Bestürzt nahm Tina sie in die Arme. »Kopf hoch, das wird schon wieder«, versuchte sie ihre frühere Freundin aufzumuntern.
»Nein, es ist schrecklich mit ihm«, schluchzte Emma nun noch stärker. Sie kauerte sich hin und drückte ihr verweintes Gesicht in Sonnys braunschwarzes Fell. Die Hündin drängte sich leise winselnd an sie, obwohl sie viel lieber mit Frauchen herumtollen wollte.
»He Leute, geht schon mal vor, wir kommen gleich nach«, sagte Tina zu den betretenen Gesichtern um sie herum.
»Okay, wir treffen uns in der Stammkneipe.« Lars warf Emma noch einen besorgten Blick zu, winkte die restliche Clique heran und marschierte mit ihr davon.
Tina setzte sich neben Emma ins Gras und kraulte gedankenverloren Sonnys Fell. »Deine Hündin ist süß! Hast du sie schon lange?«
»Sonny?« Die Hündin hob den Kopf und sah sie aus treuherzigen Knopfaugen an. »Sie gehört Alexander. Er hat sie nach der Hochzeit aus dem Tierheim geholt.«
»Das war doch schon mal eine gute Idee von ihm, oder?«, meinte Tina aufmunternd.
»Aber Sonny ist auch einer der Gründe, dass wir uns ständig streiten. Den ganzen Tag über versorge ich seine Hündin, trotzdem ist Alexander nicht einmal bereit, am Morgen mit ihr rauszugehen. So war's nicht abgemacht!« Sie senkte den Kopf. »Und nachts muss ich meistens auch noch mit ihr raus, weil er mit Eric – das ist sein Geschäftspartner – in den Kneipen rumhängt und sich ohne mich amüsiert.«
»Echt? Du Arme, so hast du dir die Ehe auch nicht vorgestellt, was? Ihr habt eben viel zu schnell geheiratet, sonst hättest du vorher gemerkt, ob er der Richtige für dich ist. Warum hast du dich denn nie mehr bei uns blicken lassen?«, fragte Tina verständnislos. »Wir hätten dich doch aufheitern können!«
»Weil Alexander ein eifersüchtiger, besitzergreifender Chauvinist ist«, brach es aus Emma hervor. »Er darf alles und ist der Herr im Haus. Seine Frau soll kuschen und sich allein langweilen, während er sich auswärts vergnügt.« Sie schniefte und warf den Kopf zurück. »Aber das lasse ich mir nun nicht mehr bieten, und den Umgang mit euch lasse ich mir erst Recht nicht mehr verbieten!«
Wider Willen musste Tina lachen. »Na also, das ist die richtige Einstellung!« Sie zog Emma hoch und rief übermütig: »Das müssen wir feiern! Komm, wir gehen zu den andern, Lars wird sich freuen.«
Emma reckte trotzig das Kinn und nahm Sonny an die Leine. Doch dann wurde ihr auf einmal bange, sie nagte an ihrer Unterlippe und sagte: »Hoffentlich sind die mir nicht böse.«
»Ach wo, wir sagen ihnen einfach, warum du dich nicht mehr gemeldet hast, die verstehen das, wetten?« Tina hakte sich bei ihrer wiedergefundenen Freundin unter, die dankbar ihre Finger drückte.
Kapitel 3 – Alles im grünen Bereich
Eric Freiburg zupfte an seinem schwarzen Spitzbart und lachte in sich hinein. An gewissen Tagen lief alles wie geschmiert, fand er, als er in seinen Maßanzug schlüpfte und die Krawatte umband. Dank umsichtiger Planung hatte er mit neununddreißig mehr erreicht, als er sich mit neunzehn vorgenommen hatte. Und das war bereits eine ganze Menge gewesen.
Er gratulierte sich erneut zu seinem brillanten Einfall, zusätzlich zum Berner Versicherungsmakler-Büro, in dessen behaglichem Wohnraum er gerade stand, noch eine Filiale in Luzern zu eröffnen. Womit er sich und seinem Juniorpartner Alexander Röhricht ganz neue Möglichkeiten eröffnete.
Ein schlauer Coup von ihm war, dass er beide Büros in unauffälligen Wohnblocks mietete. Selbstverständlich an gut erreichbarer Verkehrslage und mit ausreichend Parkplätzen. In den geräumigen Dreizimmerwohnungen ließ er je einen repräsentativen Empfangsbereich mit zwei Schreibtischen und einer Sitzecke einrichten. Einen der Räume verwandelte er in ein edles Sitzungszimmer.
Den dritten Raum jedoch gestaltete Eric nach seinen speziellen Bedürfnissen, denn diese Ausgaben sparte er anderswo locker wieder ein. Allein die Mietkosten waren bedeutend geringer als für die teuren Büroräume und die verschwiegenen Hotelzimmer, die er früher gebucht hatte. Sein Blick fiel auf die junge Frau, die dekorativ auf dem Kuschelsofa lag und aus leicht verschleierten Augen zu ihm aufsah. Sie strich ihre goldblonden Wellen nach hinten, was ihm freie Sicht auf ihre vollen Brüste bot, die keck aus dem schwarzroten Mieder ragten.
Ein Geschenk von ihm natürlich!
Nadine Huber hatte sich sichtlich darüber gefreut und es gleich für ihn angezogen, bevor sie ...
»Häschen, schwingst du mal deinen süßen Hintern vom Sofa und ziehst dich an, ja?«, murmelte er, während er einen letzten Kuss auf ihren Brustansatz drückte.
»Jetzt schon? Aber warum denn«, schmollte sie und kraulte seine schulterlangen, schwarzen Haare, die er mit reichlich Gel aus der Stirn gekämmt hatte. »Ich wüsste noch so einiges, das wir beide tun könnten!«
»Nicht, lass das!« Eric glättete seine Locken, die nie dort bleiben wollten, wo sie hingehörten, und stand auf. »Komm, beeil dich, ich habe noch einen Termin.«
Nadines Brauen zogen sich zusammen. »Du hast noch eine Besprechung, am Donnerstagabend um ...« Sie räkelte sich und langte nach der modischen Uhr, die sie auf den Salontisch gelegt hatte. »... fünf nach acht?«
»Wir müssen uns nun mal nach den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Kunden richten.« Eric breitete in einer hilflosen Geste die Arme aus und sah sie dabei so bedauernd an, dass ihre Zweifel an seiner Aufrichtigkeit schwanden. Sie zog eine Schnute, doch selbst diese stand ihr ausgezeichnet, und er musste an sich halten, um Nadines verlockenden Lippen und Rundungen nicht gleich nochmal zu erliegen.
Ihn zog es heim zu Mona.
»Dann ziehe ich mich halt an.« Nadine sammelte ihre herumliegenden Kleidungsstücke ein und trank einen Schluck Champagner. Sie schüttelte sich, das perlende Getränk war schal geworden. »Kommst du mit runter?«
Eric unterdrückte den Ärger, der in ihm aufstieg, und zwang sich zu einer bedauernden Miene. »Du weißt doch Häschen, dass das nicht geht, weil ...«
»Weil du Schiss hast, die Nachbarn könnten dich mit mir zusammen sehen und dich für einen unseriösen Geschäftsmann halten«, spöttelte Nadine und zuckte mit den Schultern. »Okay, ich finde den Weg auch allein, gib mir fünf Minuten.« Sie eilte ins Bad, wischte die Ränder unter den Augen mit einem Kosmetiktuch weg, legte je einen Hauch Rouge und Puder auf und zog die Lippen mit einem lange haftenden Stift nach.
Was Eric nur immer hatte, nachdem sie doch köstlichen Sex miteinander genossen hatten?, fragte sie sich verwirrt. Innerhalb einer Stunde verwandelte er sich aus dem großzügigen, heißen Liebhaber zurück in den kühlen Geschäftsmann. Selbst heute, wo sie das vierte Mal zusammen waren, schaffte sie es nicht, ihn länger zu fesseln. Mit der Haarbürste strich sie ihre goldblonden Wellen rechts hinters Ohr, links graziös über die Schulter. Ein letzter prüfender Blick in den Badezimmerspiegel, und sie war zufrieden mit dem Resultat. Mehr konnte man nicht erwarten nach einer intensiven Liebesstunde. Sie strich ihren kurzen braunen Lederrock glatt und bewunderte den perfekten Sitz ihrer edlen Seidenbluse, deren obere Knöpfe sie offen ließ.
»Wie gefalle ich dir eigentlich in diesem Outfit?«
Sie drehte sich vor Eric um die eigene Achse, dessen Ungeduld sich steigerte, während er in der Küche die leeren Gläser in die Spüle räumte und die Flasche in den Kühlschrank stellte. Den Rest würden Alexander oder er morgen austrinken. Jetzt hielt ihn nichts mehr hier. Mona wartete mit dem Nachtessen auf ihn und würde sich fragen, wo er blieb. Er hatte ihr gesagt, er sei um halb neun zuhause. Das würde er wieder mal nicht schaffen. Also warf er nur einen gelangweilten Blick auf Nadine, die aufreizend vor ihm stand.
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