»Dann nennen Sie uns doch bitte den Namen und die Anschrift der Werkstatt in Freising. In ein paar Minuten sind dann die Kollegen vor Ort und können Ihre Angaben überprüfen. Dann ist alles geregelt, und Sie können wieder gehen.«
»Ich kenne aber die Werkstatt nicht, und in Freising war ich auch noch nie. Ein Mechaniker war so nett gewesen, mich zur S-Bahnstation zu fahren.«
Die Polizeibeamten lachten sich an. Die Vernehmung begann, Spaß zu machen. Es war eine Abwechslung im Einerlei der Anzeigen und Unfallaufnahmen in und um ihre Polizeiinspektion 48 im rund vier Kilometer entfernten Oberschleißheim. Mal sehen, wann der Trickbetrügerin die Antworten ausgehen!
»Eine Markenwerkstatt?«
Stefanie rieb die Hände aneinander. »Ich sagte doch, ich habe nicht darauf geachtet, und mit Autos kenne ich mich nicht aus.«
»Was fährt denn Ihr Freund Andreas? Dann hat er wohl eine Fachwerkstatt seiner Marke aufgesucht.«
»Ich habe kein Schild einer Automarke entdeckt. Auf dem blauen Firmenschild war ein weißes Auto von vorn, darunter ein Schraubenschlüssel.« Stefanie fühlte sich immer unbehaglicher. Sie hatte sich gesetzt und rutschte nervös auf dem Küchenstuhl hin und her. Nun tuschelten die Beamten auch noch miteinander!
Die Polizistin wandte sich Stefanie zu, baute sich vor ihr auf, eine kräftige Frau. Mitte vierzig, schätzte Stefanie. Wenn sie aufstehen wollte, hätte sie sicher keine Chance gegen die Stärkere.
»Dann rufen Sie Ihren Komplizen doch einfach einmal an. Aber wehe, Sie sagen etwas Falsches! Behaupten Sie, das Geld bekommen zu haben, und Sie bräuchten die Werkstattadresse für Ihren Rückweg. Noch mal: Wehe, Sie verplappern sich!«
»Aber ich …«
»Anrufen! Sie haben doch wohl ein Handy?«
Stefanie nickte stumm, hatte keine Kraft mehr zu widersprechen. Elend fühlte sie sich und eingeschüchtert. Mit fahrigen Bewegungen fischte Sie ihr Smartphone aus der Handtasche, entsperrte es mit ihrer Geheimnummer und tippte auf das Profilfoto ihres Freundes.
Die Polizisten schauten mit ihr auf das Display, Frau Bertram hatte die Vernehmung wortlos beobachtet, sah die drei Personen gespannt an. Sie freute sich, der Polizei bei der Festnahme von Trickbetrügern geholfen zu haben. Nun war sie neugierig mitzuerleben, wie eine Vernehmung vor sich ging. Selbst erlebt war das besser als Aktenzeichen XY! Und gab genügend Gesprächsstoff für das nächste Damenkränzchen beim Chinesen.
Stefanie brauchte drei Versuche, das Profilfoto zu treffen. Die Verbindung wurde aufgebaut. Eine Melodie erklang, Stefanie atmete erleichtert auf. Es war das Rufsignal von Andreas´ Smartphone. Sie stutzte. Schön, das Signal zu hören, aber wieso kam es aus ihrer Handtasche?
»Sch…ande!«
Sie beeilte sich, den Reißverschluss der Innentasche zu öffnen, rupfte zu stark, er verklemmte sich, sie bekam ihn nur nach und nach auf. Endlich hielt sie das schwarze Gerät in der Hand.
Die Polizisten grinsten, Stefanie war sich sicher, Häme und Schadenfreude zu erkennen.
»Äh, ich hatte ein Gespräch zu Ende geführt, das er mit einem Bekannten begonnen hatte und vergessen, ihm das Handy zurückzugeben.«
»Den Trick hat uns bisher noch niemand vorgeführt. Was versprechen Sie sich eigentlich davon?«
Stefanie wusste sich nicht mehr zu helfen. Die ersten Tränen drückten sich aus den Augenwinkeln und rollten ihre Nasenflügel entlang.
Der Rest war für die Beamten Routine. Sie hatten sich schon von Frau Bertram verabschiedet und waren mit Stefanie auf dem Weg zur Wohnungstür. Das Handy der Polizistin meldete sich. Sie zog es aus dem Etui, sah ihren Kollegen und Frau Bertram verlegen an, hob die Schultern, Stefanie ignorierte sie.
»Entschuldigung, das kann länger dauern. Aber es ist wichtig.«
Das Telefonat der Beamtin dauerte eine Viertelstunde, sie hatte die Welt um sich herum ausgeblendet. »Jetzt habe ich in die Fliesen rund um Frau Bertrams Küchentisch wohl eine Furche gelaufen.« Halblaut sprach sie im Scherz zu sich selbst, als sie endlich auf dem Display auf den roten Balken mit dem Hörersymbol drückte. Sie öffnete die Küchentür, trat in die menschenleere Diele und wandte sich nach links den Stimmen zu, schaute ins Wohnzimmer.
»Ich bin fertig.« Sie strahlte. »Es ging um meine Beförderung. Nächsten Monat ist es soweit.«
»Na, dann meinen Glückwunsch!« Ihr Kollege lachte ihr zu, als er sich mit beiden Händen an den Eichenarmlehnen aus dem schweren Plüschsessel hochstemmte.
»Da gratuliere ich aber«, fiel auch Frau Bertram in die Glückwünsche ein.
Stefanie sagte nichts, sie blickte demonstrativ unbeteiligt aus dem Fenster.
»Ich habe mittlerweile die Personalien aufgenommen«, brachte der Polizeibeamte seine Kollegin beiläufig auf den neuesten Wissensstand und griff an seinen Gürtel.
Die Handschellen klickten um Stefanies Handgelenke. Sie weinte. Die Polizisten blieben ungerührt, schoben sie in die Diele. Der Polizist hatte schon die Hand auf die Klinke der Wohnungstür gelegt. Er drehte sich nochmal um.
»Das haben Sie prima gemacht, Frau Bertram. Wenn nur alle Senioren so aufgeweckt wären, uns anzurufen, sobald sich jemand mit dem Enkeltrick bei ihnen meldet. Bevor der Betrüger in die Wohnung kommt! Wir kommen morgen nochmal vorbei, dann können Sie das Protokoll unterschreiben. Und nun auf Wieder…«
Die schrille Klingel über der Wohnungstür übertönte den Rest seines Grußes. Der Uniformierte brauchte eine Sekunde, um sich zu sammeln. Er riss die Tür auf und blickte einem jungen Mann direkt in die Augen. Sein Blick glitt an ihm herunter. Legere Geschäftskleidung. Ein Pilotenkoffer stand neben ihm.
Der junge Mann schaute von einem zum anderen. Seine Brauen hoben sich. Stefanie hielt ihm ihre Handgelenke hin.
»Was soll das? Kann mir bitte einer erklären, was die Polizei mit meiner Freundin vorhat? Hallo, Oma!« Er bückte sich, schob die Verlängerung seines Rollenkoffers ein und hob ihn am Griff hoch. In der Diele beugte er sich zu der alten Dame herab und umarmte sie. Er drückte sie herzlich. »Du hast dich gar nicht verändert.«
Er richtete sich wieder auf, schaute die beiden Polizisten an. Herausfordernd hob er das Kinn, hatte sich schon auf eine heftige Diskussion vorbereitet. Plötzlich zogen sich seine Mundwinkel auseinander, seine Gesichtszüge entspannten sich.
»Ist gut, ich verstehe. Es sieht wirklich nach Enkeltrick aus! Naja, war schon blöd. Als Stefanie so lange weg war, wollte ich sie anrufen, hab´ aber mein Handy nicht gefunden. Der Mechaniker hat mir zwar sein Telefon angeboten, ich habe aber Stefanies Nummer und die von meiner Oma eben nur auf meinem Handy gespeichert. Da bin ich halt losgefahren. Mein Auto ist repariert, die Werkstatt hat mir bis morgen ein Ersatzfahrzeug gegeben. Wenn wir uns jetzt beeilen, sind wir wieder in Freising, bevor die Werkstatt zumacht.«
»Hallo, Andreas, es ist schön, dass du gekommen bist.« Oma Bertram hatte ihn endlich wiedererkannt. Sie schob sich an den Polizisten vorbei und drückte ihn.
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