Für die benachbarten drei Wälder von Herzogenaurach ist größere Waldbienenzeidelei belegt.
Im Birkenbühl (Pirkeinenpuhel) waren "30 abores preparate pro apibus (30 für Bienen hergerichtete Bäume) et 6 vasa apum (Strohkörbe) in loco dicto an der zeydelweyden" , im Tanholz (Dohnwald) waren "4 vasa apum und 20 abores ad mellificandum preparatas" (zum Honig eintragen) und im Purchkholz (Burgwald) standen "5 vasa cum apibus und 20 abores pro apibus preparatas." (10)
„ Obwohl die Zeidlerprivilegien erst in der vorstehenden Urkunde ausführlich erwähnt werden (1350), mögen dieselben schon Jahrhunderte hindurch bestanden haben. Darauf weisen auch im Eingang der angeführten Verordnungen die Worte hin: ‚und haben uns gebeten und geflehet mit ganzen Fleiß, dass wir Ihn alle ihre Rechte, die hernach geschrieben stehen, die sie von langer Zeit bisher gehabt haben, von den Zeidelguten, auf dem vorgenannten Walde, bestettigen und confirmiren sollen.‘ “ (11)
Dort wird auch eine lehensrechtlich begründete Kriegsdienstpflicht der Zeidler erwähnt. Die Zeidler waren nur verpflichtet, im Raum zwischen den "vier Wäldern", d. h. Thüringer-, Böhmer-, Schwarzwald und Schwäbischer Jura, und nicht darüber hinaus, z. B. in Italien, zu dienen, da bei längerer Abwesenheit ihre Bienen zugrundegegangen wären, deren Pflege einer geübten Behandlung bedurfte. (10)
Die Zeidler, so nannte man damals die Imker, hatten besondere Privilegien. Es gab eigene Zeidelgüter in den Wäldern und eine eigene Gerichtsbarkeit.
"Unser lieb getreu, die Zeidler gemeiniglich, uff unsern und des Reichs Walde bei Nürnberg gelegen" (7) erhielten im Jahr 1350 von König Karl IV. das Privileg einer eigenen Gerichtsbarkeit, Zollfreiheit ihrer Produkte und das Recht, eine eigene Tracht und eine Armbrust zu tragen. (7)
Nur die Köhler und die Zeidler durften im Wald Feuer entfachen. Die Zeidler waren auch als Forsthilfsbedienstete tätig. Als Steuer wurde am 11. November, zum Martinstag, Honig abgegeben. (12)
Dieser Honig wurde nach der Schwarmmethode gewonnen.
Erst später musste Honiggeld gezahlt werden. Im Frühjahr wurde den Bienen der Überschuss an Honig genommen. Deshalb fanden zu Fastnacht die Honigmärkte statt. Der zu Bamberg hat sich bis in unsere Tage erhalten. (12)
Das Zeidelgericht befand sich in Feucht.
Bild 10: Wappen der Stadt Feucht
Bild 10: Wappen der Stadt Feucht
Hier ist im Rathaus der Wandspruch zu lesen:
"Das Feuchter Wappen schließt die Biene ein - ihr Fleiß soll uns stets Vorbild sein .“ (7)
Vor dem Zeidelgericht war ein Bienenvolk so viel Wert wie eine Kuh!
Die letzte Gerichtsverhandlung fand im Jahr 1779 statt. Bei den Salfranken kostete der Diebstahl eines auf dem Hof befindlichen (nicht frei am Waldrand stehenden) Bienenkorbes 45 Schillinge, d. h. soviel wie der Diebstahl eines Zuchtbullen. (7)
Es gab noch ein weiteres Gericht in Kronach, das Triebelgericht (judicium mellicidorum). Hier wurde das letze Urteil am 13. Juli 1742 gesprochen. Damals wurden die Zeidler von den Wachszinsen befreit.
Vor dem Triebelgericht mussten die Zeidler sich zunächst an einen Butigler, einen Ministerialbeamter, wenden. (7)
Neben einer eigenen, niederen Gerichtsbarkeit und einem angesehenen Berufsstand hatten Zeidler auch die Befugnis, Waffen zu tragen.
Noch heute finden sich vor allem im Nürnberger Umland zahlreiche Hinweise auf das dort früher blühende Zeidlerwesen. Der Honig war besonders für die Nürnberger Lebkuchenproduktion wichtig.
Der am 24.10.1648 geschlossene Westfälische Friede beendete den Dreißigjährigen Krieg.
In einer Kriegsschadenaufstellung finden wir im Herzogenauracher Stadtarchiv die Auflistung der Schäden, die einquartierte " Pfuhlische Reiter " angerichtet haben: (10)
• Das Gotteshaus Büchenbach fordert für einen gestifteten, aber durch die Reiter aufgebrochenen Bienenstock 2 Gulden.
• Hans Herold fordert für einen "gesterbten" und ausgebrochenen Bienenstock 2 Gulden.
Michael Mayer fordert 2 Gulden für einen aufgebrochenen und Hans Edelmann ebensoviel für einen verwüsteten Bienenstock und eine Witwe 6 Gulden für "3 Bienenstöck, so ihr ausgebrochen und verwüst wurd."
Nach dem Dreißigjährigen Krieg verlor die Zeidlerei zunehmend an Einfluss. Das lag vor allem an folgenden Faktoren:
• Durch die Reformation wurde die Nachfrage an Wachs geringer.
• Importierter Honig und Wachs ersetzten die lokale Herstellung.
• Eingeführter Rohrzucker, der im 17. Jahrhundert aber nur für höhere Einkommensschichten erschwinglich war, substituierte Honig.
• Der Anbau von Zuckerrüben im 19 Jahrhundert deckte in hohem Maße den Bedarf.
Im Rahmen des Naturschutzes gibt es in Mitteleuropa vereinzelte Versuche, Bienenvölker im Wald anzusiedeln und die Zeidlerei wieder aufzunehmen. (13)
2.6 Die Herzogenauracher Imkerei im 19. Jahrhundert
Die Herzogenauracher Viehzählungsliste vom 16.10.1818 gibt an, dass 22 Bewohner 77 Bienenstöcke besaßen: zwei je zehn, zwei je fünf, sechs je vier, drei je drei, fünf je zwei und vier je einen. (7)
Am 22.7.1891 gründet Sanitätsrat Dr. med. Hans Walther den Verein als Geflügel- und Bienenzuchtverein und wird 1. Vorsitzender.

Abbildung 5: Sanitätsrat Dr. med. Hans Walther, Autor: unbekannt, Lizenz: public domain
Mehr Informationen zur Vereinsgeschichte sind im Buch
„Die Geschichte des Imkerwesens in Herzogenaurach“ zu finden.
Конец ознакомительного фрагмента.
Текст предоставлен ООО «ЛитРес».
Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию на ЛитРес.
Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.