Während dessen beobachtete Kristian durch das Fenster das Treiben davor. Er sah nichts Verdächtiges.
»Sie haben doch einen sicheren Tresor«? fragte er den Goldschmied. »Ich glaube schon, dass er sicher ist«, kam es zögernd über seine Lippen.
»Es kann sein, dass jemand fragt, was wir hier wollten. Zu ihrer eigenen Sicherheit sagen sie nichts von den Steinen, sagen sie, ich hätte einen Ring für meine Freundin gekauft.«
»Wen sollte das interessieren«? fragte der Goldschmied. »Sicher haben sie die Einmaligkeit der Steine erkannt, meinen sie nicht, dass das Grund genug wäre, sie sich anzueignen? Später kommt noch ein Stein dazu und alles kommt auf eine Rechnung.« Der Goldschmied machte ein zufriedenes Gesicht. Sie sahen zu, wie er die Steine in seinen Tresor einschloss.
»Wenn ihr wollt, gehen wir noch durch die Stadt, vielleicht möchte jemand ein Eis?« Viel Begeisterung schlug ihm nicht entgegen. Sie machten sich auf den Weg zu ihrem Stammlokal. Jeanette wollte lieber eine Tasse Kaffee und ein Stück Torte. »Hast wohl nicht gefrühstückt«, neckte Kristian sie. Während die Bestellung bearbeitet wurde, ging er ins Lokal und beobachtete durch das Fenster die Umgebung. Er brauchte nicht lange zu suchen, zwei Männer saßen ein paar Tische weiter. Sie unterhielten sich und schauten, wie sie dachten, unauffällig zu ihrem Tisch. Für Reporter hielt er sie nicht. Er ging zurück und erzählte nichts von den beiden Männern. Wenn überhaupt, dann würden sie was von ihm wollen. Eine halbe Stunde später machten sie sich auf den Heimweg. Jeanette sah als Erste das schwarze Auto. Kristian befürchtete nicht, dass ihnen auf einer belebten Straße etwas passieren könnte. »Fahrt nach Hause, ich muss jemand besuchen«, sagte er und sprang in das Büro von Heike der Kommissarin. Da das lautlos geschah, bemerkte sie ihn zunächst nicht. Sein Räuspern ließ sie erschreckt zusammenfahren.
»Kristian, sie haben mich erschreckt und ich habe nicht gehört, wie sie reingekommen sind.«
»Ich habe mir gedacht, ich mache mal einen Höflichkeitsbesuch bei einer alten Bekannten.«
»Das ehrt sie, aber sicher haben sie im Moment Besseres um die Ohren.«
»Nein, eigentlich nicht, Lena und ich haben eine Arbeitsteilung. Sie ist für die Verbreitung meiner Geschichten verantwortlich, ich habe jetzt frei.«
»Und da kommen«, sie stockte, »da kommen sie einfach zu mir?« »Wollen sie abstreiten, dass wir alte Bekannte sind?«
»Wie alt?«
»Das wissen sie doch.«
»Kristian, ich mache ihr Spiel nicht mehr mit.«
»Sie haben mir gesagt, dass sie mich für Edra den Außerirdischen halten. Demnach waren wir zusammen auf dem Eiffelturm.« Heikes Räderwerk rotierte.
»Wenn du Edra bist, ja.«
»Und bestehen da noch irgendwelche Zweifel?« Er verwandelte sein Gesicht in das des steckbrieflich gesuchten Verbrechers, das mal in ihrem Büro hing.
»Anscheinend habt ihr ihn gefasst?«
»Ich habe es gewusst.« Sie eilte um ihren Schreibtisch und umarmte ihn stürmisch.
»Du gehst aber ran«, sagte er.
»Du hast mich lange genug hinters Licht geführt.«
»Hast recht, verzeihe mir.«
»Ich kann’s immer noch nicht glauben, das heißt, dran geglaubt habe ich schon immer.«
»Heike, so ganz ohne Eigennutz bin ich nicht gekommen. Wir wurden auf dem Weg in und aus der Stadt verfolgt.«
»Sag mir die Autonummer.« »Oh je, darauf habe ich nicht geachtet. Es gibt sicher viele, die haben wollen, was ich mitgebracht habe. Eigentlich sind wir alle gefährdet. Vielleicht hörst du mal was und kannst mich warnen.« Kristian, du bist mir einer, von einem Abenteuer ins Nächste.«
»Hat dir deine Freundin Frau Humboldt nichts vom Erstkontakt mit meinen neuen Freunden erzählt?«
»Erzähle mal.« »Ich weiß nicht, ob ich dir das erzählen darf. Das Beste ist du sprichst sie nicht darauf an. Meine neuen Freunde haben geholfen, dass ein Attentäter sein Wissen preisgab. Ohne ihr Eingreifen hätten wir nichts aus ihm herausbekommen und nicht das Attentat verhindern können.« »Wieso, waren die auch dort?«
»Sie hatten vorgehabt, mit mir Kontakt aufzunehmen. Dann kam die Sache mit deiner Freundin dazwischen. Sie sind uns einfach gefolgt. So ich muss jetzt zurück.«
»Lass dich mal wieder sehen.«
»Mache ich.«
»Wo warst du«? fragte Jeanette. »Bei der Kommissarin. Sie hält ihre Augen offen. Kann sich einer von euch an das Nummernschild erinnern?« Jessika und Jeanette schauten sich an und machten dann ein schuldbewusstes Gesicht.
»Jeanette, wenn du zurückfährst, achte darauf, ob dir jemand folgt. Ich werde nachher die wichtigsten Sachen in Hannas Haus bringen.«
Er sagte das so, damit alle es auch hörten. Sollte jemand Druck auf sie ausüben, dann konnten sie nur das sagen, was sie wussten.« Hannas Haus war ihm aber zu unsicher. Wer weiß wer dort vorbei kam, auch wenn es unwahrscheinlich war, weil der Ort wegen der Elfen gemieden wurde. Wieder Zuhause, packte er die Sachen in seine Tasche und verschwand vor ihren Augen. Weit hatte er es nicht, sein Haus war ein kleines Bauernhäuschen, mehr eine Kate. Kurt, Jessikas Bruder war Häusermakler und hatte es ihm vermittelt, als die letzte Bewohnerin im hohen Alter gestorben war. Er legte die Tasche zu seinem Geldkoffer, in dem das Geld, das er unter dem Namen Edra durch Lenas Berichte verdient hatte, und vor dem Finanzamt versteckte lag. Danach machte er beides wieder unsichtbar.
»Hast du auch alles gut versteckt«? fragte Großvater, als er zurück war. »Ja, bei Hanna ist es sicher.«
Am nächsten Vormittag wollte er die Lage testen. Gemütlich fuhr er in Richtung Stadt. So oft er auch in den Rückspiegel schaute, fiel ihm nichts auf. Erst kurz vor der Stadt sah er sie. Es war der schwarze BMW. Eine Baustelle, die gestern noch nicht da war, zwang sie anzuhalten. Die Baustellenampel stand auf Rot. Unsichtbar sprang er in ihr Auto. Beide Verfolger hatten ihn nicht bemerkt. Dann schaute der Fahrer in den Rückspiegel und erschrak. »Keine falsche Bewegung, die Hände auf das Armaturenbrett.« Noch geschockt, folgten sie gehorsam.
»Hat euer Auftraggeber euch nicht gesagt, mit wem ihr es zu tun habt?« Stumm schauten beide nach vorne. Dieses ist meine letzte Warnung. Sehe ich euch jemals wieder, oder einen anderen von eurem Auftraggeber, werde ich ihn im Mittelalter entsorgen. Euren Auftraggeber ebenfalls. Er sah, dass die Ampel auf Grün schaltete. Beim Verlassen des Autos nahm er den Beifahrer mit und ließ ihn geschockt auf der Straße stehen. Als Kristian zurückkam, sah er Sorgenfalten auf Großvaters Stirn.
»Was ist Großvater?«
»Ich habe gehört, dass ihr verfolgt wurdet.«
»Ja leider. Ich habe mir die Verfolger soeben vorgeknöpft.« Jessika hielt einen Brief hoch.
»Kristian, ich glaube, dein Problem die richtigen Wissenschaftler zu finden, ist gelöst.«
»Wie kommst du darauf?«
»Hör zu. Ein Dr. Pieper schreibt: „Wir als Technologiegesellschaft möchten ihnen bei der Auswahl der richtigen Kandidaten für das Zusammentreffen mit einer neuen Kultur behilflich sein. Wir möchten ihnen Universalwissenschaftler vorschlagen. Diese sind durch ihre vielseitige Bildung in der Lage, viele unterschiedliche Tätigkeiten auszuführen. Sicher geht es bei der ersten Begegnung darum, den Wissensstand möglichst vieler Gebiete festzustellen. Wissenschaftler, die sich nur in einem Gebiet auskennen, wären dort fehl am Platz. Falls sie unsere Hilfe annehmen, schlagen wir ihnen einige Kandidaten vor. Mit freundlichen Grüßen usw.“
Was hältst du davon?«
»Hört sich gut an. Was für eine Gesellschaft ist das eigentlich?«
»Hier ist ein Anhang. Die Gesellschaft forscht in Hunderten von Technologiefeldern und stellt die Ergebnisse in Form von Patenten und Lizenzen der Industrie zur Verfügung.«
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