Der Mann mit dem Lolly
Blofeld Nr. 2 war „entzückend, Baby“, Telly Savalas, der sich später durch die Rolle des Fernsehkommissars Kojak unsterblich machte. Er leistete dem „Gefangenen von Alcatraz“ Gesellschaft und wusch „Das dreckige Dutzend“. Eine Reihe, die wohl auch auf die Existenz von Bond zurückzuführen ist, war „Solo für O.N.K.E.L.“ mit Robert Vaughn (teilweise gesprochen von Gert Günther Hoffmann und teilweise von Niels Clausnitzer) als Napoleon Solo und David McCallum als Ilya Kurjakin. In einer der Filmversionen, „Die Karate-Killer“, gibt sich auch Telly Savalas die Ehre. Ungewohnt, weil mit Haaren, ist er in „Ein Köder für die Bestie“. In „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ spielt er Blofeld weniger aufgedreht als sein Vorgänger und weniger langweilig als sein Nachfolger.
Der Mann mit dem goldenen Schuh
Blofeld Nr. 3 war Charles Gray, der zuvor als Henderson in „Man lebt nur zweimal“ mitgespielt hatte. (Er sagt hier, dass Bond seinen Martini „Gerührt, nicht geschüttelt“ bekomme und verfehlt das Ziel damit nur ganz knapp.) Seine Darstellung in „Diamantenfieber“ kann mit der von Savalas leider nicht ganz mithalten, auch wenn beide in der deutschen Fassung wenigstens dieselbe Stimme haben (Martin Hirthe). Sie kennen ihn vielleicht noch aus der Zeit, als Sie sich in Netzstrumpfhosen gezwängt und im Kino mit Reis um sich geworfen haben, denn er ist der Erzähler in der „Rocky Horror Picture Show“.
Das siebente Blofeld
Dann gibt es noch den inoffiziellen Blofeld bei „Sag niemals nie“, der von Max von Sydow verkörpert wurde. Von Sydow drehte mit Ingmar Bergman („Das siebente Siegel“), Woody Allen („Hannah und ihre Schwestern“) und wahrscheinlich auch mit Gott, wenn der sich nicht aus dem Filmgeschäft zurückgezogen hätte. Der schwedische Schauspieler kann auf eine Dekaden umfassende internationale Karriere zurückblicken, die Filme wie „Das Quiller-Memorandum“, „Der Exorzist“, „Der Steppenwolf“, „Die drei Tage des Condor“, „Flash Gordon“, „Der Wüstenplanet“, „Pelle, der Eroberer“, „Judge Dredd“ und „Minority Report“ umfasst. 2014 wurde bekannt, dass er in „Star Wars“ Teil 7 mitspielen würde. (Randnotiz: Bei „Man lebt nur zweimal“ stellte man fest, dass der Mann, den man für Blofeld besetzt hatte, eher wie der liebevolle alte Opa wirkte als wie ein Bösewicht und so besetzte man kurzerhand um. Von Sydow sieht in diesem Film genau so aus wie dieser Mann – und es funktioniert!)
Der Absturz
Wer den „Blofeld“ im Rollstuhl in „In tödlicher Mission“ gespielt hat, denn Katze und Halskrause deuten uns an, dass das Blofeld sein soll, lässt sich sicher problemlos herausfinden. Gesprochen wird er jedenfalls in der deutschen Fassung von Herbert Weicker… aber dazu kommen wir später!
Ob Blofeld jemals zurückkehren wird, so wie es Bond ständig tut, wir wissen es nicht. Aber es wäre eine Katztastophe!
Mit Bond, Charme und Melone
Gaststars bei Bond
Wer alles James Bond gespielt hat ist ja nun hinlänglich bekannt. Aber wen kann man sonst noch so in den Bond Filmen erspähen? Leute, die es vielleicht seitdem weit gebracht haben? Gut, für viele der Bondgirls scheint die Karriere mit ihrem 007-Stelldichein beendet gewesen zu sein. Oder nennen Sie mir drei Filme mit Luciana Paluzzi. Maud Adams. Lynn-Holly Johnson. Barbara Bach. Tanja Roberts. Doch vielleicht ist ja auch der eine oder andere Darsteller dabei, den Sie vielleicht woanders schon mal gesehen haben…
Pussy a Peel
Möglicherweise eine der bekanntesten britischen Serien, irgendwo eine Mischung aus Spionage, Science Fiction und schicken Anzügen. Im Original heißt sie „The Avengers“, sollte aber nicht mit den Marvel-Serien gleichen Namens verwechselt werden. „Mit Schirm, Charme und Melone“ dreht sich (abgesehen von den frühen Folgen, von denen die meisten verschollen sind) um einen Mann namens John Steed (auf den wir später noch genauer eingehen werden), der mit attraktiven jungen Damen seinen Job erledigt – was genau auch immer das sein mag. Mindestens drei dieser Gespielinnen tauchen auch bei Bond auf.
Die erste ist Honor Blackman, die man vielleicht als Partnerin von John Steed vergessen hat, die aber unter dem Namen „Pussy Galore“ in die Kinogeschichte eingegangen ist. Sie darf sich in „Goldfinger“ von Bond verführen lassen, auch wenn sie behauptet, er wäre nicht ihr Typ (was man damals als lesbisch auslegte, ach, schön waren diese offenen und freidenkenden Zeiten). Man kann sie in „Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück“ erspähen und sie hat einen Gastauftritt in der Serie „By Any Means“. Inzwischen sind auch ihre Auftritte an der Seite von Patrick Macnee auf deutsch in zwei DVD-Boxen von „Mit Schirm, Charme und Melone“ erhältlich, wer also sehen möchte, wie sie sich geschlagen hat, bevor ihr Bond den Kopf verdrehte, kann das problemlos nachholen.
Offiziell heißt es, dass Steeds spätere Kollegin Joanna Lumley auch in „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ dabei sein soll (imdb führt sie als „The English Girl“ auf) – Sie müssen aber sehr genau aufpassen, um sie zwischen all den Mädchen nicht zu verpassen.
Ebenfalls in diesem Film spielt aber die wohl bekannteste Dame aus „Mit Schirm, Charme und Melone“ eine weit größere Rolle: Diana Rigg als Tracy, die Frau, die Bond liebt, heiratet und verliert. Rigg ist nur einer der Gründe, warum „Geheimdienst“ einer der besten Bond Filme aller Zeiten ist, denn sie ist in ihrer gebrochenen Rolle großartig und hinterlässt bleibenden Eindruck. Auch bei „Mit Schirm…“ ist sie einer der Höhepunkte. Es wird ja immer gesagt, dass es keine guten Rollen für Frauen gäbe. Trotz Talent und Schönheit scheint ihr die richtig große internationale Karriere irgendwie versagt geblieben zu sein, was ausgesprochen schade ist. In letzter Zeit sah man sie u.a. in „Extras“, „Doctor Who“ und dem großartigen „Game of Thrones“, wo sie ein bisschen die Rolle spielt, die Maggie Smith in „Downton Abbey“ hat. Bei „Schirm, Charme und Melone“ ist sie eine starke Frau, intelligent, sexy und witzig. Man mag über das gelegentliche Lederoutfit hinwegsehen, aber trotz allem dürfte dies wohl eine der emanzipiertesten Rollen der damaligen Zeit gewesen sein. Und sie steht ihrem Begleiter John Steed in nichts nach.
Der wird bekanntlich gespielt von Patrick Macnee (und gesprochen von Bond Stimme Gert Günther Hoffmann). Auch er, dessen Serie wahrscheinlich, wie vieles seinerzeit, durch die Bond Filme erst möglich wurde, gibt sich die Ehre beim Agenten Ihrer Majestät. In „Im Angesicht des Todes“ spielt er Tibbet, der zusammen mit Bond Moore arbeitet – und durch Grace Jones kein gutes Ende nimmt. Macnee erscheint, wie auch die Roger Moore Bondgirls Jane Seymour und Britt Ekland, in der Serie „Kampfstern Galactica“, hat einen Gastauftritt bei „Magnum“, ist Kapitän bei „Columbo“ und gab zweimal den Dr. Watson, einmal mit Roger Moore und einmal mit Christopher Lee als Sherlock Holmes. In dem grauenvollen „Mit Schirm, Charme und Melone“ Film ist er als Unsichtbarer dabei – möglicherweise, weil er in diesem Machwerk nicht gesehen werden wollte?!
Du drehst nur zweimal
In „Diamantenfieber“, das zeigt uns die DVD, hätte es beinahe eine Szene mit Sammy Davis jr. gegeben. Er kommt ins Kasino und traut seinen Augen nicht, dass er da den bekanntesten, berühmtesten, weltweit anerkanntesten GEHEIMagenten Englands sieht. Allein von diesem Standpunkt ist es vielleicht ganz gut, dass es die Szene nicht in den Film geschafft hat, denn dass James Bond, dessen Arbeit eigentlich irgendwie undercover sein sollte, von einer Film- und Showgröße in Las Vegas erkannt wird, wäre dann doch vielleicht ein bisschen zuviel.
Читать дальше