Rotraut Mielke
Herrengolf und andere Irrtümer
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Inhaltsverzeichnis
Titel Rotraut Mielke Herrengolf und andere Irrtümer Dieses ebook wurde erstellt bei
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Kleines Golfglossar
Impressum neobooks
Herrengolf
und
andere Irrtümer
Rotraut Mielke
Roman
Zur Autorin:
Rotraut Mielke hat schon als Teenager angefangen, kleine Geschichten und Reiseberichte aufs Papier zu bringen. Aber erst seit einigen Jahren hat sie mehr Zeit für ihre Passion, das Schreiben. Über Kurzgeschichten und einen Reiseführer kam sie zum Roman- und Drehbuchschreiben.
Nach zwei „Rentner-Romanen“ (mainbook-Verlag) und einem Fantasyroman, den sie unter Pseudonym veröffentlichte (Sam R. Milekey: Das blutige Buch, Machandel-Verlag), liegt nun ihr viertes Buch vor.
Die geborene Frankfurterin lebt in Friedberg/Hessen. Sie spielt seit über zwanzig Jahren Golf „mit eher wenig Talent, aber großer Leidenschaft“, wie sie selbst sagt. So war es nur eine Frage der Zeit, bis sie ihren Lieblingssport in einen Roman integrierte.
In gewohnt lockerer Schreibweise und gewürzt mit viel Humor erzählt sie die Geschichte dreier Freunde und ihrer Ehefrauen, die in einen Strudel haarsträubender Ereignisse gerissen werden.
Mehr Informationen finden Sie unter www.Rotraut.Mielke.de
Für Peter und seine Jungs
Danke für die schönen Golfrunden und besonders den Aufenthalt am 19. Loch, wo es immer viel zu lachen gibt!
Die Handlung dieses Romans sowie alle Personen, die darin vorkommen, sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Personen oder Vorkommnissen wären rein zufällig.
ISBN
Lektorat: Peter Mielke
Fotorechte: Peter Mielke
1.
Es war nicht ungewöhnlich, dass die Terrasse des Golfrestaurants um die Mittagszeit nahezu leer war.
„Das war ja heute mal wieder keine Ruhmestat.“ Bedächtig ließ sich Walter auf einem der nur mäßig bequemen Holzstühle nieder und faltete die Hände über seinem Bauch. Er war groß und massig, ein Mann wie ein Bär mit langsamen, behäbigen Bewegungen. Während sich die drei anderen Männer zu ihm an den Tisch setzten, schüttelte er in gelinder Verzweiflung über sich selbst den Kopf. „Zwei Ladys und dann noch einen Ball verloren. Das wird teuer.“ Er wischte sich mit der Hand über das von der Anstrengung gerötete Gesicht, und seine buschigen Augenbrauen zogen sich in stummer Qual zusammen.
„Du kannst dir das doch leisten!“ Gerd, der neben ihm saß, fuhr sich schwungvoll durch seine immer noch vollen, dunklen Haare. Er war ein Mann der großen Gesten, die manchmal etwas theatralisch wirkten. Nun huschte ein spitzbübisches Grinsen über sein Gesicht, und auch die anderen zwei konnten sich das Schmunzeln nicht verkneifen.
Walter zog ein Taschentuch aus seiner Hose und wischte sich damit ein paar Schweißtropfen von der Stirn. „Darum geht es ja nicht. Die Ladys hätten einfach nicht sein müssen“, stellte er sachlich fest. Seine wässrigen Augen schweiften über die sanften Hügel des Golfplatzes. Bis hinauf zum Wald konnte man schauen, über dem zwei Windräder gemächlich ihre Rotorblätter bewegten. Klein wie Ameisen bewegten sich ein paar Golfer auf den Bahnen. Der morgendliche Ansturm war abgeflaut.
„Es war schon schlimmer“, tröstete Ben, der ihm gegenüber saß. „Du hast halt heute einfach Pech gehabt.“ Er mochte an die dreißig Jahre jünger sein als die anderen und war ein eher sportlicher Typ. Im Gegensatz zu seinen Mitspielern, die erschöpft auf ihren Stühlen hingen, sah er auch nach der Golfrunde immer noch fit und tatendurstig aus.
Wie immer ließ man das Golfen auf der Terrasse ausklingen, und die Vier schauten erwartungsvoll auf die Tür, die vom Restaurant heraus führte. Aber vom Personal ließ sich niemand blicken.
„Soll ich reingehen?“, fragte Gerd nach einer Weile.
Walter winkte ab. „Es wird schon gleich einer kommen. Ist ja nicht so, als ob der Laden brechend voll wäre.“
Alfred, der sich als letzter dazugesellt hatte, zog eine Zigarettenschachtel und ein Feuerzeug heraus. Ein kleiner Bleistift folgte und dann die Scorekarte , auf der er die Spielergebnisse der einzelnen Bahnen notiert hatte. Er war schlank, fast hager, und alles an ihm wirkte wie aus einem Holzstück grob herausgeschnitzt. Sein Gesicht hatte durch das ausgeprägte Kinn etwas Kantiges, das durch die sehr kurz geschnittenen, steil nach oben stehenden Haare noch verstärkt wurde. Auch seine Mimik war sparsam, fast starr, und nur selten konnte man ihm ansehen, was gerade in ihm vorging. Unruhig scharrten seine Füße unter dem Tisch, während er versuchte, die völlig unterschiedlich geformten Gegenstände vor sich aufeinander zu türmen. Walter schaute fasziniert zu, wie das Gebilde ein ums andere Mal umkippte.
„Du kannst auch deine Finger nicht stillhalten“, raunzte Gerd. „Es macht einen ganz nervös, dass du immer mit was rumspielen musst.“
„Du mit deinem breiten Hintern hast ja genügend Sitzfleisch“, knurrte Alfred zurück. „Das brauchst du für deine dauernden Besprechungen. Ich würd verrückt werden, stundenlang nur rumhocken und reden. Und was kommt dabei heraus? Nichts, nur heiße Luft.“
Gerd lachte. „Tja, das ist halt die hohe Kunst der Politik, davon hast du Grobmotoriker natürlich keine Ahnung.“
„Steuer‘ du mal einen Bagger, und dann sag noch was von grobmotorisch“, brauste Alfred auf. „Es ist eine Kunst, so ein Ding zentimetergenau zu rangieren. Aber du hast dir ja noch nie die Finger dreckig gemacht, im ganzen Leben nicht.“
„Kriegt euch mal wieder ein. Ihr benehmt euch wie die Bauern. Dabei seid ihr doch studierte Herren. Wenn ich so reden würde, das wäre was anderes“, mahnte Walter zur Ruhe.
„Halt du dich raus“, giftete Gerd nun ihn an. „Alles, was schneller ist als ein wachsendes Radieschen, kriegst du doch gar nicht mit.“
Alfred lachte schallend, und auch Walter verzog den Mund zu einem Schmunzeln. „Unser Politiker mal wieder. Auf den Mund gefallen bist du nicht, das muss man dir lassen“, meinte er gutmütig.
Alfred fischte eine Zigarette aus der Packung und steckte sie an.
In behaglichem Schweigen schauten sie einem Dreier flight zu, der sich am Abschlag Eins auf seine Golfrunde vorbereitete.
Endlich näherte sich im Zeitlupentempo eine Kellnerin. „Guten Tag, die Herren. Was darf’s sein?“, fragte sie lustlos und schon wieder halb im Gehen begriffen. Außer Alfred entschieden sich alle für ein alkoholfreies Bier.
„Das müsste die doch allmählich wissen“, stänkerte Gerd. Jeden Dienstag und Donnerstag traf man sich hier, und stets wurden die gleichen Getränke bestellt.
„Die muss aufpassen, dass sie nicht unterwegs einschläft“, kommentierte Walter den Auftritt der jungen Frau, die ins Innere des Restaurants zurückgekrochen war.
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