Neben diesem Sieg erweiterte er das osmanische Gebiet um große Territorien in Europa wie in Serbien, Griechenland (Morea), die Walachei, Trapezunt, Bosnien, Karaman und Albanien. Er stieß sogar bis nach Italien vor und nahm die Stadt Otranto ein, welche allerdings nach seinem Tod wieder aufgegeben wurde.
Sultan Mehmet II. stärkte die osmanische Flotte mit dem Ziel die venezianische Seehegemonie im Handel herauszufordern, was auch gelang. Zu diesem Zweck machte er durch die Eroberung der Halbinsel Krim (1475 n.Chr.) das Schwarze Meer zu einem osmanischen Binnenmeer.
In 1478 erließ Mehmet II. einen Ferman und bestätigte damit gegenüber Geistlichen in Bosnien die Glaubensfreiheit nach der Eroberung des Landes.
Neben seinen militärischen Eroberungen führte er eine zentralisierte und effektive Verwaltung des Reiches ein. Ebenso gab er eine schriftliche Gesetzessammlung des Hauses Osman heraus [Kanunname-i Aali Osman]. Mehr als 300 Moscheen, 57 Madrasa und 59 Bäder wurden unter seiner Herrschaft errichtet. Der Der Topkapi-Palast in Istanbul wurde zum neuen Herrschaftssitz. Er machte sich auch daran die Hagia Sophia umzubauen.
Mehmed II. hinterließ seinen Nachfolgern ein grausames Gesetz zur Legitimierung des Brudermordes.
Der Brudermord, zuweilen auch Kainismus genannt, wird die Ermordung des eigenen Bruders bezeichnet. Er ist eine der schlimmsten Sünden und größten Verbrechen im Islam. Das erste dokumentierte Verbrechen der Menschheitsgeschichte ist der Mord Kains an Abel.
Kain und Abel von Jacopo Robusti (1514-1594); Öl auf Leinwand; 149 x 196 cm; Venedig, Accademia
Im Osmanischen Reich war der Brudermord beim Amtsantritt eines neuen Herrschers im Zeitraum 15. bis 17. Jh. n.Chr. durchaus üblich, wobei selbst unschuldige Kleinstkinder ermordet wurden. Den Brudermord hat Fatih Sultan Mehmed offiziell als Gesetz eingeführt und damit gestattete es seine Nachkommen, den Brudermord durchzuführen, wenn es die "Ordnung der Welt" erfordere. Zahlreiche Hofgeistliche erließen Rechtsurteile, die selbst den Babymord als geringeres Übel bezeichneten mit der Begründung, dass der später Erwachsene zur Spaltung des Reichs führen könnte.
Das größte Massaker in diesem Bereich bewirkte Mehmed III., der 16 seiner Brüder ermorden ließ und diese zusammen mit ihrem Vater beigesetzt wurden. So stand auch die gesetzliche Lage hinsichtlich der Thronfolge gegen Dschem.
Am Morgen des 3. Mai 1481 wurde der Großwesirs Nischandschi Mehmed Pascha aus dem Schlaf gerissen.
Ein Peyk des Sultans teilte mit, dass Mehmed Chan verstorben war. Mehmed Chan hätte für seinen Tod keine ungünstigere Stunde wählen können. Der Tod durfte nicht sofort bekannt werden. Der Peyk und der Peschkirdar des Sultans, die vom Tode Mehmeds wussten, wurden schnell auf Veranlassung des Großwesirs von dessen stummen Diener, einen Sudanesen, im Zelt des Großwesirs erdrosselt, in den Teppich eingerollt und am Abend verscharrt.
Die Zeit der Herrschaft des Sultans war mit keiner anderen Epoche zu vergleichen. Die Menschen in den damals bekannten Teilen der Welt huldigten zwei Propheten - Mohammed oder Christus. Sultan Mehmed der Eroberer aber hatte seinen eigenen Gott - den Sieg. Für ihn tat er bedenkenlos alles. Nicht einmal die Kirche, der sich selbst Herrscher wie Osman und Orhan gebeugt hatten, vermochte ihn zurückzuhalten. Der Eroberer nahm ihr kurzerhand alle Ländereien und gab sie seinen Spahis zu Lehen, wodurch er sich eine Truppe mit ungeahnter Schlagkraft sicherte. Natürlich zog er sich dadurch den unversöhnlichen Hass der Geistlichen zu. Doch er war so mächtig, dass er ihnen unbedenklich den Rücken zuwenden konnte, der, ebenso lang wie breit, ihnen sogar noch Respekt einflößte.
Mehmed der Eroberer machte keinen Unterschied zwischen Rechtgläubigen und Giaurs. Jeder, der ihm dienen wollte und dazu in der Lage war, wurde in Stambul und im Topkapy aufgenommen. Als er vor Rhodos keinen Erfolg hatte, verkündete er in der ganzen Alten Welt, dass er einen Meister suche, der ihm einen Plan für die Belagerung der Ritterinsel entwerfen könne. Unter den Dutzenden Deutschen, Engländern und Franzosen gewann ein gewisser Meister Georg aus Preußen den Preis. Mehmed Chan wog die Zeichnungen reichlich mit Gold auf, und noch einmal so viel Gold schüttete er vor diesen Georg hin, dessen Familiennamen niemand erfuhr.
Für den Eroberer stand der Sieg über allem, dass man ihn aber nicht erringen konnte, wenn man sich von Verboten, Bedenken oder Gewissensbissen abhalten ließ. Mehmed Chan hatte, wie man heute sagt, keinerlei Vorurteile. Deshalb waren im Lager Ungläubige und Ketzer, nur durch den Namen Mehmed Chans zusammengeführt. An diesem Tag sollte das gewaltige Heer wieder aufbrechen. Wohin es gehen sollte, hatte der Sultan noch nicht verraten. Konnte man auch Siege ohne ihn erringen?
Der Verstorbene war vor allem war er lächerlich klein. Man sagt, dass gerade auffallend kleine Menschen großen Ehrgeiz in sich nähren. Historisch ist es bewiesen durch Friedrich den Großen und Napoleon. Mehmed Chan litt unter seiner Kleinheit. Bei jeder Begegnung mit ihm wurde festgestellt, dass er, der die halbe Welt beherrschte und die andere Hälfte bedrohte, hoch aufgereckt auf dem Diwan saß, während er seine Ratgeber auf dem Fußboden Platz nehmen ließ, damit er sie um einen Kopf überragte.
Bei ihm schien die Natur aus dem für einen großen Menschen bestimmten Fleisch einen kleinen geformt zu haben, indem er ihn nach unten zusammendrückte. Mehmed Chan vermochte die Finger nicht vor seinem Bauch zusammenzulegen: wenn er saß, berührten seine Füße nie den Boden, sie schaukelten bei jedem seiner häufigen Zornes- oder Freudenausbrüche. Er konnte urplötzlich von einer Stimmung in die andere verfallen. Seine Missgestalt zeichnete sich aber durch einen außerordentlich lebhaften, scharfen und tiefen Verstand aus. Ein kluger Mensch ist niemals grundhässlich, das gibt es einfach nicht. Und obwohl dem Sultan ein mehr breites als langes Gesicht gegeben hatte, obwohl ihm das Doppelkinn bis auf die Brust hing, obwohl ihm eine überaus schmale, gebogene Nase gewachsen war, zu der der kleine Mund mit der vorgewölbten dicken Unterlippe in keinem Verhältnis stand, und obwohl seine Augen den Löchern in einer Zielscheibe ähnelten, wirkte Mehmed Chan nicht hässlich.
Der tote Sultan wurde in einer Sänfte durch das Lager getragen. Voraus ritten die alle Baltadschis des Sultans und es folgten zwei Abteilungen Janitscharen.
Warum diese Geheimniskrämerei? Die hier Versammelten hätten sofort einen Aufstand angezettelt, wäre ihnen die Kunde vom Tod des Herrschers zu Ohren gekommen. Nach dem Tod eines Sultans meuterte das Militär und jeder, der von der Wesirwürde träumte, verteilte sein ganzes Vermögen unter die Janitscharen und die Geistlichkeit, um sie für sich zu gewinnen und eben an diesem Tag des Interregnums auszunutzen. Sie würden seinen Tod nutzen. Und sie hatten jemanden, auf den sie setzen konnten. Völlig rechtmäßig, sogar ohne Gewalt. Ihre Stütze war der Schehsade Bajezid. Man sprach viel von seinen Talenten. Er sei ein ausgezeichneter, unübertrefflicher Bogenschütze, hieß es, beherrsche gründlich die heiligen Schriften und verstehe zu reden.
Erzählt wurde, dass seine Tugenden offenkundig seien, ja dass er sie förmlich zur Schau trage, während er seine Laster geschickt verberge. Aber ohnehin hätte niemand Laster bei ihm vermutet. Der damals junge Mann hatte eine sehr wichtige Charaktereigenschaft: Selbstbeherrschung. Niemals ließ er vor fremden Augen seinem Zorn oder einer naiven Freude freien Lauf, wie es sein Vater gern tat. Bei ihm wusste man nie, was ihm gefiel und was ihn ärgerte. Aber gerade diese aalglatte Vollkommenheit stieß viele ab. Der Großwesir hielte die Begeisterung der Janitscharenaghas, der Mullas und einiger alter oder abgesetzter Wesire für Bajezid für ausgesprochen kurzsichtig. Ein Mann wie Bajezid würde die eigene Mutter hinters Licht führen, dessen war er sich sicher. Die Geistlichen bauten offensichtlich darauf, dass ein Kenner der göttlichen Wissenschaften und friedfertiger Rechtgläubiger sie aus der Erniedrigung und der Armut herausführen werde, in die der Eroberer sie gestoßen hatte. Eben diese Hoffnungen aber brachten den Großwesir auf den Gedanken, dass Bajezids Edelmut wie alles andere an ihm kein Zufall war. Er hegte sie bereits zu der Zeit, da Mehmed Chan seine Söhne wegschickte und den einen in Amasya, den anderen in Konya zu Statthaltern machte.
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