Ulrich Pätzold - Sonnenfinsternis
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Madame schaut von Schatz zu M und wieder zurück. Irgendetwas ist ungewohnt und irritiert sie. Die Unterlagen für die Sitzungswoche hat sie wie immer professionell zusammengestellt und übersichtlich entsprechend der Tagesordnung in Mappen abgelegt. Sie liegen unberührt auf dem Schreibtisch von M. Der Block auf dem Schoss der Sekretärin muss etwas enthalten, was sie bisher nicht kennt. Das gefällt ihr ganz und gar nicht. Sie ist pünktlich ins Büro gekommen, doch die beiden waren noch früher da und haben bereits etwas zu Papier gebracht. Hoffentlich ist es etwas Privates, beruhigt sie sich. Wahrscheinlich hat er ihr einen Brief diktiert, der mit seiner Krankheit zusammenhängt, die ihn vergangene Woche daran gehindert hatte, an den Sitzungen im Plenum teilzunehmen.
Bevor sie selbst nachfragen kann, ist das Wort schon wieder bei M. „Madame, ich bitte Sie, in der nächsten Zeit alles liegenzulassen und Ihre volle Aufmerksamkeit und Ihr ganzes Können ausschließlich auf Folgendes zu lenken: Was können wir über die drei Buchstaben DWB wissen? Wie müssen wir die Flugblätter interpretieren, die letzte Nacht nach dem Anschlag auf das Löbe-Haus gefunden wurden? Dabei achten Sie aber besonders auf die sprachlichen Eigenschaften des Pamphlets. Und – das ist heikel, ich weiß – aber versuchen Sie es trotzdem: Gibt es vielleicht Zusammenhänge zwischen den Anschlägen auf unser Parlament und der kürzlich in Friedrichshain registrierten Schießerei in der Straße der Pariser Kommune, bei der ein neunjähriger Junge schwer verletzt wurde?“
Für einen Augenblick genoss M die Verwirrung, die er bei den beiden Frauen feststellte. Madame reagierte völlig ungeschützt. Sie hatte nichts verstanden, zumal sie von dem angeblichen Anschlag bisher nichts erfahren hatte. Etwas trotzig sagte sie M offen, sie habe im Augenblick wirklich keine Ahnung, wovon ihr Chef spreche, werde sich aber selbstverständlich sachkundig machen. M steht nun auf, schaut auf seinen Schreibtisch, lächelt dann seine beiden Mitarbeiterinnen an und meint: „Ihr macht das schon. Lest mal gründlich die Zeitungen von heute. Dann wisst ihr, wovon ich rede und was jetzt politisch geboten ist. Ich verlasse mich auf euch.“ Er nimmt sich seine Sitzungsunterlagen für den Plenarsaal unter den Arm und verlässt mit aufrechtem Gang sein Büro. In dreißig Minuten werden die Klingeln und roten Lämpchen die Abgeordneten in den großen Saal rufen. M wird pünktlich auf seinem Platz sitzen.
Gewissenhaft erfüllt er seine Verpflichtungen an diesem Montag. Zuverlässig hebt er bei den Abstimmungen seine Hand, obgleich er selten bei der Sache ist. Die Tagesordnung kommt ihm an diesem Tag entgegen. Um 17.00 Uhr ist er ein letztes Mal gefragt. Danach kann er den Plenarsaal verlassen, denn nun folgen nur noch Berichte und unstrittige Überweisungen an die Ausschüsse. Die Kollegengespräche auf den Fluren sind an solchen Tagen nur oberflächlich, Routinen bestimmen den Sitzungsalltag. Dennoch hat es ihn ein wenig geärgert, dass keiner seiner politischen Freunde danach gefragt hatte, wie es ihm gesundheitlich gehe. Schließlich war er einige Tage lang nicht unter ihnen gewesen. Es mühte ihn, das Wort „Hinterbänkler“ nicht in seinen Gemütszustand hinein zu lassen.
Eiligen Schrittes zog M aus dem Reichstagsgebäude über die langen Flure in sein Büro. Schatz und Madame hatten es bereits verlassen. Auf seinem Schreibtisch war es wie immer aufgeräumt. Die Unterschriftenmappe lag in der Mitte auf ihrem Platz. Seine Unterlagen aus dem Plenum waren chronologisch geordnet. Was erledigt war, kam in die Abteilung „Ablage Madame“. Die legte er auf den Schreibtisch seiner Mitarbeiterin. Den Rest, eine dickere Mappe, behielt er in seinem Zimmer in seiner Obhut für den nächsten Tag. In ihr waren die Unterlagen entsprechend der Tagesordnung zusammengestellt, die für ihn ab 9.15 Uhr des folgenden Dienstags galt. Im Verwalten seiner Laufmappe war er sehr sorgfältig. Diese Mappe legte er griffbereit auf den kleinen Tisch in der Besprechungsecke.
Er setzte sich an seinen Schreibtisch und öffnete die Unterschriftenmappe. Vorne lagen die beiden Briefe, die er Schatz diktiert hatte. Er las sie noch einmal konzentriert durch und hatte dabei das Gefühl, für die Politik wirklich wichtig zu sein. Aus einer Schublade holte er einen kostbaren Füllfederhalter mit einer goldenen Feder. Der war ein Geschenk eines Unternehmers aus seinem Wahlkreis, der ihm freundschaftlich verbunden war. M sitzt staatsmännisch mit aufrechtem Rücken vor seinem Schreibtisch, öffnet seinen Füller, neigt den Kopf leicht nach rechts, führt die Feder zu der vorbestimmten Stelle am Ende des Textes und unterschreibt mit seiner markanten Signatur, innerlich mit gefühlter Würde, ein wichtiges Dokument nun auf den Weg zu bringen.
Unter anderem lag in seiner Mappe eine Notiz von Madame: „Ihr Hinweis auf sprachliche Eigentümlichkeiten des Pamphlets der DWB ist interessant. An Ihren Vermutungen könnte etwas dran sein. Tarnung ist ja heute ein weit verbreitetes Mittel in öffentlichen Bekundungen. In der Sache bin ich nicht darüber hinausgekommen, was Ihnen bereits bekannt ist. Anders als Sie sehe ich aber noch keinen parlamentarischen Handlungsbedarf, da eine Verdunklungsgefahr oder ein Versagen der staatlichen Stellen noch nicht zu erkennen ist. Vielleicht sollten Sie mit ihrer Unterschrift unter den Briefen noch etwas warten. Die Angelegenheit scheint mir bei der Staatsanwaltschaft im Augenblick ausreichend gut aufgehoben.“
M ärgert sich über diese Einschätzung. Er überlegt nicht lange, was Madame zu diesen Zeilen bewogen haben könnte. Er hält seine Mitarbeiterin für klug, aber für zögerlich. In seinem Kopf steht fest das Wort: „Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.“ Er holt zwei Briefumschläge, tütet seine Briefe ein, schaut sich noch einmal kurz im Büro um und verlässt schnell die Räume. Die Briefe befördert er in die Hauspost und entfernt sich aus dem Bundestag. Bereits gegen 18.00 Uhr ist er wieder in seiner Charlottenburger Wohnung. Dorthin hat er sich mit dem Fahrdienst des Bundestages befördern lassen. Ausspannen, etwas Abstand gewinnen, früh ins Bett gehen ist sein Programm.
Bilder und Informationen der vergangenen Tage gehen ihm durch den Kopf. Macht, Schicksal, Verantwortung, Irritationen sind ihm Koordinaten, die es ihm schwer machen, seine Identität und sein Persönlichkeitsprofil klar zu erkennen. Kosmische Einflüsse auf das Tagesgeschehen sind stets auf seinen Rechnungen, wenn er über sich nachdenkt. Sie gehören zu seinen privaten Überzeugungen. Er weiß, sie sind kaum mit den intellektuellen Anforderungen an einen Politiker zu vereinbaren. Deshalb spricht er darüber mit keinem und lässt als Bundestagsabgeordneter nicht erkennen, welche Bedeutung sie für ihn haben. Er kann sich die Logik solcher Einflüsse nicht erschließen. Die Wirkungen sind für ihn offensichtlich, aber die Wirkungszusammenhänge kann er nicht erkennen. In seiner Person lagern Schichten, die jenseits der Politik ein üppiges Leben führen und auf ihm nicht bekannte Weise den privaten Menschen M mit dem politischen Menschen M verbinden.
Er glaubt daran, dass es Medien gibt, die kosmische Einflüsse auf seine Persönlichkeit zu lesen und zu vermitteln verstehen. Diese Medien leben versteckt unter den Menschen und sind Personen, die mit Politik nichts zu tun haben. M zieht es zu solchen Personen, die einen Zugang zu dieser anderen Ebene der Gesetze über Leben und Geschehen auf der Erde haben. Es würde ihn auch zu diesen Personen ziehen, wäre er nicht in der Politik. Aber er verspricht sich ein zusätzliches Kraftfeld für seine berufliche Tätigkeit, wenn er die Logik des Irrationalen zulässt. In seinen Aufzeichnungen findet sich der Satz: „Über eine Wahrsagerin als Medium kosmischer Konstellationen für unser Leben gewinne ich Hinweise für meinen politischen Kosmos. Von außen gesehen wird man mich als Politiker mit Machtinstinkten zu begreifen versuchen. In Wirklichkeit sind meine Instinkte das Ergebnis eines Lebenslaufs, dessen Rationalität mir selber verborgen bleibt. Was ich nicht nach außen kommuniziere ist meine Gewissheit und die daraus resultierende politische Praxis, dass neben Religion oder Natur ein kosmisches Regulativ für die Entwicklungen auf der Erde mitbestimmend ist.“ Er glaubt, mit seiner Wahrsagerin einen schicksalshaften Glücksgriff gemacht zu haben, obgleich er sie als Person nicht mag, sie ihm als Frau zuwider ist.
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