Und da, plötzlich springt eine getigerte Katze direkt neben mir aus dem Gebüsch, und schon war es geschehen. Mit vollem Elan und Entschlossenheit die Beute zu fassen, jagt Katie der Katze hinterher. Wie der Blitz rast sie an mir vorbei, immer die Beute im Visier und ohne Rücksicht auf Verluste. Gerade noch kann ich mein Knie in Sicherheit bringen, in dem ich mit einem Satz zur Seite springe.
Die leidenschaftliche Jägerin ist eine 9jährige Hündin mit einem geschmeidigen und zierlichen Körperbau. Mit einem Lebendgewicht von 20 kg ist es ihr möglich eine atemberaubende Geschwindigkeit zu erreichen, welche ich noch nicht zu messen vermochte. Sie ist eine wunderschöne, aber auch sehr prikäre Mischung aus einem Appenzeller Sennenhund und einem bayrischen Gebirgsschweißhund. Auf der einen Seite ist der Appenzeller Sennenhund ein Trieb-, Hüte-, Wach-, Haus und Hofhund, wobei dieser heute mehr als Familienhund gehalten wird. Er gilt als leicht misstrauisch Fremden gegenüber, was bei Katie absolut zutrifft.
Auf der anderen Seite steckt in ihr auch der bayrische Gebirgsschweißhund, welcher von den Leit- und Schweißhunden bzw. von den Bracken abstammt. Er ist sehr beweglich, und hat einen sehr muskulösen Körperbau. Alle Leit- und Schweißhunde stammen von den Urjagdhunden ab. Alle reinen Bracken haben feinste Nase auf Spur und Fährte, und einen lockeren Fährtenlaut beim jagen. Die Rasse des bayrischen Gebirgsschweißhundes wird meist für die Nachsuche auf der Jagd eingesetzt, und ausschließlich nur für die Jäger und die Jagd gezüchtet. Nun, manchmal passieren eben "Unfälle", und zwei nicht für die Zucht bestimmte Tiere verpaaren sich. So war es wohl auch bei den Eltern meiner Katie. Der Vater war ein reinrassiger bayrischer Gebirgsschweißhund, und die Mutter eine Appenzeller Sennenhündin.
Die Mischung nenne ich deshalb prekär, da der Treibhund sowie der Jagdhund aufeinander trafen. Und beides ist in meiner Katie vereint.
Ein paar Meter hinter mir steht ein Baum, den die Katze blitzschnell und gekonnt erklimmt , um ihr Leben in Sicherheit zu bringen. Doch Katie gibt nicht auf. Sie bellt aufgeregt die auf dem Baum sitzende Katze an, in der Hoffnung dass sie ihre Beute doch noch zur weiteren Jagd auffordern kann.
Weder ein Pfiff, noch ein energisches Rufen führen dazu, dass Katie ihren Traum von der Beute aufgibt, und zu mir zurück kommt. Genervt gehe ich zu ihr hin, und beende das Szenario, in dem ich sie an die Leine nehme, und mit ihr weg gehe. Erst als die Katze und der Baum außer Sichtweite sind, hört sie auf zu bellen, und geht wieder ruhig neben mir her, als wäre nichts gewesen. Mittlerweile hab auch ich mich wieder beruhigt. Nun werden sie sich fragen, was ich während dieser Jagd gemacht habe. Ich bin ehrlich zu Ihnen. Ich tat nichts, außer beobachten. Jegliches hinterher rufen hätte zu keinem Erfolg geführt, da ihre Gehörgänge für meine Kommandos geschlossen waren. Eine Kommunikation war in dieser Situation schlichtweg unmöglich.
Die eben beschriebene Szene spielte sich vor ca. 8 Jahren ab. Katie war damals knapp ein Jahr alt. Vor ihrer Zeit hatte ich bereits zwei Hunde, und im Grunde war mir daher die Situation nicht neu. Der Jagdtrieb ist ein angeborener Instinkt des besten Freundes des Menschen. Sehr oft wurde ich schon gefragt, wie man dem Hund das jagen abgewöhnen kann. Darauf lautet meine Antwort immer. Gar nicht. Ein angeborenes Verhalten bzw. Trieb ist tief verankert, und wird immer von Generation zu Generation weitergegeben, und dient der Arterhaltung.
Was bedeutet das für uns Menschen? Wir müssen lernen unsere Hunde anhand der Körpersprache zu lesen. Das heißt, wir müssen zu Beobachtern werden. Wie in einem Wolfsrudel, kündigt auch der Hund seine Handlung an.
Wenn ein Welpe in sein neues zuhause einzieht, untersucht er sein Umfeld auf das genaueste. Sehr schnell findet er durch Beobachtungen heraus, wie sein Herrchen oder Frauchen funktioniert. Meist nach ein paar Tagen kennt der Hund seinen Menschen sehr gut. Auch wenn ihm manche Körperhaltungen des Menschen spanisch vorkommen, speichert er diese in Verbindung mit einer anderen Handlung, und ist dann in der Lage diese Information immer wieder abzurufen, oder gar nachzuahmen. Ja, Hunde können nachahmen. Hierzu möchte ich gern eine Geschichte aus meiner Erfahrung erzählen.
-Kapitel 2-
Bitte lächeln! Das Studium von Mimik und Gestik
Meine Husky/ Schäfermischlingshündin Angel war eine sehr kluge Hündin. Sie war pechschwarz mit Stehohren, und hatte eine Größe von stolzen 62cm. Eines Tages, Angel war etwa 8 Monate alt, da stand sie frech vor mir, und zeigte mir ihre schneeweißen Zähne. Entsetzt tadelte ich das pubertierende Hundemädel mit einem scharfen NEIN! und schickte sie auf ihren Platz. Empört über dieses Verhalten erzählte ich meiner damaligen Trainerin davon. Auch sie war der Meinung, dass so was absolut nicht zu dulden wäre, und dass ich sie wiederum tadeln sollte, falls sie die Zähne nochmal zeigt.
Ein paar Tage später, spielte ich ausgiebig mit ihr. Ich warf ihr ihren Ball, und voller Freude brachte sie ihn mir zurück. Als ich das ganze wiederholen wollte, zeigte sie mir wieder die Zähne. Ich holte gerade Luft um sie auszuschimpfen, da fiel mir etwas an ihr auf. Die Ohren waren gestellt, und den Kopf hielt sie aufrecht wie ein stolzes Pferd. Nachdem ich ihr ganzes Verhalten sah, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Das Vorzeigen der Zähne hatte keinen aggressiven Hintergrund. Im Gegenteil! Meine Angel konnte lachen.
Diese Mimik lernte sie von mir durch Beobachtung. Wenn wir Menschen etwas lustig finden, lachen wir. Beim Lachen kommen unsere Zähne zum Vorschein, was in der Tierwelt eigentlich bedeutet: Sieh her was ich für Waffen habe. Da aber unser Lachen keine negative Komponente hat, und vor allem weil von unserem Gegenüber dann weder Angriff noch Flucht erfolgt, ist das Zeigen der Zähne in dieser Kombination nicht bedrohlich.
Als ich zu dieser Erkenntnis kam, dass Angel mich anlachte ( vielleicht auch manchmal auslachte, wer weiß? ) fand ich das amüsant und interessant zugleich. Natürlich stellte sich die Tatsache, dass ich einen lachenden Hund hatte auch als problematisch dar.
Angel war überaus aufgeschlossen und freundlich den Menschen gegenüber. Sie freute sich immer sehr, wenn sie Menschen begegnete. Auch fremden Menschen war sie sehr freundlich gesonnen. Na ja, was macht man wenn man sich freut jemanden zu sehen? Richtig! Man lacht um seiner Freude Ausdruck zu verleihen. Das tat meine pechschwarze, 62cm große Schäfermischlingshündin auch. Fremde Menschen, die Angel nicht kannten, fühlten sich verständlicherweise bedroht. Ich musste die Leute dann immer aufklären, und sagen, dass mein Hund ihnen eben ein Lächeln geschenkt hat.
Aus dieser lustigen Begebenheit lernte ich aber auch, dass ich das Verhalten des Hundes als ganzes betrachten muss. So fing ich an mich selbst zu hinterfragen, wie kam es dazu, dass mein Hund sich so oder so verhielt. Meistens lag die Antwort bzw. die Ursache bei mir. Denn Hunde haben eine große Gabe. Sie können beobachten, und sind Meister im kombinieren und widerspiegeln unserer Gemütslage.
Meine Katie ist hierfür ein absolutes Paradebeispiel. Ließ meine Selbstdisziplin mal zu wünschen übrig, in dem ich beim Training unkonzentriert und nicht ganz bei der Sache war, so bekam ich die Rechnung ohne Umweg sofort präsentiert. Entweder verweigerte Katie ein Kommando, oder sie verweigerte eine ganze Übung. Die Ursache des Problems liegt immer am Hundeführer, und niemals beim Hund. Denn mit meiner Undiszipliniertheit sagte ich nichts anderes als: Ich bin unsicher in dem was ich von dir möchte. Und wenn ich nicht weiß was ich vom Hund möchte, wie soll es dann der Hund wissen, der doch auf meine Führung angewiesen ist?
Es ist nie ratsam mit dem Hund zu arbeiten, wenn man selbst den Kopf dafür nicht frei hat. Negative Emotionen durch Sorgen, Ärger oder gar Depressionen nimmt der Hund wahr, durch unsere veränderte Körperhaltung, und Tonlage in der Stimme. Dies kann dazu führen, dass der Hund verunsichert wird, da er im Gegensatz zu uns Menschen, die gefühlten Emotionen nicht einordnen kann. Bei ganz sensiblen Hunden kann das im schlimmsten Falle zu Depressionen oder gar Paranoia führen, wenn wir sie dauerhaft unseren Gefühlslagen aussetzen.
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