Anna Lohg - Am Rande. Eine Bemerkung

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Üppig mit überflüssigen akademischen Abschlüssen dekoriert macht sich eine Aushilfe auf den Weg, den feinen Unterschied zu suchen. Wer maßt sich eigentlich an, den zu vergeben? Und überhaupt: Was soll das?
Die Suche führt zurück zu den Großeltern, hatten die sich doch zu Herrenmenschen erklären lassen. Deren Kinder riefen anschließend die Emanzipation aus, während die Gleichberechtigung bis heute nicht verwirklicht ist. Die nachfolgende Generation ließ sich dann über den Schulhof hetzen, den besten Noten hinterher. Kein Wunder, wenn die heute gebannt auf wirklich jedes Ranking starren. So geht es stets darum, irgendwen zum besseren Menschen zu küren – als ob es sowas gäbe. Und jene, die bei diesem Wettbewerb am Rande stehen, dürfen im günstigsten Fall die Drecksarbeit erledigen.
Und am Ende hat sich mal wieder eine Aushilfe um alles gekümmert: endlich ist der feine Unterschied gefunden, den keiner haben will.
Entlang von Heimat und Fremde, Armut und Reichtum, Gastarbeitern und Eliten ist dies eine wahre Geschichte – mit all ihren erbärmlichen Wendungen.

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"Opa.", sollte sie eines Tages sagen, als sie es endlich auf die Bank geschafft hatte und wie immer darauf wartete, er möge ihr die vermaledeit picksigen Strümpfe ausziehen. "Opa.", sie strahlte ihn erwartungsvoll an. Lange bevor sie Mama sagte oder Papa, sollte Sophie ihren Großonkel Opa nennen. Ihm wäre fast die Pfeife aus der Hand gefallen, als hätte eine Ziege sprechen gelernt, blieb es ein Geheimnis, wer Sophie gesagt hatte, der bärtige, alte Mann auf der Bank wäre ihr Opa. Im ersten Moment musste er um Worte ringen, ohnehin hatte er nur mit Wilhelmina viel geredet, aber der Opa sollte alsbald sehr viel sprechen und seiner unverhofften Enkelin ausführlichst die ganze Welt im Garten erklären. Mit dem langhaarigen Mann aus dem Wald an ihrer Seite erlernte Sophie die Sprache, dürfte er ihre Weltanschauung erheblich geprägt haben.

Sobald Sophie sicher auf ihren Füßen stand, machte sie in diesem wunderbaren, vielfältigen Garten, voll von Würmern, Spinnen und Käfern, ihre allererste wegweisende Entdeckung, reicht oft genug ein Ausschnitt, um die ganze Welt zu verstehen.

"Opa." Wie angewurzelt stand sie auf einem kleinen Stück Wiese und verlangte nach seiner Aufmerksamkeit. "Wenn ich jetzt einen Schritt gehe, guck mal", sie verlieh ihren Worten Anschaulichkeit, "dann trete ich auf Ameisen. Ich mache auch Spinnen tot." Sie schüttelte heftig den Kopf. "Ich will das aber gar nicht." Ihr war es fürchterlich, indes er bloß nickte, wissend, dass der Mensch unweigerlich alles mit Füßen tritt, während sie, entsetzt von ihrer Entdeckung, vorerst lieber sitzen blieb. Sie säße wohl noch heute auf dieser Bank, wenn es ihre einzige Einsicht geblieben wäre, indes die wachsende Erfahrung scheinbar zur Abstumpfung führt, weil Sophie schon bald wieder über das Gras hüpfte, wenngleich sie dabei die Ameisen kaum vergessen konnte. Mit einem begrenzten Wortschatz war sie zu einer Erkenntnis gelangt, die ihr beständig bleiben sollte, wie eine Warnung, dass die Grausamkeit selbst mit unbedachten Schritten daher kommen konnte.

Diese Strümpfe aus der Wolle die ihre Großmutter am Rad gesponnen und ihre Mutter verstrickt hatte, so unerträglich kratzig, die konnte sie alsbald selbst ausziehen, bloß wenn die Wintertage erbarmungslos kalt ausfielen, hielt sie notgedrungen aus. Um sich der Strümpfe zu entledigen, brauchte sie ihren Großvater längst nicht mehr, aber sonst noch für alles andere. Er war ihr ein verlässlicher Anker, dort auf der Bank, zu dem sie stets zurückkehrte, während er ihr seine ungeteilte Aufmerksamkeit schenkte. Ihm erzählte sie, wofür sich sonst niemand interessierte. Und an einem dieser eisigen Tage im Winter, an dem ihr die Beine fürchterlich juckten, saß er nicht mehr da, auf seinem unverrückbaren Platz. Er hatte das letzte Mal an seiner Pfeife gezogen und sie würde den Rauch schrecklich vermissen.

Daran gab es nichts zu ändern, der Großvater blieb unwiederbringlich und so war für Sophie die Zeit gekommen, den Garten zu verlassen und sich das Haus, den Rest der Familie eingehender anzuschauen. Sonderlich erbaulich sollte das nicht ausfallen. Der untere Teil des Hauses wurde vollständig von ihrem Onkel Erwin belegt, ein übelgelauntes Tier, dem möglichst jeder aus dem Weg ging, auch ihre Tante Edit, die sich wie ein Schatten bewegte. Oben fand Sophie ihre Mutter, die sich eigentlich um gar nichts kümmerte, entweder am Herd stand, im Keller am Wäschetrog hantierte oder an der Nähmaschine saß, meist ihrem Bruder eine Uniform nähte. Der wiederum war regelrecht unerfreulich, ihr Bruder, ein abscheulicher Matrose, der nun obendrein in dem verwaisten Bett ihres Großvaters schlafen durfte. Immerhin musste sich sie nicht mehr das Zimmer mit ihm teilen, in dem auch ihre Eltern schliefen. Es verblieb einzig ihr Vater, der sogar ein wenig Ähnlichkeit mit ihrem toten Opa hatte. Wenn er nachmittags nach Hause kam, in seinen blauen Sachen, mit dem Posthorn auf den goldenen Knöpfen, dann sah er fast so aus wie ihr Opa. Wie zum Ersatz vergab Sophie fortan ihre ungeteilte Aufmerksamkeit an Edmund und er kam unverhofft zu einer Tochter. Sie setzte sich ungefragt auf seinen Schoß, obschon er das nicht besonders mochte, wehrte er sich nicht, wenn sie mit seinen Haaren spielte oder mit ihren Fingern seine krumme Nase vermaß.

"Warum rauchst du nicht?", sollte sie ihn bald fragen. Er könnte doch in den Garten gehen, sich eine Pfeife stopfen und unverrückbar auf der Bank sitzen. Er erzählte ihr stattdessen eine Geschichte von ungerauchten Rationen an Zigaretten mit denen er sich im Krieg Brot gekauft hätte, auch mal gegen ein Stück Seife getauscht habe, um es mit der Feldpost ihrer Mutter zu schicken. Von diesem spannenden Krieg sollte ihr Vater noch viele weitere erstaunliche Geschichten erzählen, da kamen Wassermelonen drin vor, fremde Länder, fremde Sprachen, große Autos, das blaue Meer, unglaublich, dachte Sophie, so ein Krieg, so ungeheuer weit weg. Diese Märchenstunden machten ihm unverkennbar Spaß und Sophie hörte stets gespannt zu. Ihre Mutter konnte davon nichts erzählen, sie war da ja gar nicht gewesen, doch auch sonst erzählte niemand etwas darüber, schien einzig ihr Vater in diesem phantastischem Krieg gewesen zu sein.

Nach dem Garten und dem Haus sollte Sophie allmählich das Dorf als Spielplatz entdecken. Auf der Straße schloss sie sich schnell einer kleinen Rotte frei herum laufender Kinder an, vorneweg ihr Vetter Theobald, einer der Söhne vom Klempner. Gemeinsam gingen sie auf Erkundung, sie sollten sogar eine Burg finden, wenigstens ein kleines Mäuerchen aus lose gestapelten Steinen, in deren Nähe eine Kapelle stand. Hier verbrachten sie lange Stunden, ahmten voller Hingabe Burgfräulein und Ritter nach, waren Kunigunde und Kuno zu einem Kinderspiel geworden. Auf dem Hügel gegenüber lag noch eine Burg verstreut, aber dort spielten andere Kinder, so malten sie sich manchmal einen Krieg aus, wie ein großes Abenteuer, bei dem sie diese anderen Kinder auf der Burg gegenüber bezwingen würden, mit langen Ästen und Steinen, die Schwerter und Kanonenkugeln waren, nehmen Erwachsene diese Kinderspiele meist fürchterlich ernst. Diesen Hügel, ihre Burg verließen sie nur ungern, wenn es langsam dunkel wurde. Bis auf manchmal, wenn mitten am helllichten Tage unvermittelt die Glocke der Kapelle läutete, dann liefen sie eiligst den Hügel hinunter, querfeldein, ab durch den dichten Wald. Es war sonst niemand da, der hätte am Seil der Glocke ziehen können.

Sophies Ausschnitt war schon bald richtig groß geworden, in ihre Welt passte neben die Burg beizeiten sogar die alles beherrschende Kathedrale rein. Das wuchtige Gemäuer war ihr der verwunschenste Ort, in den der Blitz stets als erstes einschlug, wenn es donnerte und zwischen Hügeln gewittert es oft gewaltig. Es war der Mittelpunkt vermutlich des Weltenalls, denn da drin wohnte der liebe Gott, obschon der nie zu Hause war. Dennoch wurden herrlich unergründliche Geschichten darum herum gemacht, von denen sie längst nicht alle verstand oder irgendeinen größeren Zusammenhang erfasste, aber das war vorerst unerheblich, konnte sie sich das Verständnis für später aufheben. Doch gerade weil so vieles unbegreiflich blieb, erscheinen diese Geschichten glaubwürdig, nicht so wie bei Hänsel und Gretel, deren Knusperhäuschen sie trotz ausgiebiger Suche noch nicht gefunden hatte. Die Kathedrale aber gab es wirklich und sogar echte Hexerei, wenn Wasser in Wein verwandelt wurde und Brot in Hostien, so ähnlich hatte sie es gehört, aber nie gesehen, steckt der Zauber aber immer im Unsichtbaren.

Mit der imposanten Kathedrale direkt vor der Haustür musste Sophie nachgerade unumgänglich über den Katholizismus stolpern und ganz feste an all die Geschichten glauben. In ihrer Welt gab es neben Burgfräuleins und Rittern, über jeden Zweifel erhaben nun auch Engel, den heiligen Geist, die Auferstehung, einen Eier legenden Hasen, das Christkind und sein Papa, der liebe Gott und die Hölle irgendwo da unten, keinesfalls hier oben. Das musste alles durch und durch wahr sein, denn niemand würde so viel Aufwand betreiben, wenn das alles Märchen wären, sonst könnten doch alle auch an den Froschkönig glauben. Nein, irgendeine Ungereimtheit konnte Sophie nicht erkennen, eben weil niemand ein so riesiges Haus baut, wenn kein Gott darin wohnen würde. Kein Mann zöge ein langes, besticktes Kleid an, würde von der Kanzel aus vom Erzengel berichten, vor Todsünden warnen, unheimlich gut riechenden Weihrauch schleudern, die Beichte abnehmen und Rosenkränze verordnen, wenn all das nicht wahr wäre, dachte Sophie folgerichtig über alle Ungereimtheiten hinweg. In der Kathedrale hauste also das ganz große Mysterium und jenes ging sie oft suchen.

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