Ihr unendlich fauler Mann verschlief den Rest des Morgens, den ganzen Vormittag, den Mittag, den frühen Nachmittag und… dann stand er auch schon auf.
Seine in unendlicher Geduld wartende Frau wusch ihm flugs das Gesicht, drückte ihm dann schnell das Rauchwerk, den Proviant und das Werkzeug in seine nichtsnutzigen Hände, verabschiedete ihn höflich und sandte ihn in den Wald hinaus.
Da stand er nun, unser wackerer Ehemann. Und nachdem er nun schon stand, fing er auch zu gehen an und ging bis in den Wald. Dort sah er sich nach einem geeigneten Baum um… um nach dem anstrengenden Spaziergang mit dem vielen Gepäck eine kleine Ruhepause einzulegen. Schnell war ein alter Baum gefunden, dessen breite Äste bis fast auf den Boden reichten und wundervollen Schatten vor der schon recht tief stehenden Abendsonne zu spenden schienen.
Schnell die Säge und die Axt achtlos ins Gestrüpp geworfen… und schon lag unser fleißiger Holzfäller auf dem weichen Moos beim Baumstamm und ließ seinen Blick und seine Gedanken gegen Himmel schweifen. „Ah, sind das wundervolle Äste über mir. Aus dem da hacke ich den Pfluggriff, aus dem daneben das Streichbrett… und der da drüben wird die Grindel. Und… ah… da sehe ich auch schon den Ast für das Joch. Ja, über mir hängt sozusagen schon der fertige Pflug!“ So und anders dachte unser Mann, und auch auf die Egge verschwendete er seine Gedankenkraft. Erleichtert, dass ihm die mühselige, von seiner Frau aufgetragenen Arbeit so gut von der Hand ging, machte der faule Mann ein kurzes Erholungsnickerchen, verspeiste im letzten Schimmer der untergehenden Abendsonne seinen mitgebrachten Proviant, rauchte ein Zigarette, kaute ein Betelblatt… und eilte im Dunkel der beginnenden Nacht nach getanem Tagwerk müde und überaus zufrieden mit sich und der Welt zu seiner ihn ehrenden Frau, die bereits voller Vorfreude und Angst auf ihn wartete und nervös vor ihrer Hütte auf und ab lief.
Kaum erblickte sie ihren heimkehrenden Gatten im Dunkel der eingebrochenen Nacht, da rannte sie ihm erleichtert entgegen, um ihm die schweren Werkzeuge nach der harten Arbeit abzunehmen. Sie geleitete ihn zurück ins Haus, setzte ihn hurtig auf eine Bank, wusch ihm schnell das Gesicht, die Hände und die Füße… und konnte sich vor lauter Neugier kaum zurückhalten. Zu groß war ihre Angst vor der drohenden Armut, zu tief ihr Vertrauen in die Fähigkeiten ihres faulen Mannes. Atemlos fragte sie: „Ehrenwerter Mann, wie ist es dir ergangen? War die Arbeit schwer und der Tag lang? Sind Pflug und Egge schon bereit zum Einsatz? Wann wird es uns wieder besser gehen?“ Mit solchen und ähnlichen Fragen überhäufte sie ihren von rechtschaffener Arbeit müden Mann. Schlussendlich antwortete er mürrisch ob der vielen Fragen: „Ehrenwertes Eheweib, erschlag mich nicht mit deinen Fragen wie ein herabfallender Ast einen unvorsichtigen Holzfäller. Meine Handwerksarbeit im Wald ist noch nicht getan. Du wirst dich noch bis Morgen gedulden müssen, denn ich muss morgen noch einmal hinaus in den Wald!“
Niedergeschlagen schwieg die Frau und fügte sich in ihr ungewisses Schicksal.
Und schon recht früh am nächsten Tag – so zur Mittagszeit – lag der Mann erneut unter seinem schattigen Baum und dachte angestrengt daran, wie er denn nun genau den Pflug und die Egge aus den Ästen hacken wollte. Und wie er gerade am anstrengendsten nachdachte, da schien es ihm, als hörte er plötzlich Stimmen aus dem Geäst. Doch dann übermannte ihn nach so viel Denkarbeit die Müdigkeit und er schlummerte bis zum Abendrot den Schlaf rechtschaffener Leute.
Hätte er doch nur etwas genauer auf die Stimmen in den Ästen gehört. Unser Bauersmann schlummerte nämlich genau unter einem Baum, der einem alten Waldgeist als Unterkunft diente. Und wie der Geist da den Mann schon den zweiten Tag so über Pflüge und Grindel und Eggen reden hörte, da bekam er es so recht mit der Angst um seinen Wohnbaum zu tun. Schnell informierte er die anderen Geister der Gegend über das ihm drohende Unheil. Und nun setzte ein Argumentieren und Diskutieren und Beraten ein, das unser Bauer kurz vor seinem Einschlafen eben vernommen hatte. Als die Geister dann genug argumentiert, diskutiert und beraten hatten, fassten sie den Entschluss, dass nur der gewaltsame und vorzeitige Tod des vorwitzigen Bäuerleins unendliches Unglück von ihnen abwenden könne. Man kam überein, dass die geistvollste Lösung darin bestehen würde, dem Mann an der Schwelle seines Hauses den Kopf mit einem schweren Aste einzuschlagen. Nur so, und nur so, sei sichergestellt, dass es dieser Wicht von einem Menschen nie mehr wagen würde in den Wald zurückzukommen, um hier zu nichts nutze Eggen und anderen Krimskrams zu fertigen.
Als der Mann nun nach getanem Tagwerk erholt bei Sonnenuntergang aufwachte, um zu seiner hochgeehrten Frau nach Hause zurückzukehren, da schulterte der Geist einen mächtigen Ast und folgte ihm heimlich.
Die Frau sah ihren hochgeachteten und ihrer Meinung nach schwer erschöpften Ehemann am Horizont auftauchen und lief ihm voller Freude und Erwartung entgegen. Sie geleitete ihn zurück ins Haus, setzte ihn hurtig auf eine Bank, wusch ihm schnell das Gesicht, die Hände und die Füße… und konnte sich vor lauter Neugier kaum zurückhalten. Zu groß war ihre Angst vor der drohenden Armut, zu tief ihr Vertrauen in die Fähigkeiten ihres faulen Mannes.
Atemlos fragte sie: „Ehrenwerter Mann, wie ist es dir ergangen? War die Arbeit schwer und der Tag lang? Sind Pflug und Egge schon bereit zum Einsatz? Wann wird es uns wieder besser gehen?“ Mit solchen und ähnlichen Fragen überhäufte sie ihren von rechtschaffener Arbeit müden Mann. Schlussendlich antwortete er mürrisch ob der vielen Fragen: „Ehrenwertes Eheweib, erschlag mich nicht mit deinen Fragen wie ein herabfallender Ast einen unvorsichtigen Holzfäller. Meine Handwerksarbeit im Wald ist noch nicht getan. Du wirst dich noch bis Morgen gedulden müssen, denn ich muss morgen noch einmal hinaus in den Wald! Morgen, ja morgen, werde ich den Baum endgültig fällen!“
Niedergeschlagen schwieg die Frau und fügte sich in ihr ungewisses Schicksal.
Als der Geist das alles gesehen und gehört hatte, da war sein ganzer Zorn auf den Mann wie verflogen. Die Demut und der Glanz dieser vollkommenen Ehefrau hielten den Geist davon ab zuzuschlagen. Ohne dass es unser Faulpelz auch nur im Geringsten geahnt hätte, hatte ihm sein Weib das Leben gerettet.
Der Geist hatte aber auch die Worte des Mannes vernommen, der – so hatte es der Geist gehört – morgen wirklich den Baum – seinen Baum – fällen wollte. Vor lauter Angst um seinen geliebten Wohnbaum schüttelte es den Geist wie in einem Malaria-Fieber. Er sah keinen anderen Ausweg mehr, als sich dem Mann zur nächtlichen Stunde zu erkennen zu geben, vor diesem auf die Knie zu fallen und ihn anzuflehen: „Bitte, bitte, hochedler Herr, ich flehe dich an – fäll diesen Baum nicht!“
Doch der Mann, der im Halbschlaf gar nicht so recht wusste, wie ihm geschah und der Meinung war, dass seine ehrenwerte Ehefrau mit ihm sprechen würde, murmelte nur schlaftrunken: „Ja, morgen früh, gleich nach Sonnenaufgang, werde ich den Baum fällen. Ehrenwort!“
Man kann sich gut vorstellen, welche Wirkung die Worte des Mannes auf unseren ängstlichen Geist ausübten, dem ja der Charakter unseres Helden nicht bekannt war. Und so sah der Geist keine andere Möglichkeit mehr, als den Bauern zu bestechen, und so sprach er diesmal noch viel eindringlicher: „Ehrenwerter Reisbauer, wenn du meinen Baum verschonst, dann verrate ich dir Plätze mit Gold und Silber!“
Kaum hörte unser fauler Landwirt solche Worte wie „Gold“ und „Silber“, da war er plötzlich hellwach und flüsterte in die Dunkelheit: „Ehrenwerter Baumgeist, wie viele Verstecke mit Gold und Silber gedenkst du mir zu verraten?
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