„Gott bewahre!“, rief Henry daraufhin erschrocken, „bloß nicht! Es ist doch nichts Ernstliches passiert und eine Ohrfeige kann selbst ich verkraften! Für den guten Mann waren wir nichts weiter, als ein einfacher, nun ja, geiler Soldat und ein unzüchtiges Weibsbild und es ist wahrlich besser, wenn das auch so bleibt! Oder wie wollt Ihr eine Gefangennahme erklären?“, hielt er seinem Hauptmann vor, während Amanoue sich äußerst empört räusperte und mit in die Hüfte gestemmten Händen zu ihm aufsah. Henry konnte nun wirklich nicht mehr an sich halten und zog ihn herzlich lachend in seine Arme. „Oh Kätzchen! So war das doch nicht gemeint“, sagte er entschuldigend und drückte ihn fest an sich.
Dieses Mal konnte Falco nicht mehr darüber hinwegsehen und er schloss angesichts ihrer unübersehbaren Vertrautheit verbittert die Augen, als Amanoue auch noch seine Hände äußerst gefühlvoll über Henrys Brust gleiten ließ und sie auf dessen Schultern legte. Er stellte sich auf die Zehenspitzen und flüsterte etwas in Henrys Ohr, woraufhin der geradezu lüstern nickte. „Ja, mein Kätzchen, ich bin genauso hungrig, komm, lass uns mal nachsehen, wie weit sie mit dem Abendessen schon sind und ich verspreche dir, dass wir heute Abend nur zu zweit speisen werden“, raunte er zurück, als Amanoue ihn auch schon ungeduldig mit sich ziehen wollte.
„Isch bin noch auf etwas gans anderes `ungrisch“, hauchte er leise und seine Augen blitzten dabei derart wollüstig auf, dass Henry ihn spontan und alle Vorsicht außer Acht lassend, wieder an sich zog und zärtlich küsste.
Der Stich, der Falco nun ins Herz fuhr, ließ ihn beinahe wanken und er schloss erneut tief durchatmend die Augen, um sich zusammen zu nehmen. Am liebsten hätte er die beiden auseinandergerissen und zwar wortwörtlich, doch dann räusperte er sich laut und warnend. „Eure Majestät!“, sagte er fast barsch und Henry blickte verlegen auf.
„Ist ja gut, Hauptmann“, gab er beschwichtigend zurück, „ich werde versuchen, mich noch ein wenig zusammen zu reißen“, sagte er schmunzelnd, Amanoue loslassend und der trat artig einen Schritt zurück. „Komm, mein Kätzchen, lass uns jetzt wirklich besser zum Zelt gehen“, raunte Henry augenzwinkernd und sah sich suchend um. „Äh, wo?“, fragte er ratlos zu seinem Hauptmann hin.
„Das Zelt Eurer Majestät steht etwas weiter oberhalb der Straße! Wir wollten es nicht mitten im Acker aufstellen“, antwortete Falco geradezu zynisch, was Henry verdutzt die Augenbrauen heben ließ.
„Ja, sicher, gut gemacht! Hauptmann, äh ja“, erwiderte er und ging auch gleich in die ihm angezeigte Richtung los. Falco marschierte neben ihm her, während ihnen Amanoue in angemessenem Abstand folgte und als der König endlich sein Zelt erblickte, blieb er nochmals stehen.
„Doch kein so guter Lagerplatz“, brummte er, sich am Hinterkopf kratzend. Das große Zelt stand halb auf der Straße. „Na hoffentlich kommt kein Fuhrwerk, denn dann fährt es mir glatt durch mein Vorzelt“, murmelte er weiter, was Falco nun doch leicht hämisch grinsen ließ.
„Keine Angst, Eure Majestät, ich habe selbstverständlich die Straße in beide Richtungen großräumig absperren lassen und genügend Wachen aufgestellt, da kommt keine Maus mehr durch“, antwortete er dennoch.
„Tja, Hauptmann, so ist es eben, wenn man einem Heiler, den Lagerplatz aussuchen lässt“, meinte Henry nur seufzend und beide lächelten sich an. „Danke, Hauptmann Falco, ich brauche Euch heute sicher nicht mehr und wünsche Euch eine geruhsame Nacht“, verabschiedete er ihn dann höflich aber bestimmt, als sie vor dem Zelt angelangt waren und ohne noch weiter auf seinen Hauptmann zu achten, trat er ohne Umschweife ein. Amanoue stahl sich schnell an Falco, der es sich trotzdem nicht nehmen ließ, seinem König noch hinterher zu salutieren, vorbei und blieb erst einmal wie gewohnt am Eingang stehen.
Henry ließ sich erleichtert aufstöhnend auf seinen Thron fallen und lächelte zu ihm hin. „Komm doch her, mein Kätzchen“, sagte er und streckte ihm seine Hand entgegen.
Amanoue ging wiegenden Schrittes auf ihn zu, setzte sich rittlings auf seinen Schoß und legte ihm beide Hände auf die Brust. „Es war sehr schön, mit Eusch, `eute“, sagte er schüchtern und sah ihn kurz dabei an. Ein sanftes Lächeln umspielte seine lieblichen Lippen, dann senkte er wieder den Blick. „Isch, äh“, er blickte verlegen zur Seite, während seine Hände vorsichtig höher glitten und auf Henrys breite Schultern zum Liegen kamen. „Isch danke Eusch, für die schöne Tag, `err“, hauchte er etwas kratzig und musste prompt schlucken. „Ja, ähm, also, Ihr ward so anders, `eute“, stammelte er weiter und wagte es erneut, Henry kurz anzusehen. „Isch glaube, isch `abe misch Eusch noch nie so nahe gefühlt, wie `eute, `err, dass wollte isch Eusch nur sagen“, flüsterte er fast nur noch und Henry schloss ihn fest an sich drückend, in die Arme.
„Du weißt nicht, was mir das bedeutet“, raunte er erstickt und fast wieder den Tränen nahe. „Ich liebe dich so sehr, Amanoue, dass es manchmal schon wehtut und du ahnst gar nicht, wie glücklich du mich damit machst“, konnte Henry nun nur noch vor Rührung flüstern und als Amanoue sich tief seufzend an ihn schmiegte, musste er sich wirklich stark zusammenreißen, um nicht doch noch laut los zu schluchzen.
Eine ganze Weile, saßen sie so da, mit geschlossenen Augen und Henry genoss es einfach nur, Amanoues Nähe zu spüren. Sebastian trat langsam an sie heran und erst sein leises Räuspern ließ ihn wieder die Augen öffnen. „Eure Majestät, darf ich stören?“, fragte der Diener vorsichtig und Henry blinzelte ihn an. „Soll ich das Abendmahl auftragen lassen?“
Henry nickte leicht. „Was gibt es denn?“, fragte er leise zurück.
„Die Soldaten haben ein Schwein am Spieß gebraten und Brac lässt fragen, ob Eure Majestät vielleicht ein schönes Stück Braten davon abhaben möchten? Außerdem, habe ich noch ein paar gebratene Hühner, für Eure Majestät zubereiten lassen“, antwortete Sebastian ebenso leise, allerdings fiel sein Blick dabei auf Amanoue, der sich noch immer nicht rührte.
„Wo bekommt Brac nur immer wieder sowas her?“, murmelte Henry kopfschüttelnd und nickte gleich darauf. „Sag ihm meinen Dank und dass ich das Angebot sehr gerne annehme! Lass die Hühner doch für Amanoue auftragen, ja? Und Sebastian, haben wir irgendwelche Süßigkeiten?“
„Eure Majestät?“, kam es äußerst überrascht von Sebastian zurück und Henry deutete vorsichtig auf Amanoue, der an seiner Brust lehnte. Der Diener verzog verlegen sein Gesicht und schüttelte bedauernd sein ergrautes Haupt. „Ich fürchte, außer Honig, leider nein, Eure Majestät. Schläft er?“
„Liebling? Hallo, mein Kätzchen, schläfst du?“ Henry strich Amanoue zärtlich über den Rücken, doch der schnaufte nur tief durch, änderte etwas seinen Sitz und schmiegte sein Gesicht in Henrys Halsbeuge. „Ähm, Kätzchen, aufwachen mein kleiner Schatz“, flüsterte er sanft, „es gibt gleich was Feines zu essen.“
„Mh“, machte Amanoue nur und rekelte sich wieder. Dadurch rutschte er höher und schmiegte sich nun so eng an Henry, dass er jetzt direkt auf dessen bestes Stück saß, was Henry kurz erstarren ließ. Allein der Druck darauf, reichte aus um ihn hart werden zu lassen und er spürte, wie ihn eine heiße Welle der Erregung durchflutete.
„Schätzchen“, keuchte er fast, „bitte, wach auf!“
„Soll ich ihn von Eurer Majestät herunternehmen?“, fragte Sebastian gutgemeint und streckte schon beide Hände nach ihnen aus.
„Nein!“, schrie Henry ihn beinahe an, „ähm, nein, es geht schon, er ist ja nicht schwer“, wiederholte er dann nochmals und wesentlich sanfter. „Lass doch schonmal den Tisch decken, ich werde ihn schon wachbekommen“, meinte er lächelnd zu seinem verdutzten Leibdiener und winkte ihn fort. „Schatz?“
Читать дальше