seine Ehefrau in den Arm nahm und ihr tief in die Augen blickte.
„Na gut – aber ich sage dir nur, dass wir beide sehr stolz auf unseren talentierten Nachwuchs sein können. Das muss dir fürs Erste reichen. Alles andere erfährst du, wenn Rando und Mary unsere MHORA-X2 sicher daheim auf dem Fürstenfeldbrucker Landefeld eingeparkt haben.“
„Wo Susanne Richter mit ihrem gourmetmäßig kochenden Ehemann Alfons und meinem alten Kumpel Hansi Huber derzeit sicher mal wieder den ganz großen Bahnhof vorbereiten, den sie spätestens übermorgen am Wochenende als Welcomeparty weiter in Szene setzen werden. Und die Führungsriege des JDEF-Einsatzkommandos Europa wird uns Heimkehrer bei diesem Anlass sicher ebenfalls in unserem alten Casino begrüßen wollen.“
„Davon kannst du ausgehen, mein Fürst. Denn dort hat vor vielen Jahren alles mal mit unserer Expedition nach LARO 5 5angefangen. Das waren noch Zeiten. Der Flug mit der notdürftig wieder aufgemöbelten KUNTUR wird mir auf alle Zeiten in Erinnerung bleiben. Muss ich eigentlich nach unserer Ankunft eine Rede ans Volk halten, oder machst du das?“, hängte Mora gleich noch eine Frage an ihren Ehemann an.
„Ich? Gott bewahre. Du, meine verehrte Fürstgemahlin, bist die Kommandantin der MHORA-X2. Das ist also dein Job. Vor allem, weil wir das einzige Schiff sind, das in Fürstenfeldbruck runtergehen wird. Die anderen Konvoischiffe landen ja alle zu Wartungs- und Reparaturzwecken in Nevada.
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