Ulrich Pätzold - Sonnenfinsternis
Здесь есть возможность читать онлайн «Ulrich Pätzold - Sonnenfinsternis» — ознакомительный отрывок электронной книги совершенно бесплатно, а после прочтения отрывка купить полную версию. В некоторых случаях можно слушать аудио, скачать через торрент в формате fb2 и присутствует краткое содержание. Жанр: unrecognised, на немецком языке. Описание произведения, (предисловие) а так же отзывы посетителей доступны на портале библиотеки ЛибКат.
- Название:Sonnenfinsternis
- Автор:
- Жанр:
- Год:неизвестен
- ISBN:нет данных
- Рейтинг книги:4 / 5. Голосов: 1
-
Избранное:Добавить в избранное
- Отзывы:
-
Ваша оценка:
- 80
- 1
- 2
- 3
- 4
- 5
Sonnenfinsternis: краткое содержание, описание и аннотация
Предлагаем к чтению аннотацию, описание, краткое содержание или предисловие (зависит от того, что написал сам автор книги «Sonnenfinsternis»). Если вы не нашли необходимую информацию о книге — напишите в комментариях, мы постараемся отыскать её.
Sonnenfinsternis — читать онлайн ознакомительный отрывок
Ниже представлен текст книги, разбитый по страницам. Система сохранения места последней прочитанной страницы, позволяет с удобством читать онлайн бесплатно книгу «Sonnenfinsternis», без необходимости каждый раз заново искать на чём Вы остановились. Поставьте закладку, и сможете в любой момент перейти на страницу, на которой закончили чтение.
Интервал:
Закладка:
Der Abgeordnete M, im Innenausschuss des Bundestages für Innere Sicherheit zuständig, fühlt sich herausgefordert. Das Wochenende zwischen der Sonnenfinsternis und der Sitzungswoche des Parlaments nutzt er hektisch für Recherchearbeiten. Er beginnt für seine privaten Aufzeichnungen eine neue Kladde, die er mit dem Titel überschreibt: „Im Jahr der Sonnenfinsternis“.
Solche Kladden begleiten seinen Aufstieg aus der kommunalen Politik in die gehobenen Kreise der Politik in Berlin. M schreibt in sie regelmäßig, oft in der Form eines Tagebuches, aber auch in der Form von Visionen und Konzepten, für die er sich eine führende Rolle reserviert. Beide bisherigen Kladden hatten die gleiche Überschrift „Wenn ich Kanzler wäre I“ und „Wenn ich Kanzler wäre II“. Für M hatten die Kladden eine große Bedeutung. Nicht so sehr die einzelnen Inhalte waren es, die ihm ans Herz gewachsen waren. Wichtiger war ihm eine andere Erfahrung: Sammelte er sich und schrieb in die Kladde seine Sätze, fühlte er sich in seiner Rolle als Politiker aufgewertet, spürte die Potenziale in sich, mit Macht umgehen zu können. Dann hatte er ein kaum beschreibbares Gefühl, was es bedeutet, ein Politiker zu sein. Oft wurde er mit der Frage konfrontiert, welche Macht er als Abgeordneter habe. Er wusste die Frage anderen Menschen gegenüber nur mit stereotypen Wörtern zu umschreiben wie Verantwortung, Gestaltung der öffentlichen Angelegenheiten, Mitwirkung am politischen Regierungskonzept, Arbeit an guten Gesetzen. Wenn er vor seiner Kladde saß und schrieb, war das ganz anders. Dann sah er die Welt ohne sich als etwas Unförmiges, als eine zerklüftete Landschaft aus Lug und Betrug, in der Menschen wie er mit der Kraft ihres Wissens und ihres Daseins Schlimmeres verhüten. Schrieb er an sich selbst, war er ein Mann, den er sehr achtete, der ihm aber auch unheimlich war. Es entstanden dann Gefühle, nach denen er süchtig war. M widersetzte sich seinen Gefühlen nicht. In seiner Kladde lebte er seine Sucht aus, rührte an tieferen Schichten seines Inneren, die im Alltag völlig zugedeckt waren.
Die neue Kladde mit den Aufzeichnungen nach der Sonnenfinsternis beginnt mit den Sätzen: „Eine deutsche Widerstandsbewegung hatte es in der Sowjetzone der 50er Jahre gegeben. In ihr waren sicher ehrenhafte Männer. Aber wir kennen sie nicht. Sie verschwand spurlos.“ M war auf der einen Seite stolz, ganz von allein einem Skandal auf die Spur gekommen zu sein, dessen politische Tragweite noch gar nicht abzusehen war. Auf der anderen Seite erregte ihn die Vorstellung, weil er nicht ausschließen konnte, dass sein Besuch bei der Wahrsagerin ihn eigentlich auf die Spur gesetzt hatte, ohne dass er sich genau erinnern konnte, was dort bei dieser Frau mit ihm geschehen war. Der Besuch in Friedrichshain am Nachmittag des Tages der Sonnenfinsternis war ihm in den Knochen stecken geblieben. Er quälte sich, durch intensives Nachempfinden herauszufinden, welche Botschaften die Frau ihm überbracht hatte. Auf dem Weg, das irgendwie haften gebliebene Kürzel DWB zu entwirren und mit Anschlägen gegen seine Republik in Verbindung zu bringen, schwirrten immer wieder Assoziationen und Wortfetzen durch seinen Kopf, von denen er nicht wusste, welchen Ursprung sie hatten. Mit der Zeit jedoch war er sich immer sicherer geworden, dass bei der Verabschiedung von seiner Wahrsagerin noch ein Satz von ihr gesprochen worden war, der zunehmend als Last des Besuchs auf seiner angespannten Seele lag. Als er nämlich die Frau nach dem Tag der Sonnenfinsternis tief in der Nacht verlassen hatte, und sie im matten Schein der Kugel Auge in Auge sehr nahe gegenübersaßen, hatte sie seine beiden Hände fest gedrückt, was bei ihr nie üblich war, und hatte fast ängstlich mit unterdrückter Stimme geflüstert: „Es wird sehr bald etwas Fürchterliches geschehen, das unser ganzes Land in Schrecken versetzen wird. Ich sehe, wie etwas in voller Wucht zerschellt, sehe einen Regen aus Trümmern vom Himmel fallen.“ Ihre Stimme war dann erloschen, und die Wahrsagerin hatte ihn schnell aus der Tür gedrückt und sie hinter ihm laut verschlossen.
M kann sich gut erinnern, wie unsicher seine Schritte auf der Straße waren, obgleich er sich viel Mühe gab, keinerlei Aufsehen zu erregen. Er winkte sich ein Taxi und ließ sich in ein ihm bekanntes Hotel in die Mitte der Stadt fahren. Er hatte nur wenige Sachen in eine Handtasche gesteckt, als er seine Wohnung am Nachmittag des Tages der Sonnenfinsternis verlassen hatte. Unter den wenigen Sachen war auch die neue Kladde. Er blieb von der Nacht bis zum Montag früh im Hotel. Seine einzigen Ausflüge in dieser Zeit führten ihn zur Polizei. Dort hatte er mit dem Kommissar Peter L. einen vortrefflichen Informanten getroffen.
Er hatte herausgefunden, dass es in den letzten Monaten jeweils in der Nacht vom Sonntag auf den Montag vier Anschläge gegeben hatte, deren Handschrift gleich war und auf ein und denselben Täter hinwiesen. Dennoch blieben Hintergründe und Tatabläufe rätselhaft. Brandsätze, die alle ohne großen Schaden anzurichten gezündet waren, wurden gegen den Reichstag, gegen die CDU-Geschäftsstelle im Tiergarten und zweimal gegen das Paul-Löbe-Haus, den langen Gebäudetrakt des Bundestages gegenüber dem Bundeskanzleramt, geworfen. Diese Objekte galten als besonders gut gesichert und mit Videokameras überwacht. Kein einziges Mal hatte es irgendwelche Spuren eines Täters gegeben. Kommissar Peter L. war sicher, dass bei den Ermittlungen die Scham über das Versagen der umfangreichen Überwachungen die Tateinschätzung mit weitem Abstand am stärksten prägte. Die Öffentlichkeit hätte sich mehr über die staatlichen Stellen als über die Taten empört, zu Recht, wie er meinte.
An jedem der Tatorte wurden Flugblätter der DWB gefunden, sehr amateurhaft gemacht, mit inhaltlich unauffälligen Aneinanderreihungen allgemein bekannter Sätze gegen Flüchtlinge und Migranten. Über die Deutsche Widerstandsbewegung wussten die Geheimdienste eigentlich nichts. Das war der politische Skandal, wie M sofort erkannte. Auch M interessierte sich nicht besonders für die Inhalte der Pamphlete. Er las da den üblichen rechtsradikalen Unsinn, wie er zurzeit zuhauf verbreitet wurde. M empörte es, dass eine bisher unbekannte Gruppe, ohne aufzufallen, zentrale Gebäude der Demokratie attackieren konnte. Das darf sich eine wehrhafte Demokratie nicht gefallen lassen. Mit vergleichsweise beschränkten Mitteln können ein paar Verrückte alle aufwändigen und teuren Sicherheitssysteme überlisten und Anschläge im Allerheiligsten der Macht verüben, und keiner weiß etwas Genaues. M fühlt sich im Herzen getroffen.
M fühlt aber in der Empörung und Verwirrung auch einen anderen Zugang zu der skandalösen Sache. Offensichtlich ist er der erste Politiker, der dieser Spur nachgeht. Auf ihn kommt es jetzt an. M sieht in sich seine Bedeutung als Politiker wachsen. Ab nun wird seine Stimme Gewicht bekommen. Er wird gefragt sein. Er wird ruhig und selbstbewusst Antworten vortragen, in seinem Ausschuss berichten, vor der Presse sein Gesicht zeigen. Dieses Wochenende wird der Ausgangspunkt für einen Sprung in seiner Karriere sein. Mit Peter L. hat er ins Schwarze getroffen. Auf ihn wird er sich berufen können, ohne ihn als Informationsquelle zu nennen und ihn in seinem dienstlichen Umfeld beruflich zu gefährden. Natürlich wird er mit keiner Silbe erwähnen, wie ihn seine Wahrsagerin auf die Spur gesetzt hatte. Für sie empfindet er jetzt dankbare Zuneigung.
Ganz so ahnungslos waren die staatlichen Einrichtungen allerdings nicht, wie M zunächst annahm. M hatte nicht ganz genau hingehört, was ihm bereits Peter L. zu berichten wusste. Diese Passage der Unterhaltung war zu sehr überlagert durch die Versicherungen und Rückversicherungen für einen unbedingten Informantenschutz, die mit einer Art Schwur durch M abgeschlossen wurden, dass sich M dafür verbürge, nie dieses Treffen zu erwähnen und nie den Namen des Informanten oder seine Dienststelle ins Gespräch zu bringen. Peter L. zur Folge hatte der Generalbundesanwalt bereits nach dem zweiten Anschlag wegen des Inhalts der Flugblätter einen „Beobachtungsvorgang“ für die Akten anlegen lassen und darüber in der Sitzung des „Gemeinsamen Extremismus und Terrorismus Abwehrzentrum“ informiert. M hatte sich lediglich das Stichwort Generalbundesanwalt notiert, das Zentrum hatte er nicht weiter beachtet. Ihm gehörten auch das Bundeskriminalamt und das Landeskriminalamt Berlin an. Das waren Informationen, die M nicht sorgfältig genug registriert hatte. So war ihm entgangen, dass das LKA bereits die Berliner Staatsanwaltschaft informiert hatte, die in Sachen Brandstiftung wegen der rätselhaften Nachtanschläge ermittelte. Aber richtig liegt M mit der Einschätzung, dass es keine Aufklärung gegeben hatte, dass die ganze Sache der Öffentlichkeit vorenthalten war.
Читать дальшеИнтервал:
Закладка:
Похожие книги на «Sonnenfinsternis»
Представляем Вашему вниманию похожие книги на «Sonnenfinsternis» списком для выбора. Мы отобрали схожую по названию и смыслу литературу в надежде предоставить читателям больше вариантов отыскать новые, интересные, ещё непрочитанные произведения.
Обсуждение, отзывы о книге «Sonnenfinsternis» и просто собственные мнения читателей. Оставьте ваши комментарии, напишите, что Вы думаете о произведении, его смысле или главных героях. Укажите что конкретно понравилось, а что нет, и почему Вы так считаете.