Andreas Schütte - Asphalt im Kopf
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Wie viel Tonnen Scheiße spülten 85.000 Menschen wohl jeden Tag in die Kanalisation?
Manchmal war er beim Lesen eingenickt. Dann kam es ihm jedes Mal so vor, als ob der verknöcherte Finger von Frau Heinicke, der Bibliothekarin, schon nach wenigen Sekunden wie ein Krähenschnabel in seine Schulter hackte.
Hier ist kein Schlafplatz.
Kurz hinter dem KBA gab es endlich eine Gelegenheit, die Nerv tötende Hauptstraße zu verlassen. Der Nebenweg ließ den Marinesportplatz links liegen, und er wusste, dass wenn er der Straßenbiegung folgen würde, nach wenigen hundert Metern eine unbefestigte Sackgasse kommen musste. Sie führte auf eine Lichtung, die zum Wasser hin abfiel, und an deren Wanderwegen entlang man ein kleines Wäldchen erreichen konnte, das direkt am Steilufer lag. Er fand die alte Holzbank wieder, die ihm schon einmal ein guter Rastplatz war, legte Rucksack und Wanderstock ab und ließ seinen Blick durch die Astgabeln der Bäume über die im Morgenlicht funkelnde Förde nach Dänemark schweifen.
Plötzlich hörte er ein Geräusch, das erst nach einigen Augenblicken sein Bewusstsein erfasste, nicht nur, weil er in sich versunken da saß, sondern auch, weil es so unerwartet und überraschend war.
Eine Trompete.
Jemand spielte auf einer Trompete. Die Musik kam von irgendwo weiter oben aus dem Wald. Sehen konnte er niemanden.
Vor langer Zeit hatte die Musiklehrerin in der Schule einmal zu seiner Mutter gesagt: „Der Kurt, Frau Schwinge, ist vollkommen unmusikalisch. Der Junge hat andere Talente. Er sollte später etwas mit den Händen machen, weniger mit dem Kopf.“
Die Worte hallten in seinem Hirn nach, und sie setzten sich, die Überzeugung anderer war damals zu seiner eigenen geworden, und das stand auch jetzt dem Empfinden für Schönheit einen kurzen Moment wie eine Barriere im Weg. Aber dann rissen die Klarheit und die Kraft der Töne und die tiefe Klangfarbe des Instruments diesen Widerstand ein, löschten ihn aus, und sein Innerstes erbebte. Das ist wunderbar, dachte er immer wieder. Die Musik floss durch seinen Körper, traf auf Resonanz, und sie vermochte etwas, das selbst gut geheizte Räume oder ein offenes Feuer in den letzten Jahren nicht geschafft hatten, nämlich seine ewig klammen Knochen zu erwärmen.
Kurt Schwinge weinte wie ein Kind.
Zuletzt hatte er geweint, als sein Vater ihn mit dem Lederriemen für etwas züchtigte, das nicht er, sondern Rupert ausgefressen hatte. Der hatte Rattengift in den Kuchen von Tante Monika gemischt, aber weil er erst fünf war und einen Sprachfehler hatte und unschuldig in die Gegend glotzte, traute man ihm so viel Hinterlist und Tücke nicht zu, und er, Kurt, musste mal wieder die Zeche zahlen.
Das war so lange her, dass es fast in einem anderen Leben gewesen zu sein schien. Tante Monika hatte eine Woche lang Durchfall und unter ihrem linken Auge blieb ein nervöses Muskelzucken zurück. Wie oft musste er sich später auf Familienfesten den vorwurfsvoll zuckenden Blick seiner Tante gefallen lassen. Aus dem Kurt, aus dem wird nichts, hörte er sie oft sagen.
Damals, als der Gürtel seines Vaters rote Furchen auf seinem Hintern zurückgelassen hatte, weinte er vor Wut und Schmerz. Heute weinte er vor Glück. Und bevor ihn seine Gefühle völlig trockenlegten, hörte die Musik so abrupt auf wie sie begonnen hatte.
Schwinge wischte sich das Wasser aus den Augen. Er blickte hinunter zum Strand von Fahrensodde, wo Anfang Mai 1945 die Leichen von 26 KZ-Häftlingen verscharrt wurden.
Sie kamen aus dem KZ Stutthof bei Danzig, zusammen mit 1000 Leidensgenossen. Die Überfahrt auf einem Lastkahn überlebten 630, unterwegs wurden die Leichen von der gut genährten SS-Wachmannschaft in die Ostsee geworfen. Hier vor der Marineschule, dem Amtssitz des Hitler-Nachfolgers Großadmiral Karl Dönitz, endete die Fahrt.
Das war nicht ohne Ironie, dachte Schwinge, denn gerade hierher hatten sich tags zuvor, am 2.Mai 1945, die gesamte Führungsriege der Konzentrationslager, wie der Kommandant des KZ Auschwitz, Rudolf Höß, und etliche Gestapo-Chefs verkrochen. Ein Stab von insgesamt 150 Männern, angeführt von Reichsführer-SS Heinrich Himmler. In jenen Tagen beherbergte die Stadt wie keine andere in Deutschland eine Bande von Massenmördern.
Im Polizeipräsidium wurden sie mit falschen Soldbüchern und Marineuniformen ausgestattet, und danach machten sich die Anführer der Herrenrasse aus dem Staub.
Er hatte auch nach der Rattengiftgeschichte noch oft Prügel für Dinge bezogen, die sein geistesschwacher Bruder getan hatte. Einmal waren es Reißzwecken im Sitzkissen der Mutter, ein andermal pisste er in den Kartoffelauflauf. Natürlich war gerade an dem Tag wieder Tante Monika mit ihrem zuckenden scheiß Auge zu Besuch. Aber er hatte nicht mehr geweint, er hatte die Prügel hingenommen, und sogar irgendwann aufgehört, seine Schuld abzustreiten. Denn dann schlug der Vater nicht ganz so hart.
Mit der hinterlistigen Schlauheit des Beschränkten hatte Rupert genau begriffen, dass solange seine Anschläge dieses besondere Maß an übler Tücke und Bösartigkeit ausmachten, er selbst niemals in Verdacht geraten würde. Und dass all das, was besonders widerwärtig und weit jenseits dessen, was Erwachsene gutmütig lächelnd einen Streich nennen, dass all das genau das war, was ihm offenstand!
Damals hasste er Rupert einfach und wollte ihm mehr als einmal nachts das Kissen ins Gesicht drücken. Erst viel später, eigentlich erst auf seiner Wanderschaft, hatte er verstanden, dass sein Bruder dieser verbotenen Welt, die sich ihm da anbot und auftat, schlicht nicht widerstehen konnte, und dass seine derben Streiche nicht gegen ihn gerichtet waren, sondern gegen den miefigen Schwingschen Mikrokosmos. Er, Kurt, war nur zur falschen Zeit am falschen Ort. Das aber leider ständig. Und so war er heilfroh, als er mit sechzehn eine Schusterlehre in Ostberlin beginnen konnte.
Das war 1972.
Wie schnell so ein Leben vergeht, dachte er, und wie unendlich lang es sich trotzdem manchmal hinzieht.
4
In der Morgendämmerung des nächsten Tages kroch Verena aus der Gruft und ging zum Pissen hinter einen Busch. Sie wollte an diesem Vormittag in das Diakonische Werk am Johanniskirchhof, wo es für Obdachlose einmal in der Woche die Möglichkeit gab zu duschen und eine Waschmaschine zu benutzen. Außerdem brauchte sie dringend ein paar Binden, denn ihre Regel hatte begonnen, und die Blutungen hatten fast sämtliche ihrer Unterhosen schon eingesaut. Papiertaschentücher halfen da nur bedingt.
Nach der Morgenzigarette und einem Becher lauwarmen Tees machte sie sich auf den Weg in das Stadtzentrum. Durch belebte Straßen zu gehen war für Verena immer eine Art Spießrutenlauf; sie vermied es, in die Gesichter der Menschen zu blicken, denn in denen sah sie meist nur Widerwillen und Ekel.
Das erste freundliche Gesicht an diesem Tag war das von Michael, dem Sozialarbeiter im Diakonischen Zentrum. Obwohl sie seit einem halben Jahr nicht mehr in der Tagesstätte gewesen war, erkannte er Verena sofort und begrüßte sie mit Namen.
„Hallo, Verena, setz dich doch erst mal an den Tisch und lang ordentlich zu!“
„Ich habe aber kein Geld“, sagte sie. Der Unkostenbeitrag für das Frühstück betrug 50 Cent.
„Sehe ich aus wie ein scheiß Bürokrat?“, antwortete er lächelnd und rückte ihr einen Stuhl zurecht. Nein, wie ein Bürokrat sah Michael nicht aus, eher wie ein Mensch, der selbst schon reichlich Licht und Schatten in seinem Leben gesehen hatte.
Dankbar setzte sich Verena an den Tisch und machte sich über frische Brötchen (Brötchen!) und heißen Kaffee (Kaffee!) her. Die Zigarette danach, mit vollem Magen, schmeckte so gut wie lange nicht mehr. Sie blickte sich um. Der Frühstücksraum war gerappelt voll. Außer ihr waren noch drei andere Frauen in der Tagesstätte, die überwiegende Mehrheit der Gäste waren jedoch Männer. Männer jeden Alters. Zigarettenrauch lag in der Luft - hier störte das niemanden. Es wurde geredet, geflucht, gelacht und geklagt. Michael und seine Kollegin füllten die Kaffeekannen nach und beteiligten sich an den Gesprächen, gaben hier und da einen Ratschlag – wo hatte der Zahnarzt, der Obdachlose kostenlos behandelt, seine Praxis, in welchen Geschäften konnte man mit einem Lebensmittelgutschein einkaufen, oder wo war die nächste Kleiderkammer und wann hatte sie geöffnet.
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