Um noch einmal auf die anfängliche Katzenjagd zurück zu kommen: Katie zeigte mir bevor sie startete, ganz eindeutig was sie vor hatte. Durch ihre starre Körperhaltung, ihre Augen zielgerichtet auf die sich noch im Gebüsch befindliche Mietzekatze, gab sie mir zu verstehen, dass sie für die Jagd bereit war. In diesem Moment hätte ich noch eine geringe Chance gehabt sie zu erreichen. Doch auch ich stand wie starr da, nur meine Augen zaghaft bewegend, in der Hoffnung ich würde die Beute noch vor ihr erspähen können. Was ich nicht bedachte, obwohl ich es hätte wissen müssen, dass Hunde nicht nur mit den Augen etwas sehen können, sondern dass sie zu aller erst die Witterung der Beute über ihre Nase wahrnehmen. Und damit sind uns Hunde weit aus überlegen.
-Kapitel 3-
Den richtigen "Riecher" haben, und eine klare Sprache führt zum Erfolg!
Die Nase des Hundes ist schon äußerst faszinierend. Während die Riechschleimhaut des Menschen eine Größe von 5 Quadratzentimeter besitzt, ist es beim besten Freund des Menschen 150 Quadratzentimeter groß. Auf dieser Riechschleimhaut befinden sich rund 200 Millionen Riechzellen, auf der kleineren Fläche des Menschen gerade mal 5 Millionen. Hinzu kommt, dass Hunde ihre Sinne ganz anders vernetzen als Menschen. Die Nase an sich ist schon ein kleines Wunderwerk, hinzu kommt jedoch noch die optische Verbindung, die der Hund zu dem herstellt, was er gerade erschnüffelt.
Deshalb ist aber für uns Menschen um so wichtiger, die Körpersprache unserer Hunde zu lesen, denn nur so können wir die darauf folgende Handlung einschätzen, und entgegen wirken.
Unsere Hunde kommunizieren mit uns sehr viel. Und sie stellen uns viele Fragen. Doch sehr selten bekommen sie eine Antwort. Wenn wir auf Dauer diese Fragen unbeantwortet lassen, dann hören die Hunde irgendwann damit auf, und verselbstständigen sich. Was dann oft zur Folge hat, dass wir nur noch schwer einwirken können, wenn sie ein Fehlverhalten zeigen.
Ich erlebe es sehr oft, wenn ich mit meiner Katie unterwegs bin, dass sie manchmal plötzlich inne hält, und zu mir zurück sieht. Dabei fragt sie mich immer wieder, ob ich noch da bin. Oft genügt dann ein Blickkontakt, und zwischen uns ist alles klar.
In meiner jahrelangen Erfahrung als Hundetrainerin, sind mir schon viele verschiedene Menschen mit ihren Hunden begegnet. Interessant war dabei immer; je unterschiedlicher die Menschen auch waren, eines hatten viele gemeinsam: Sie redeten mit ihren Hunden als wären sie kleine Kinder. Dabei beobachtete ich immer wieder die Hunde. Die einen schlossen ihre Gehörgänge und schnüffelten desinteressiert herum, und die anderen sahen ihren Zweibeiner nur ratlos an. Die Monologe der Menschen lauteten in vielen Fällen in etwa so: Na, mach brav Sitz. Wenn du Sitz machst, bekommst du ein Leckerli. Aber nur dann. Also mach brav Sitz....
So wurden die Hunde ständig zu getextet, mit mäßigem bis keinem Erfolg.
Wenn ich den Besitzern dann erklärte, dass ihr Hund gerade nur Bahnhof versteht, erntete ich nicht selten ungläubige Blicke. Hunde brauchen klare Kommandos. Wenn ich wünsche, dass der Hund sich hinsetzt, dann gebe ich nur das Kommando "Sitz". Denn das ist es was der Hund verbal wahrnehmen kann. Bekommt er nach der Ausführung seine Bestätigung, dann war das eine klare Kommunikation.
Was passiert im Hund, wenn wir ihn zu texten? Ganz klar, er ist überfordert, und weiß nicht was wir von ihm wollen. Das klingt für ihn wie eine Fremdsprache. Stellen Sie sich einmal vor, sie treffen jemanden, der eine komplett andere Sprache spricht, und Sie diese Sprache nicht beherrschen. Er erzählt und erzählt, gestikuliert mit seinen Händen, und es scheint eine interessante Geschichte zu sein, und Sie wollen ihn verstehen, können es aber nicht, da Sie seine Sprache nicht sprechen. Was für Emotionen könnten da in Ihnen entstehen? Ich wäre ziemlich überfordert, und frustriert. Denn eigentlich möchte ich mit dem andern in Kommunikation treten, aber ich kann es nicht. Genauso geht es dem Hund, wenn wir mit ihm sprechen, als wäre er ein Mensch.
Deshalb brauchen wir eine Kommunikation die Hund und Mensch versteht. Vorhin hab ich ja von meiner Hündin Angel erzählt, die gelernt hatte zu lächeln.
Meine Lehre die ich daraus gezogen habe, war die, dass die Hunde uns Menschen in der Körpersprache regelrecht studieren. Und dass sie Gestik und Mimik mit der dazu gehörigen Emotion verbinden können. Da ich ein sehr humorvoller Mensch bin, und gerne lache, hatte Angel auch sehr viel die Gelegenheit mich dabei zu beobachten.
Auch Katie liest mich jeden Tag. Manchmal guckt sie mich mit einem Blick an, der zum dahin schmelzen ist. Wenn das nicht Liebe ist, denke ich mir immer wieder.
Doch nicht immer war unsere Beziehung harmonisch. Es gab Zeiten, da wandte sich Katie regelrecht von mir ab. Sie nahm jede Gelegenheit wahr, reiß aus zu nehmen. Auch wenn wir zuhause waren, wählte sie lieber einen Schlafplatz weit weg von mir aus. Ich machte mir große Sorgen, denn ihr Blick wirkte sehr traurig. Was war nur mit ihr los? Diese Frage stellte ich mir immer wieder. Beim spazieren gehen war es unmöglich sie von der Leine zu lassen. Kaum war sie frei, war sie auch schon weg. Das Heranrufen, was sie eigentlich immer liebte, überhörte sie, und ging weiter ihres Weges. Erst nach langer Zeit, trottete sie, eher missmutig als freudig, wieder zu mir, und ließ sich nur widerwillig an die Leine nehmen. Was hatte sich verändert? Was habe ich falsch gemacht? Ich wusste mir keinen Rat mehr. So wie sich Katie im Alltag verhielt, so war es auch beim Training.
Sie verweigerte viele meiner Kommandos. Übungen, die sie früher mit Freude machte, führte sie entweder lustlos oder gar nicht mehr aus. Ich war mehr als nur verzweifelt. Grete, meine Trainerin, versuchte alles was sie nur konnte, um das Problem zu lösen. Sie sah Katie´s Traurigkeit, und meine Ratlosigkeit. Die Situation schien hoffnungslos zu sein.
Eher durch Zufall ( wobei die Sache mit den Zufällen sehe ich mit gewissen Zweifeln) erkannte ich parallelen zwischen dem Verhalten meines Hundes, und meiner damaligen Lebenssituation. Mir ging es nicht so gut, und ich hatte große Schwierigkeiten meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Schlaflosigkeit und Unruhe machte sich in mir breit. Mein allgemeiner Gemütszustand tagsüber war dementsprechend schlecht. Die kleinste Kleinigkeit konnte mich bereits aus der Fassung bringen, wo ich sonst eher ruhig und gelassen reagiere.
Die Sorge ob ich meine Miete noch bezahlen kann, nahm sehr viel Raum ein. All meine Gedanken kreisten nur noch um dieses eine Thema. Irgendwann vertraute ich meine Probleme meiner Trainerin an. Daraufhin meinte sie, dass meine Lebenssituation eine Erklärung dafür sein könnte, warum Katie sich in letzter Zeit so eigenartig verhält. Außerdem wies mich meine Trainerin darauf hin, dass ihr aufgefallen wäre, dass in meiner Wohnung kein einziges Bild von der Katie an der Wand hing, dafür aber jede Menge Bilder von meiner Angel, die viel zu früh gehen musste.
Sie fragte mich, ob ich über den Verlust von Angel noch nicht hinweg gekommen wäre. Ich dachte eigentlich schon, dass ich Angel´s Tod verarbeitet hätte. Aber mir war nicht bewusst, dass ich beinahe die ganze Wohnung mit Bildern von ihr dekoriert hatte. Erst als meine Trainerin mich darauf angesprochen hatte, wurde es mir wieder bewusst, und vieles wurde mir danach klar.
Nun fragen Sie sich bestimmt, was hat mein Problem nun mit dem Verhalten von Katie zu tun. Sie nahm meine Sorgen und Ängste anhand meiner Stimmung wahr. Nach dem Gespräch mit der Trainerin, kam ich nach Hause. Als ich die Wohnung betrat, wurde ich von den Bildern, die mich vorher nie störten, beinahe erschlagen. Nun konnte ich in etwa erahnen, wie es wohl Katie erging. Die Bilder an der Wand störten sie bestimmt nicht, aber meine Emotionen die damit in Verbindung standen, sehr wohl. Also machte ich das, was ich schon längst hätte tun sollen. Ich nahm die Bilder ab. Doch leicht fiel mir dies absolut nicht. Mit jedem Foto, dass ich von der Wand nahm, fühlte es sich so an, als würde ich Angel ein weiteres mal verlieren. Es tat nochmal so richtig weh, aber es war auch befreiend.
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