„Mit strenggeschichtlicher Wahrheitsliebe, jedoch spannend geschrieben wie ein Roman — zwei Tugenden, welche das ganze Buch beherrschen — wird berichtet, dass auch heute noch viele keltische Nachkommen und Gebräuche in Süddeutschland bestehen, nicht zuletzt in der Sprache, besonders aber in der Mundart. Ebenso wertvoll erscheint die Darstellung des keltischen Geheimbundes, des Druidentums, welches nicht nur örtliche Spuren bis in die Neuzeit hinterlassen hat, sondern vor allem mit seiner hochwertigen Grundidee heute noch vorbildlich ist und bleiben wird für alle Zeiten, so dass man dies alles als das Erbe der Druiden bezeichnen muss, „weil dieser Stand vermöge seiner Bildung, Organisation und Tätigkeit der hervorragende Träger der nationalen Kultur war“.“
Dr. Wachter geht die einzelnen Kapitel des Werkes durch und kommt dann zum Schlussstück, das „Freimaurer“ überschrieben ist und „alles umfasst, was Geheimbünde und geistige Zustände seit dem 18. Jahrhundert anlangt. Auch hier bewahrt der Verfasser seine Eigenart der Geschichtlichkeit und spannenden Schreibweise und macht uns mit dem Wesen, Inhalt und Wirken sowie mit hervorragenden Mitgliedern des Freimaurerbundes, des Illuminatenordens, aber auch des elenden Mopsordens bekannt. Seine Wahrheitsliebe hindert den Verfasser nicht, auch manches Bedenkliche aufzudecken, wie denn überhaupt Gerechtigkeitsliebe ein hervorragender Zug seines Werkes ist, auch den Juden gegenüber“.
„Dem groß angelegten, stofflich gedrängten Werke Memmingers so schließt Dr. Wachter seine Abhandlung — konnte ich mit vorstehender Übersicht inhaltlich auch nicht annähernd gerecht werden, denn gerade der ungemein reiche Inhalt gibt dem herrlichen Geistesbau seinen Vollwert. Wenn demnach die Abhandlung schon für jeden wissenschaftlichen Menschen ein Grundlehrbuch darstellt, so ist es für den Druiden geradezu das Buch. Schon allein das druidische Gebot des Strebens nach Wissen erfüllt es, wie kein anderes, und zwar so, dass es dem Gelehrten wie auch dem einfachen Handwerksmann vollauf genügt zur weitgehenden Wissensbereicherung. Mehr aber noch als alle ethischen Ergüsse gewährt es die innerliche Ausbildung und Festigung eines Lesers, und zwar dadurch, dass alle Lehren geschichtlich begründet sind und sich so als notwendige Ergebnisse dem Inneren einprägen.“
Diese Zitate mögen dem Leser zum Geleit dienen, wie sie dem Verfasser zur Befriedigung für jahrelanges Forschen und Schaffen dienen.
Schonungen a. M., im September 1920.
A. Memminger.
Was vor Jahrtausenden gerauscht
Im Hain der alten Eichen,
Das wurde einst von mir erlauscht
Samt Zeichen und Gebräuchen.
Auch flog manch Blatt vom Sturm verweht
Auf meinen Tisch durchs Fenster.
Ich hab entziffert, wie ihr seht,
Die Runen der Gespenster.
Erkennst du den Gedankengang
Der Geister alter Zeiten,
Kannst du aus dem Zusammenhang
Dir ein System bereiten.
Bei allem aber, was man denkt,
Darf man nicht übersehen,
Warum die Menschheit irr' gelenkt
Sich niemals konnt' verstehen.
In dem uralten Eichenhain beim herrlich gelegenen Schloss Mainberg, in dem vor mehr als zweitausend Jahren die Druiden, die Priester der keltischen Ureinwohner, ihren Gottesdienst feierten, versammelte sich am Johannistage des Jahres 1886 eine Anzahl von etwa sechzig fremden Männern in weißen Mänteln zu einer geheimnisvollen Feier. Die meisten Teilnehmer waren von Bad Kissingen gekommen, die Mehrzahl von ihnen bestand aus Amerikanern. Nach Absingung eines Liedes traten nacheinander zwei Redner auf. Der erste sprach englisch und begrüßte die Versammlung. Der zweite sprach deutsch, erklärte den Zweck der Zusammenkunft und setzte den aufmerksamen Zuhörern auseinander, dass sie sich hier an einer heiligen Stätte befänden, die von den Druiden und Barden, den Priestern und Sängern der hier seit urvordenklichen Zeiten angesiedelten Kelten, der Abhaltung ihres Gottesdienstes geweiht und gefeit war. Dann fuhr der Redner fort:
„Wie bei allen Kulturvölkern gab es bei den Kelten zweierlei Religionen: die eine war die Volksreligion, die sinnlich wahrnehmbare Bilder als ihre Stammes- und Ortsheiligen, Nothelfer und Beschützer verehrte, ihre Umgebung mit guten oder bösen Geistern belebte und einem vielseitigen Aberglauben huldigte. Die andere Religion war die der Auserwählten, der gebildeten und gelehrten Leute, die nur an den einen und einzigen Gott glaubten, der für jene, die Gesicht, Gehör und Gefühl haben, überall in den Werken und Geschöpfen sichtbar, dessen Stimme tausendfach in den Stimmen der Natur hörbar und für alle, die reinen Sinn, ein gutes Herz und Gewissen haben, allerwege fühlbar ist. Die Wissenden waren durch diesen Glauben mit der Vergangenheit, durch die Liebe mit der Gegenwart, durch die Hoffnung mit der Zukunft verbunden. Darum waren die Druiden auch Seher, keine Schwindler, wie die jetzigen Wahrsager, sondern erleuchtete Propheten, die in einer langen Schule mit allen Wissenschaften und Kenntnissen vertraut, durch geheime Bande mit ihren Brüdern aller Orten verbunden und von ihnen über alle möglichen Dinge unterrichtet waren. In dem Namen Druiden drückt sich der Inhalt ihrer Lehre aus. Denn das keltische Wort Dru oder Tru heißt: Wahrheit, Weisheit, Treue. Das war der Inhalt ihres Strebens, Glaubens und Lebens. Sie waren auch die erhabenen Sänger, die mit ihren Liedern den Gottesdienst zu veredeln, die Großtaten der Helden zu überliefern, die Volkssitte, den Volksgesang und die Volksbildung zu heben suchten. So stellten sie als wirklicher Adel die Kette dar, die die Vergangenheit mit der Gegenwart verband und die Unterlage für die geistige Fortdauer von Geschlecht zu Geschlecht schuf. Der Glaube an Gott war der Vater; der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele der Sohn. Und aus beiden entsprang der Heilige Geist, der in einer geläuterten Sittenlehre sich offenbart. Sie ist uns von dem griechischen Philosophen Diogenes von Laerte aus dem dritten Jahrhundert in der Vorschrift aufgezeichnet worden: Ehre Gott, scheue das Böse, sei ein Mann!“
Der Redner ging dann auf die Geschichte des Druidenbundes ein und sagte weiter:
„Als die Druiden von den römischen Gewalthabern auf dem Kontinent verfolgt und vertrieben wurden, haben sie ein Asyl in Britannien und Irland gesucht und dort ihren Geheimbund und ihre Geheimlehre durch der Zeiten Not und Drang in den Bardenbund gerettet. Zwar musste auch der Bardenbund der Zeit den Tribut des hohen Alters entrichten, aber er lebte noch eine Zeitlang in Frankreich in den Troubadours wie in Deutschland in den Minnesängern fort, während der aus dem gleichen Stande des Adels gebildete Templerorden, der die philosophisch-theologische Geheimlehre des Druidenbundes in sich aufgenommen hatte, den nämlichen Verfolgungen der weltlichen und geistlichen Gewalthaber erliegen musste wie einst das Druidentum selbst unter den römischen Kaisern und englischen Königen. Aber gute Ideen und Gedanken sterben nicht, sie erleben immer wieder eine Auferstehung. So übernahmen die bürgerlichen Zünfte mit ihren Meistersingern die Stelle der adeligen Minnesänger wie die mittelalterlichen Bauhütten die Geheimlehren der Tempelritter. Und als in der Neuzeit die Zünfte veralteten und die Bauhütten zerfielen, da übernahmen die Freimaurer in England die Geistesarbeit der Werkmaurer. Gleichzeitig ging im 18. Jahrhundert die Sonne der Aufklärung und Duldung über der alten Welt auf und ergoss ihre Strahlen auch über die neue Welt, wo der aus dem Dunkel der Vergangenheit zum Licht emporgetragene Druidenbund ihr Träger und Missionar wurde. Dieser Bund umfasst heute diesseits und jenseits der Meere bereits zweihunderttausend Mitglieder, die miteinander verbunden sind durch das Bekenntnis des alten Druidenglaubens, auf dem im letzten Grunde auch der Glaube und die Moral jener Bekenner beruht, die den Lehren der großen Religionsstifter Moses, Jesus und Mohammed, Buddha, Zoroaster und Konfutse aufrichtig anhängen. Nicht Religionen oder Kirchen zu bekämpfen ist ihre Aufgabe, sondern unter Achtung der Gewissensfreiheit Andersdenkender die alte philosophische Grundlehre in ihrer Ursprünglichkeit, Reinheit und Lauterkeit zu erhalten und sie zum Fundament ihres Strebens und Wandels, der Kindererziehung und Geselligkeit zu machen, — das ist die Aufgabe des Druidenbundes. Darum pflegt er auch nach Druidenart als eine Pflanzstätte alles Edlen, Guten und Schönen den Gesang, indem wir uns auch heute an dieser ältesten Weihestätte vereinigen zu dem gemeinsamen Liede: Brüder, reicht die Hand zum Bunde!“
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