Experten schätzen, dass mindestens einer von drei Online-Shops schon nach spätestens zwei Jahren wieder seine virtuellen Eingangstüren schließt. Dabei sind die Gründe vielfältig. Einer dürfte darin zu finden sein, dass es schlichtweg sehr einfach ist, einen Online-Shop zu erstellen und online zu gehen. Dank Mietshoplösungen und Baukastensystemen brauchen Sie weder technisches Vorwissen, noch ein großes Startkapital, um loslegen zu können. Doch was sich nach einem Vorteil für angehende Webseller anhört, kann sich auch im Nachhinein als Nachteil erweisen. So verlockt die schnelle Umsetzbarkeit nämlich häufig zu einem überstürzten Aufbruch in die Welt des e-Commerce. Bevor Sie sich an die Gestaltung und Umsetzung eines Shops wagen sollten, stehen jede Menge wichtige Aufgaben auf Ihrer Agenda. Und die erste, allerwichtigste ist die Suche nach einer nachhaltigen, lukrativen Geschäftsidee.
Wenn man sich überlegt, wie man mit dem Verkauf von Produkten oder Dienstleistungsangeboten Geld verdienen könnte, orientiert man sich zunächst in der Regel an bestehenden Konzepten. Der Online-Markt ist extrem vielfältig – Sie können im Internet faktisch alles kaufen. Das bedeutet zwangsläufig auch, dass Sie mit Ihrer Geschäftsidee auf Mitbewerber treffen werden. Je nachdem, wie groß die Anzahl dieser Mitbewerber ist und wie mächtig dabei die einzelnen Anbieter sind, desto umkämpfter ist der Markt – und so niedriger die Marge! So wäre es mit Sicherheit keine gute Idee, als tausendster Shop in den Vertrieb von Flachbild-TVs und Blu-ray-Playern einzusteigen und sich mit Saturn, Mediamarkt, Redcoon und Co. messen zu wollen.
1.2 Eine Nische finden
Was verspricht Erfolg?
Sollten Sie sich von dem Kauf dieses eBooks erhofft haben, dass wir Ihnen frei Haus dutzende Geschäftsideen mit Erfolgsgarantie liefern, müssen wir Sie leider enttäuschen. Was wir allerdings sehr wohl leisten können, ist es, zu umreißen, was eine vielversprechende Geschäftsidee auszeichnet. So sollten Sie sich möglichst davon verabschieden nach Produkten zu suchen, die jeder Mensch braucht, die aber noch kein anderer anbietet. Das wird nicht funktionieren. Schaut man sich erfolgreiche Start-ups der letzten Jahre an, fällt auf, dass viele keineswegs Massenprodukte für einen Massenmarkt anbieten, sondern sich ganz bewusst eine Nische im Online-Handel gesucht haben. Das ist kein Zufall, denn tatsächlich ist es erfolgversprechender, sich an einen kleinen Kreis möglicher Interessenten zu wenden und dabei wenige Mitbewerber zu haben, als ein massenkompatibles Sortiment zu führen, das man aber bei hunderten anderen Shops in ähnlicher Form findet.
Da man als Existenzgründer meist nur ein begrenztes Startkapital zur Verfügung hat, sollte man sich schon im Vorfeld darüber im Klaren sein, dass man sein Sortiment möglichst klein halten sollte. Bedenken Sie, dass Sie alles, was Sie Ihren Kunden anbieten wollen, zumindest in kleinen Stückzahlen auch vorrätig haben sollten. Und das kostet und bindet Geld. Wenig sinnvoll ist es also, mit tausenden unterschiedlichen Produkten zu planen. Konzentrieren Sie sich lieber zunächst auf eine überschaubare Größe – möglicherweise nur einige Dutzend Produkte. Diese Beschränkung ergibt sich möglicherweise auch anfangs von ganz alleine, wenn Sie sich eine kleine Nische im Online-Handel suchen wollen. Überlegen Sie sich beispielsweise, mit dem Verkauf von Spielzeug Geld zu verdienen, werden Sie wohl kaum mit MyToys.de oder Toys’r’us konkurrieren können und wollen. Stattdessen ist es sinnvoller, sich auf einen kleinen Spielzeugbereich zu beschränken: beispielsweise Holzspielzeug aus Skandinavien, Retro-Spielzeug aus den 1980ern, ausschließlich in Handarbeit hergestelltes Spielzeug, grundgereinigtes gebrauchtes Spielzeug, oder von Pädagogen mit „sehr gut“ bewertetes Spielzeug. Je spezieller Sie mit Ihrem Sortiment werden, desto wenige Mitbewerber werden Sie auf dem Markt vorfinden. Und: umso größer sind Ihre Chancen, sich in Ihrer gefundenen Nische einen Namen zu machen.
Ein Blick über die Grenze
Interessante Ansätze für potenziell lukrative Geschäftsideen ergeben sich, wenn man einmal über den deutschen Tellerrand hinausschaut. Was gibt es dort, was es hier nicht oder zumindest nur selten gibt. Bleiben wir beim Beispiel „Spielzeug“. Schaut man sich hier den amerikanischen oder asiatischen Markt an, findet man dort beispielsweise hunderte unterschiedliche Mini-Kaugummiautomaten, Flipper, Spielautomaten und ähnliches, die zu den absoluten Verkaufsschlagern zählen. Bei der Suche nach einem interessanten Sortiment müssen Sie das Rad nicht neu erfinden. Nutzen Sie stattdessen das Internet als Recherchemedium, welche Produkte im Ausland reißenden Absatz finden, bei uns aber nicht angeboten werden. Nehmen Sie sich einmal bewusst die Zeit, mehrere Tage lang in den weltweiten Amazon-Shopseiten nach den dortigen Verkaufsschlagern zu suchen. Notieren Sie sich interessante Produkte, checken Sie das Angebot im deutschen Markt und versuchen Sie abzuschätzen, welche Chancen die Produkte hierzulande haben könnten. Nach und nach werden Sie so eine Liste mit Produkten erstellen, die in Ihrem Sortiment Platz finden könnten.
Beschränken Sie sich bei Ihrer ersten Recherche nicht nur auf die virtuelle Welt. Lohnenswerte Anlaufstellen sind zum Beispiel auch Messen, in denen Hersteller und Importeure ihre Produkte vorstellen. Zielgruppe dieser Messen sind Groß- und Einzelhändler, die die ausgestellte Ware meist in Großmengen abnehmen. Verkaufsabschlüsse sollten Sie zu diesem Zeitpunkt zwar noch tunlichst vermeiden, doch der Besuch solcher Veranstaltungen kann sich insofern lohnen, dass Sie sich inspirieren lassen und vielleicht schon den ein oder anderen Kontakt zu möglichen Lieferanten knüpfen.
Ein anderer Ansatz, um im Internet erfolgreich zu sein, ist das Suchen nach einer Dienstleistungslücke und keiner Sortimentslücke. Eine interessante Möglichkeit ist er hier, sich zu überlegen, in welchen Bereichen die On- und Offline-Welt noch nicht perfekt miteinander kombinieren. Nehmen wir das Beispiel „Mode“. Im Internet finden Sie von jedem Label und von jeder Modehandelskette, die etwas auf sich hält, einen eigenen Online-Shop, in dem der Kunde die komplette Kollektion, die er auch in den Filialen findet, bequem kaufen und sich liefern lassen kann. Im Laden gesehen, im Webshop gekauft! Diese Symbiose zeigt perfekt, wie sich der stationäre Handel und der Internethandel perfekt ergänzen können. Doch anders sieht es bei den vielen tausend inhabergeführten Boutiquen aus, die lediglich ihr Geschäft als Vertriebskanal nutzen und auf das Internet verzichten. Solche Marktlücken sind typische potenzielle Geschäftsideen. Denken Sie beispielsweise nur einmal an einen Online-Shop, in dem Kunden nicht nur Waren eines Labels kaufen können, sondern das komplette Sortiment diverser Boutiquen einer Stadt zur Auswahl haben. Kleidung, die Kunden ansonsten nur direkt im Laden kaufen könnten, aber bei keinem anderen Online-Shop. Als Betreiber eines solchen Shops würden Sie zwar fast nur Kunden aus einer bestimmten Region ansprechen, doch Sie hätten ein Alleinstellungsmerkmal. Ein solcher Shop würde eine typische Win-Win-Situation bedeuten. Die Händler bekommen einen zusätzlichen Vertriebskanal, die Kunden können Kleidung aus ihren Lieblings-Boutiquen endlich auch online kaufen und Sie profitieren von festgelegten Provisionen und bekommen ein attraktives Sortiment auf dem Silbertablett serviert.
Überall nach der Lücke suchen
Der Online-Shop, der das Sortiment lokaler Boutiquen anbietet, ist natürlich nur ein Beispiel von unendlich vielen, wie man mit einem eigenen Webshop durchstarten könnte. Letztendich müssen Sie, wenn Sie sich in absehbarer Zeit selbstständig machen wollen, gar keine Wunderideen von sich selbst erwarten und sich dafür grübelnd an Ihren Schreibtisch zurückziehen. Deutlich sinnvoller ist es, mit wachen Augen und Ohren durchs Leben zu gehen und sich ständig zu fragen, wie Geschäftsabläufe noch optimiert werden könnten und wo Möglichkeiten liegen, auf bislang einfach noch keiner entdeckt hat. Viele erfolgreiche Start-ups verdanken Ihrer Gründung einer einfachen Frage: „Warum gibt es das eigentlich noch nicht?“ Dabei waren es gar nicht immer die Gründer selber, die diese Lücken gefunden haben. Sie haben einfach nur gut zugehört, wenn andere sich über ihre Wünsche und Bedürfnisse unterhalten haben.
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