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Nun, immerhin war sie diesmal nicht ohnmächtig geworden. Dennoch fühlte sich ihr Fleisch völlig überdehnt und wund an. Obwohl ihre Anatomie dafür ausgelegt sein sollte, richteten sich ihre Organe nur langsam auf die neuen Umstände ein. Vor allem die Magensäure brannte ihr noch auf der Zunge.
Würde es etwas bringen, ihn zu bitten, sanfter zu sein?
Wohl eher nicht …
Ace stand unter der Dusche. Sheryl hörte das Wasser im Bad rauschen. Bis vor zehn Minuten hatte sie noch unter dem Wasserstrahl gestanden und sich die klebrigen Spuren fortgewaschen. Es widerte sie an. Der ganze Schleim, Schweiß und Gestank.
Ihn schien das Gemisch nicht zu stören. Er genoss den direkten Akt und wusste ziemlich genau, was eine Frau brauchte. Er konnte es ihr bieten, es ihr „besorgen“, bis sie quasi willenlos nach ihm gierte. Die Ekstase seiner Partnerin war ihm dabei unwichtig, selbst wenn sie schrie und sich an seine ach-so-tollen Körper klammerte, um dieses Gefühl zu erleben. Bestimmt hatte er schon mit Hunderten geschlafen, an Hunderten verschiedenen Orten auf Hunderte verschiedene Arten.
Und immer dachte Ace in erster Linie an sich und seine Befriedigung. Zwar kannte sie ihn kaum, doch seine Egomanie war nicht zu leugnen. Der Erfolg bei Frauen war bloß ein bauchpinselnder Nebeneffekt.
Sie dagegen … bezahlte nur ihre Rechnung.
Ob Sheryl etwas vom Sex hatte, stand für ihn nicht zur Debatte. Es war ein Geschäft ohne Emotionen, daher auch kein Hochgefühl für sie als … werdende Frau. Er war fertig, sie hatte das Nachsehen.
Ich lege ja keinen Wert darauf … Doch wenn ich wüsste, was daran so toll sein soll, könnte ich mich vielleicht besser auf ihn einlassen. Dann könnte ich unseren Deal wirklich versuchen, zu genießen …
Hauptsache, er wollte nicht auch noch eine Quittung für die gefüllte Cornflakesschüssel, die sie sich in seinerKüche gemacht hatte. Oder für die Klamotten, die sie aus seinemSchrank geholt und sich angezogen hatte. Nicht, dass er bei ihrem Anblick im losen Bademantel Bock auf eine zweite Runde bekam. So kurz hintereinander würde sie diese Prozedur niemals überstehen.
Sheryl öffnete die rot-weiße Milchpackung, die sie seinemfast leeren Kühlschrank entnommen hatte, und schnupperte vorsichtig daran. Schien nicht schlecht zu sein. Trotzdem trank sie einen kleinen Schluck mit Bedacht. Sie hatte Glück und begoss ihre Maischips.
Cornflakes, Milch, ein paar Eier, einige Konservengerichte – mehr gab Aces Wirtschaft nicht an Lebensmitteln her. So etwas wie Wasser oder gar Saft fand sie überhaupt nicht. Überlebte der Mann tatsächlich nur von Whiskey, Scotch und Zigaretten? In allen Küchenschränken fand sie größtenteils bloß Leere, da sie auf der Suche nach einer Schüssel gewesen war. Die toten Insekten und Spinnen in den Ecken versuchte sie zu übersehen.
Sie spülte einen Löffel im Abwasch ab und begann zu frühstücken. Laut Uhr war es erst kurz nach neun, was das Mädchen sehr überraschte. Sie rechnete eher mit fast Mittag. Ace kam sogar pünktlich zum Dienst – worin auch immer dieser bestehen mochte, denn vor der Rezeption bildete sich nicht gerade eine Menschenmasse.
Die Wasserrohre rauschten nicht mehr und sie hörte ihn husten.
Raucherhusten , vermutete sie ganz stark.
Mit einem Badetuch, welches um die schlanken Hüften geschlungen war, verließ er die Nasszelle … und hob bei ihrem Anblick verdutzt die Brauen, dass sich auf seiner Stirn erneut die Falten bildeten. Sie konnte genau sehen, wie seine Augen über die Camouflage-Hosen wanderten, die bei ihm kurz saß, ihr aber weit über die Knie ging. Ebenso das schwarze T-Shirt mit dem Bandaufdruck, das Sheryl mit einem Knoten und aufgerollten Ärmeln zum bauchfreien Top abgeändert hatte – jedoch hingen beide Klamotten noch ziemlich locker an ihr herunter.
Sie zuckte die Schultern und erklärte die stumme Frage: „Ich finde meine Sachen nicht.“
„Und da nimmste dir meine, okay …“, schnaufte er verdrießlich.
„Was sollte ich sonst tun?“
Er zuckte die breiten Schultern und behauptete: „Klar.
Deine Klamotten sind alle im Wäschesack – die standen vor Dreck. Die Reinigung kommt Mittwoch und Sonntag. Also nehmen die sie morgen mit und du hast sie nächste Woche wieder. Ich bestell dir auch was, so ist’s nicht. Dein Taschenmesser liegt bei mir in ’ner Schreibtischschublade – du rennst hier nicht mit ’ner Waffe rum. Neue Zahnbürsten findeste im Bad …
Aber was zum Geier machste überhaupt noch hier, eh?“
Er verschränkte die Arme vor der Brust und wirkte ungehalten.
„Frühstücken“, sagte sie wahrheitsgemäß. „Ich habe Hunger.“
Ace ging an ihr vorbei ins Schlafzimmer und maulte beim Laufen: „Kannst auch bei dir essen. Hab ich nicht gesagt, du sollst mir fernbleiben, wenn die Sache Sex erledigt ist?“
Sheryl hörte ihn im Kleiderschrank wühlen und versuchte, sich geduckt zu halten, indem sie sprach: „Entschuldigung. Ich dachte nicht, dass ich störe.“
„Störst immer. Wie gesagt, du hättest hier eigentlich gar nichts verloren!“, rief er ihr zu.
„Warum nicht?“, wollte sie wissen.
„Ist ’ne innerbetriebliche Chose. Häng dich bloß nicht rein, sonst fliegste raus!“
Das war sicher sein Ernst.
Sich wieder dem Essen zuwendend, beschloss Sheryl vorerst zu schweigen.
Angezogen, mit Zigarette im Mundwinkel, kam Ace wieder zu ihr in die Küche. Er trug ein erstaunlich sauberes schwarzes Hemd, dessen letzten silbernen Knopf er gerade schloss, zu gleichfarbigen kurzen Stoffhosen und Turnschuhen. Seine Haare fielen durch die Seife locker und luftig. Selbst den Wildwuchs seines Bartes hatte er gebändigt, sowie geölt und die Haut gekremt. So gesehen machte er wirklich einen gepflegteren (sogar gut aussehenden) Eindruck als gestern.
Nur sein Charakter blieb gleich.
„Bist ja immer noch da“, grummelte er auf den Weg zum Kühlschrank.
„Kann ich noch aufessen?“, fragte sie leise und bemühte sich, nicht trotzig zu klingen.
Zischend blies er den Rauch aus und knurrte: „Fein, aber dann geh. Schau dir ’n bisschen das Hostel an, guck dich im Lager um oder verlauf dich in der Wüste – aber geh mir nicht aufn Sack.“
Im Kühlschrank stand eine Flasche Mokkalikör, nach der er griff. Und aus dem Eisfach nahm er ein gefrorenes Glas. Damit kam er zum Tisch zurück, setze sich auf den noch freien Stuhl, dem Mädchen gegenüber, goss das Glas mit dem Likör voll und schüttete einen Schluck Milch dazu. Offenbar genügte ihm das starke Gebräu als Morgenkaffee.
Mit zusammengepressten Lippen blickte Sheryl die Flasche an. Es war kein gutes Zeichen, so früh am Tag Alkohol zu trinken. Sie schaute zu Ace, der allerdings nicht den Eindruck machte, als wolle er unbedingt reden. Eine Zeit lang waren die einzigen Geräusche zwischen ihnen das Knuspern der Cornflakes und das Ticken der Wanduhr.
„Die Ravioli sind weg“, erwähnte er kurz.
„Ja …“, murmelte sie. „Hab sie rausgeworfen.“
„Hab dich nicht drum gebeten …“, hieß bei ihm wohl „Danke“ .
„Wolltest du die etwa noch essen?“
„Quatsch … hab sie nur vergessen …“
„Wann?“
„Vorgestern … glaub ich.“
„Hast du keinen Hunger?“
„Nein“, brummte er und warf die Kippe in den leeren Aschenbecher.
„Den habe ich auch ausgekippt“, gestand sie.
Er grunzte. „In der Wüste, wie? Hier gibt’s auch Mülleimer.“
„S-soll ich hier sauber machen, während du arbeitest?“, bot sie ihre Hilfe freiweg an.
„Untersteh dich“, lehnte er sie derb ab.
Tick. Tack. Tick. Tack. Tick. Tack. Tick. Tack. Tick. Tack. Tick. Tack …
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