Anna Lohg - Am Rande. Eine Bemerkung

Здесь есть возможность читать онлайн «Anna Lohg - Am Rande. Eine Bemerkung» — ознакомительный отрывок электронной книги совершенно бесплатно, а после прочтения отрывка купить полную версию. В некоторых случаях можно слушать аудио, скачать через торрент в формате fb2 и присутствует краткое содержание. Жанр: unrecognised, на немецком языке. Описание произведения, (предисловие) а так же отзывы посетителей доступны на портале библиотеки ЛибКат.

Am Rande. Eine Bemerkung: краткое содержание, описание и аннотация

Предлагаем к чтению аннотацию, описание, краткое содержание или предисловие (зависит от того, что написал сам автор книги «Am Rande. Eine Bemerkung»). Если вы не нашли необходимую информацию о книге — напишите в комментариях, мы постараемся отыскать её.

Üppig mit überflüssigen akademischen Abschlüssen dekoriert macht sich eine Aushilfe auf den Weg, den feinen Unterschied zu suchen. Wer maßt sich eigentlich an, den zu vergeben? Und überhaupt: Was soll das?
Die Suche führt zurück zu den Großeltern, hatten die sich doch zu Herrenmenschen erklären lassen. Deren Kinder riefen anschließend die Emanzipation aus, während die Gleichberechtigung bis heute nicht verwirklicht ist. Die nachfolgende Generation ließ sich dann über den Schulhof hetzen, den besten Noten hinterher. Kein Wunder, wenn die heute gebannt auf wirklich jedes Ranking starren. So geht es stets darum, irgendwen zum besseren Menschen zu küren – als ob es sowas gäbe. Und jene, die bei diesem Wettbewerb am Rande stehen, dürfen im günstigsten Fall die Drecksarbeit erledigen.
Und am Ende hat sich mal wieder eine Aushilfe um alles gekümmert: endlich ist der feine Unterschied gefunden, den keiner haben will.
Entlang von Heimat und Fremde, Armut und Reichtum, Gastarbeitern und Eliten ist dies eine wahre Geschichte – mit all ihren erbärmlichen Wendungen.

Am Rande. Eine Bemerkung — читать онлайн ознакомительный отрывок

Ниже представлен текст книги, разбитый по страницам. Система сохранения места последней прочитанной страницы, позволяет с удобством читать онлайн бесплатно книгу «Am Rande. Eine Bemerkung», без необходимости каждый раз заново искать на чём Вы остановились. Поставьте закладку, и сможете в любой момент перейти на страницу, на которой закончили чтение.

Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Kehrte scheinbar einzig der Briefträger wohlgemut in sein altes Leben zurück, wie nach einer langen abenteuerlichen Reise. Und ganz nebenbei hatte er mit dem Stempel einer siegreichen Macht vorschriftsmäßig seinen Krieg besiegt, als hätte er für seinen Frieden eine Erlaubnis. Edmund sollte wieder Post verteilen, nur nicht mehr ganz so sorglos wie einst, jetzt, da er den Irrsinn durchlebt hatte und wusste, dass dieser jederzeit und überall nach der Macht greifen kann.

Dieser Krieg war vorbei. Ordentlich mit einer Bezeichnung und einer Chronologie versehen, ging das Geschehene als Zweiter Weltkrieg in die Geschichtsbücher ein. Archive voll der Gräueltaten, verbrähmt hinter recht unverfänglichen Namen. Benamst und als historische Einmaligkeit abgeheftet, wird das Grauen zum überwundenen Ereignis: hey, das ist Geschichte und kommt so nie wieder vor, während Krieg, Hunger, Not allgegenwärtig und unvergänglich bleiben. Dazu gehört auch das eigentlich Unvorstellbare, so wie Edmund hoffte, es möge ein Arbeitslager sein, um sich nicht ein Konzentrationslager vorzustellen, war er viel zu naiv für diese Realität.

"Vernichtungslager.", nannte sie es. Sie war dort gewesen, hatte es überlebt, nicht ihre drei Kinder, nicht ihr Ehemann. Sie war zurück gekommen, heimgekehrt in die dürftige Holzhütte, die sie einst mit ihrer Familie bewohnt hatte. Weit ab vom Dorf lebte sie nunmehr ganz alleine mit ihren Erinnerungen. Nur Edmund kam ab und zu vorbei und brachte die Post. Ehedem hatte er sie bedrängt, sie solle gehen, samt ihrer Familie flüchten. Ungefähr als Hans, der Bürgermeister, ihn ins Verderben schicken wollte, hatte er sie gewarnt, auch Zigeuner seien nicht mehr sicher. Sie aber hatte abgewunken, so weit ab könne sich niemand an ihnen stören, und außerdem, wo hätten sie hin sollen, sie waren doch längst weit ab.

Edmund schätzte sie, auch wegen ihren Marmeladen, die sie großzügig teilte, aber die wenige Post brachte er nun nicht mehr gerne. Vormals hatte er stets ausgiebig mit ihr geplaudert, er war der Briefträger und gleichsam ein Bote mit Neuigkeiten aus dem Dorf. Aber jetzt erzählte sie dem Postboten vom Tod der Lebenden im Vernichtungslager, sie hielten ein Schwätzchen vor der Tür über das erlebte Grauen. Mochte sie ihm längst nicht alles erzählen, doch selbst die spärlichen Einblicke konnte er kaum aushalten. Von dem was Endlösung genannt worden war, hatte Edmund noch keine einzige Fotographie gesehen, geschweige laufende Bilder, allein vor ihren Worten wollte er die Augen schließen.

Auch sonst im Dorf blieben die Augen fest verschlossen, niemand wollte darüber reden. Schien der Jubel von vor dem Krieg abgeklungen oder wurde mühsam zurück gehalten: "Jupaidei, Menschen als minderwertig ausgemacht, sodann gekennzeichnet, abgeführt und abtransportiert, anschließend millionenfach vergast, das ist eine bürokratische Weltmeisterleistung! Das schafft nur eine Herrenrasse!"

Die Holocaust ist Geschichte. Der Wahn der Überlegenheit ist lebendig geblieben.

II. Kapitel

Sophie saß auf der Bank mit einer pompösen Schleife im dünnen Haar. Das sah irgendwie ulkig aus und war dennoch nicht als Belustigung gedacht. Das pompöse Ding schien im steten Fall begriffen, wanderte wundersam entschleunigt im Laufe eines Tages von ganz oben bis hintunter zu einem Ohr, hing dann da und trotzte der Schwerkraft.

In einem Akt unverhoffter Mütterlichkeit sollte Mia ihrer Tochter Sophie die Schleife ins Haar stecken. Während sie ihrem geliebten Sohn Paul herrlich aufwendige Uniformen nähte, ihn als Matrose verkleidete, zog sie ihrer Tochter hastig umgenähte Schürzen an. Und Strümpfe aus dicker Wolle, wegen denen sich das Kind unentwegt an den Beinen kratzte. Eines schönen Tages, niemand weiß warum, auch Mia nicht, als wäre ihr ein verirrter Blitz durch den Kopf geschossen, stand sie unvermittelt von ihrer Nähmaschine auf, ließ die halbfertige blaue Jacke für Paul liegen und eilte auf den Dachboden. Dort standen etliche große Truhen, voll mit ihren ausgefallenen Hüten und ihren prächtigen Kleidern, die sie längst nicht mehr anzog. Eine Truhe nach der anderen öffnend, suchte sie darin nach einem ganz bestimmten Stück Stoff, noch von vor dem Krieg, aus den vergangenen, heiteren Zeiten ihres Lebens. Ein übrig gebliebener Rest blau, weiß gepunkteter Stoff, aus dem sie sich ihr erstes Kleid genäht hatte. Sie sollte finden, wonach sie suchte, irgendwo ganz tief unten. Hier kramte sie auch nach einer alten Spange für die Haare. Zurück an der Nähmaschine machte sie aus dem Rest eine ominöse Schleife, mit der sie sodann die Spange verzierte. Nach dem letzten Handgriff ging sie mit dem Ding nach unten in den Garten und steckte es Sophie ins noch dünne Haar. Mitten auf den Kopf. Auf dem Absatz drehte sie sich um und verschwand, wie sie gekommen war, wieder im Haus.

Jeden Tag, früh am Morgen, nachdem sie das Kind gefüttert und angezogen hatte, brachte sie es raus in den Garten und setzte es auf dieser hölzernen Bank ab. Das sollte vollauf genügen. Die Beine reichten der Kleinen nicht bis zum Boden und also blieb Sophie dort sitzen, betrachtete ungerührt den Garten, stundenlang. Das war ihre ganze Welt, die sowieso immer nur ein Ausschnitt ist. Wobei dieser eingeschränkte Ausblick von der Bank aus gesehen noch ungemein unterhaltsam ausfiel, denn es war ein schier unglaublich belebter Garten, voller zwitschernder Vögel, krabbelndem, surrendem, raschelndem, noch nicht ausgestrobenem Getier, Schlangen, Schleichen, Echsen. An dem Garten, drüben auf der Straße, fuhr ganz manchmal laut ratternd ein Auto vorbei, öfter noch ein klackernder Pferdewagen, allerdings kaum sichtbar wegen den hohen Hecken und den Bäumen, von denen bisweilen polternd Obst runter fiel.

Der alte Mann neben Sophie auf der Bank war geradeso in aufmerksamer Betrachtung versunken. Dort saß auch er den lieben langen Tag in einer ausgedienten Postuniform von Edmund und rauchte Pfeife. Ob es regnete oder schneite, im Haus wurde seine Pfeife nicht geduldet. Der Rauch würde ungeheuerlich stinken, in jeden Winkel, jede Ritze eindringen. Oft genug verbrannte er gar keinen Tabak, sondern stopfte seine Pfeife mit anderweitigem Grünzeug, er hatte schon alles mögliche probiert, Eichenlaub, Kohlblätter, Unkraut. Im Garten wurde ihm ein kleines Fleckchen zugestanden, für seine Tabakpflanzen, aber die Ernte war selten gut. Deshalb, wenn es mal wieder eigenartig roch, kaufte Edmund ihm eine Dose Tabak und stellte sie unter die Bank. Sehr viel mehr schien er nicht zu brauchen, sowieso hatte er sein halbes Leben anspruchslos im Wald verbracht.

Nach der Beerdigung seiner Schwägerin, Edmunds Mutter, war er in dem Haus geblieben, niemand hatte ihn darum gebeten, er hatte nicht danach gefragt, letztlich war es auch sein Elternhaus. Von jetzt an schlief er in dem Bett seiner Schwägerin, er wäre zu alt, um weiterhin alleine im Wald zu hausen. Seit seine Ziege Wilhelmina gestorben war, fühlte er sich tatsächlich alt, weil ihm danach die Einsamkeit so schwer wog. Trotzdem wollte er nach Wilhelmina keine andere Ziege, denn manchmal lässt sich selbst ein alter, häßlicher Ziegenbock nicht ersetzen.

Hin und wieder aß er mit am Tisch, bei seinem Neffen Edmund, gar niemals unten in der Küche bei Erwin, seinem anderen Neffen. Er mochte Erwin nicht, das war so einer, als hätte er einen ausufernden Futterneid, der stets die größten Portionen für sich einforderte. Erwins Ehefrau Edit mochte er dagegen sehr, sie hatte ihm die Haare gewaschen und geschnitten, seinen langen Bart mäßig gestutzt, als er zur Beerdigung gekommen war, aus dem Wald. Edit war im Vergleich zu Mia sehr fürsorglich. Indes wollte er grundsätzlich niemandem zur Last fallen, daher aß er meist alleine in seinem Zimmer, hielt den Teller auf seinem Schoß und saß auf dem kurzen Holzbett seiner toten Schwägerin. Mias Essen, das schmale Zimmer und die Bank im Garten, von mehr konnte ein alter Mann nicht träumen. Als Mia dann ihr zweites lebensfähiges Kind gebar, neun Monate nach der Heimkehr von Edmund, setzte sie das Mädchen, sobald möglich, neben ihn auf die Bank. Sophie erinnerte ihn an Wilhelmina, obschon das Kind irgendwann anfing zu sprechen.

Читать дальше
Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Похожие книги на «Am Rande. Eine Bemerkung»

Представляем Вашему вниманию похожие книги на «Am Rande. Eine Bemerkung» списком для выбора. Мы отобрали схожую по названию и смыслу литературу в надежде предоставить читателям больше вариантов отыскать новые, интересные, ещё непрочитанные произведения.


Отзывы о книге «Am Rande. Eine Bemerkung»

Обсуждение, отзывы о книге «Am Rande. Eine Bemerkung» и просто собственные мнения читателей. Оставьте ваши комментарии, напишите, что Вы думаете о произведении, его смысле или главных героях. Укажите что конкретно понравилось, а что нет, и почему Вы так считаете.

x