Ich habe z.B. von einer Psychiatrie die Diagnose „Borderlinestörung“ und „angstbesetzte Persönlichkeit“ bekommen (neben vielen anderen).
Wie bereits in einem anderen Text beschrieben, sind diese Austestungen eine Momentaufnahme und sagen meiner Meinung nach gesamtheitlich nicht viel aus. Gerade bei mir ergibt jeder Test ein anderes Ergebnis.
Ich bin jetzt seit fast 15 Jahren depressiv. Vor einiger Zeit hat mir jemand gesagt, dass es eine chronische Erkrankung sei. Das macht mir Angst. Chronisch bedeutet für mich, dass sie nicht mehr geheilt werden kann.
Dasselbe träfe angeblich auch auf meine Persönlichkeitsstörungen zu. Ich bin durch mein immer wieder selbstverletzendes Handeln eine Borderlinerin. Laut anderen Tests und der Meinung meines Therapeuten zeige ich keinerlei andere Anteile dieser Störungen und gerade zu dieser Erkrankung gehören eine Menge Faktoren. Kann es sein, dass diese Diagnose gar nicht zutrifft? Was wäre, wenn ich mich hauptsächlich deshalb als „Borderlinerin“ fühle, weil mir diese Diagnose gestellt wurde? Was wäre, wenn diese aber gar nicht zutrifft?
Wenn einem Kind immer wieder gesagt wird: „Du bist dumm!“, glaubt es das auch irgendwann. Genauso verhält es sich mit wiederkehrenden Diagnosen. Obwohl sie oft nicht stimmen oder nur für einen gewissen Zeitraum zutreffen, glaubt man sie viel zu schnell. Viele dieser ärztlichen Feststellungen machen uns kränker als wir eigentlich sind.
Außerdem wird gerade bei der psychologischen Diagnostik mit Fremdwörtern herumgeworfen. Sehr leicht werden Symptome schnell den üblichen Erkrankungsbildern zugeordnet und es wird generell leicht schematisiert. Oftmals überlagern sich die Krankheitsbilder, so dass Diagnostik oftmals schwer eindeutig ist, und als „normaler“ Mensch wird es schwer verständlich. Manchmal macht es sogar Angst.
Ich finde, dass das, was man selbst an sich erkennt oder der Therapeut mit einem herausarbeitet, viel häufiger zutrifft. Die oftmals medikamentöse Behandlung ersetzt nicht das tiefenpsychologische Arbeiten in der Psychotherapie.
Lebensperspektiven durch die Therapie
Ich stelle mir oft die Frage, wie mein Leben in den vergangenen vierzehn Jahren aussehen würde, wenn es keine Psychotherapie gäbe. Um es realistisch auszudrücken, ich wäre wahrscheinlich nicht mehr am Leben. Als ich mich entschlossen habe, Hilfe anzunehmen, war ich körperlich und psychisch am Ende. Der erste große Schritt war die Entscheidung, einen Psychotherapeuten aufzusuchen, der mit mir meine stationäre Aufnahme in eine Kinder- und Jugendpsychiatrie besprach und mir schließlich den Schritt dazu (zur Therapie?) erleichterte. Nachdem ich mich dort ein wenig erholt hatte, konnte ich erst die richtige Psychotherapie beginnen. Ich muss sagen, in Momenten, in denen ich nicht mehr in die Zukunft schauen kann, weil eine solche für mich nicht mehr existent zu sein scheint und jede Hoffnung schwindet, hilft mir die Therapie, die Wirklichkeit im Blick zu behalten und doch immer wieder Wege zu finden, weiterzumachen. Wenn da kein Weg mehr ist, den ich sehe, hilft es, in der Therapie einfach nur von der Zukunft zu träumen, mögen diese Träume auch noch so unrealistisch sein. Sich von der Wirklichkeit zu lösen, hilft oft sehr viel. Dann aber auch wieder klare Ziele setzen zu lernen, ist noch ein wichtiger Aspekt in der Psychotherapie.
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