1 ...6 7 8 10 11 12 ...29 Das Ergebnis der Studie zeigt, dass Migräne sowohl mit als auch ohne Aura mit kardiovaskulären Krankheiten (CVD) und mit Risikofaktoren für CVD assoziiert ist.“ …
[Framingham-Score = Berechnung des 10-Jahres-Risikos, einen Schlaganfall zu erleiden – PROCAM-Score = Berechnung des 10-Jahres-Risikos, einen Myokard-Infarkt zu erleiden]
Heute differenzieren Kopfschmerzspezialisten verschiedene Migräne-‚Formen‘:
Migräne ohne Aura (Vorwarnzeichen)
Migräne mit Aura („Migraine accompagnée”)
Migraine sans migraine (Migräne ohne Migräne = Aura ohne Kopfschmerzen)
Vestibuläre (= Raum zwischen Zahnreihen und Lippen) Migräne
Hemiplegische (= mit halbseitiger Lähmung verbundene) Migräne
Basiläre (pathologische Veränderungen im Übergang Halswirbelsäule und Schädel) Migräne
Ophthalmische Migräne (‚Augen-Migräne‘)
Digestive Migräne
Menstruelle Migräne
Abdominelle Migräne (‚Bauch-Migräne‘)
Chronische Migräne
(Laut der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft/IHS ist eine Migräne chronisch, wenn an 15 und mehr Tagen pro Monat (über mehr als drei Monate hinweg) Kopfschmerzen auftreten. Außerdem müssen in diesem Zeitraum an acht oder mehr Tagen die Kriterien einer Migräne ohne Aura oder mit Aura erfüllt sein)
Locked-in-Syndrom
(vereinzelt kommt diese schwerste Verlaufsform vor = vollständige Bewegungslosigkeit bei wachem Bewusstsein und dazu selten noch vertikale Augenbewegungen – Dauer ca. 2-30 min. Zumeist sind dabei sowohl die Aura- wie die eigentlichen Migräne-Symptome beidseitig vorhanden! [inwieweit die A. basilaris als Namensgeberin beteiligt ist, ist noch nicht eindeutig geklärt].
Familiäre hemiplegische Migräne (FHM – d.i. eine Migräne mit Aura bei positiver Familienanamnese, wobei die Aura üblicherweise eine variabel ausgeprägte Halbseiten-Gesichtslähmung beinhaltet – Typ 1 = FMH1: Mutationen im Gen CACNA1A [Calcium Voltage-Gated Channel Subunit Alpha1 A, d.i. ein Protein zur Kodierung von Genen] sind die häufigste Ursache; zu finden bei ca. der Hälfte aller Patienten und bei bis zu 90% der Migräniker mit begleitenden cerebellären (das Kleinhirn betreffend wie z.B. Atrophie des Kleinhirn-Wurms (Vernis cerebelli = Vernis-Atrophie) – Typ 2 = FMH2: wird verursacht durch gen-Mutationen im Gen ATP1A2 [das Enzym ATPase transportierendes Alpha-2-Polypeptid] – Typ 3 = FMH3 = sie wird verursacht durch Mutationen im Gen SCN1A [es liegt auf dem Chromosom 2q24 und kodiert für einen spannungsabhängigen Natriumkanal (Sodium channel protein type 1 subunit alpha)] – zusammengefasst: Die FHM ist mit genetischen Defekten/Mutationen auf den Chromosomen 1-2-19 assoziiert)
01 Migräne ohne Aura
Die Migräne ohne Aura – auch genannt „Einfache Migräne“ – ist die häufigste Form von Migräne. Sie macht von den Migräne-Formen den ‚Löwenanteil‘ mit rund 9,5 Millionen Betroffenen (ca. 53%) aus.
Typisch sind attacken- bzw. anfalls-artig auftretende, einseitige Kopfschmerzen von mittlerer bis starker Intensität.
Die pulsierenden Schmerzen verstärken sich durch körperliche Aktivität und sind von Übelkeit aber auch Licht- und Lärm-Empfindlichkeit begleitet.
Die Kopfschmerzattacken können bis zu 72 Stunden anhalten.
02 Migräne mit Aura – Migraine accompagnée
Bei etwa 25-30% der Migräne-Patienten mit Aura – diese Migräne-Form wird auch bezeichnet als „Klassische Migräne“ – treten vor der Kopfschmerz-Phase bestimmte neurologische Symptome auf.
Diese Symptome bezeichnen Mediziner zusammenfassend als Aura [übrigens: der Name „Aura“ geht zurück auf die griech. Göttin der Morgenröte „Aurora“ – daher werden die Aura/Prodromi auch genannt „Morgenröte der Migräne“].
Diese Form der Migräne nennt man auch Migräne accompagnée (von franz. accompagner = begleiten).
Typische Aura-Symptome sind
- Sehstörungen (Lichtblitze, Flimmern, Sehen von gezackten Linien, Licht-Scheue)
- Sprachschwierigkeiten/Sprachprobleme
- Lärm-Empfindlichkeit
- Missempfindungen der Haut
- Schwindel
- Unwohlsein/Übelkeit/Brechreiz
Meist halten diese Beschwerden etwa eine halbe bis eine Stunde lang an und verschwinden dann wieder vollständig.
Die Ursache ist wahrscheinlich eine vorübergehende Minderdurchblutung bestimmter Gehirnareale, die durch einen Gefäßkrampf entsteht.
! Wichtig !
Körperliche Aktivitäten verstärken die Aura-Symptome
Eine Zwischennotiz:
Aura oder …
… Transitorisch Ischämische Attacke/TIA
… Prolongiertes Reversibles Ischämisches Neurologisches Defizit/PRIND
… inkompletter/kompletter Schlaganfall/Hirnschlag ???
Für ‚Nicht-Fachleute‘ (kein Seitenhieb, aber ‚Tatsache‘: auch für manche Fachleute) sind die Symptome/Anzeichen, die in der „Aura-Phase‘ auftreten (können), von einem akuten zerebro-vaskulären Ereignis nur schwer zu unterscheiden.
Ein bzw. das (mit-)entscheidende Differenzierungs-Kriterium ist, dass die Migräne-Aura eher schleichend beginnt und langsam an Intensität zunimmt.
Im Gegensatz dazu tritt in aller Regel ein akutes zerebro-vaskuläres Ereignis – TIA, PRIND, Hirnschlag – plötzlich ein. Wobei festzuhalten ist, dass sich Schlaganfälle in nicht wenigen Fällen auch durch eine „Aura“ ‚ankündigen‘ können.
Bildgebende Verfahren wie eine zerbrale Computertomographie/CT oder eine zerebrale Magnetresonanztomographie/MRT (Kernspintomographie) sichern die Diagnose.
Zurück zur Migräne.
03 Migraine sans Migraine – Migräne ohne Migräne
‚Migräne ohne Migräne‘
oder auch ‚Isolierte Migräne-Aura‘
Es klingt paradox, kommt aber gar nicht selten vor:
Migräne-Attacken ohne den typischen Kopfschmerz. Betroffene entwickeln sogen. isolierte Vorwarnzeichen. Häufig wird die Erkrankung nicht richtig diagnostiziert und zum Beispiel als Schlaganfall fehlinterpretiert.
Von den 25-30% der Betroffenen, die unter Migräne mit Aura leiden, entwickeln etwa 10-15% von Zeit zu Zeit solche isolierten Auren.
Selten käme es vor, - so Prof. Dr. Andreas Straube (Neurologe, Neurolog. Klinik der Ludwig-Maximilian-Universität. München und Vizepräsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft e.V.), dass Betroffene ausschließlich isolierte Auren entwickeln. Diese Sonderformen der Migräne treten vor allem in höherem Alter auf, so Prof. Straube.
04 Vestibuläre Migräne – „Schwindel-Migräne“
d.i. eine Sonderform der Migräne. Sie geht einher mit plötzlich einsetzenden Drehschwindel-Attacken; v.a. mit Übelkeit und Erbrechen. Der Schwindel kann im Vorfeld – als Aura – des Migräne-Kopfschmerzes auftreten, aber auch simultan mit diesem und seltener auch danach.
Übrigens:
Früher – mehr als heute – auch bezeichnet mit ‚Morbus Ménière‘.
Ca. 1% der deutschen Bevölkerung ist von einer vestibulären Migräne betroffen, also rund 800.000 Menschen.
05 Digestive Migräne – ‚Verdauungs-Migräne‘ / ‚Bauch-Migräne‘
Synonym: Abdominelle Migräne
Fakten sind:
Es bestehen ‚enge Zusammenhänge‘ zwischen Darmbakterien, Leber und Migräne.
Der Zusammenhang zwischen Migräne und Störungen des Gastrointestinal-Trakts wurde in zwei Richtungen nachgewiesen:
1. Migräne-Patienten weisen häufig gastrointestinale Beschwerden auf;
2. Personen mit Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts leiden häufiger an Migräne als Personen in entsprechenden Kontroll-Gruppen.
Eine wichtige Rolle kommt dem Pfortaderkreislauf () zu:
Das Blut aus dem gesamten Magen-Darm-Trakt wird über die Pfortader (Vena portae) zunächst der Leber zur Entgiftung zugeführt. Über ein großes Blutgefäß wird das Blut weiter ins Herz und über die Hauptschlagader weiter in den Kopf geleitet. So werden dem Gehirn die im Darm aufgenommenen Nährstoffe zugeführt. Allerdings können auf diesem Weg auch Giftstoffe ins Gehirn gelangen: Nämlich immer dann, wenn sie in der Leber nicht schnell genug abgebaut werden können.
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