Wortlos trank Karl aus der Flasche und wieder wurde sein Blick von den nackten Beinen der Kleinen angezogen.
„Möchtest du noch ein Glas Limonade“, erkundigte sich Karl mit belegter Stimme. Dankend lehnte das Mädchen ab: „Ich habe genug getrunken.“
Unvermittelt erhob sich der Hausherr.
„Du musst jetzt nach Hause gehen. Deine Eltern warten sicher schon auf dich.“
Enttäuschung im Blick, zog die Kleine ihre Schuhe an und folgte dem Vorausgehenden zur Kellertreppe.
„Ich werde noch mit dir zur Straße kommen, um zu sehen, ob du es wirklich alleine schaffst.“
Zusammen gingen die Beiden zu dem zweirädrigen Gefährt; Karl schob es auf die Straße und gab der Kleinen die Deichsel in die Hand.
„Wird es nicht zu schwer ?“
Prüfend blickte er auf das Kind herab.
„Nein, nein; es geht schon. Nochmals vielen Dank. Ich würde...“
Nach Worten suchend, hielt die Kleine inne.
„Darf ich Sie wieder einmal besuchen“, fragte sie sodann, „ich werde Sie bestimmt nicht stören.“
„Nun“, zögerte Karl, „im Moment bin ich ja sehr beschäftigt; doch komme ich regelmäßig in euere Nachbarschaft, wenn ich zu meiner Bank gehe. Bestimmt begegnen wir uns einmal; dann kann ich dir Bescheid geben.“
Die Kleine zog mit ihrem Wägelchen die Straße entlang; Karl kehrte zurück zu seinem angefangenen Bier.
Auf seinem vorherigen Platz sitzend, starrte er auf den Sessel, in welchem noch vor einigen Minuten das Mädchen gesessen hatte.
„Du bist verrückt“, schalt er sich selbst mit lauter Stimme, „komm zu dir !“
Die folgenden zwei Wochen war Karl Liebknecht mit der
Schalldämmung seiner Kellerräume beschäftigt. Alleine führte er die Arbeiten an den Abenden sowie den Wochenenden aus, ohne fachliche Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen. Oft genug war er seinem Vater schließlich bei handwerklichen Arbeiten zur Hand gegangen.
Die Decken- und Anschlussbereiche für die nachfolgenden Arbeiten an der Klimaanlage blieben vorerst frei; doch war der Hauptteil der Arbeit nun erledigt.
In der dritten Woche besuchte Karl seine Bank und gewahrte bei deren Verlassen das Mädchen, welches er beinahe schon vergessen hatte. Auch sie erblickte ihn und unterbrach ihr Spiel mit dem Springseil.
Es war Freitag, kurz nach 16°° Uhr – und die Straßen noch recht verwaist. Das Mädchen kam näher.
„Guten Tag; erkennen Sie mich wieder ? Wissen Sie, wer ich bin ?“
„Aber ja; das Mädchen mit den Teppichen“, antwortete Karl, „... und den hübschen Beinen“, fügte er aufgeräumt hinzu.
Ohne jegliche Verlegenheit lächelte die Kleine ihn an.
„Also hat es Ihnen doch gefallen“, stellte sie, flüsternd, fest; dabei noch näher an Karl herantretend.
„Fahren Sie jetzt nach Hause ?“
Verlangend blickte das Mädchen auf Karls geparkten Wagen.
„Nein; ich wollte zuerst noch einen Waldspaziergang machen und danach erst nach Hause fahren.“
„Darf ich mitkommen ? Meine Eltern sind nicht Zuhause; sie und meine Schwester sind zu einer Tante gefahren und kommen erst spät wieder zurück. Ach, bitte !“
„Nun gut; doch nur, wenn du schön artig bist und nicht allen Leuten deine hübschen Beine zeigst.“
Die Kleine sagte mit Schmollmündchen:
„Das tue ich doch nur bei Ihnen – weil Sie mir gefallen. Mögen Sie es nicht ?“
„Doch“, gab Karl, geheimnisvoll flüsternd, zurück, „es gefällt mir. Geh’ und hole dein Springseil; dann wollen wir losfahren.“
Das Mädchen hob sein Seil von der Erde auf und stieg mit Karl in Dessen Wagen. Sittsam saß die Kleine mit bis zu den Knien heruntergezogenem Kleidchen, bis sie die Ortschaft hinter sich gelassen hatten und sich auf der Landstraße befanden.
„So, jetzt darfst du mir wieder zeigen, was du zu bieten hast“, bemerkte Karl lüstern und legte seiner Beifahrerin die rechte Hand auf das Knie, „wie heißt du eigentlich ?“
„Lina“, antwortete das Mädchen und zog bereitwillig das Kleidchen nach oben, „ ist es so gut ?“
Karl ließ seine Hand auf Lina’s linkem Knie liegen, bis sie sich dem Wäldchen genähert hatten und nun nach links abbiegen mussten.
Noch fünfzig Meter; Karl parkte den Wagen auf dem für Ausflügler vorgesehenen Platz und Beide stiegen aus.
Er ergriff Lina’s kleine Hand und die Beiden traten ihren Spaziergang an.
„Warst du schon einmal hier“, wollte Lina’s Begleiter wissen.
„Ja“, antwortete Diese, „mit dem Fahrrad; es ist schön hier.“
Das war es wirklich. Ruhe, Frieden, keine störenden Menschen oder Geräusche. Nach einer Stunde war der Rundgang beendet und die Beiden wieder bei ihrem parkenden Fahrzeug angelangt.
„Sie haben mir Ihren Namen noch nicht verraten“, flüsterte Lina verschwörerisch beim Einsteigen. Karl lachte.
„Ich heiße Karl; du darfst 'Du ́ sagen, wenn wir alleine sind. Wir sind doch jetzt Freunde, nicht wahr ?“
Lina ergriff seine Hand und drückte diese an ihre Wange.
„Möchtest du morgen zum Kaffee zu mir kommen ? Um 15°° Uhr ?“
„Ja“, freute sich die Kleine, „oh ja ! Ich komme gerne !“
Vor der Bank ließ Karl seine kleine Freundin aussteigen.
„Ich freue mich schon auf morgen“, erklärte Diese und drückte dem Überraschten zum Abschied einen Kuss auf die Wange, wonach sie mit wippendem Röckchen davonlief.
Lächelnd fuhr Karl nach Hause. Auch er verspürte Vorfreude auf den kommenden Tag.
'Was ist schon dabei, ́ dachte er, 'sie ist ein nettes Mädchen und nun in dem Alter, in welchem man neugierig wird. ́
....Verschiedenerlei Kaffeestückchen sowie mehrere Käsesahnestücke hatte Karl für den Nachmittagskaffee mit seiner kleinen Freundin besorgt und saß nun im Wohnzimmer, um ihre Ankunft zu erwarten.
Es war zwar erst kurz nach 14°° Uhr, doch vielleicht käme sie ja etwas früher.
Zwanzig Minuten vor 15°° Uhr trat Karl ans Fenster und blieb dort stehen, bis er die kleine Gestalt endlich auftauchen sah.
Den bereits gefüllten Wasserkessel setzte er auf die Gasflamme, dann stieg er die Treppe hinunter, um Lina die Haustüre zu öffnen.
„Hallo, mein kleiner Schatz“, begrüßte er die Eingetroffene, „gibst du deinem alten Freund ein Begrüßungsküsschen ?“
Lina hielt ihm die gespitzten Lippen entgegen und bekam von Karl einen herzhaften Schmatzer.
„Schön, dass du da bist.“
Gemeinsam gingen sie ins obere Wohnzimmer, wo der Hausherr seinem Gast Platz anbot. In gewohnter Manier zog Lina die Füße an den Leib und ließ so ihren großen Freund die Pracht ihrer kindlichen Schenkel erblicken. Kichernd erklärte sie dazu:
„Es sind ja keine fremden Leute hier, auf Welche du eifersüchtig sein könntest.“
Spaßhaft drohte Karl mit dem Zeigefinger, bevor er in die Küche verschwand:
Er brachte Torte und Kaffeestückchen, um sodann wieder zur Küche zu eilen, aus der jetzt das Pfeifen des Wasserkessels ertönte.
„Soll ich Etwas helfen.“ rief Lina von ihrem Platz aus, „brauchst du mich ?“
„Nein“, kam die Antwort, „bleib einfach sitzen und sei hübsch !“
Lina kicherte und begann, die Kuchenteller, welche bereits auf dem Wohnzimmertisch gestanden hatten, mit dem Gebäck zu belegen. Karl erschien mit der Kaffeekanne, wonach sich die Beiden an Torte und Kaffee gütlich taten.
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