Um dies zu erforschen, verbrachte ich viel Zeit mit dem Studium von Telefon- und Adressbüchern: "v.D.", und "I" mit Vornamen. Bald kannte ich alle gängigen Adelsnamen von "von Dannewitz" bis "von Drzebinow".
So lernte ich auch Ingeburg Freifrau von Dreiwitz kennen. Unweit von Limburg. Eine mittelalterliche Dame mit sehr jugendlicher Stimme. Ein Ausbund von Temperament und reich an ordinärem Wortschatz. Frau von Dreiwitz (ich habe den Namen geringfügig verstellt) entpuppte sich natürlich als eine ausgemachte Fehlanzeige. Ich lud mich unter einem Vorwand ein. Alles klappte vorzüglich. Mit ihr blätterte ich den ganzen Gotha durch und bekam fast auf jeder dritten Seite ein Sittengemälde aufgetischt. Ingeburg von D., die Freifrau, war so frei und grölte schließlich vor Vergnügen. Vieles war ganz sicher erlogen, aber gekonnt, gekonnt! Vielleicht verschwand hinter den Skandalgeschichten, die sie aus der Adelszene üppig von sich gab, sogar eine für mich heiße Spur zu einer anderen 'I.v.D.', aber ich konnte mich anderentags ohnehin kaum noch an etwas erinnern. Denn die Nacht wurde lang. Sie endete nämlich in einem wüsten Bacchanal, als - zufällig oder nicht? - weitere Freundinnen und befreundete Paare in der Luxusvilla eintrafen und Swimmingpool wie Sauna mit einer wahren Orgie erfüllten. Der Champagner floss und unser aller Rausch hätte einen besonderen Adel verdient. Immerhin bewahrte er mich vor sittlichen Anfechtungen anderer Art. Als ich, schlimm verkatert, wieder in den Alltag zurückkehrte, war ich um eine weitere Hoffnung, nein, um eine ganze Wagenladung von Hoffnungen ärmer.
In dieser Situation, als ich schließlich der Resignation nachzugeben bereit war und jene Annemarie, alias "I.v.D.", als Irrlicht, als Wahngebilde, als erste Warnung vor der Verkalkung abzutun verzweifelt genug war, traf es mich wie ein gewaltiger Donnerschlag, wie ein pfeifender Hieb des Schicksals, dass ich Annemarie wiedersah.
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