Ihre Aufgabe ist es uns mit ihren technischen Möglichkeiten und ihrem großen Fachwissen zu helfen, den Auftraggeber der illegalen Geldanweisungen heraus zu finden.
Den Rest erledigen wir! <<, sagte er in befehlender Weise.
>>Und warum wenden Sie sich nicht an den Sicherheitsdienst des BKA? Die EDV-Speziallisten haben doch die besten Möglichkeiten weit über Deutschland hinaus zu ermitteln, und die Kriminellen hinter Schloss und Riegel zu bringen. <<, fragte Kai, denn den Auftrag den er bekommen hatte, lies viele Fragen offen.
>>Das Finanzamt sie wissen ja! Wenn sie erst einmal einen Hinweis bekommen, durchsuchen sie gleich die ganze International Bank<< ,antwortete er entschuldigend und hoffte, dass er keine weiteren Fragen mehr stellen würde.
Dass hinter den Geldgeschäften die russische Mafia und andere Untergrund-Organisationen standen, wusste Kai Raimann zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
>>Ach noch etwas! Woran mir sehr viel liegt. Die Sache ist streng geheim! Und alle ermittelten Informationen nur an mich.
Auch bin ich der Einzige, der von ihrem Auftrag weiß! Der EDV-Leiter unseres Hauses wird in den nächsten zwei Tagen bei ihrem Chef in Frankfurt anrufen. Man wird sie anfordern und als Grund diverse Übertragungsfehler in unserem Datennetz angeben<< ,sagte von Anselm stand auf nahm ein Briefumschlag aus der Schublade seines Schreibtisches und hielt ihn Kai Raimann entgegen.
>>Es ist für den Anfang! Stecken sie es weg! Sie wissen ja, das Finanzamt! <<, merkte er wiederum an.
Kai nahm das Kuvert nur zögernd entgegen und bedankte sich.
Ja, warum sollte er es nicht annehmen? Es gab keine Quittung. Nichts musste er unterschreiben! Und was in dem Brief war, konnte man anhand der heimlichen Aufzeichnung, die Ruthard von Anselm vor ihrem Gespräch gestartet hatte, auch nicht beweisen, dachte er.
>>Also dann viel Erfolg! Es ist schön, dass sie uns helfen. Sollten sie einen Erfolg verzeichnen, melden Sie sich telefonisch bei Frau Borelli. Sie weiß Bescheid und stellt sie sofort durch in mein Büro<< ,beendete von Anselm plötzlich das Gespräch, da er es auf einmal eilig hatte.
Nachdem Kai sich von ihm kurz verabschiedet hatte, verließ er mit einem mulmigen Gefühl im Magen, sein Büro.
Im Vorzimmer stand noch der Kaffee, den die Sekretärin für ihn bringen ließ.
>>Ich lasse Ihnen einen neuen Kaffee kommen! <<, meinte sie, als sie Kai Raimann sah.
>>Nein, nein, nicht nötig! Ich trinke ihn auch kalt << ,antwortete er in dem Gedanken an das geheimnisvolle Kuvert, das er soeben bekommen hatte.
Nachdem er seine Tasse Kaffee in einem Zug ausgetrunken hatte, bedankte er sich noch einmal und verließ das Vorzimmer.
Was war in diesem Kuvert, das er an seiner Brust fühlte? Bei dem Gedanken, es könnten ein paar 1000 Euro sein, schlug ihm das Herz bis zum Hals.
Ohne lange zu überlegen, ging er auf die nächste Toilette, die in der Nähe war. Die vergoldeten Wasserhähne und die exklusiven Spiegel in der Toilette sah er vor Aufregung nicht mehr. Sich umsehend, als hätte er etwas gestohlen, ging er in eines der WCs und schloss sich ein.
Jetzt war er plötzlich völlig aufgeregt. Mit zitternden Händen holte er jetzt das Kuvert aus seiner Jackentasche hervor. Neugierig öffnete er den Briefumschlag, der geöffnet in das Kuvert eingeschlagen war.
Ihm stockte fast der Atem, als er die vielen 500 Euroscheine sah. So viel Geld hatte er noch nie auf einmal in der Hand gehalten. Oh Gott, wo sollte er hin mit dem vielen Geld? war sofort sein erster Gedanke.
Auf einer Bank konnte er es auf keinen Fall deponieren. Denn bei mehr als 10.000 € Einzahlung musste man die Herkunft des Geldbetrages nachweisen.
Ja! Und da war noch das Finanzamt mit ihrer Auskunftspflicht... Dass er eine große Summe Schwarzgeld in der Hand hielt, wurde ihm jetzt erst bewusst.
So richtig freuen konnte er sich nicht mehr, wenn er daran dachte, dass ihm das Geld, Unglück bringen könnte.
Seine Gefühle im Magen fuhren und die Gedanken in seinem Kopf fuhren jetzt mit ihm Achterbahn.
War es das Glück oder war es die Angst, die er in sich spürte?
Endlich hatte er die große Kohle, die er schon lange wollte.
Schnell sich nach oben umschauend, dass ihn ja keiner über die Trennwand der Toilette beobachtete, steckte er das Kuvert mit den Geldscheinen ein, drückte auf den Toiletten Spüler und öffnete die WC-Tür.
Erschrocken von dem, was er sah, blieb er für einige Sekunden stehen. Mit dem Rücken zu ihm stand plötzlich ein Mann an einem der Urinal Becken, der für ihn unbemerkt in die Toilette gekommen war. Was Kai auffiel, er stand nur da ohne zu Pinkeln. Hatte er ihn vielleicht die ganze Zeit beobachtet?
Als er dann an ihm vorbeiging, um das WC zu verlassen, drehte der Fremde sich um und grinste ihn höhnisch an.
Was wollte er von ihm? dachte Kai. Dann verlies er Eilens die Chefetage. Mit einem unguten Gefühl im Magen verließ er eiligst das Bankhaus.
*
Zur gleichen Zeit wird in Neapel der 22-jährige marokkanische Straßenhändler Ali Benjusuf vermisst.
Seine Kleidung wird von einer Polizeistreife am Strand von Genua gefunden. Der Personalausweis, den man bei ihm findet, ist gefälscht. Denn er war illegal mit einem Überseeschiff über Spanien nach Italien vor wenigen Wochen eingereist.
Von dem Geld, das er sich als Stricher und mit kleineren Drogengeschäften in Neapel verdient hatte, erkaufte er sich eine neue Identität.
Durch den neuen gefälschten Pass, den er vor wenigen Tagen bekommen hatte, fühlte er sich jetzt auf der sicheren Seite, wenn er in eine unverhoffte Polizeikontrolle kam.
Ahmed Jskandar, so lautete der richtige Name von Ala Benjusuf. Er war am 08.04.1998 im Libanon geboren und danach mit seiner Familie nach Marokko ausgewandert.
Seinen richtigen Pass behielt der Fälscher in Genua und gab ihn weiter an den „Roten Mond.“
So hatte die Untergrund-Organisation eine neue Identität, die man bei dem nächsten Mord der Polizei zuspielen konnte. Der gesuchte Mörder war somit niemals von der Justiz auffindbar. Den Lohn für die Ausstellung der gefälschten Papiere durfte der Fälscher selbst einbehalten.
Das Ala Benjusuf jetzt auf dem Zinktisch in der Pathologie der Universität Neapel lag, stand schon am Anfang seiner Flucht aus Afrika fest.
Noch lebte er und sah apathisch an die Decke.
Prof. Dr. Fuchs hatte ihm mit Morphin sein Bewusstsein ausgeschaltet bevor er ihm bei lebendigem Leib die TransplantationsOrgane entnehmen wollte.
Die Untergrund-Organisation „Roter Mond“ hatte dem Marokkaner Ala Benjusuf, als er in Genua ankam, gute Geschäfte versprochen, und ihn in die Universität nach Neapel einbestellt. Es geht um Menschenhandel von Afrika nach Europa, sagte man ihm.
In Wahrheit ging es um illegalen Organhandel. Dass er selbst das Organ besaß, das man benötigte, wusste er nicht.
Vor ein paar Stunden hatte man ihm in einem Nebenzimmer der Pathologie im Untergeschoss der Universität zur Begrüßung einen Drink angeboten, dem hoch dosiertes Betäubungsmittel beigemischt war.
„Auf gute Zusammenarbeit", sagte der hinterlistige Professor, der freundschaftlich mit einem Glas Champagner, mit ihm anstieß.
Um ihn danach auf einem Seziertisch in der Pathologie für seine illegale Organentnahme vorzubereiten.
Dieser kriminelle, korrupte Professor war Dr. Manfred Fuchs aus Deutschland!
„Der liebe Gott hat es mit mir nicht gut gemeint“, sagte er öfter verärgert vor sich hin, wenn er sich im Spiegel ansah. Sein knochiges schmales abgemagertes Gesicht auf deren knollige Nase eine Brille mit dicken Horngläsern saß, passte zu seiner hässlichen Erscheinung.
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