„Jawohl!“
Torres öffnete die Einstiegsluke und sie betraten das Cockpit. Das innere der Flugscheibe war sehr geräumig, und Lerch bat WO Nomi und Commander Torres Platz zu nehmen. Torres, der auf dem Kommandantensitz Platz nahm, fühlte sich wie 007, dem von Q gleich gezeigt wurde, welche neuen Waffen in seine Scheibe integriert worden waren.
„WO Nomi, machen Sie den Commander mit allen Neuerungen dieser Flying-Disc vertraut“, ordnete SB Lerch an.
„Zu Befehl!“
Torres wollte alles sehr genau wissen, denn er hatte absolut keine Lust in irgendeiner Zeitschleife stecken zu bleiben, oder eventuell als Dinosaurierfutter zu enden.
„Commander, haben Sie alles verstanden“, fragte Nomi.
Wie auswendig gelernt wiederholte Torres: „Wenn ich das richtig verstanden habe, dann gleiten wir zwei, WO Nomi und ich, aus der Raumstation, in die Umlaufbahn. Nachdem Sie am Zusatzmodul die Frequenz eingestellt haben, beschleunige ich die Flugscheibe auf 20.000 Stundenkilometer und halte Kurs in der Umlaufbahn. Dann startet WO Nomi den eingebauten Aqua-Pulser und wir rauschen in die Vergangenheit.“
Lerch war begeistert. „Morgen werden Sie beide Geschichte schreiben. Der erste Zeitsprung mit einer Flugscheibe.“
Nomi und Torres waren stolz, dass sie für diese Mission ausgewählt wurden. Die beiden hatten die besten Voraussetzungen, jeder auf seine spezielle Art.
Commander Torres war einer der besten Flugscheibenpiloten der Raumflotte. Wissenschaftsoffizier Nomi hatte die größte Einzelsprungerfahrung und war bestens mit der Aqua-Pulser Technologie vertraut. „Commander Torres! WO Nomi ist bereits genauestens mit dem Ablauf der Mission vertraut. Wir haben eine Sprung-Frequenz ausgewählt, die schon dreimal gesprungen wurde. Zweimal von WO Nomi. Damit sind wir zeitlich gesehen auf der sicheren Seite und landen nicht mitten im dreißigjährigen Krieg. Der Landepunkt wird im Kongo in Zentralafrika sein. Ihre Aufgabe ist es, ein Berggorillababy einzufangen, es zu betäuben und hierher in die Gegenwart zu bringen. Da die Berggorillas mittlerweile ausgestorben sind, haben wir jetzt die Möglichkeit, diese in der Gegenwart wieder anzusiedeln. Sollte das Tier die Reise gut überstehen, werden wir noch mehr Exemplare hierher holen und eine neue Berggorilla Kolonie gründen. Im Laderaum der Flugscheibe wurde bereits ein Käfig eingebaut. Gewehre mit Betäubungspfeilen befinden sich ebenfalls dort.“ SB Lerch dankte und bestimmte den Start der Mission auf den nächsten Tag, um 9.00 Uhr.
„Commander Torres, Sie tanken heute noch die Flugscheibe auf und kontrollieren diese, damit morgen ohne Verzug die Mission gestartet werden kann!“
„Zu Befehl!“, kam es zackig zurück.
„WO Nomi, Sie bekommen einen zweiten Aqua-Pulser an Ihr anderes Handgelenk.“ Nomi und Torres schauten verständnislos den SB an und Lerch erklärte gleich von sich aus „Wenn irgendetwas schief geht, müssen Sie die Flugscheibe sprengen und mit dem Aqua-Pulser zurückspringen! Verstanden?“ „Warum bekomme ich beide und nicht jeder einen?“ Auch Torres nickte bejahend auf Nomis Frage hin.
„Weil: Erstens, nichts schief geht! Und zweitens, wenn doch, ist WO Nomi in der Lage, den Aqua-Pulser korrekt einzustellen, um ihn danach an Ihr Handgelenk zu schnallen.“ Damit war es für ein paar Sekunden still geworden im Cockpit.
„Lassen Sie uns aussteigen! Es gibt für uns alle noch jede Menge zu tun, bis zum Start.“ Mit diesen Worten verabschiedete sich SB Lerch.
Der nächste Morgen war für die Besatzung der Raumstation Galileo2 ein Tag wie jeder andere. Nicht aber für WO Nomi und Commander Torres. Beide hatten vor Aufregung schlecht geschlafen, gepaart mit etwas Angst vor dieser waghalsigen Mission. Pünktlich eine Stunde vor dem Start trafen sie am Gate 7 ein. Beide hatten für die 48 Stunden, die sie auf jeden Fall im Kongo der Vergangenheit verweilen mussten, ihren persönlichen Rucksack mit dabei. An Nomis Handgelenk war auch bereits der zweite Aqua-Pulser umgeschnallt. Gleich nachdem Torres die Rucksäcke verstaut hatte, kam auch schon der Sonderbeauftragte der Raumflotte, Udo Lerch ums Eck.
„Guten Morgen WO Nomi! Guten Morgen Commander Torres!“
Die beiden grüßten freundlich zurück. Lerch grinste. „Man hätte die Flugscheibe Santa Maria taufen sollen. So wie das Schiff von Christoph Kolumbus, mit dem er ins Ungewisse segelte und Amerika entdeckte.“
„Das werden wir mit dieser Technik nachprüfen! Mal sehen, ob das mit dem Kolumbus seine Richtigkeit hat“, konterte Nomi frech und alle drei lachten laut los.
„Ich wünsche Ihnen maximale Kampferfolge und kommen Sie heil wieder!“ Lerch verabschiedete sich mit Handschlag und ihm war anzumerken, dass auch er gerne mitgeflogen wäre.
Commander Torres und WO Nomi stiegen in die Flugscheibe, nahmen Platz und schnallten sich an. Sie setzten ihre Helme auf und Torres stimmte die Starteinzelheiten über Funk mit dem Stationstower ab.
„Commander Torres, Sie haben Startfreigabe. Guten Flug“, ertönte die Stimme aus dem Bordlautsprecher.
„Danke Tower!“
Torres startete die Flugscheibe. Diese Technik war fantastisch. Kein lautes Dröhnen wie bei den Triebwerken der Raumgleiter! Fast lautlos! Nur ein leises Zischen war zu hören, als der Commander die Scheibe einen Meter in die Höhe steuerte. Er öffnete per Sensor das Außengate und schob die Flugscheibe nach draußen ins All.
„Wow! Das war ja mehr als sanft“, lobte Nomi und Torres schmunzelte. „Wenn ich etwas perfekt kann, dann ist es das Steuern einer Flugscheibe. So, und nun zu unserer Mission“, fing sich Torres wieder. „Ich schwebe jetzt in der angegebenen Umlaufbahn und beschleunige Zug um Zug auf 20.000 Stundenkilometer. Sie können die Sprung-Frequenz eingeben.“ Nomi nickte.
„5000 Stundenkilometer“, gab Commander Torres an und zeigte mit dem Zeigefinger auf die Geschwindigkeitsanzeige. Langsam stieg die Geschwindigkeit in Richtung 20.000 Stundenkilometer. Durch das Magnetfeld im Cockpit war von all dem absolut nichts zu spüren. Es fühlte sich fast so an, als würde man zuhause im Wohnzimmer sitzen. Die Aussicht auf den blauen Planeten war phantastisch. Doch Torres und Nomi hatten im Moment keinen Blick dafür. Ihre Augen waren ausschließlich auf die Geschwindigkeitsanzeige gerichtet. „Gleich ist es soweit. Bei 20.000 km/h starte ich den Sprung.“
„Ok! Ich zähle runter“, antwortete der Commander. „5-4-3-2-1 … Jetzt!“ Nomi drückte den Startknopf!
Die Flugscheibe verschwand vom Radarschirm.
Torres und Nomi wurden durch einen Zeittunnel gezogen. Er wurde enger und die Flugscheibe schneller. Mit einem lauten Schrei von Commander Torres durchquerten sie das Nadelöhr des Tunnels und wurden schlagartig langsamer.
„Wir haben es geschafft“, schrie Torres vor Begeisterung und Nomi schrie mit. „Wow! Ist das geil! Ich habe mir fast in die Hose gemacht“, lachte der Commander. Nomi musste ebenfalls grinsen.
Im selben Moment krachte es fürchterlich laut! Die Flugscheibe ruckte heftig. Die Bordinstrumente spielten verrückt und akustische Warnsignale dröhnten. „Torres! Was ist passiert?“ „Wir sind getroffen! Wir haben beim Sprung, besser gesagt nach dem Sprung einen Satelliten gerammt! An Satellitenberechnung hat bei der Raumflotte definitiv keiner gedacht. Mist!“
„Mach was Torres! Mach was“, schrie Nomi hysterisch.
„Der Antrieb und die Steuerung sind beschädigt. Wir müssen notlanden. Nomi halten Sie sich fest! Es geht nach unten und es wird rumpeln!“
Die Angst war in Nomis Gesichtsausdruck deutlich zu sehen. Während Torres alles versuchte, die Flugscheibe sicher nach unten zu bringen, rauschte die Santa Maria mit einem Affenzahn an Geschwindigkeit in Richtung Erde.
„Wir sind zu schnell! Aussteigen Nomi! Aussteigen!“
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